Gebet
Allmächtiger und barmherziger Gott, wende gnädig alles Widrige von
uns ab, damit wir, gesund an Leib und Seele, was dein Wille ist, mit
freiem Geiste vollbringen – durch Jesum Christum, deinen Sohn,
unsern Herrn ... Amen.
Epistel des Hl. Paulus an die Epheser
4, 23 – 28
Brüder! Erneuert euch im Geiste eures Gemütes und ziehet den neuen
Menschen an, der nach Gott geschaffen ist, in Gerechtigkeit und
wahrhafter Heiligkeit. Darum leget ab die Lüge, redet Wahrheit ein
jeder mit seinem Nächsten; denn wir sind Glieder untereinander.
Zürnet ihr, so sündiget nicht; die Sonne gehe nicht unter über
eurem Zorne. Gebet nicht Raum dem Teufel! Wer gestohlen hat, stehle
nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen
Gutes, damit er habe, um dem, der Mangel leidet, mitzuteilen.
Der Apostel ermahnt uns, dass wir den alten Menschen
ausziehen, nämlich Lüge, Zorn, Diebstahl u. s. w., uns erneuern und
einen neuen Menschen anziehen sollen, worunter die Besserung des
Lebens und die Übung aller christlichen Tugenden verstanden wird.
Durch die Betrachtung der ewigen Dinge und durch Erforschung des
Gewissens erneuert sich der Geist. Es ist ein überaus kräftiges
Mittel, sich im Geiste zu erneuern und gleichsam einen neuen
Menschen anzuziehen, wenn man täglich mit dem frischen Vorsatze,
sein Leben zu ändern, spricht: „ Nun will ich anfangen! Diese
Änderung kommt von der Rechten des Allerhöchsten“ (Ps 78, 11).
Anmutung. Gib mir die Gnade, o Herr, dass ich meinen
Geist durch andächtige Betrachtungen, Erforschung des Gewissens und
feste Vorsätze, aufs neue im Guten zuzunehmen, erneuere und
durch Besserung meines Lebens einen neuen Menschen anziehe, der nach
dem Ebenbilde Gottes in Gerechtigkeit und wahrhafter Heiligkeit
geschaffen ist (Eph 4, 23 f.).
Evangelium des Hl. Matthäus
22, 1 – 14
In jener Zeit trug Jesus den Hohenpriestern und Pharisäern folgende
Gleichnisrede vor: Das Himmelreich ist einem Könige gleich, der
seinem Sohne Hochzeit hielt. Er sandte seine Knechte aus, um die
Geladenen zur Hochzeit zu berufen; aber sie wollten nicht
kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget den
Geladenen: Siehe, mein Mahl habe ich bereitet, meine Ochsen und
das Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit; kommet zur
Hochzeit. Sie aber achteten es nicht und gingen ihre Wege, einer auf
seinen Meierhof, der andere zu seinem Gewerbe. Die übrigen aber
ergriffen seine Knechte, taten ihnen Schmach an und ermordeten sie.
Als dies der König hörte, ward er zornig, sandte seine Kriegsvölker
aus und ließ jene Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken.
Dann sprach er zu seinen Knechten: Das Hochzeitsmahl ist zwar
bereitet, allein die Geladenen waren dessen nicht wert. Gehet also
auf die offenen Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr immer
findet. Und seine Knechte gingen aus auf die Straßen und
brachten alle zusammen, die sie fanden, Gute und Böse; und die
Hochzeit ward mit Gästen ganz besetzt. Der König aber ging hinein,
um die Gäste zu beschauen, und er sah daselbst einen Menschen,
der kein hochzeitliches Kleid anhatte. Und er sprach zu ihm: Freund,
wie bist du da hereingekommen, da du kein hochzeitliches Kleid
anhast? Er aber verstummte. Da sprach der König zu den Dienern:
Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn hinaus in die äußerste
Finsternis; da wird Heulen und Zähneknirschen sein. Denn viele sind
berufen, wenige aber auserwählt.
Wer ist unter dem Könige zu verstehen, der seinem Sohne Hochzeit hielt?
Gott der Vater, der seinen eingebornen Sohn mit der
menschlichen Natur im Schoße der reinsten Jungfrau Maria
vermählte, wodurch er uns die himmlische Freude und Seligkeit
erworben hat.
Warum wird die himmlische Freude mit einer Hochzeit verglichen?
Wegen der vielfältigen Freuden, die man ewig im Himmel
genießen wird; sodann, damit der Mensch durch Betrachtung der
sichtbaren Dinge sich zu den unsichtbaren erschwinge, wie
St. Gregorius spricht.
Worin besteht die Seligkeit des Himmels?
Die Seligen schauen Gott, wie er ist, von Angesicht zu
Angesicht in seiner ganzen unendlichen Schönheit und
Vollkommenheit, und werden dadurch zu unbeschreiblicher Freude und
Liebe zu ihm hingerissen. Durch diese Anschauung und Liebe sind sie
ewig und unzertrennlich mit Gott verbunden und besitzen ihn, das
höchste Gut, auf das Vollkommenste. In ihm besitzen sie die
Fülle aller andern Güter: wie man etwa in einem einzigen, funkenden
Diamanten ein ungeheures Vermögen zum Eigentum haben kann.
Zugleich werden die Seligen Gott selber ähnlich und
erhalten Anteil an seiner unendlichen Weisheit, Güte und Schönheit,
soweit dies für Geschöpfe möglich und ihren Verdiensten
angemessen ist.
Was ist unter dem hochzeitlichen Kleide zu verstehen, das einem der Gäste gemangelt hat?
Die Liebe Gottes oder die heiligmachende Gnade, weil
diese die Seele zieren gleichwie das Kleid den Leib.
Warum ist der Geladene verstummt?
Damit alle erkennen mögen, dass sich keiner vor Gott
wegen Mangels der Liebe werde entschuldigen können, da sie ein jeder
haben kann, wenn er sie nur von Gott verlangt und sie üben will. Ist
einer krank, so kann er sich entschuldigen, dass er nicht fasten,
nicht die Kirche oder die Kranken besuchen könne. Ist einer arm, so
kann er sich entschuldigen, dass er keine Almosen gebe. Aber
keiner wird sich vor Gott wegen Mangels der Liebe und Gnade
entschuldigen können, die ja der Allerärmste und Kränkste so gut
wie der Reichste und Gesundeste erhalten kann. - Wer vor Gott
erscheinen wird ohne dieses hochzeitliche Gewand, der wird in die
Hölle geworfen werden. Viele, das ist alle, sind von Gott zur
Seligkeit berufen; aber weinige sind auserwählt, weil es gar wenige
sind, die mit der Gnade Gottes ihre bösen Neigungen bezwingen
und Gutes wirken wollen.
Anmutung. Ich danke dir, o Jesu, dass du mir durch
deine Menschwerdung die ewige Freude verdient hast. Gib mir die
Gnade, dass ich das hochzeitliche Kleid, die wahre Liebe, anziehe,
damit ich der himmlischen Hochzeit würdig und nicht in die
äußerste Finsternis verstoßen werde.
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Glaubenslehre von der himmlischen Freude
(Nach dem ehrwürdigen Beda)Kann wohl ein Mensch die himmlischen Freuden beschreiben?
Nein; denn „kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es
gehört, und in keines Menschen Herz ist es gekommen, was Gott denen
bereitet hat, die ihn lieben“ (1 Kor 2, 9). Alles, was
das menschliche Herz wird vernüftigerweise verlangen können,
das wird es im Himmel besitzen. Es ist nicht unbegründet, was die
Gelehrten davon schreiben, dass nämlich auch die äußern Sinne des
Menschen im Himmel ihre Ergötzlichkeit haben werden: das Auge von
der Anschauung Christi, seiner Mutter und so vieler Heiliger, deren
Angesichter alle wie die Sonne leuchten werden; das Ohr wird die
liebliche Musik hören; der Geruchssinn wird sich ergötzen an dem
Wohlgeruche, der den verklärten Leibern der Seligen entströmt,
wie ja auch bekannt ist, dass auch jetzt schon die Leiber mancher
Heiliger einen Wohlgeruch ausströmen; auch dem Geschmacksinne
wird Gott innerlich eine unaussprechliche Süßigkeit geben; das
Gefühl wird sich frisch und gesund befinden in einer solchen
Mäßigung von Hitze und Kälte, wie es nur immer wünschen kann. -
Doch kann man am besten beschreiben, was nicht im Himmel sein wird.
Es wird allda keine Armut sein noch Furcht vor Armut, keine
Krankheit, kein Schmerz. Keiner zürnt da; denn keiner wird verletzt.
Es ist da keine Begierlichkeit mehr, kein Verlangen nach Speisen;
denn keiner hungert allda. Im Himmel ist kein Ehrgeiz; denn da ist
jeder zufrieden mit dem Seinigen. Es ist da keine Furcht vor der
Hölle oder vor den Nachstellungen des Teufels; denn diese bleiben
ferne von da. - Die Heiligen im Himmel sind dergestalt einig unter
sich, als hätten sie nur eine Seele. Alles ist da ruhig und
friedlich und lautere Freude. Es ist auch allda ein immerwährender
Glanz; denn Christus selbst erleuchtet den Himmel samt allen
Heiligen, welche wie die Sterne leuchten; darum ist auch keine
Finsternis da, noch Kälte noch Hitze. Des Himmels Seligkeit ist noch
in keines Menschen Herz gestiegen, außer jenen, die würdig befunden
worden, seine Freuden zu genießen, deren Namen im Buche des Lebens
stehen.
Gebet
Allmächtiger, ewiger Gott! Wer kann deine Güte gegen uns elende
Menschen genug loben und preisen? Obschon du rechtmäßige Ursache
gehabt hättest, um unserer schweren Sünden willen uns aufs
strengste zu strafen, ja gänzlich zu vernichten, hast du dennoch aus
überreicher Güte und Barmherzigkeit uns alle zur köstlichen
Hochzeit deines eingebornen Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, durch
deine Diener berufen und hörest nicht auf, noch täglich uns zu
rufen. Wir bitten dich, o himmlischer Vater, gib, dass wir so große
uns angebotene Gnaden nicht verachten, uns nicht durch zeitliche
Geschäfte und Sorgen von deinem ewigen Freudenmahle abhalten lassen,
sondern uns mit dem hochzeitlichen Kleide der wahren Liebe zieren,
damit wir, wenn du kommst, deine Gäste zu beschauen, von die befragt
nicht verstummen müssen und nicht mit gebundenen Händen und Füßen
in die äußerste Finsternis geworfen, sondern als liebe Gäste in
die himmlischen Freuden aufgenommen werden. Amen.
Quelle
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