Gebet der Kirche
Deine allvermögende Erbarmung, o Herr, sei stets die Leiterin
unseres Herzens, weil wir ohne dich nicht gefallen können –
darum bitten wir dich durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn
... Amen.
Epistel des Hl. Paulus an die Korinther
I. 1, 2 – 8
Brüder! Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade
Gottes, die euch in Jesu Christo gegeben ist, dass ihr in allem durch
ihn reich geworden seid, in aller Lehre und in aller Erkenntnis; wie
denn das Zeugnis von Chriso in euch bekräftigt worden ist, so dass
es euch an keiner Gnade mangelt in der Erwartung der Offenbarung
unseres Herrn Jesu Christi, welcher euch auch bis ans Ende
befestigen wird, so dass ihr ohne Sünde seid am Tage der Ankunft
unseres Herrn Jesu Christi.
Der heilige Apostel Paulus zeigt hier, dass er die
wahre Liebe gegen den Nächsten hatte, indem er sich darüber freute,
dass die Christen zu Korinth mit verschiedenen Gaben Gottes und mit
der Erkenntnis Jesu Christi bereichert worden. Wer sich über die
Wohlfahrt seines Nächsten freut, der macht sich auch dessen Güter
teilhaftig. „Danket allezeit Gott für alle“ (Eph 5, 20).
Wie soll man für seinen Nächsten beten?
Nach dem Beispiele des heiligen Apostels Paulus (Phil
1, 3 ff.): dass seine Liebe je länger desto größer werde;
dass er wachse in der Erkenntnis des göttlichen Willens und
gottgefällig wandle; dass er fruchtbar sei in guten Werken und
zunehme in der Erkenntnis Gottes; dass er gestärkt werde mit der
Kraft Gottes; dass er geduldig und langmütig sei und Gott mit
Freuden danke. - Freue dich, dass du die Gaben, die du selber nicht
hast, in deinem Nächsten besitzest; denn auf diese Weise wirst du
dich fremder Güter teilhaftig machen, spricht der Hl. Augustinus.
Evangelium des Hl. Matthäus
9, 1 – 8
In jener Zeit stieg Jesus in ein Schifflein, fuhr über und kam in
seine Stadt (Kapharnaum). Und siehe, sie brachten zu ihm einen
Gichtbrüchigen, der auf einem Bette lag. Da nun Jesus ihren
Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost mein Sohn,
deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, einige von den
Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott! Und
da Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denket ihr Böses
in euern Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir
vergeben, oder zu sagen: Steh auf und wandle umher? Damit ihr aber
wisset, dass des Menschen Sohn Macht habe, die Sünden zu vergeben
auf Erden (sprach er zu dem Gichtbrüchigen): Steh auf, nimm dein
Bett und geh in dein Haus! Und er stand auf und ging in sein Haus. Da
aber das Volk dieses sah, fürchtete es sich und pries Gott, der
solche Macht den Menschen gegeben hat.
Welche Stadt Christi ist hier gemeint?
Kapharnaum, welches darum seine Stadt genannt wird,
weil er sich oft darin aufhielt und viele Wunder wirkte. - Von jenen
Leuten, die den Gichtbrüchigen zu Christus gebracht haben, lerne,
wieviel bei Gott die Fürbitte der Gerechten vermag, indem deren
Glauben und Liebe den göttlichen Heiland bewogen haben, dem
Gichtbrüchigen die Sünden zu vergeben und ihn gesund zu machen.
Warum vergab Christus dem Gichtbrüchigen die Sünden, ehe er ihn gesund machte?
Um anzudeuten, dass die Sünden manchmal eine Ursache
der Krankheiten sind; darum sprach Christus zu jenem
achtunddreißigjährigen Kranken am Teiche Bethsaida, den er gesund
gemacht hatte: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige nun nicht
mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres begegne!“ (Joh 5, 14)
Daraus, dass die Schriftgelehrten freventlich Christum als einen
Gotteslästerer verurteilt haben, da er zu dem Gichtbrüchigen sagte:
„Deine Sünden sind dir vergeben“ - können alle, welche
verleugnet und gelästert werden, eine schöne Lehre ziehen, wie sie
sich darüber trösten sollen, da ja Christus selbst als
Gotteslästerer verschrieen wurde.
Was ist eine Gotteslästerung?
Eine Schmachrede wider Gott oder seine Heiligen und
darum eine schwere Sünde wider das erste Gebot Gottes. - Lerne
ferner, dass man sich auch schon mit Gedanken versündigen kann; denn
Christus sagte zu den freventlich urteilenden Juden: „Warum denket
ihr Böses in euern Herzen?“ Um der Gedanken willen sind die Werke,
die aus jenen hervorgehen, gut oder böse, je nachdem die
Gedanken gut oder böse sind.
Bild
Jesus heilt den Gichtbrüchigen
Wenn einer die bösen Gedanken nicht gern hat, sondern dagegen kämpft, wären sie dann auch Sünde?
Nein, sondern durch das Widerstehen verdient man sich
im Gegenteil eine Krone im Himmel.
Zu welchem Ende hat Jesus den Gichtbrüchigen gesund gemacht?
1. Damit alles Volk erkennen möchte, dass er die Macht
habe, Sünden nachzulassen; 2. dass durch dieses Wunderwerk wie
durch alle andern der Name Gottes verherrlicht und gepriesen würde
und das Volk für diese Wohltat Gott danken möchte.
Gebet der Kirche
(wider die bösen Gedanken). Allmächtiger und mildester Gott, siehe
gnädiglich auf unser Gebet und befreie unsere Herzen von den
Anfechtungen der bösen Gedanken, damit sie eine würdige Wohnung des
Heiligen Geistes zu sein verdienen – durch Jesum Christum, deinen
Sohn, unsern Herrn ... Amen.
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Von der Schwere der Todsünde
„Deine Sünden sind dir vergeben“ (Mt 9, 2)
Erwäge, o christliche Seele, die du der Seligkeit
teilhaftig werden willst, die Schwere einer Todsünde aus folgenden
beweglichen Ursachen:
Der Todsünder beleidigt schwer jenen majestätischen
Gott, der die Macht hat, Leib und Seele in die Hölle zu verdammen
(Mt 10, 28); der mit einem Winke die Erde erschüttert, der die Berge
anrührt, dass sie rauchen (Ps 103, 32); dessen Zorn niemand zu
widerstehen vermag, - den reizt der Sünder zum Zorne an! Der die
Schlüssel des Lebens und des Todes hat (Offb 1, 18), der in die
Hölle und wieder herausführt (1 Kön 2, 6), gegen jenen
wirft sich der Sünder auf, in dessen Hände zu fallen so
erschrecklich ist! (Hebr. 10, 31).
Würdest du nicht den für unsinnig halten, der mit dem
Kopfe wider die Wand rennen wollte? Aber viel unsinniger ist der,
welcher wissentlich und freiwillig wider seinen Gott sich versündigt.
Wer bist du denn, der du dich wider deinen Gott und Herrn aufwerfen
darfst? - Bei dem Gedanken, dass eine Kreatur vermessen genug
sein könnte, sich gegen Gott aufzulehnen, begehrt der Psalmist David
Rache von Gott und sagt: „Denke daran: der Feind hat geschmäht den
Herrn, und ein törichtes Volk gereizt deinen Namen!“ (Ps 73, 18).
Nun bitte ich dich: erwäge doch, was und wie gering das sei, um
dessentwillen du deinen Gott und Herrn, deinen Schöpfer, Erlöser
und Seligmacher beleidigst! Deswegen ruft David aus: „Warum hat der
Böse Gott erbittert?“ (Ps 10, 13). Damit will er andeuten und
sagen: Wie gering und vergänglich ist doch das, um dessentwillen der
Sünder durch seine Übertretung Gott zum Zorne reizt! Bedenk es
wohl: „Was nützte es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne,
an seiner Seele aber Schaden litte? Oder was kann der Mensch wohl
geben, um seine Seele wieder einzutauschen?“ (Mt 16, 26).
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Glaubenslehre vom Ablasse
„Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“ (Mt 9, 2)Was ist der Ablass?
Der Ablass ist eine Nachlassung der zeitlichen Strafen,
welche der Mensch entweder in diesem oder in jenem Leben für seine
schon vergebenen Sünden noch zu leiden hätte. Um dieses besser zu
verstehen, muss man wissen, dass bei der Sünde zwei Dinge zu
beachten sind: die Schuld und die zeitliche Strafe. Die Schuld und
die ewige Strafe der Hölle samt einem Teil der zeitlichen Strafe
wird dem reumütigen Sünder in der Beicht nachgelassen, die
übrige zeitliche Strafe aber durch den Ablass.
Erkläre mir dieses aus der Heiligen Schrift!
Nachdem Adam und Eva gesündigt und ihre Sünde bereut
hatten, hat ihnen Gott zwar die Schuld (mit der ewigen Strafe), aber
nicht die zeitliche Strafe der Sünde nachgelassen; denn Adam
hat mit allen seinen Nachkommen sein Brot im Schweiße seines
Angesichtes gewinnen und Eva samt allen Weibern in Schmerzen ihre
Kinder gebären müssen (1 Mos 3, 16 ff.). Den Kindern
Israels, welche in der Wüste gegen Gott gemurrt hatten, ist zwar auf
Anhalten des Moses die Schuld nachgelassen worden, aber nicht
die Strafe; denn keiner von ihnen ist in das Gelobte Land gekommen
(4 Mos 14, 20 ff.). Desgleichen ist auch dem Moses selbst
widerfahren wegen eines geringen Misstrauens wider Gott (5 Mos
32, 51 f.); ebenso dem König David; denn obwohl er durch den
Propheten Nathan für seinen Ehebruch und Totschlagung an Urias von
Gott Verzeihung erlangt hatte, so musste er doch noch zeitliche
Strafen erleiden, wie z. B. Den Tod eines von ihm sehr geliebten
Sohnes (2 Kön 12, 13. 14).
Wer hat die Gewalt, zeitliche Sündenstrafen nachzulassen?
Der römische Papst als Statthalter Jesu Christi, dem
er die Gewalt zu binden und zu lösen ohne Vorbehalt
hinterlassen hat, indem er zum Apostelfürsten Petrus und in diesem
zu jedem seiner rechtmäßigen Nachfolger gesagt hat: „Was immer du
lösen wirst auf Erden, das soll auch im Himmel gelöst sein“ (Mt
16, 19).
Woraus gibt der Papst den Ablass?
Aus dem Schatze der unendlichen Verdienste und
Genugtuungen Christi und seiner Heiligen.
Wem wir der Ablass zuteil?
Allen denjenigen, welche die für die Gewinnung eines
Ablasses vorgeschriebenen Bedingungen genau erfüllen.
Wie vielerlei Ablässe gibt es?
Zweierlei: vollkommene, durch die uns alle zeitlichen
Sündenstrafen, und unvollkommene, durch welche uns nur ein Teil
derselben erlassen wird.
Welches sind besonders große und feierliche Ablässe?
Solcher gibt es vornemlich zwei: der Jubiläums- und
der Portiuncula-Ablass.
Der Jubiläums-Ablass wird von den Päpsten alle
25 Jahre und außerdem noch bei besonders wichtigen
Veranlassungen ausgeschrieben und dauert gewohnlich ein ganzes
Jahr.
Der Portiuncula-Ablass wurde nach alter Überlieferung
von Herrn selbst dem Hl. Franziskus für seine Lieblingskirche
Sancta Maria von den Engeln in Assisi, welche er Portiuncula (d. h.
Kleinen Anteil) nannte, gewährt und von den Päpsten anerkannt und
bestätigt. Ein jeder, der nach würdigem Empfang der heiligen
Sakramente dieses Kirchlein am 2. August besucht, kann darin
ebenso oft einen vollkommenen Ablass gewissen, als er von neuem an
diesem Tage hineingeht und nach der Meinung des Heiligen Vaters
betet. Dieser Ablass wurde später auf alle Kirchen des
Franziskanerordens ausgedehnt und kann auch in andern Kirchen
gewonnen werden, welchen der Papst ein solches Privilegium verliehen
hat.
Welche guten Werke werden gemeiniglich für einen vollkommenen Ablass vorgeschrieben?
Reumütige Beicht und würdige Kommunion, Gebete für
die Erhöhung der christkatholischen Kirche, um Frieden und Einigkeit
der christlichen Fürsten und Völker, um Ausrottung der Ketzereien
u. s. w.
Wer überhaupt einen Ablass für sich selbst gewinnen
will, muss vor allem im Stande der Gnade, d. i. frei von
schweren Sünden sein; denn durch den Ablass werden nicht die Sünden,
weder die begangenen noch viel weniger die zukünftigen Sünden (wie
die Feinde unseres Glaubens so oft lügnerischerweise behaupten),
nachgelassen, sondern nur die zeitlichen Strafen der bereits
vergebenen Sünden; darum ist der Ablass auch kein Freibrief zum
Sündigen, wie man den Katholiken so gerne andichtet, sondern
vielmehr eine ernste Mahnung zur Buße, eine Aufmunterung zum
würdigen Empfange der heiligen Sakramente und zu
anderen guten Werken.
Drei kräftige Gebete nach reumütiger Beicht
1. Zu Gott dem Vater
O Gott himmlischer Vater, dem es eigen ist, allezeit
sich zu erbarmen: ich sage dir herzlichen Dank für die unendliche
Güte, dass du mir vor so vielen andern Zeit zur Buße gnädiglich
verliehen und auch wirklich in diesem heiligen Sakramente durch die
Kraft der Verdienste deines lieben Sohnes, meines Herren Jesu
Christi, die Nachlassung aller meiner Sünden, wie ich hoffe,
barmherziglich erteilt hast.
Lob und Dank sei dir, o Gott, in Ewigkeit, dass du mich
nicht als ein strenger Richter von deinem göttlichen Angesichte
verstoßen, sondern als ein liebender Vater mit barmherzigen Augen
angesehen und wiederum zu Gnaden an- und aufgenommen hast.
In dieser deiner Gnade und Freundlichkeit lass mich, o
Gott, bis an mein Ende treulich verharren, damit ich dereinst mit
allen Auserwählten die Größe deiner Erbarmungen ewig loben und
preisen möge. Amen.
2. Zu Gott dem Sohne
O Herr Jesu Christe, du unschuldiges Lamm Gottes,
weches du meine und der ganzen Welt Sünden getragen und dafür
dreiunddreißig Jahre lang strenge Buße getan hast: für diese deine
unbegreifliche Liebe und Gütigkeit sage ich dir demütgsten Dank,
und um eben dieser Liebe willen, mit der du als ein Mittler zwischen
Gott und den Menschen unsere Schuldenlast freiwillig auf dich
genommen hast, bitte ich dich, du wollest mir den Geist der wahren
Bußfertigkeit verleihen, damit ich von nun an die noch übrige Zeit
meines Lebens nach deinem heiligen Beispiele wahre Früchte der
Buße wirken und für die wohlverdienten Strafen meiner begangenen
Missetaten, soviel mir möglich, noch hier in der Zeit der göttlichen
Gerechtigkeit genugtun möge. Zu diesem Ende, o gütigster Jesu, nimm
die vom Priester mir auferlegte sakramentale Buße an, wie auch
alles, was ich künftighin für Gottes Ehre tun oder leiden werde.
Amen.
3. Zu Gott dem Heiligen Geiste
O Heiliger Geist, du göttlicher Brunnquell aller Gaben
und Gnaden! Gelobt und gebenedeit sei auch deine unendliche
Güte, welche mich elenden Sünder durch innerliche gute
Einsprechungen zur wahren Buße gebracht und mittelst derselben durch
die heiligmachende Gnade aus einem Kinde des Zorns zum Kinde Gottes
und Erben des Himmels gemacht hat.
Erhalte mir, o Geist der Liebe, diese deine göttliche
Gnade, damit ich dein heiliges Gesetz, welches du in unsere Herzen
geschrieben hast, vollkommen erfüllen möge.
Vertreibe, o wahres Licht, aus meiner Seele alle
Finsternis, erneuere mein Gedächtnis, erleuchte meinen Verstand,
entzünde meinen Willen, richte alle meine Wege nach deinem
allerheiligsten Wohlgefallen, damit ich niemals davon abweichen möge,
weder in Glück noch Unglück, weder in Freud' noch in Leid,
weder im Leben noch im Sterben. Dieses verleihe, o allerheiligste
Dreifaltigkeit, durch die Verdienste Jesu, Mariä und aller Heiligen,
mit welchen ich dich jeden Augenblick in Zeit und Ewigkeit zu loben
und zu benedeien verlange. Amen.
Gebet
Wie groß deine Liebe und Barmherzigkeit, o Herr Jesu Christe, gegen
uns arme Sünder sei, lehrt uns das heutige Evangelium, da du dem
elenden gichtbrüchigen Menschen nicht allein die Sünden vergeben,
sondern ihn auch deinen Sohn genannt, getröstet und gänzlich gesund
gemacht hast, was für uns alle ein besonderer Trost sein soll. Wir
bitten darum, o allgütigster Jesu, gib uns Gnade und Kraft, dass wir
vom Bette der Sünden durch wahre Buße aufstehen und in Besserung
unseres Lebens auf dem Wege der Gebote in das Haus der ewigen
Seligkeit eingehen, wo du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste als
gleicher Gott lebst und regierst in alle Ewigkeit. Amen.
Quelle
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