Donnerstag, 24. Oktober 2013

"Kommentar" zu "Mors certa, hora incerta"

Liebe Cassandra, das war kein Kommentar, das war schon die erste Lateinstunde.
Also, hier für alle Interessierten:
Das mit dem Kommentieren könnten wir lösen, das mit dem Latein leider nicht. Aber ich kann ein halbwegs vernünftiges Buch zum Selbststudium empfehlen: Litera. Es ist, wie ich finde, gut und klar strukturiert und man kann sich recht früh an "echte" Texte wagen.
Ich habe Latein (wie gesagt) innerhalb eines halben Jahres an der Uni gelernt, und zwar so, daß wir im Examen Caesar übersetzt haben.
Caesar hat den Vorteil, daß er ein sehr klares, strukturiertes Latein schreibt ohne größere Anfängerunfreundliche Schnörkel. Von da aus geht man zu Cicero über, der schon tiefer in die Trickkiste greift. Und spätestens damit ist man dann für die Vulgata gewappnet.
Was dafür allerdings als Voraussetzung unabdingbar ist, ist die deutsche Grammatik. man kann nämlich kein Subjekt suchen wenn man keine Ahnung hat, wie das aussieht oder sich die Objekte dazupuzzlen wenn man sich nicht so recht sicher ist, was ein Akkusativ ist. Dabei ist das so einfach!
Nominativ: von nomen, Name. Wer ist das?
Genitiv, von genere, zeugen (wie Genesis sozusagen): wessen? Wessen Kind bist du?
Dativ: von dare, geben. Wem gebe ich was?
Akkusativ: von akkusare/accusare, anklagen. Wen klage ich an?
Ablativ? haben wir im Deutschen nicht, van ablatus- das dazugeschobene, drangehängte: wie? mit welchen Mittel? auf welche Art? woher?
Wenn man das erst mal drin hat, geht Latein ganz einfach. Es ist logisch- im Gegensatz zu anderen Sprachen, die man an der Schule lernen kann. Es schult das Denken. Mir hat Latein ungeheuer viel gebracht.
 ... und was ist mit dem Vocativ? ... aber ich glaube, der wird so selten gebraucht, dass ihn die Schüler nur erkennen können müssen, ohne ihn selbst zu gebrauchen.

Ich versuch's trotzdem mal: von vocare, rufen?

Merci und Vergelt's Gott!

2 Kommentare:

Cassandra hat gesagt…

Der Vocativ: von vocare, rufen, richtig.

Erkennt man daran, daß es fast immer ein Name ist: "Quintus!" ruft man "Quinte!"
Der ist bei Caeasar dankenswert selten.

Im "Katholikengebrauch" hört sich das dann so an:
"Non nobis, Domine, sed nomine tuo da gloriam"
-nicht uns (nom. pl.), Herr (voc.), sondern deinem Namen (dat sing.) gib Ehre (akk. sing.)!"


Wie habe ich rausgefunden, welcher Fall welcher ist?
Deklinationen lernen. Auswenig. Wer Latein machen will, sollte sich eh ein Wörterbuch zulegen, meiner Empfehlung nach den Pons, aber es gibt auch Leute, die auf Langenscheid schwören. Da sind die Tabellen drin, muß man runterrattern bis es sitzt.

Vokabeln:
nomen: Name
sed: sondern, aber
gloria: Ehre
dare: geben (wie Dativ halt)
tuus: dein (männlich)
non: nicht

Es ist wirklich einfach, viel zu verstehen gibt es nicht, also auch nicht viel falsch zu verstehen.

Cassandra hat gesagt…

Dann gibt es noch die Verben. Klar, ohne Verb kein Satz. Verben werden konjugiert.

http://de.wikibooks.org/wiki/Latein/_Grammatik/_Konjugation

So, das war jetzt undidaktisch und erschlagend, aber beim Lernen geht es nur selten drum, alles auf einmal zu können, sondern den Teller in Bissen aufzuteilen. Caesar benutzt fast nur Präsens, also die am einfachsten zu lernende Form, das macht ihn so anfängerfreundlich.


Verben erkennt man an ihren Endungen und die sind im Präsens:

ich lobe: laudo
du lobst: laudas
er lobt: laudat
wir loben: laudamus
ihr lobt: laudatis
sie loben: laudant.

Imperativ (Befehls- oder Aufforderungsform): lauda (sing), laudate (pl)

Für den Katholikengebrauch:
laudate, omnes gentes, laudate Dominum!

was passiert? laudate- da wird zum loben aufgefordert, und zwar im Plural. Also gucken, wer im Plural da steht. Die Völker (gens), und zwar "omnes", also alle. Man könnte fast von einem Superplural reden :-)
Das läßt fragen: wen soll ich denn loben? Also suchen wir nach einem Akkusativ und finden ihn mit der -um-Endung und weil wir ja die Deklinationen kennen, wissen wir: Nominativ ist dann "-us" und dann finden wir den Herrn auch im Wörterbuch, wo nur die Nominative und der dazugehörige Genitiv stehen. Warum steht da denn der Genitiv? Weil ich an dem erkenne, welcher Deklination der Nomen folgt.

Im Verlauf des Mittelters setzt die Schlumpfigkeit ein und aus "laudant" wird öfters "laudent", aber das soll uns jetzt nicht kümmern.