Samstag, 28. September 2013

Unterricht für den neunzehnten Sonntag nach Pfingsten

Im Eingange der heiligen Messe verspricht Gott mit den Worten des Psalmisten, dass er sein Volk in allen Anliegen erhören wolle, wofern es den Worten des Gesetzes willig Gehör schenken werde: „Ich bin das Heil des Volkes! In was immer für einer Trübsal sie zu mir rufen, werde ich sie erhören, und ich werde immer ihr Herr sein. Habe acht, mein Volk, auf mein Gesetz; neiget euer Ohr zu den Worten meines Mundes (Ps 77, 1). Ehre sei dem Vater ...

Gebet
Allmächtiger und barmherziger Gott, wende gnädig alles Widrige von uns ab, damit wir, gesund an Leib und Seele, was dein Wille ist, mit freiem Geiste vollbringen – durch Jesum Christum, deinen Sohn, un­sern Herrn ... Amen.

Epistel des Hl. Paulus an die Epheser
4, 23 – 28
Brüder! Erneuert euch im Geiste eures Gemütes und ziehet den neu­en Menschen an, der nach Gott geschaffen ist, in Gerechtigkeit und wahrhafter Heiligkeit. Darum leget ab die Lüge, redet Wahrheit ein je­der mit seinem Nächsten; denn wir sind Glieder untereinander. Zürnet ihr, so sündiget nicht; die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorne. Gebet nicht Raum dem Teufel! Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen Gutes, damit er habe, um dem, der Mangel leidet, mitzuteilen.

Der Apostel ermahnt uns, dass wir den alten Menschen ausziehen, nämlich Lüge, Zorn, Diebstahl u. s. w., uns erneuern und einen neuen Menschen anziehen sollen, worunter die Besserung des Lebens und die Übung aller christlichen Tugenden verstanden wird. Durch die Betrach­tung der ewigen Dinge und durch Erforschung des Gewissens erneuert sich der Geist. Es ist ein überaus kräftiges Mittel, sich im Geiste zu er­neuern und gleichsam einen neuen Menschen anzuziehen, wenn man täglich mit dem frischen Vorsatze, sein Leben zu ändern, spricht: „ Nun will ich anfangen! Diese Änderung kommt von der Rechten des Allerhöchsten“ (Ps 78, 11).

Anmutung. Gib mir die Gnade, o Herr, dass ich meinen Geist durch andächtige Betrachtungen, Erforschung des Gewissens und feste Vor­sätze, aufs neue im Guten zuzunehmen, erneuere und durch Besserung meines Lebens einen neuen Menschen anziehe, der nach dem Eben­bilde Gottes in Gerechtigkeit und wahrhafter Heiligkeit geschaffen ist (Eph 4, 23 f.).

Evangelium des Hl. Matthäus
22, 1 – 14
In jener Zeit trug Jesus den Hohenpriestern und Pharisäern folgende Gleichnisrede vor: Das Himmelreich ist einem Könige gleich, der sei­nem Sohne Hochzeit hielt. Er sandte seine Knechte aus, um die Ge­ladenen zur Hochzeit zu berufen; aber sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget den Ge­ladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit; kommet zur Hochzeit. Sie aber achteten es nicht und gingen ihre Wege, einer auf seinen Meierhof, der andere zu seinem Gewerbe. Die übrigen aber ergriffen seine Knechte, taten ihnen Schmach an und ermordeten sie. Als dies der König hörte, ward er zornig, sandte seine Kriegsvölker aus und ließ jene Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Dann sprach er zu seinen Knechten: Das Hochzeitsmahl ist zwar bereitet, allein die Geladenen waren dessen nicht wert. Gehet also auf die of­fenen Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr immer findet. Und sei­ne Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten alle zusammen, die sie fanden, Gute und Böse; und die Hochzeit ward mit Gästen ganz besetzt. Der König aber ging hinein, um die Gäste zu beschau­en, und er sah daselbst einen Menschen, der kein hochzeitliches Kleid anhatte. Und er sprach zu ihm: Freund, wie bist du da hereinge­kommen, da du kein hochzeitliches Kleid anhast? Er aber verstumm­te. Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn hinaus in die äußerste Finsternis; da wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind berufen, wenige aber aus­erwählt.

Wer ist unter dem Könige zu verstehen, der seinem Sohne Hochzeit hielt?

Gott der Vater, der seinen eingebornen Sohn mit der menschlichen Na­tur im Schoße der reinsten Jungfrau Maria vermählte, wodurch er uns die himmlische Freude und Seligkeit erworben hat.

Warum wird die himmlische Freude mit einer Hochzeit verglichen?
Wegen der vielfältigen Freuden, die man ewig im Himmel genießen wird; sodann, damit der Mensch durch Betrachtung der sichtbaren Din­ge sich zu den unsichtbaren erschwinge, wie St. Gregorius spricht.

Worin besteht die Seligkeit des Himmels?
Die Seligen schauen Gott, wie er ist, von Angesicht zu Angesicht in sei­ner ganzen unendlichen Schönheit und Vollkommenheit, und werden dadurch zu unbeschreiblicher Freude und Liebe zu ihm hingerissen. Durch diese Anschauung und Liebe sind sie ewig und unzertrennlich mit Gott verbunden und besitzen ihn, das höchste Gut, auf das Vollkom­menste. In ihm besitzen sie die Fülle aller andern Güter: wie man etwa in einem einzigen, funkenden Diamanten ein ungeheures Vermögen zum Eigentum haben kann.

Zugleich werden die Seligen Gott selber ähnlich und erhalten Anteil an seiner unendlichen Weisheit, Güte und Schönheit, soweit dies für Ge­schöpfe möglich und ihren Verdiensten angemessen ist.

Was ist unter dem hochzeitlichen Kleide zu verstehen, das einem der Gäs­te gemangelt hat?
Die Liebe Gottes oder die heiligmachende Gnade, weil diese die Seele zieren gleichwie das Kleid den Leib.

Warum ist der Geladene verstummt?
Damit alle erkennen mögen, dass sich keiner vor Gott wegen Mangels der Liebe werde entschuldigen können, da sie ein jeder haben kann, wenn er sie nur von Gott verlangt und sie üben will. Ist einer krank, so kann er sich entschuldigen, dass er nicht fasten, nicht die Kirche oder die Kranken besuchen könne. Ist einer arm, so kann er sich entschul­digen, dass er keine Almosen gebe. Aber keiner wird sich vor Gott wegen Mangels der Liebe und Gnade entschuldigen können, die ja der Allerärmste und Kränkste so gut wie der Reichste und Gesundeste erhalten kann. - Wer vor Gott erscheinen wird ohne dieses hochzeitliche Gewand, der wird in die Hölle geworfen werden. Viele, das ist alle, sind von Gott zur Seligkeit berufen; aber weinige sind auserwählt, weil es gar wenige sind, die mit der Gnade Gottes ihre bösen Neigungen be­zwingen und Gutes wirken wollen.

Anmutung. Ich danke dir, o Jesu, dass du mir durch deine Mensch­werdung die ewige Freude verdient hast. Gib mir die Gnade, dass ich das hochzeitliche Kleid, die wahre Liebe, anziehe, damit ich der himm­lischen Hochzeit würdig und nicht in die äußerste Finsternis verstoßen werde.

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Glaubenslehre von der himmlischen Freude

(Nach dem ehrwürdigen Beda)

Kann wohl ein Mensch die himmlischen Freuden beschreiben?
Nein; denn „kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, und in keines Menschen Herz ist es gekommen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1 Kor 2, 9). Alles, was das menschliche Herz wird ver­nüftigerweise verlangen können, das wird es im Himmel besitzen. Es ist nicht unbegründet, was die Gelehrten davon schreiben, dass nämlich auch die äußern Sinne des Menschen im Himmel ihre Ergötzlichkeit haben werden: das Auge von der Anschauung Christi, seiner Mutter und so vieler Heiliger, deren Angesichter alle wie die Sonne leuchten werden; das Ohr wird die liebliche Musik hören; der Geruchssinn wird sich ergötzen an dem Wohlgeruche, der den verklärten Leibern der Se­ligen entströmt, wie ja auch bekannt ist, dass auch jetzt schon die Leiber mancher Heiliger einen Wohlgeruch ausströmen; auch dem Ge­schmacksinne wird Gott innerlich eine unaussprechliche Süßigkeit ge­ben; das Gefühl wird sich frisch und gesund befinden in einer solchen Mäßigung von Hitze und Kälte, wie es nur immer wünschen kann. - Doch kann man am besten beschreiben, was nicht im Himmel sein wird. Es wird allda keine Armut sein noch Furcht vor Armut, keine Krankheit, kein Schmerz. Keiner zürnt da; denn keiner wird verletzt. Es ist da keine Begierlichkeit mehr, kein Verlangen nach Speisen; denn keiner hungert allda. Im Himmel ist kein Ehrgeiz; denn da ist jeder zufrieden mit dem Seinigen. Es ist da keine Furcht vor der Hölle oder vor den Nachstellungen des Teufels; denn diese bleiben ferne von da. - Die Heiligen im Himmel sind dergestalt einig unter sich, als hätten sie nur eine Seele. Alles ist da ruhig und friedlich und lautere Freude. Es ist auch allda ein immerwährender Glanz; denn Christus selbst erleuchtet den Himmel samt allen Heiligen, welche wie die Sterne leuchten; darum ist auch keine Finsternis da, noch Kälte noch Hitze. Des Himmels Seligkeit ist noch in keines Menschen Herz gestiegen, außer jenen, die würdig befunden worden, seine Freuden zu genießen, deren Namen im Buche des Lebens stehen.

Gebet
Allmächtiger, ewiger Gott! Wer kann deine Güte gegen uns elende Menschen genug loben und preisen? Obschon du rechtmäßige Ursa­che gehabt hättest, um unserer schweren Sünden willen uns aufs strengste zu strafen, ja gänzlich zu vernichten, hast du dennoch aus überreicher Güte und Barmherzigkeit uns alle zur köstlichen Hochzeit deines eingebornen Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, durch deine Diener berufen und hörest nicht auf, noch täglich uns zu rufen. Wir bitten dich, o himmlischer Vater, gib, dass wir so große uns angebo­tene Gnaden nicht verachten, uns nicht durch zeitliche Geschäfte und Sorgen von deinem ewigen Freudenmahle abhalten lassen, sondern uns mit dem hochzeitlichen Kleide der wahren Liebe zieren, damit wir, wenn du kommst, deine Gäste zu beschauen, von die befragt nicht verstummen müssen und nicht mit gebundenen Händen und Füßen in die äußerste Finsternis geworfen, sondern als liebe Gäste in die himmlischen Freuden aufgenommen werden. Amen.
Quelle

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