Montag, 11. Februar 2013

Unterricht von der vierzigtägigen Fasten oder Quadragesima


Wer hat die vierzigtägigen Fasten angeordnet?

Die heiligen Apostel, durch das Beispiel Christi, des Herrn, bewogen, wie solches aus den heiligen Vätern der Kirche genugsam be­wiesen werden kann.

Warum halten wir die Fasten?


Erstlich tun wir das aus Gehorsam gegen die katholische Kirche; denn wer diese verachtet und schmäht, wenn sie uns Fasttage vorschreibt und dergleichen, der verachtet und schmäht Gott selbst (Lk 10, 16); 2. damit das Fleisch dem Geiste untertänig werde, um so ein keusches und reines Leben zu führen; 3. damit wir dadurch für unsere Sünden genugtun.

Ist das Fastengebot nicht ein Gebot von Menschen?
Es ist zwar ein Gebot von Menschen, aber von solchen, welche uns die Kirche Gottes vorstellen, die uns an Gottes Statt und aus Einge­bung Gottes solches befiehlt; und darum will Gott auch, das wir ihr, wie ihm selbst, wenn er in eigener Person etwas befehlen würde, gehorsamen sollen (Mt 18, 17).

Aus welchem Grunde gebietet uns die Kirche die Enthaltung von Fleisch­speisen an gewissen Tagen?
Aus keinem andern, als wie Gott selbst unsern ersten Eltern im Pa­radiese den Apfel (Gen 3, 3) und den Juden das Schweinefleisch verbo­ten hat (Lev 11, 7. 8). Wenn uns Katholiken nachgeredet wird, als täten wir das nur aus einer abergläubischen Einbildung, wie wenn das Fleisch an sich böse wäre, so ist das nur eine schändliche Schmachrede und erdachte Lüge boshafter Menschen, die nichts anderes dabei suchen, als das gemeine Volk zur Verachtung der Gebote der Kirche zu verfüh­ren.

Kann man auch beweisen, dass es Gott angenehm sei, sich gewisser Speisen zu enthalten?
Ja; denn wir lesen (Jer 35, 6), dass Jonadab seinen Nachkömmlingen den Wein verboten habe, welches Gebot sie auch gehalten und darum von Gott belohnt worden sind. Der Hl. Johannes der Täufer hat sich des Weines und starken Getränks enthalten (Lk 1, 15). Die ersten Christen haben auf Anordnung der Apostel sich vom Fleische der erstickten Tiere und vom Blute enthalten (Apg 15, 29).

Welche sind schuldig, die vierzigtätige Fasten zu halten?
Vom Fleischessen sind alle vom siebenten Lebensjahre an verpflichtet sich zu enthalten; die aber 21 Jahre alt sind, müssen sich überdies mit einer einzigen Sättigung des Tages (jedoch nicht vor der Mittagszeit) begnügen.

Ist es nicht erlaubt, des Abends etwas zu essen?
Doch etwa so viel, als den vierten Teil einer ordentlichen Mahlzeit aus­machen würde. Aber „manche setzen so viele Speisen auf die Tafel und essen so viel davon,“ spricht der erleuchtete Kardinal Bellarmin, „dass die Seele davon stirbt!“ Bist du im Zweifel hierüber, so frage deinen Beichtvater um Rat.

Sind auch etliche von diesem Gebote der vierzigtätigen Fasten ausgenom­men?
Ja, nämlich alte Leute (vom 60. Jahre an), Kranke, säugende und schwangere Frauen, ferner diejenigen, welche schwere Arbeit oder eine Reise tun müssen, desgleichen die Armen, die keine ausreichende Nah­rung haben; alle diese mögen essen, so oft es ihnen vonnöten ist, je­doch kein Fleisch.

Darf man auch, wenn es die Not oder eine Krankheit erfordert, Fleisch essen?
Ja; doch soll man die seinem Seelsorger zu erkennen geben und von ihm Dispens erbitten.

Der Hl. Ambrosius schreibt über das Fasten: „Wer sagt, er bleibe in Christo, der muss auch so wandeln, gleichwie Christus gewandelt ist: er, der keine Sünde getan hat, hat für unsere Sünden gefastet. Was bist du aber für ein Christ, wen du wohl issest, während Christus für dich hungerte?“

Wie soll man die heilige Fastenzeit mit geistlichem Nutzen zubringen?
Nach der Lehre des Hl. Augustinus soll man sich nicht allein vom Fleisch Essen und doppelten Mahlzeiten enthalten, sondern vor allem von den unziemlichen Lüsten und von jeglicher Gottlosigkeit, was das vollkommenste Fasten sei. Wir halten also auf dieser Welt die vollkom­menste Fasten, wenn wir fromm leben und uns von Sünden enthalten. Auf dass man aber die Fastenzeit mit desto größerem Verdienste halte, ist es gar nützlich, Gott dem Herrn dieselbe täglich durch Übung der gu­ten Meinung aufzuopfern und verschiedene gute und darum verdienstli­che Meinungen dabei zu machen.

Wie viele gute Meinungen kann man dabei machen?
Hauptsächlich folgende vier: 1. dass wir damit unserer Mutter, der Braut Christi, der christkatholischen Kirche, um Gottes willen den schuldigen Gehorsam leisten; 2. dass wir unsern Leib durch die Kasteiung Gott zum Opfer dargeben; 3. dass wir genugtun für die begangenen Sünden; 4. dass wir von Gott die Gnade erlangen, die Sünden zu meiden und die christlichen Tugenden zu üben.

Welchen Gebeten und frommen Übungen soll man sich in der Fastenzeit besonders hingeben?
Solchen, die sich auf das bittere Leiden des Herrn beziehen, als da sind: der heilige Kreuzweg, der schmerzhafte Rosenkranz, die Vereh­rung der heiligen fünf Wunden, die Litanei vom Leiden Christi u. dgl.

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Art und Weise, die gute Meinung für die Fasten zu machen

O Herr Jesu! In Vereinigung mit deinem Fasten opfere ich dir auf mein Fasten, aus Gehorsam gegen die Kirche, zu deiner Ehre und zur Dank­sagung für so viele empfangene Wohltaten, zur Genugtuung für meine und anderer Sünden, zu Erlangung aller christlichen Tugenden ...
Quelle

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