Samstag, 7. September 2013

Unterricht für den sechzehnten Sonntag nach Pfingsten

Rufe mit großem Vertrauen die Barmherzigkeit Gottes an, indem du mit dem Priester im Eingange der Heiligen Messe aus dem 85. Psalm betest: „Erbarme dich meiner, o Herr; denn zu dir rufe ich den ganzen Tag. Denn du, o Herr, bist gütig und milde und von großer Erbarmung gegen alle, die dich anrufen. Neige den Ohr, o Herr, zu mir und erhöre mich; denn ich bin elend und arm.“ Ehre sei dem Vater ...

Gebet der Kirche

Lass deine Gnade, o Herr, uns stets vorangehen und folgen, und gib, dass wir stets auf gute Werke bedacht seien – durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn ... Amen.

Epistel des Hl. Paulus an die Epheser

 3, 13 - 21

Brüder! Ich bitte euch, dass ihr nicht mutlos wegen der Drangsale werdet, die ich für euch leide: was euch zur Ehre gereicht. Deshalb beuge ich meine Kniee vor dem Vater unseres Herrn Jesu Christi, von welchem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden herkommt, dass er nach dem Reichtume seiner Herrlichkeit euch verleihe, mit Kraft ge­stärkt zu werden durch seinen Geist am innern Menschen, dass Christus durch den Glauben in euern Herzen wohne, und ihr in Liebe Wurzel und Grund fasset, damit ihr mit allen Heiligen begreifen möget, welches die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe sei, und erkennen die Liebe Christi, die alles Erkennen übersteigt, damit ihr mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt werdet. Dem aber, der überschwänglich alles mehr tun kann, als wir bitten oder verstehen, nach der in uns wirksamen Kraft, ihm sei Ehre in der Kirche und in Christo Jesu durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Paulus bittet mit gebogenen knieen Gtott, den Vater unseres Herrn Jesu Christi, dass die ersten Christen, durch den Heiligen Geist mächtig ge­stärkt, die Liebe Christi erkennen möchten, d. i. was Christus für uns ge­tan und gelitten hat, damit sie so zur Gegenliebe und Dankbarkeit ent­flammt würden. Hieraus lernen wir, wie inbrünstig man Gott um Gnade anrufen soll, damit man die Geheimnisse des Glaubens begreifen und ihnen gemäß leben könne.

Anmutung. O himmlischer Vater unseres Herrn Jesu Christi, ich bitte dich nach dem Beispiele des Heiligen Paulus mit gebogenen Knieen: du wollest uns allen die Gnade verleihen, dass wir, duch deinen Geist am innern Menschen gestärkt, begreifen mögen, was unser Herr Jesus für uns getan und gelitten hat, auf dass wir ihn lieben, ihm danken, ihn loben und seiner uns erfreuen mögen in alle Ewigkeit. Amen.

Evangelium des Hl. Lukas

 14, 1 – 11

In jener Zeit, als Jesus in das Haus eines Obersten von den Pharisä­ern am Sabbate ging, um da zu speisen, beobachteten auch sie ihn genau. Und siehe, ein wassersüchtiger Mensch war vor ihm. Und Jesus nahm das Wort und sprach zu den Gesetzteslehrern und Phari­säern: Ist es erlaubt, am Sabbate zu heilen? Sie aber schwiegen. Da fasste er ihn an, heilte ihn und ließ ihn gehen. Und er redete sie an und sprach zu ihnen: Wer von euch, dessen Esel oder Ochs in eine Grube gefallen, würde ihn nicht sogleich herausziehen am Tage des Sabbats? Und sie konnten ihm darauf nicht antworten. Er sagte aber zu den Geladenen ein Gleichnis, als er bemerkte, wie sie sich die ersten Plätze auswählten, und sprach zu ihnen: Wenn du zu einem Gastmahle geladen wirst, so setze dich nicht auf den ersten Platz, da­mit, wenn etwa ein Vornehmerer als du von ihm geladen wäre, der­jenige, welcher dich und ihn geladen hat, nicht komme und zu dir sage: Mache diesem Platz! Und du alsdann mit Schande untenan sitzen müssest. Sondern wenn du gealden bist, so gehe hin und setze dich auf den letzten Platz, damit, wenn der, welcher dich geladen hat, kommt, er zu dir spreche: Freund, rücke weiter hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit zu Tische sitzen. Denn ein jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Warum ist der arme Jesus in das Haus des reichen Pharisäers zu Tische gegangen?
Damit er Anlass bekäme, die Sünder zu unterrichten und sie zu beleh­ren (Lk 19, 10)

Warum gaben sie acht auf den Herrn Jesus?
Damit sie Veranlassung bekämen, ihn zu tadeln und zu verklagen. - Dies geschieht leider noch von vielen, die, vom Neide angetrieben, ih­ren Nächsten zu Gast laben, auf ihn acht geben, um ihn (geistigerweise, nämlich mit der bloßen Zunge) zu töten; solches tun aber nur jene, wel­che keine christliche Liebe im Herzen haben.

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Vom Geize


Wer wird unter dem Wassersüchtigen verstanden?
Ein Geiziger; denn gleichwie ein Wassersüchtiger, je mehr er trinkt, desto mehr zu trinken begehrt, also ein Geiziger:

                        „Je mehr er hat, je mehr er will -
                        Nie schweigen seine Klagen still.“

Gleichwie die Wassersucht schwer zu heilen ist, so auch der Geiz, der mit dem Alter täglich zunimmt.

Warum wird der Geiz unter die sieben Hauptsünden gezählt?
Weil er die Wurzel vieler Sünden ist; denn der Geiz verführt zum Wu­chern und Stehlen. Er ist auch oftmals Ursache, dass die Gerechtigkeit in den Gerichtssälen unterdrückt wird, dass Kaufleute mit falscher Elle und mit zu leichtem Gewichte umgehen, was ein Greuel vor Gott ist, und daneben alte, verlegene Waren für gute verkaufen ... Kurz: Nichts ist schlimmer als ein Geizhals; denn er hat auch seine Seele feil, die er um des zeitlichen Gewinnes willen dem Teufel verkauft. Daher ge­schieht es, dass manchmal Eltern ihren Kindern zulieb eher zum Teufel fahren als die mit Unrecht an sich gebrachten Güter wieder herausge­ben wollen. Darum nennt der Hl. Paulus den Geiz oder die Habsucht einen Strick, wommit der böse Feind fast unzählige Seelen fängt und zur Hölle zieht (1 Tim 6, 9. 10).

Es ist ein kräftiges Mittel wider den Geiz, wohl zu erwägen, dass man von allen erworbenen Gütern nicht der eigentliche Herr, sondern nur der Verwalter sei, wofür man Gott einmal Rechenschaft ablegen muss.

Das heutige Evangelium weist auch jene zurecht, welche aus Hochmut und Ehrgeiz bei Gastereien die vornehmsten Plätze suchen. Hochmut gereicht weder bei Gott noch bei den Menschen zur Ehre, wohl aber Demut und Bescheidenheit.

O Gott der Liebe, wende ab von mir ein neidisches Gemüt, lass mein Herz sich nicht zum Geize neigen! Leite mich den Weg deiner Gebote, die du uns zu halten befohlen hast.

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Glaubens- und Sittenlehre von der Sonntagsfeier


„So spricht der Herr: Bewahret eure Seelen und traget keine Lasten am Sabbattage ... und tuet keine Arbeit, sondern heiliget den Tag des Sab­bats, wie ich euern Vätern geboten habe“ (Jer 17, 21. 22).

Ist es schon genug, an Sonn- und Feiertagen sich bloß der knechtlichen Arbeit zu enthalten?
Nein; den Gott hat nicht gesagt: Du sollst müßiggehen, - sondern: „Ge­denke, dass du den Sabbat heiligest“ (2 Mos 20, 8).

Was heißt den Sabbat, d. i. den Sonn- und Festtag heiligen?
Es heißt, den Tag mit gottgefälligen Werken zubringen, als da sind: die heilige Messe mit Andacht hören, dem göttlichen Worte Gehör schen­ken, beichten und kommunizieren, Almosen geben, Gott loben und ihm danken, geistliche Bücher lesen, Kranke oder Gefangene besuchen und trösten ... (Mt 25, 34 ff.).

Darum tun den Geboten Gottes diejenigen keineswegs Genüge, welche am Sonntag morgens in der Frühe nur eine stille heilige Messe hören und dann den übrigen Tag ihren Geschäften nachgehen; denn das heißt den Sabbat entheiligen, an welchem man ruhen sollte (2 Mos 20, 10).

Diejenigen, welche den Sonntag durch knechtliche Arbeit entheiligen, versündigen sich gröblich wider Gott, der den Übertretern dieses Gebo­tes mit sehr scharfen Strafen droht, z. B. dass er ihre Häuser durch das Feuer wolle verzehren lassen (Jer 17, 27), und sie selber sollen getötet werden, was auch an einem Israeliten, der nur Holz an einem Sabbate gesammelt hatte, auf Gottes Befehl durch die Steinigung vollzogen wurde (4 Mos 15, 32 – 36). „Wenn ihr nicht auf mich höret, dass ihr den Sabbattag heiliget und keine Last traget und sie nicht durch die Tore bringet am Sabbattage, so will ich ein Feuer anzünden, das die Häuser fressen und nicht erlöschen soll“ (Jer 17, 27).

So wahr Gottes Wort ewig bleibt, so gewiss ist es auch, dass diejenigen den Fluch Gottes über sich und ihre Kinder, ihre Häuser, Scheunen und Äcker bringen, welche den Sonntag durch unnötige knechtliche Arbeit entheiligen (5 Mos 28, 15 ff.).

Bedenk es wohl, mein Christ, wenn du die ganze Woche zu deines Leibes Nahrung verwendest, ob es dann nicht billig und recht sei, dass du wenigstens einen Tag in der Woche Gott zu Ehren und deiner Seele zum Heile zubringest.

Es gibt leider Gottes viele, die nicht wissen, wie es mit ihrer Seele steht oder was sie beichten sollen; wenn solche am Sonntage ihre Gewissen durchsuchen wollten, wie viele Sündenwürden sie abzubüßen finden!

Es gibt kaum ärmere Leute als jene, welche Gott die Zeit abstehlen, die er sich zu seinem Dienste vorbehalten hat, und die sie ihren zeitlichen Geschäften zueignen; Gott der Herr kann unmöglich zugeben, dass sie ihnen zur Wohlfahrt gedeihe. Du magst tun oder anfangen, was du willst: wenn du den göttlichen Segen nicht dabei hast, so hilft dir alles nichts; Gott aber entzieht seinen Segen den Übertretern seines heiligen Gebotes.

Ferner ist hier zu beachten, dass Gott kein Gebot mit solchem Nachdru­cke eingeschärft hat als eben das dritte: „Gedenke, dass du den Sabbat heiligest!“ (2 Mos 20, 8) Auch ist kein Gebot unter so starken Dro­hungen gegeben worden als gerade dieses; denn Gott droht den Über­tretern mit dem Fluche über ihre Früchte und Scheunen (2 Mos 31, 14; 35, 2; 5 Mos 28, 15 ff.; Ez 20, 13).

Dem lieben Gott allein ist bewusst, warum allenthalben so viele Unge­witter die Früchte der Erde vernichten und warum so vielfache Armut einreißt: vielleicht weil wir die Sonn- und Feiertage so schlecht halten! Man erinnere sich doch einmal der frühern Zeiten, wo unsere Voreltern in so großem Überflusse gelebt haben!

Wenn eine fromme Seele mit ansieht, wie wir unsern Sabbat durch Mü­ßiggehen, Fraß und Völlerei, Herumlaufen und mit zeitlichen Geschäf­ten entweihen und schänden, so kann sie uns mit den Worten der Hei­ligen Schrift sagen: „Die Feinde spotten ihrer Sabbate!“ (Klgl 1, 7)

Verlangst du den Segen Gottes für deine Kinder, dein Haus, Acker und Vieh, so halte den Sonntag recht; denn Gott hat allen, die ihn halten, seinen zeitlichen und ewigen Segen versprochen (Jes 58, 13 f.).

Gebet um die Gnade, den Sonntag recht zu halten

O gütiger Gott und Herr, du hast strenge befohlen, einen Tag in der Woche zu heiligen, und drohest mir, wenn ich solches nicht tun würde, nicht allein mit zeitlichem, sondern auch mit ewigem Verder­ben. Darum bitte ich dich demütig: durchbohre mein Herz mit deiner göttlichen Furcht, auf dass ich mich scheue, an Sonn- und Feiertagen knechtliche Arbeit zu verrichten. Entzünde auch in mir und allen Men­schen die Liebe zu dir, dass wir dich an denselben loben und preisen, dir für deine Wohltaten danken, damit wir hienieden deinen zeitlichen und dereinst deinen ewigen Segen erlangen – durch Jesum Christum, der uns mit allem geistlichen Segen gesegnet hat (Eph 1, 3).

Gebet

O mein Jesu, wie groß muss diene Liebe und Sanftmut gewesen sein, welche du gegen deine erbitterten Feinde bewiesen, die bei allen Ge­legenheiten auf dich achtgegeben und dich zu verklagen, ja sogar zu töten Anlass gesucht haben! Du aber hast sie nicht nach Verdienst gestraft, nicht Böses mit Bösem vergolten, sondern ihnen nur Gutes erwiesen, indem du ihre Kranken gesund gemacht, sie allenthalben unterrichtet und ohne Scheu die Wahrheit gelehrt hast, wie du denn auch im heutigen Evangelium ihnen klar zeigtest, dass es notwendiger sei, am Sabbate einem kranken Menschen zu helfen, als einen Ochsen oder Esel, der in eine Grube gefallen, herauszuziehen. Ach liebreichster Jesu, wir bitten dich, du wollest uns mit solchem Seeleneifer erfüllen, dass wir, wie billig, größere Sorge tragen für unsere und des Nächsten so teuer erkaufte Seele, als für das unvernünftige Vieh, welches leider Gottes bei so vielen den Vorzug hat. Gib auch, o demütigster Jesu, dass wir nach deiner Lehre und deinem Beispiele von Herzen demütig seien, niemanden verachten, sondern in Erkenntnis unserer Nichtigkeit hier uns erniedrigen, damit wir dereinst dort ewig von dir erhöht werden. Amen.
Quelle

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