Freitag, 9. März 2012

Freitag der zweiten Fastenwoche

15. Schluss der vorigen Betrachtung
Was bisher erwähnt wurde, das geschah in Gegenwart des Kaiphas und des ganzen Rates. Da sich aber diese zur Ruhe begaben und das unschuldige Lämmlein in den Händen der Diener zurückließen, ihn nach allem Mutwillen zu quälen, da kannst du dir leicht einbilden, was sie getan haben. Der Hl. Lukas sagt: „Die Männer, die ihn fest hielten, verspotteten und schlugen ihn.“ Wie sie ihn aber verspottet haben, das überlässt er unserer Betrachtung. Nun kann man aber leicht denken, wie diese Teufelsdiener den Messias verhöhnt haben. Denn weil der höllische Fürst, welcher alle Verdammten ewig verspotten wird, ihr Rädelsführer war, darum gab er ihnen in den Sinn, dass sie ihm allen Spott zufügen sollten, welchen er den verdammten Seelen anzutun pflegt; was sie auch wirklich taten.
Sie setzten ihm eine Narrenkappe auf sein Hl. Haupt und machten vor ihm spöttische Verbeugungen mit den schimpflichsten Gebärden. Diese Kappe rissen und drehten sie nach allen Seiten herum, und zogen sie bisweilen mit großem Gelächter herab. Sie setzten ihm eine Strohkrone auf und führten ihn so im Saale herum, und wo er vorbeiging, beugten sie schimpflich ihre Knie und machten ihm spöttische Verneigungen. Sie setzten ihn auf einen Stuhl und tanzten um ihn herum; dann zogen sie den Stuhl unter ihm weg, dass der gütige Heiland zu Boden fallen musste. So trieben sie noch vielen Mutwillen mit ihm, den kein Mensch beschreiben kann. Wie meinst du, dass diese Misshandlungen ihn geschmerzt haben werden? Vernimm hierüber seine eigenen Worte, mit denen er sich gegen die Hl. Brigitta beklagt hat: „Mein Kind! Gedenke, wie diese schwere Schmach mir zu Herzen gegangen sei, weil sie nicht allein meiner Menschheit, sondern auch meiner Gottheit zum höchsten Schimpfe gereichte. Du weißt wohl, dass dir nichts so wehe tut, als wenn du ausgelacht oder verspottet wirst. So bedenke denn, wie es mich geschmerzt habe, da ich ganz unschuldig, ja der ewige Gott selbst war. Glaube sicherlich, dass alle Worte mir einen Stich ins Herz gaben, und dass ich lieber jedes Mal einen Stich durch den ganzen Leib empfangen hätte, als diese Worte anhören wollen. All dieses Leiden würde ich aber gern ertragen haben, wenn ich nur jetziger Zeit nicht noch sogar verachtet und geschändet würde!

Ich werde für das verächtlichste Geschöpf gehalten; denn was ist in einem Hause verächtlicher, als ein Hund oder eine Katze: und dennoch liebt man diese mehr, als mich! Es ist kein Ding so klein, wenn es dem Herzen schmeichelt, dass es nicht inbrünstiger begehrt werde, als eben ich, und die Leute haben nichts so Geringes, dass sie es nicht mehr liebten, als mich. Für Alles ist ihnen leid, nur für mich nicht. Es ist ihnen leid für ihren eigenen und ihrer Freunde Schaden, es ist ihnen leid für Verletzung eines einzigen Wortes, es ist ihnen leid, das sie andere Menschen, die mehr als sie sind, beleidigen; es ist ihnen aber nicht leid, dass sie mich, den Herrn und Schöpfer aller Dinge, beleidigen.“

Siehe, mein lieber Christ, so hat sich vor Zeiten Christus gegen die Hl. Brigitta beklagt; und noch jetzt klagt er dasselbe. Darum bitte ich dich, handle nicht so, wie andere Menschen, sondern liebe ihn mehr, als alle erschaffenen Wesen.

Gebet
O mein herzliebster Jesus! Ich bekenne, dass du diese Klage mehr über mich, als über irgend einen Menschen führen könnest: ja ich glaube, du habest dies Alles über mich geklagt; denn Alles betrifft mich, und selbst noch viel Ärgeres habe ich getan. Ich habe dich weniger, als die geringsten Dinge geschätzt, und mich über den Verlust der wertlosesten Gegenstände mehr betrübt, als wenn ich dich durch die Sünde verloren hätte. Um Kleinigkeiten fing ich oft Zank und Streit an, und wollte lieber dich verlieren, als ein unbedeutsames Geschöpf. O welche Torheit und unglaubliche Blindheit! Soll mir wohl irgend etwas auf dieser Welt lieber und teurer sein, als der Herr des Himmels und der Erde? Und doch wollte ich oft schon, um einige Pfennige zu verdienen, den Himmel verlieren! O Gott, erleuchte meine Blindheit und verzeihe mir meine Unwissenheit! Es soll gewiss nicht mehr geschehen, wenn du, o Herr, mir nur deine Gnade dazu verleihest. Ich will mein Herz nimmermehr auf solche geringen Dinge, sondern auf dich und die Schätze deiner unendlichen Reichtümer setzen. Ich bitte dich durch allen Schimpf und Spott, welcher dir im Hause des Kaiphas widerfuhr, verzeihe mir, dass ich dich bisher so wenig geachtet habe. Amen.

Keine Kommentare: