Der
Eingang der heiligen Messe ist wie am dreiundzwanzigsten Sonntage
nach Pfingsten.
Gebet der Kirche
Wir bitten dich, o Herr, erwecke die Herzen deiner Gläubigen, damit
sie die Früchte deines göttlichen Erlösungswerkes williger zu
erlangen suchen und wirksamere Heilmittel von deiner Vaterhand
empfangen mögen – durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn
... Amen.
Epistel des Hl. Paulus an die Kolosser
1, 9 - 14
Brüder! Wir hören nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, dass
ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis des Willens Gottes in aller
Weisheit und dem geistigen Verständnisse; dass ihr Gottes würdig
wandelt, in allem wohlgefällig, an allen guten Werken fruchtbar seid
und zunehmet in der Erkenntnis Gottes; dass ihr mit aller Kraft
gestärkt werdet gemäß der Macht seiner Herrlichkeit, zu aller
Geduld und Langmut mit Freuden, und dass ihr Dank saget Gott, dem
Vater, der uns tüchtig gemacht hat, teilzunehmen am Erbe der
Heiligen im Lichte, welcher uns errettet hat aus der Gewalt der
Finsternis und versetzt hat in das Reich des Sohnes seiner Liebe, in
welchem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der
Sünden.
Paulus versichert die Kolosser, dass er nicht
nachlasse, für sie Gott zu bitten, dass sie den Willen Gottes in
allem, was er verlangt, erfüllen mögen; dass der Herr uns die Gnade
erteilen wolle, die himmlischen Dinge zu erkennen und zu verstehen;
dass wir christliche Werke ausüben und in der Geduld und
Beharrlichkeit gestärkt werden, endlich aber auch Gott danken, dass
er uns zu seiner himmlischen Erbschaft berufen.
Evangelium des Hl. Matthäus
24, 15 - 35
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr den Greuel
der Verwüstung, welcher von dem Propheten Daniel vorhergesagt
worden, am heiligen Orte stehen sehet, - wer das liest, der verstehe
es wohl! - dann fliehe, wer in Judäa ist, auf die Berge; und wer auf
dem Dache ist, der steige nicht herab, um etwas aus seinem Hause zu
holen; und wer auf dem Felde ist, kehre nicht zurück, um seinen Rock
zu holen. Und wehe den Schwangeren und Säugenden in jenen Tagen!
Bittet aber, dass eure Flucht nicht im Winter oder am Sabbate
geschehe. Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein dergleichen
von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist noch fernerhin sein
wird. Und wenn dieselben Tage nicht abgekürzt würden, so würde
kein Mensch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden
jene Tage abgekürzt werden. Wenn alsdann jemand zu euch sagt: Siehe,
hier ist Christus, oder dort! So glaubt es nicht. Denn es werden
falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und sie werden große
Zeichen und Wunder tun, so dass auch die Auserwählten (wenn es
möglich wäre) in Irrtum geführt würden. Siehe, ich habe es euch
vorhergesagt! Wenn sie euch also sagen: Siehe, er ist in der Wüste!
So gehet nicht hinaus; siehe er ist in den Kammern! So glaubet es
nicht. Den gleichwie der Blitz vom Aufgange ausgeht und bis zum
Untergange leuchtet, ebenso wird es auch mit der Ankunft des
Menschensohnes sein. Wo immer ein Aas ist, da versammeln sich auch
die Adler. Sogleich aber nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne
verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht mehr geben, und
die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels
erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am
Himmel erscheinen, und dann werden alle Geschlechter der Erde
weheklagen, und sie werden den Menschensohn kommen sehen in den
Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird
seine Engel mit der Posaune senden mit großem Schalle, und sie
werden seine Auserwählten von den vier Winden, vom einen Ende des
Himmels bis zum andern zusammenbringen. Vom Feigenbaume aber lernet
das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon zart wird und die Blätter
hervorgewachsen sind, so wisset ihr, dass der Sommer nahe ist. So
auch, wenn ihr dies alles sehet, so wisset, dass es nahe vor der Türe
ist. Wahrlich, sage ich euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen,
bis dies alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine
Worte werden nicht vergehen.
Dieses Evangelium bezieht sich nach den
Schriftauslegern sowohl auf die Zerstörung Jerusalems als auf das
Ende der Welt, auf die Zeit, wo der Antichrist kommen wird.
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Etwas vom Antichrist
Was viele Lehrer der Kirche über den Antichrist lehren, ist in Kürze dieses:
Er werde, sagen sie, von überaus gottlosen Eltern
abstammen, leibeigenen Sklaven des Teufels. Dieser werde dem
Antichrist schon im ersten Augenblicke seiner Empfängnis solche
höllische Neigungen einflößen, als wenn nicht ein Mensch, sondern
Luzifer selbst sein Vater gewesen wäre. Nach der Geburt werde
Luzifer sein Lehrmeister sein in allen erdenklichen Lastern,
dergleichen die Welt noch nie an einem Menschen gesehen. Nach der
gewöhnlichen Auslegung des zweiten Kapitels im zweiten Briefe des
Apostels Paulus an die Thessalonicher werde Luzifer persönlich in
ihm wohnen.
Der Hl. Paulus nennt nämlich daselbst (Vers 3) den
Antichrist einen „Menschen der Sünde“, in welchem gleichsam die
Sünde leibhaftig wohne, und ein „Sohn des Verderbens“, weil er
schier unzählige Menschen verführen und ins ewige Verderben stürzen
werde. - Die Ankunft dieses menschgewordenen Luzifer werden seine
Vorläufer verkünden; diese werden ein falscher Elias und Beelzebub
in der Gestalt eines Engels sein. Alsdann werde der Antichrist wie
sein Lehrmeister Luzifer dergestalt sich erheben, dass er sich für
Gott ausgeben und sich als solcher anbeten lassen werde (2 Thess
2, 4). Er werde ferner mit Hilfe der bösen Geister – nach
Christi Weissagung – solche Wunder und Zeichen tun, dass, wen es
möglich wäre, selbst die Auserwählten verführt würden. An allen
Elementen, ja selbst an den Verstorbenen werde er Zeichen tun; alle,
die im wahren Glauben verharren, werde er aufs grausamste peinigen
lassen.
Warum aber wird Gott zulassen, dass ein solches Ungeheuer zur Welt kommen soll?
Um der argen Gottlosigkeit willen, die um jene Zeit
wird überhandgenommen haben. Der größte Teil der Menschen wird
nämlich so gottlos leben, als wenn weder Gott noch Hölle wäre.
Darum hat Christus vorhergesagt: „Wenn der Menschensohn kommen wird
(zum Gerichte), wird er wohl Glauben finden?“ (Lk 18, 8).
Desgleichen hat der Hl. Paulus vorausverkündet, dass „in diesen
letzten Zeiten einige vom Glauben abfallen und irreführenden
Geistern und Teufelslehrern Gehör geben werden“ (1 Tim 4, 1).
Darum wird Gott zulassen, dass die Juden, welche, von Hoffart
aufgeblasen, Christum, den wahren Messias, in seiner Armut verworfen
haben, den leidigen Saten in seiner Hoffart annehmen und anbeten
werden, und dass die Namenschristen, welche durch ihr gottloses Leben
Christum verläugnen (Tit 1, 16), seiner heiligen Lehre
widersprechen und dem Teufel folgen, denselben auch in seinem
Ebenbilde, dem Antichrist, anbeten werden. Das wird Gott zulassen,
weil es ihre Sünden also verdienen.
Welchen Trost werden die guten Christen zur Zeit des Antichrist haben?
Es ist schon ein großer Trost, dass Christus uns
diesen eingefleischten Teufel so deutlich vorhergesagt und auch auf
die Weissagung Daniels hingewiesen hat, damit man sich hüten möge.
Gott wird zum Troste der getreuen Christen den Henoch
und Elias senden, welche im Paradiese weilen; diese werden sie aus
den Propheten und aus den andern Büchern der Heiligen Schrift
überzeugen, dass der Antichrist wirklich jener Mensch der Sünde und
jener Sohn des Verderbens sei, den Christuns und die Heilige Schrift
vorhergesagt haben (Ofb 11, 7; Eccli 44, 16 und 48, 9. 10).
Auch Henoch und Elias werden überaus große
Wunderzeichen tun, wodurch den bedrängten Christen Trost zuteil
wird. Noch mehr wird Gott sie trösten, indem er die Tage des
Antichrists verkürzen wird, damit nicht auch die Gerechten noch der
Verführung erliegen.
Letztlich wird Gott vor der ganzen Welt zeigen, dass
der Antichrist ein von Gott verfluchter Mensch gewesen, und plötzlich
denselben in die Hölle stürzen. Alsdann werden die standhaft
gebliebenen Christen so sehr sich freuen, dass sie frohlockend ihre
Hände zusammenschlagen, gen Himmel erheben und dem lieben Gott, der
sie durch seine Gnade erhalten, danken werden.
Gebet
Wir danken dir, o Herr Jesu Christe, dass du so väterlich alle
christlichen Herzen unterweisest, wie sie sich in Verfolgung und
Trübsal verhalten sollen, und bitten dich demütig um die
Gnade, dass wir so heilsamer Warnung folgen und beizeiten auf die
Berge der Tugenden uns flüchten, das ist: die Sünden stets fliehen,
im Guten immerdar fortschreiten und nicht auf das Vergangene
zurückschauen, außer in herzlicher Reue und Leid. Bewahre uns
auch, o gütiger Heiland, dass das erschreckliche Wehe, welches du
denen androhest, die ihre guten Vorsätze und Besserung des
Lebens bis zu einer ihnen gelegenen Zeit aufschieben, nicht über uns
komme. Mahne und ermuntere uns träge Menschen, dass wir unsere
Flucht nicht im Winter der erkalteten Liebe oder am Sabbate
anstellen, wo man feiert und nichts arbeiten kann, sondern dass wir
Gutes tun ohne Unterlass, da wir noch Zeit haben und uns noch
die Gnadensonne scheint. Wir bitten auch inniglich, du wollest
uns nimmer durch falsche Lehre verführt werden lassen, sondern
die Gnade verleihen, dass wir in dem wahren und alleinseligmachenden
katholischen Glauben gottselig leben und sterben. Amen.
Anmerkung. Wenn mehr als 24 Sonntage nach
Pfingsten fallen, so werden die treffenden Lektionen und Evangelien
von jenen Sonntagen entnommen, welche nach dem Feste der heiligen
drei Könige folgen, jedoch so, dass die Lektion mit dem Evangelium
„vom Greuel der Verwüstung“ jedesmal am letzten
Sonntag nach Pfingsten gelesen wird.
Sind also 25 Sonntage nach Pfingsten, so wird zwischen dem 23. und
24. Sonntag die Lektion und das Evangelium des 6. Sonntags nach
heiligen drei Könige (Epiphanie) eingeschoben; sind es 26 Sonntage,
so werden die Lektionen und Evangelien des 5. und 6. Sonntags nach
Dreikönig eingeschoben u. s. w. Die höchste Zahl der Sonntage nach
Pfingsten ist 28. Tritt dieser Fall ein, so werden mithin die
Lektionen und Evangelien des 3., 4., 5. und 6. Sonntags nach
Epiphanie zwischen jene des 23. und 24. Sonntags nach Pfingsten
eingeschaltet.
Quelle
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