Gebet der Kirche
Lass deine Gnade, o Herr, uns stets vorangehen und folgen, und
gib, dass wir stets auf gute Werke bedacht seien – durch Jesum Christum, deinen
Sohn, unsern Herrn ... Amen.
Epistel des Hl. Paulus an die Epheser
3, 13 - 21
Brüder! Ich bitte euch, dass ihr nicht mutlos wegen der
Drangsale werdet, die ich für euch leide: was euch zur Ehre gereicht. Deshalb
beuge ich meine Kniee vor dem Vater unseres Herrn Jesu Christi, von welchem
alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden herkommt, dass er nach dem Reichtume
seiner Herrlichkeit euch verleihe, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen
Geist am innern Menschen, dass Christus durch den Glauben in euern Herzen
wohne, und ihr in Liebe Wurzel und Grund fasset, damit ihr mit allen Heiligen
begreifen möget, welches die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe sei, und
erkennen die Liebe Christi, die alles Erkennen übersteigt, damit ihr mit der
ganzen Fülle Gottes erfüllt werdet. Dem aber, der überschwänglich alles mehr
tun kann, als wir bitten oder verstehen, nach der in uns wirksamen Kraft, ihm
sei Ehre in der Kirche und in Christo Jesu durch alle Geschlechter von Ewigkeit
zu Ewigkeit! Amen.
Paulus bittet mit gebogenen knieen Gtott, den Vater unseres
Herrn Jesu Christi, dass die ersten Christen, durch den Heiligen Geist mächtig
gestärkt, die Liebe Christi erkennen möchten, d. i. was Christus für uns
getan und gelitten hat, damit sie so zur Gegenliebe und Dankbarkeit entflammt
würden. Hieraus lernen wir, wie inbrünstig man Gott um Gnade anrufen soll,
damit man die Geheimnisse des Glaubens begreifen und ihnen gemäß leben könne.
Anmutung. O
himmlischer Vater unseres Herrn Jesu Christi, ich bitte dich nach dem Beispiele
des Heiligen Paulus mit gebogenen Knieen: du wollest uns allen die Gnade
verleihen, dass wir, duch deinen Geist am innern Menschen gestärkt, begreifen
mögen, was unser Herr Jesus für uns getan und gelitten hat, auf dass wir ihn
lieben, ihm danken, ihn loben und seiner uns erfreuen mögen in alle Ewigkeit.
Amen.
Evangelium des Hl. Lukas
14, 1 – 11
In jener Zeit, als Jesus in das Haus eines Obersten von den
Pharisäern am Sabbate ging, um da zu speisen, beobachteten auch sie ihn genau.
Und siehe, ein wassersüchtiger Mensch war vor ihm. Und Jesus nahm das Wort und
sprach zu den Gesetzteslehrern und Pharisäern: Ist es erlaubt, am Sabbate zu
heilen? Sie aber schwiegen. Da fasste er ihn an, heilte ihn und ließ ihn gehen.
Und er redete sie an und sprach zu ihnen: Wer von euch, dessen Esel oder Ochs
in eine Grube gefallen, würde ihn nicht sogleich herausziehen am Tage des
Sabbats? Und sie konnten ihm darauf nicht antworten. Er sagte aber zu den
Geladenen ein Gleichnis, als er bemerkte, wie sie sich die ersten Plätze
auswählten, und sprach zu ihnen: Wenn du zu einem Gastmahle geladen wirst, so
setze dich nicht auf den ersten Platz, damit, wenn etwa ein Vornehmerer als du
von ihm geladen wäre, derjenige, welcher dich und ihn geladen hat, nicht komme
und zu dir sage: Mache diesem Platz! Und du alsdann mit Schande untenan sitzen
müssest. Sondern wenn du gealden bist, so gehe hin und setze dich auf den
letzten Platz, damit, wenn der, welcher dich geladen hat, kommt, er zu dir
spreche: Freund, rücke weiter hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor denen, die
mit zu Tische sitzen. Denn ein jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt,
und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Warum ist der arme Jesus in das Haus des reichen Pharisäers zu Tische gegangen?
Damit er Anlass bekäme, die Sünder zu unterrichten und sie
zu belehren (Lk 19, 10)
Warum gaben sie acht auf den Herrn Jesus?
Damit sie Veranlassung bekämen, ihn zu tadeln und zu
verklagen. - Dies geschieht leider noch von vielen, die, vom Neide angetrieben,
ihren Nächsten zu Gast laben, auf ihn acht geben, um ihn (geistigerweise,
nämlich mit der bloßen Zunge) zu töten; solches tun aber nur jene, welche
keine christliche Liebe im Herzen haben.
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Vom Geize
Wer wird unter dem Wassersüchtigen verstanden?
Ein Geiziger; denn gleichwie ein Wassersüchtiger, je mehr er
trinkt, desto mehr zu trinken begehrt, also ein Geiziger:
„Je
mehr er hat, je mehr er will -
Nie
schweigen seine Klagen still.“
Gleichwie die Wassersucht schwer zu heilen ist, so auch der
Geiz, der mit dem Alter täglich zunimmt.
Warum wird der Geiz unter die sieben Hauptsünden gezählt?
Weil er die Wurzel vieler Sünden ist; denn der Geiz verführt
zum Wuchern und Stehlen. Er ist auch oftmals Ursache, dass die Gerechtigkeit
in den Gerichtssälen unterdrückt wird, dass Kaufleute mit falscher Elle und mit
zu leichtem Gewichte umgehen, was ein Greuel vor Gott ist, und daneben alte,
verlegene Waren für gute verkaufen ... Kurz: Nichts ist schlimmer als ein
Geizhals; denn er hat auch seine Seele feil, die er um des zeitlichen Gewinnes
willen dem Teufel verkauft. Daher geschieht es, dass manchmal Eltern ihren
Kindern zulieb eher zum Teufel fahren als die mit Unrecht an sich gebrachten
Güter wieder herausgeben wollen. Darum nennt der Hl. Paulus den Geiz oder die
Habsucht einen Strick, wommit der böse Feind fast unzählige Seelen fängt und
zur Hölle zieht (1 Tim 6, 9. 10).
Es ist ein kräftiges Mittel wider den Geiz, wohl zu erwägen,
dass man von allen erworbenen Gütern nicht der eigentliche Herr, sondern nur
der Verwalter sei, wofür man Gott einmal Rechenschaft ablegen muss.
Das heutige Evangelium weist auch jene zurecht, welche aus
Hochmut und Ehrgeiz bei Gastereien die vornehmsten Plätze suchen. Hochmut
gereicht weder bei Gott noch bei den Menschen zur Ehre, wohl aber Demut und
Bescheidenheit.
O Gott der Liebe, wende ab von mir ein neidisches Gemüt,
lass mein Herz sich nicht zum Geize neigen! Leite mich den Weg deiner Gebote,
die du uns zu halten befohlen hast.
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Glaubens- und Sittenlehre von der Sonntagsfeier
„So spricht der Herr: Bewahret eure Seelen und traget keine
Lasten am Sabbattage ... und tuet keine Arbeit, sondern heiliget den Tag des
Sabbats, wie ich euern Vätern geboten habe“ (Jer 17, 21. 22).
Ist es schon genug, an Sonn- und Feiertagen sich bloß der knechtlichen Arbeit zu enthalten?
Nein; den Gott hat nicht gesagt: Du sollst müßiggehen, -
sondern: „Gedenke, dass du den Sabbat heiligest“ (2 Mos 20, 8).
Was heißt den Sabbat, d. i. den Sonn- und Festtag heiligen?
Es heißt, den Tag mit gottgefälligen Werken zubringen, als
da sind: die heilige Messe mit Andacht hören, dem göttlichen Worte Gehör schenken,
beichten und kommunizieren, Almosen geben, Gott loben und ihm danken,
geistliche Bücher lesen, Kranke oder Gefangene besuchen und trösten ... (Mt 25,
34 ff.).
Darum tun den Geboten Gottes diejenigen keineswegs Genüge,
welche am Sonntag morgens in der Frühe nur eine stille heilige Messe hören und
dann den übrigen Tag ihren Geschäften nachgehen; denn das heißt den Sabbat
entheiligen, an welchem man ruhen sollte (2 Mos 20, 10).
Diejenigen, welche den Sonntag durch knechtliche Arbeit
entheiligen, versündigen sich gröblich wider Gott, der den Übertretern dieses
Gebotes mit sehr scharfen Strafen droht, z. B. dass er ihre Häuser durch
das Feuer wolle verzehren lassen (Jer 17, 27), und sie selber sollen
getötet werden, was auch an einem Israeliten, der nur Holz an einem Sabbate
gesammelt hatte, auf Gottes Befehl durch die Steinigung vollzogen wurde
(4 Mos 15, 32 – 36). „Wenn ihr nicht auf mich höret, dass ihr den
Sabbattag heiliget und keine Last traget und sie nicht durch die Tore bringet
am Sabbattage, so will ich ein Feuer anzünden, das die Häuser fressen und nicht
erlöschen soll“ (Jer 17, 27).
So wahr Gottes Wort ewig bleibt, so gewiss ist es auch, dass
diejenigen den Fluch Gottes über sich und ihre Kinder, ihre Häuser, Scheunen
und Äcker bringen, welche den Sonntag durch unnötige knechtliche Arbeit
entheiligen (5 Mos 28, 15 ff.).
Bedenk es wohl, mein Christ, wenn du die ganze Woche zu
deines Leibes Nahrung verwendest, ob es dann nicht billig und recht sei, dass
du wenigstens einen Tag in der Woche
Gott zu Ehren und deiner Seele zum Heile zubringest.
Es gibt leider Gottes viele, die nicht wissen, wie es mit
ihrer Seele steht oder was sie beichten sollen; wenn solche am Sonntage ihre
Gewissen durchsuchen wollten, wie viele Sündenwürden sie abzubüßen finden!
Es gibt kaum ärmere Leute als jene, welche Gott die Zeit
abstehlen, die er sich zu seinem Dienste vorbehalten hat, und die sie ihren
zeitlichen Geschäften zueignen; Gott der Herr kann unmöglich zugeben, dass sie
ihnen zur Wohlfahrt gedeihe. Du magst tun oder anfangen, was du willst: wenn du
den göttlichen Segen nicht dabei hast, so hilft dir alles nichts; Gott aber
entzieht seinen Segen den Übertretern seines heiligen Gebotes.
Ferner ist hier zu beachten, dass Gott kein Gebot mit solchem
Nachdrucke eingeschärft hat als eben das dritte: „Gedenke, dass du den Sabbat
heiligest!“ (2 Mos 20, 8) Auch ist kein Gebot unter so starken Drohungen
gegeben worden als gerade dieses; denn Gott droht den Übertretern mit dem
Fluche über ihre Früchte und Scheunen (2 Mos 31, 14; 35, 2; 5 Mos 28,
15 ff.; Ez 20, 13).
Dem lieben Gott allein ist bewusst, warum allenthalben so
viele Ungewitter die Früchte der Erde vernichten und warum so vielfache Armut
einreißt: vielleicht weil wir die Sonn- und Feiertage so schlecht halten! Man
erinnere sich doch einmal der frühern Zeiten, wo unsere Voreltern in so großem
Überflusse gelebt haben!
Wenn eine fromme Seele mit ansieht, wie wir unsern Sabbat
durch Müßiggehen, Fraß und Völlerei, Herumlaufen und mit zeitlichen Geschäften
entweihen und schänden, so kann sie uns mit den Worten der Heiligen Schrift
sagen: „Die Feinde spotten ihrer Sabbate!“ (Klgl 1, 7)
Verlangst du den Segen Gottes für deine Kinder, dein Haus,
Acker und Vieh, so halte den Sonntag recht; denn Gott hat allen, die ihn
halten, seinen zeitlichen und ewigen Segen versprochen (Jes 58, 13 f.).
Gebet um die Gnade, den Sonntag recht zu halten
O gütiger Gott und Herr, du hast strenge befohlen, einen Tag in der Woche zu heiligen, und
drohest mir, wenn ich solches nicht tun würde, nicht allein mit zeitlichem,
sondern auch mit ewigem Verderben. Darum bitte ich dich demütig: durchbohre
mein Herz mit deiner göttlichen Furcht, auf dass ich mich scheue, an Sonn- und
Feiertagen knechtliche Arbeit zu verrichten. Entzünde auch in mir und allen Menschen
die Liebe zu dir, dass wir dich an denselben loben und preisen, dir für deine
Wohltaten danken, damit wir hienieden deinen zeitlichen und dereinst deinen
ewigen Segen erlangen – durch Jesum Christum, der uns mit allem geistlichen
Segen gesegnet hat (Eph 1, 3).
Gebet
O mein Jesu, wie groß muss diene Liebe und Sanftmut gewesen
sein, welche du gegen deine erbitterten Feinde bewiesen, die bei allen Gelegenheiten
auf dich achtgegeben und dich zu verklagen, ja sogar zu töten Anlass gesucht
haben! Du aber hast sie nicht nach Verdienst gestraft, nicht Böses mit Bösem
vergolten, sondern ihnen nur Gutes erwiesen, indem du ihre Kranken gesund
gemacht, sie allenthalben unterrichtet und ohne Scheu die Wahrheit gelehrt
hast, wie du denn auch im heutigen Evangelium ihnen klar zeigtest, dass es
notwendiger sei, am Sabbate einem kranken Menschen zu helfen, als einen Ochsen
oder Esel, der in eine Grube gefallen, herauszuziehen. Ach liebreichster Jesu,
wir bitten dich, du wollest uns mit solchem Seeleneifer erfüllen, dass wir, wie
billig, größere Sorge tragen für unsere und des Nächsten so teuer erkaufte
Seele, als für das unvernünftige Vieh, welches leider Gottes bei so vielen den
Vorzug hat. Gib auch, o demütigster Jesu, dass wir nach deiner Lehre und deinem
Beispiele von Herzen demütig seien, niemanden verachten, sondern in Erkenntnis
unserer Nichtigkeit hier uns erniedrigen, damit wir dereinst dort ewig von dir
erhöht werden. Amen.
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