Montag, 20. April 2015

"Mein" Latein und ich

... tja, da behaupte ich doch ständig, ich könne kein Latein - und dann stimmt das doch, was ich da so von mir gebe. Jedenfalls nicht besonders selten.
Und vielleicht hat sich ja schon so mancher gefragt, wie das zusammenpasst.

Folgendermaßen:

Ich bin vor dem 2. Vaticanum geboren, kann mich aber aus meiner Kindheit an keine lateinische Hl. Messe erinnern. An Festtagen hat unser Pfarrer die Wandlung (nicht nur die konkreten Wandlungsworte) auf lateinisch gesprochen und noch ein paar Gebete.

Als ich dann ungefähr 10 Jahre alt war, bekamen wir einen neuen Pfarrer und mit dem Schulchor haben wir ab dieser Zeit immer wieder mal (mir scheint in der Erinnerung: regelmäßig, aber durchaus nicht jeden Sonntag) die üblichen lateinischen Texte zur Hl. Messe gesungen:
Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei. Auf "gregorianisch".

In der 6. Schulklasse hat mich dann der Schulchordirigent in den Kirchenchor eingeladen und meine Eltern haben zugestimmt, denn ich wurde nach der Chorprobe (nachts nach halb zehn!) mit dem Auto nach Hause gebracht von guten Bekannten meiner Eltern.

Da haben wir dann mehrstimmige Stücke geprobt und natürlich auch gesungen:
Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei.

Unser Dirigent war nicht nur Musiker, sondern auch ein gläubiger Mensch, und dann hat er uns halt von Zeit zu Zeit ermahnt. Z. B.:
"Denkt doch mal dran, was ihr da singt! Kyrie Eleison! Herr, erbarme dich! Das muss flehend kommen, das könnt ihr nicht so einfach runtersingen!"

Und nachdem ich mich für Fremdsprachen interessiere und nun "ständig" mit solchen Texten zu tun hatte, haben sich mir solche Übersetzungsfragmente eingeprägt.

Irgendwann haben wir auch die Vespere solennes de confessore von Mozart gesungen, und da hab ich auch ein paar Übersetzungsfragmente aus dem Psalmen gelernt.

Tja, und nun habe ich hier seit vier Jahren die Möglichkeit, in die lateinische Messe zu gehen. Schott aus dem Bücherregal meiner (!) Mutter vorhanden*.
Und dann sitzt man im Gottesdienst und liest mit? Nein, ich singe dann doch lieber, das fehlt mir, da ich nicht mehr im Chor singen kann ...
Also: Samstag Abend, Schott, und dann gelesen: erst den deutschen Text, dann den lateinischen, erst satzweise, mit der Zeit dann abschnittsweise. Und mittlerweile erst lateinisch und dann deutsch.

Und so bin ich inzwischen doch zu einem recht guten Verständnis der lateinischen Sprache gekommen, und daher habe ich auch (bis auf das Akkusativ-m - und das stimmt ja nicht immer) keine Ahnung von der lateinischen Grammatik und bin auf mein Gefühl und - ein großes Vergelt's Gott! - auf Hilfe von anderen angewiesen.

* "Den Schott brauchen wir ja nicht mehr, den kannst du haben!", lange bevor es in unserer Gegend WIEDER lateinische Messen gab. Der stand dann erstmal über zwei Jahrzehnte unbenutzt in meinem Bücherregal rum. Aber wegwerfen? NEIN!

PS.: Frage an die Musiker unter meinen Lesern: Welche Aufnahme findet ihr schöner?
Die erste Aufnahme habe ich nach kurzer Zeit abgebrochen (vielleicht nur, weil ich den Text nicht verstanden habe?), die zweite läuft noch immer. Gerade wird das Laudate Dominum begonnen.

2 Kommentare:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Tja, welche Aufnahme wählen? Lässt sich schwer sagen ...

... die erste orientiert sich an der sogenannten historisch informierten Aufführungspraxis - soll heißen: Man versucht so zu singen und zu musizieren, wie es zur Zeit Mozarts wahrscheinlich gesungen worden ist (natürlich gibt es da immer noch große Interpretationsspielräume; schließlich hat man nur schriftliche Quellen und keine "Aufnahme"). Insgesamt klingt diese Art meist etwas härter und zackiger, aber in den Details auch feiner.

... die zweite scheint steht eher in einer "romantisch" angehauchten Auffassung. Das klingt oft etwas voller und gefälliger für heutige Ohren.

Ich höre beide Aufführungsweisen gerne, mal die eine Art. mal die andere ... je nach Stimmung und Laune.

Eugenie Roth hat gesagt…

... jetzt hab ich mir die erste Fassung nochmal angehört. Das ist (in meiner Erinnerung nach über 25 Jahren) wohl eher die, welche wir gesungen haben. Aber ich wollte so gerne mitsingen und habe gedacht, bei einer anderen versteht man den Text (zu meiner Orientierung) besser.
Die Noten gehören ja dem Chor ... ich habe nur meine Erinnerung ... und die ist recht gut!