Dienstag, 15. März 2011

Still geschwinde, still ihr Winde (8 Strophen)

1. Still geschwinde, still ihr Winde,
Stört dem Kind nicht Seine Ruh,
Nicht mehr blaset, nicht mehr raset,
Schaut, Es schließt die Augen zu:
Hier liegt Der, so euch gebietet,
Dass ihr brauset, tobet, wütet,
Oder gänzlich schweiget still, Wie Er will.

2. Schnee und Regen soll sich legen,
Mehrt dem Kinde nicht die Qual.
Luft und Erde: ihnen werde,
Dass hier ruhet in dem Stall,
Welcher sonst wie Wolken schneiet,
Und Sein Eis mit Zagen streuet,
Dass sich niemand fast erhält Für der Kält.

3. Legt euch nieder, schwache Glieder,
So bekleiden unsern Gott;
Augenlider, schließt euch wieder,
Und vergesset aller Not!
Lasset Den doch ruhig schlafen,
Der den Saul und dessen Waffen,
Die dem David nachgetracht, Schlafen macht.

4. Nun will schlafen, Der erschaffen
Und bewahret alle Ding:
Statt der Strafen, Heil zu schaffen,
Macht Er sich hier selbst gering.
Höchste Macht, lässt Du Dich binden;
Da der Schlaf um uns’re Sünden
Mit dem Bild der Sterblichkeit Dich bekleidt?

5. Aber sehet und verstehet,
Wenn das Aug’ der Menschlichkeit
Stille stehet und zugehet,
Wacht doch Sein’ Fürsichtigkeit,
Dass die Erde nicht mag wanken,
Gar das wilde Meer sein’ Schranken
Nicht in Ungestümigkeit Überschreit.

6. Ich behüte eure Tritte,
Spricht Er, denn Ich schlafe zwar:
Mein Gemüte, Meine Güte
Aber wacht für Meine Schar;
Da Ich euch ganz schwach erscheine,
Friere, ächze, leide, weine,
Wird Mein’ höchste Macht der Welt Vorgestellt.

7. Drum geschwinde still ihr Winde!
Sturm, Frost, Hagel, Schnee und Eis,
So erfüllen Gottes Willen,
Bringt dem Herren Lob und Preis!
Alle, ihr erschaff’ne Geister
Lobet jenen höchsten Meister,
Der euch alle Wirkungskraft Hat geschafft.

8. Berg und Hügel, all Geflügel,
Bringt dem Herren Lob und Ehr;
Zeder, Eichen, so da reichen
Über hohe Wolken her;
Jedes Blatt und jede Rinde
Seines Schöpfers Lob verkünde;
Rühmet alle, Jung und Alt, Sein Gewalt.

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