1. Herr! Du unerschaff’nes Wesen,
Du noch nie begriff’nes Gut,
Hier kann man die Allmacht lesen,
Die in Deinen Werken ruht.
Großer Gott, Dich einzuschränken
Sind die Himmel ja zu klein;
Und Du schließt (wer kann’s gedenken!)
Dich in eine Hostie ein.
2. Allmacht, doch vielmehr die Liebe,
Was hat Dir der Mensch getan,
Das Dich so inbrünstig triebe,
Fleisch und Blut zu nehmen an?
Und dem Sünder Heil zu werden,
Stiftest Du ein neues Band,
Zu verbleiben stets auf Erden
Im verborg’nen Liebsgewand.
3. Dort in kleinen Brotsgestalten,
O Geheimnis, fasse mich!
Bleibst Du zwar dem Aug’ verhalten,
Doch im Glauben sah ich Dich.
Da der Sinnen schwach’ Empfinden
Dich unmöglich fassen kann,
Lass ich mich vom Glauben binden,
Bete Dich demütigst an.
4. Ja, ich glaub’, dass hier zugegen
Sei im wahren Sakrament,
Den der Juden Herz verwegen
Dort am Kreuzholz nicht erkennt;
Darauf will ich jetzt bestehen,
Ob gleichwohl der Unglaub’ tracht’
Dein geheiligt Wort zu drehen,
Glaub’ ich doch, was Du gesagt.
5. Du, o Jesu, heißt mich hoffen,
Und zu meinem Seelentrost
Sind die Gnadenquellen offen,
Wo ich, Herr, Dich selbst verkost’:
Wo Dein heilig’ Blut mich tränket
Und in mich stets Hoffnung gießt;
Wo mein Herz in Dich versenket
Rechte Frucht des Heils genießt.
6. Was ich hoffe, was ich flehe,
Ist, dass ich, o treuer Gott!
Fest in Deiner Gnad’ bestehe
Zu des Höllenfeindes Spott.
Und wenn ich den Anbruch merke
Der beschloss’nen Nacht des Tods,
Gib, o Herr, mir Kraft und Stärke
Im Genuss des Himmelsbrots.
7. O, Du Ursprung aller Dingen!
Wer bist Du und wer bin ich?
Mach’ mich doch die Liebe zwingen,
Großer Gott, vergisst Du Dich?
Dass Du für ein’ Wurm der Erden,
Ein Geschöpf von Staub und Kot,
Dich erniedrigst, Mensch zu werden,
Ja, zu leiden Pein und Tod?
8. Doch Verwund’rung gehe weiter,
Und Gedächtnis, stehe still;
Seine Lieb’ ist noch bereiter:
Dass sie ihre Maß erfüll’,
Hat Er nach vollbrachtem Leben
Ewig unter uns zu sein,
Selbsten Sich zur Speis’ gegeben,
Fleischt Sich in Gestalten ein.
9. Alle Seine Gnad’ und Güter
Gibt Er ja, Sein Fleisch und Blut.
Was tu ich? Ich liebe wieder
Dich, mein allerhöchstes Gut.
Wie ich kann aus ganzem Herzen
Fang’ ich Dich zu lieben an;
Selbst Dich lieben macht mir Schmerzen,
Weil ich nicht g’nug lieben kann.
10. Jesu, wenn ich Dich genieße,
O, Du wahre Seelenspeis’!
Neue Kräfte in mich gieße,
Dass ich Dich zu lieben weiß;
Du mein Reich, Du mein Verlangen,
Du mein letztes Ziel und End’!
Lass Dich hier mit Lieb’ umfangen,
Wahrer Gott im Sakrament.
11. Deine Liebe mir erwähle
Bis zum letzten Lebenstag.
Jesu, mach mit meiner Seele
Diesen treuen Lieb’svertrag:
Dass wir stets vereinigt bleiben,
Du in mir und ich in Dir,
Bis die Lieb’ nach dem Entleiben
Mich zu Deiner Glory führ’.
12. Wo ich, Herr, vor Deinem Throne
Und vor Deiner Majestät
Ewig lebe, ewig wohne,
Wo die Freude nie vergeht.
Wo ich Dir, o liebster Jesu,
Dort in der Unsterblichkeit,
Ave Jesu, wahres Manhu,
Sing’ in alle Ewigkeit.
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