Samstag, 21. September 2013

Unterricht für den achtzehnten Sonntag nach Pfingsten

Die Kirche betet im Eingange der heiligen Messe um den Frieden, den Gott durch die Propheten versprochen hat: „Gib, o Herr, den Frieden denen, die auf dich hoffen, damit deine Propheten wahrhaftig erfunden werden. Erhöre das Gebet deiner Knechte und deines Volkes Israel“ (Eccli 36, 18). „Ich freue mich, als man mir sagt: Lasset uns ge­hen zum Hause des Herrn!“ (Ps 121, 1) Ehre sei dem Vater ...

Gebet der Kirche
Deine allvermögende Erbarmung, o Herr, sei stets die Leiterin un­seres Herzens, weil wir ohne dich nicht gefallen können – darum bitten wir dich durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn ... Amen.

Epistel des Hl. Paulus an die Korinther
I. 1, 2 – 8
Brüder! Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Jesu Christo gegeben ist, dass ihr in allem durch ihn reich geworden seid, in aller Lehre und in aller Erkenntnis; wie denn das Zeugnis von Chriso in euch bekräftigt worden ist, so dass es euch an keiner Gnade mangelt in der Erwartung der Offenbarung un­seres Herrn Jesu Christi, welcher euch auch bis ans Ende befestigen wird, so dass ihr ohne Sünde seid am Tage der Ankunft unseres Herrn Jesu Christi.

Der heilige Apostel Paulus zeigt hier, dass er die wahre Liebe gegen den Nächsten hatte, indem er sich darüber freute, dass die Christen zu Korinth mit verschiedenen Gaben Gottes und mit der Erkenntnis Jesu Christi bereichert worden. Wer sich über die Wohlfahrt seines Nächsten freut, der macht sich auch dessen Güter teilhaftig. „Danket allezeit Gott für alle“ (Eph 5, 20).

Wie soll man für seinen Nächsten beten?

Nach dem Beispiele des heiligen Apostels Paulus (Phil 1, 3 ff.): dass seine Liebe je länger desto größer werde; dass er wachse in der Er­kenntnis des göttlichen Willens und gottgefällig wandle; dass er frucht­bar sei in guten Werken und zunehme in der Erkenntnis Gottes; dass er gestärkt werde mit der Kraft Gottes; dass er geduldig und langmütig sei und Gott mit Freuden danke. - Freue dich, dass du die Gaben, die du selber nicht hast, in deinem Nächsten besitzest; denn auf diese Weise wirst du dich fremder Güter teilhaftig machen, spricht der Hl. Augusti­nus.

Evangelium des Hl. Matthäus
9, 1 – 8
In jener Zeit stieg Jesus in ein Schifflein, fuhr über und kam in seine Stadt (Kapharnaum). Und siehe, sie brachten zu ihm einen Gichtbrü­chigen, der auf einem Bette lag. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, einige von den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott! Und da Jesus ihre Ge­danken sah, sprach er: Warum denket ihr Böses in euern Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf und wandle umher? Damit ihr aber wisset, dass des Menschen Sohn Macht habe, die Sünden zu vergeben auf Erden (sprach er zu dem Gichtbrüchigen): Steh auf, nimm dein Bett und geh in dein Haus! Und er stand auf und ging in sein Haus. Da aber das Volk dieses sah, fürchtete es sich und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.

Welche Stadt Christi ist hier gemeint?
Kapharnaum, welches darum seine Stadt genannt wird, weil er sich oft darin aufhielt und viele Wunder wirkte. - Von jenen Leuten, die den Gichtbrüchigen zu Christus gebracht haben, lerne, wieviel bei Gott die Fürbitte der Gerechten vermag, indem deren Glauben und Liebe den göttlichen Heiland bewogen haben, dem Gichtbrüchigen die Sünden zu vergeben und ihn gesund zu machen.

Warum vergab Christus dem Gichtbrüchigen die Sünden, ehe er ihn gesund machte?
Um anzudeuten, dass die Sünden manchmal eine Ursache der Krank­heiten sind; darum sprach Christus zu jenem achtunddreißigjährigen Kranken am Teiche Bethsaida, den er gesund gemacht hatte: „Siehe, du bist gesund geworden; sündige nun nicht mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres begegne!“ (Joh 5, 14) Daraus, dass die Schriftgelehrten freventlich Christum als einen Gotteslästerer verurteilt haben, da er zu dem Gichtbrüchigen sagte: „Deine Sünden sind dir vergeben“ - können alle, welche verleugnet und gelästert werden, eine schöne Lehre ziehen, wie sie sich darüber trösten sollen, da ja Christus selbst als Gotteslästerer verschrieen wurde.

Was ist eine Gotteslästerung?
Eine Schmachrede wider Gott oder seine Heiligen und darum eine schwere Sünde wider das erste Gebot Gottes. - Lerne ferner, dass man sich auch schon mit Gedanken versündigen kann; denn Christus sagte zu den freventlich urteilenden Juden: „Warum denket ihr Böses in euern Herzen?“ Um der Gedanken willen sind die Werke, die aus jenen her­vorgehen, gut oder böse, je nachdem die Gedanken gut oder böse sind.

Bild Jesus heilt den Gichtbrüchigen

Wenn einer die bösen Gedanken nicht gern hat, sondern dagegen kämpft, wären sie dann auch Sünde?
Nein, sondern durch das Widerstehen verdient man sich im Gegenteil eine Krone im Himmel.

Zu welchem Ende hat Jesus den Gichtbrüchigen gesund gemacht?
1. Damit alles Volk erkennen möchte, dass er die Macht habe, Sünden nachzulassen; 2. dass durch dieses Wunderwerk wie durch alle andern der Name Gottes verherrlicht und gepriesen würde und das Volk für diese Wohltat Gott danken möchte.

Gebet der Kirche
(wider die bösen Gedanken). Allmächtiger und mildester Gott, siehe gnädiglich auf unser Gebet und befreie unsere Herzen von den Anfechtungen der bösen Gedanken, damit sie eine würdige Wohnung des Heiligen Geistes zu sein verdienen – durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn ... Amen.

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Von der Schwere der Todsünde

„Deine Sünden sind dir vergeben“ (Mt 9, 2)

Erwäge, o christliche Seele, die du der Seligkeit teilhaftig werden willst, die Schwere einer Todsünde aus folgenden beweglichen Ursachen:

Der Todsünder beleidigt schwer jenen majestätischen Gott, der die Macht hat, Leib und Seele in die Hölle zu verdammen (Mt 10, 28); der mit einem Winke die Erde erschüttert, der die Berge anrührt, dass sie rauchen (Ps 103, 32); dessen Zorn niemand zu widerstehen vermag, - den reizt der Sünder zum Zorne an! Der die Schlüssel des Lebens und des Todes hat (Offb 1, 18), der in die Hölle und wieder herausführt (1 Kön 2, 6), gegen jenen wirft sich der Sünder auf, in dessen Hände zu fallen so erschrecklich ist! (Hebr. 10, 31).

Würdest du nicht den für unsinnig halten, der mit dem Kopfe wider die Wand rennen wollte? Aber viel unsinniger ist der, welcher wissentlich und freiwillig wider seinen Gott sich versündigt. Wer bist du denn, der du dich wider deinen Gott und Herrn aufwerfen darfst? - Bei dem Ge­danken, dass eine Kreatur vermessen genug sein könnte, sich gegen Gott aufzulehnen, begehrt der Psalmist David Rache von Gott und sagt: „Denke daran: der Feind hat geschmäht den Herrn, und ein törichtes Volk gereizt deinen Namen!“ (Ps 73, 18). Nun bitte ich dich: erwäge doch, was und wie gering das sei, um dessentwillen du deinen Gott und Herrn, deinen Schöpfer, Erlöser und Seligmacher beleidigst! Deswegen ruft David aus: „Warum hat der Böse Gott erbittert?“ (Ps 10, 13). Damit will er andeuten und sagen: Wie gering und vergänglich ist doch das, um dessentwillen der Sünder durch seine Übertretung Gott zum Zorne reizt! Bedenk es wohl: „Was nützte es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, an seiner Seele aber Schaden litte? Oder was kann der Mensch wohl geben, um seine Seele wieder einzutauschen?“ (Mt 16, 26).

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Glaubenslehre vom Ablasse

„Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben“ (Mt 9, 2)

Was ist der Ablass?
Der Ablass ist eine Nachlassung der zeitlichen Strafen, welche der Mensch entweder in diesem oder in jenem Leben für seine schon vergebenen Sünden noch zu leiden hätte. Um dieses besser zu ver­stehen, muss man wissen, dass bei der Sünde zwei Dinge zu beachten sind: die Schuld und die zeitliche Strafe. Die Schuld und die ewige Strafe der Hölle samt einem Teil der zeitlichen Strafe wird dem reumü­tigen Sünder in der Beicht nachgelassen, die übrige zeitliche Strafe aber durch den Ablass.

Erkläre mir dieses aus der Heiligen Schrift!
Nachdem Adam und Eva gesündigt und ihre Sünde bereut hatten, hat ihnen Gott zwar die Schuld (mit der ewigen Strafe), aber nicht die zeitli­che Strafe der Sünde nachgelassen; denn Adam hat mit allen seinen Nachkommen sein Brot im Schweiße seines Angesichtes gewinnen und Eva samt allen Weibern in Schmerzen ihre Kinder gebären müssen (1 Mos 3, 16 ff.). Den Kindern Israels, welche in der Wüste gegen Gott gemurrt hatten, ist zwar auf Anhalten des Moses die Schuld nachge­lassen worden, aber nicht die Strafe; denn keiner von ihnen ist in das Gelobte Land gekommen (4 Mos 14, 20 ff.). Desgleichen ist auch dem Moses selbst widerfahren wegen eines geringen Misstrauens wider Gott (5 Mos 32, 51 f.); ebenso dem König David; denn obwohl er durch den Propheten Nathan für seinen Ehebruch und Totschlagung an Urias von Gott Verzeihung erlangt hatte, so musste er doch noch zeitliche Strafen erleiden, wie z. B. Den Tod eines von ihm sehr geliebten Sohnes (2 Kön 12, 13. 14).

Wer hat die Gewalt, zeitliche Sündenstrafen nachzulassen?
Der römische Papst als Statthalter Jesu Christi, dem er die Gewalt zu bin­den und zu lösen ohne Vorbehalt hinterlassen hat, indem er zum Apostelfürsten Petrus und in diesem zu jedem seiner rechtmäßigen Nachfolger gesagt hat: „Was immer du lösen wirst auf Erden, das soll auch im Himmel gelöst sein“ (Mt 16, 19).

Woraus gibt der Papst den Ablass?
Aus dem Schatze der unendlichen Verdienste und Genugtuungen Christi und seiner Heiligen.

Wem wir der Ablass zuteil?
Allen denjenigen, welche die für die Gewinnung eines Ablasses vorge­schriebenen Bedingungen genau erfüllen.

Wie vielerlei Ablässe gibt es?
Zweierlei: vollkommene, durch die uns alle zeitlichen Sünden­strafen, und unvollkommene, durch welche uns nur ein Teil der­selben erlassen wird.

Welches sind besonders große und feierliche Ablässe?
Solcher gibt es vornemlich zwei: der Jubiläums- und der Portiuncu­la-Ablass.

Der Jubiläums-Ablass wird von den Päpsten alle 25 Jahre und außerdem noch bei besonders wichtigen Veranlassungen ausge­schrieben und dauert gewohnlich ein ganzes Jahr.

Der Portiuncula-Ablass wurde nach alter Überlieferung von Herrn selbst dem Hl. Franziskus für seine Lieblingskirche Sancta Maria von den Engeln in Assisi, welche er Portiuncula (d. h. Kleinen Anteil) nannte, gewährt und von den Päpsten anerkannt und bestätigt. Ein jeder, der nach würdigem Empfang der heiligen Sakramente dieses Kirchlein am 2. August besucht, kann darin ebenso oft einen vollkommenen Ablass gewissen, als er von neuem an diesem Tage hineingeht und nach der Meinung des Heiligen Vaters betet. Dieser Ablass wurde später auf alle Kirchen des Franziskanerordens ausgedehnt und kann auch in andern Kirchen gewonnen werden, welchen der Papst ein solches Privilegium verliehen hat.

Welche guten Werke werden gemeiniglich für einen vollkommenen Ablass vorgeschrieben?
Reumütige Beicht und würdige Kommunion, Gebete für die Erhöhung der christkatholischen Kirche, um Frieden und Einigkeit der christlichen Fürsten und Völker, um Ausrottung der Ketzereien u. s. w.

Wer überhaupt einen Ablass für sich selbst gewinnen will, muss vor allem im Stande der Gnade, d. i. frei von schweren Sünden sein; denn durch den Ablass werden nicht die Sünden, weder die begangenen noch viel weniger die zukünftigen Sünden (wie die Feinde unseres Glaubens so oft lügnerischerweise behaupten), nachgelassen, sondern nur die zeitlichen Strafen der bereits vergebenen Sünden; dar­um ist der Ablass auch kein Freibrief zum Sündigen, wie man den Ka­tholiken so gerne andichtet, sondern vielmehr eine ernste Mahnung zur Buße, eine Aufmunterung zum würdigen Empfange der heiligen Sa­kra­men­te und zu anderen guten Werken.

Drei kräftige Gebete nach reumütiger Beicht

1. Zu Gott dem Vater
O Gott himmlischer Vater, dem es eigen ist, allezeit sich zu erbarmen: ich sage dir herzlichen Dank für die unendliche Güte, dass du mir vor so vielen andern Zeit zur Buße gnädiglich verliehen und auch wirklich in diesem heiligen Sakramente durch die Kraft der Verdienste deines lieben Sohnes, meines Herren Jesu Christi, die Nachlassung aller meiner Sünden, wie ich hoffe, barmherziglich erteilt hast.

Lob und Dank sei dir, o Gott, in Ewigkeit, dass du mich nicht als ein strenger Richter von deinem göttlichen Angesichte verstoßen, sondern als ein liebender Vater mit barmherzigen Augen angesehen und wieder­um zu Gnaden an- und aufgenommen hast.

In dieser deiner Gnade und Freundlichkeit lass mich, o Gott, bis an mein Ende treulich verharren, damit ich dereinst mit allen Auserwählten die Größe deiner Erbarmungen ewig loben und preisen möge. Amen.

2. Zu Gott dem Sohne
O Herr Jesu Christe, du unschuldiges Lamm Gottes, weches du meine und der ganzen Welt Sünden getragen und dafür dreiunddreißig Jahre lang strenge Buße getan hast: für diese deine unbegreifliche Liebe und Gütigkeit sage ich dir demütgsten Dank, und um eben dieser Liebe willen, mit der du als ein Mittler zwischen Gott und den Menschen unse­re Schuldenlast freiwillig auf dich genommen hast, bitte ich dich, du wollest mir den Geist der wahren Bußfertigkeit verleihen, damit ich von nun an die noch übrige Zeit meines Lebens nach deinem heiligen Bei­spiele wahre Früchte der Buße wirken und für die wohlverdienten Strafen meiner begangenen Missetaten, soviel mir möglich, noch hier in der Zeit der göttlichen Gerechtigkeit genugtun möge. Zu diesem Ende, o gütigster Jesu, nimm die vom Priester mir auferlegte sakramentale Buße an, wie auch alles, was ich künftighin für Gottes Ehre tun oder leiden werde. Amen.

3. Zu Gott dem Heiligen Geiste
O Heiliger Geist, du göttlicher Brunnquell aller Gaben und Gnaden! Ge­lobt und gebenedeit sei auch deine unendliche Güte, welche mich elenden Sünder durch innerliche gute Einsprechungen zur wahren Buße gebracht und mittelst derselben durch die heiligmachende Gnade aus einem Kinde des Zorns zum Kinde Gottes und Erben des Himmels ge­macht hat.

Erhalte mir, o Geist der Liebe, diese deine göttliche Gnade, damit ich dein heiliges Gesetz, welches du in unsere Herzen geschrieben hast, vollkommen erfüllen möge.

Vertreibe, o wahres Licht, aus meiner Seele alle Finsternis, erneuere mein Gedächtnis, erleuchte meinen Verstand, entzünde meinen Willen, richte alle meine Wege nach deinem allerheiligsten Wohlgefallen, damit ich niemals davon abweichen möge, weder in Glück noch Unglück, we­der in Freud' noch in Leid, weder im Leben noch im Sterben. Dieses verleihe, o allerheiligste Dreifaltigkeit, durch die Verdienste Jesu, Mariä und aller Heiligen, mit welchen ich dich jeden Augenblick in Zeit und Ewigkeit zu loben und zu benedeien verlange. Amen.

Gebet
Wie groß deine Liebe und Barmherzigkeit, o Herr Jesu Christe, gegen uns arme Sünder sei, lehrt uns das heutige Evangelium, da du dem elenden gichtbrüchigen Menschen nicht allein die Sünden vergeben, sondern ihn auch deinen Sohn genannt, getröstet und gänzlich gesund gemacht hast, was für uns alle ein besonderer Trost sein soll. Wir bitten darum, o allgütigster Jesu, gib uns Gnade und Kraft, dass wir vom Bette der Sünden durch wahre Buße aufstehen und in Besse­rung unseres Lebens auf dem Wege der Gebote in das Haus der ewigen Seligkeit eingehen, wo du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste als gleicher Gott lebst und regierst in alle Ewigkeit. Amen.
Quelle

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