34. Das fünfte Wort Christi
Das fünfte Wort, welches der gekreuzigte Heiland geredet hat, war: „Mich dürstet!“ Er sprach dies ungefähr eine Viertelstunde nach drei Uhr, und beklagte sich damit über seinen brennenden Durst. Denn da hatte er so viel Blut vergossen, „dass all seine Kraft verdorret war, wie eine vertrocknete Scherbe.“ Er hatte auch so viel Schweiß und Tränen vergossen, dass keine Feuchtigkeit mehr in ihm war. Aus diesen und anderen Ursachen entstand in unserm Herrn ein solcher Durst, dergleichen kein Mensch jemals gelitten hat. Seine Zunge klebte vertrocknet am dürren Gaumen, seine Lippen waren zersprungen und sein Hals wie verbrannt vor der innerlichen Hitze. Was er sohin die ganze vorige Zeit seines Leidens verschwiegen hatte, das konnte er jetzt, in den letzten Augenblicken seines Lebens, nicht mehr zurückhalten. Damit alle Welt wissen und erkennen sollte, dass er auch die Pein des Durstes gelitten habe, rief er laut aus: „Mich dürstet!“ Es muss gewiss dieser Durst dem gütigen Heilande über alle Maßen bitter gewesen sein, weil er sich nicht enthalten konnte, über denselben zu klagen, da er doch viele andere schmerzliche Dinge schweigend ertragen hatte. Sein Hl. Haupt war voll Dornen und er klagte nicht darüber. Hände und Füße waren ihm mit Nägeln durchschlagen und er sagte nicht: Ach, wenn mir Jemand diese Nägel herauszöge! Sein ganzer Leib war mit Wunden bedeckt und er sprach nicht: Ach, wenn mir Jemand meine Wunden salbte! Drei Stunden lang hing er schon am Kreuze und schwieg; nur den Durst allein konnte er nicht ertragen, sondern rief kläglich aus: „Mich dürstet!“
Mit diesen Worten wollte er gleichsam sagen: O wenn doch Jemand wäre, der mir einen Trunk Wasser reichte, meinen brennenden Durst ein wenig zu löschen! Ich begehre ja keinen Wein oder lindernden Heiltrank, so sehr ich dessen bedürfte, sondern bitte nur demütigst um einige Tropfen Wasser. Ach, ihr lieben Leute, versaget mir doch die menschliche Liebe nicht, deren ich so sehr bedarf, habt Mitleiden mit mir Armen. Ihr sehet ja, dass ich ganz ausgetrocknet und verdorret bin; darum komme Jemand und reiche mir um Gotteswillen einen Trunk Wasser!
O wen sollte doch solch rührendes Klagen nicht tief zu Herzen gehen? Wie war es doch möglich, dass auch nur ein einziger Mensch dem Heilande diesen Dienst versagen konnte? Sag’ an, Johannes, wie kommt es, dass du deinem Meister nicht zu Hilfe eilest? Wie, du säumest, treue Magdalena, dem Geliebten deiner Seele einen Trunk Wasser zu holen? Ihr hättet ja nur den Hauptmann bitten dürfen, dass er euch vergönne, dem armen Gekreuzigten in dieser letzten Not einen Trunk zu reichen, gewiss hätte er es euch erlaubt. Es ist aber zu vermuten, Gott habe dies so angeordnet, dass Niemand sagen könne, sein armer Sohn habe den mindesten Trost in seinem Leben gehabt. Darum stelle dir vor, Jesus spräche also zu dir:
Mein Kind! Hast du auch Mitleid mit mir, und wenn du damals gegenwärtig gewesen wärest, würdest du mir wohl einen Trunk Wasser gereicht haben? Siehe, diese Liebe kannst du mir noch erzeigen, wenn du es treu mit mir meinst. Denn wenn du dir einen Trunk abbrichst und zu Ehren meines Durstes aufopferst, so nehme ich dieses mit solchem Danke an, das ob du mir am Kreuze den köstlichsten Wein zur Labung gereicht hättest. Wenn du mir aber dies versagst, so bist du ebenso unbarmherzig mit mir, wie meine Feinde gewesen sind.
Da unser lieber Herr seinen Durst so zum Erbarmen klagte, was meinst du wohl, dass die Umstehenden getan haben? Sollte ihm wohl Jemand einen Trunk Wein zur Stärkung seiner Schwäche gereicht haben? Ach, ich scheue mich, es zu sagen, weil es wider alle Menschlichkeit ist. Diese grausamen Tyrannen taten dem armen Heilande, der ihnen doch niemals das mindeste Leid zugefügt hatte, was wohl kein Mensch seinem ärgsten Feinde tun würde. Denn als sie ihn in seinen heftigsten Qualen so rührend bitten hörten, versagten sie ihm nicht bloß das Wasser, sondern aus teuflischer Bosheit tauchten sie einen Schwamm in ein Geschirr voll Essig (welches jederzeit bei den Gekreuzigten zur Bereitschaft stand, um ihnen das Blut zu stillen, damit sie desto langsamer stürben). Hernach tauchten sie diesen Schwamm in Galle, banden denselben auf ein Rohr und reihten ihn so dem dürstenden Christus hinauf.
O höchste Unbarmherzigkeit! Ist denn dies ein Trank für einen Sterbenden? O Tyrannei, nicht mit Worten zu beschreiben! Wie konntet ihr Unmenschen doch dem armen Gekreuzigten, der euch sein Leben lang nicht beleidigte, in seiner letzten Not solche Lieblosigkeit antun? Wenn ihr ihm kein Wasser geben wollet, warum gebt ihr ihm Galle und Essig? Ach, wie schmerzte dieses den sterbenden Christus, und wie sehr ging ihm diese Unmenschlichkeit und Schmach zu Herzen. Darum seufzte er tief auf, um seinen Schmerz zu zeigen; gleichwohl aber schlug er den bittern Trank nicht aus, sondern saugte an dem Schwamme. Ach, welch bitteren Geschmack im Munde, welchen Schmerz im Leibe wird ihm dieser Trank verursacht haben! So wurde durch diesen Trank die Natur Christi noch mehr geschwächt und seine Todespein vergrößert. Stelle dir hier vor, als wenn dein Heiland zu dir spräche: „Mein Kind! Geht dir mein Elend noch nicht zu Herzen? Erzürnest du dich nicht über die Henkersknechte, welche mir diesen geringsten Liebesdienst versagten, und statt des Wassers Galle und Essig zu trinken gaben? Hätte ich wohl unrecht gehandelt, wenn ich sie zum ewigen Durste in der Hölle verdammte? Allein bedenke, wie oft handelst du ebenso an mir, indem du dir nicht bloß keinen Abbruch in deinem Durste tust, sondern so manches überflüssige Glas Wein oder Bier oder sogar Branntwein aus lauter Sinnlichkeit und ohne Not, ja selbst über die Not trinkest. So oft du dies tust, ebenso viele Gläser voll Galle und Essig reichest du mir in meinem Durst.“
Gebet
O Herr Jesu Christe! Sollte dies wohl möglich sein, so wäre ich ärger, als deine Kreuziger; denn diese haben dich nur einmal mit Galle und Essig getränkt, ich tue aber dieses so oft. Denn ich habe in meinem Leben viel tausendmal ohne Not, aus Sinnlichkeit und ausgelassener Lust getrunken. Wehe mir gottlosem Menschen, der ich meinem Heilande so Böses zugefügt habe! Es ist mir aber leid, nicht sowohl wegen der zukünftigen Strafe, die ich verdient, sondern wegen der Unbarmherzigkeit und Schmach, die ich dir zugefügt habe. Ich bitte dich, mein Jesus, durch deinen bittern Trank, verzeih mir diese meine Sünde und gib mir Kraft, mich zu bessern. Für alle Strafen, welche ich dir wegen meines überflüssigen Essens und Trinkens schuldig bin, opfere ich dir deinen bittern Durst und Gallentrank. Amen.
Samstag, 31. März 2012
Freitag, 30. März 2012
Freitag der fünften Fastenwoche
33. Das vierte Wort Jesu
Unter allen Worten, welche der gekreuzigte Jesus gesprochen hat, ist keines schrecklicher, als das vierte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Diese Wort ist so kläglich, dass es das gefühlloseste Herz rühren muss. Damit du dasselbe recht verstehst, bedenke zuvor die äußerste Verlassenheit, welche Christus am Kreuze litt.
Man weiß aus Erfahrung, dass ein Mensch alles leibliche und geistige Kreuz wohl ertragen kann, wenn er nur innerlich getröstet und von Gott in der Geduld gestärkt wird. Ist aber Jemand in seinen Widerwärtigkeiten verlassen und entbehrt er des göttlichen Trostes, dann muss der Mensch verzweifeln. Nun bedenke, was dein Erlöser am Kreuze litt, und wie es ihm möglich war, seine Marter zu überstehen. Er war an Leib und Seele in solchem Elende, dass es nicht zu begreifen noch auszusprechen ist. Er war bei allen Menschen so verhasst, dass sie mit Worten und Werken Alles, was sie ersinnen konnten, ihm zu Leide taten. Er war von allen Umstehenden so verachtet, dass ihm kein einziger Mensch auch nur den geringsten Dienst leistete. Überdies war er von der Gottheit so gänzlich verlassen, dass er durchaus keinen Trost von derselben empfing. Wie war es ihm also möglich, diese unendliche Marter und äußerste Verlassenheit zu ertragen?
O christliche Seele! Beherzige um Gottes Willen das schreckliche Elend deines Erlösers und entsetze dich über die unermessliche Bitterkeit seiner Seele. Er hängt am Kreuze in solchen Schmerzen, dass er sich nicht zu helfen weiß. Alle verhöhnen und beschimpfen ihn; er ist an seiner Seele so voll Traurigkeit, dass er durchaus alles Trostes entbehren muss.
Als nun Jesus in solchem unermesslichem Elende war, konnte er sich nicht länger mehr zurückhalten, sondern musste dieses Leid vor aller Welt seinem himmlischen Vater klagen. Diese Klage beschreibt der Hl. Matthäus also: „Um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eli, eli, Lamma sabacthani? Das ist: Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen? Er redete dieses Wort nicht stille bei sich selbst, sondern damit es alle Welt höre, schrie er mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen?
O wunderbares, o schreckliches Wort, welches Himmel und Erde, Engel und Menschen in höchstes Erstaunen versetzt! Hier muss ein übernatürlicher Glaube obwalten, damit man glaube, dass geschehen sei, was weder die Vernunft noch die Natur zu fassen vermag. Dass sich ein Mensch über den andern, oder über sich selbst beklage, ist nichts Seltenes und Neues; dass aber der Sohn Gottes gegen seinen himmlischen Vater (sohin Gott über Gott selbst) sich beklage, das ist ein hohes Geheimnis, welches kaum erklärt werden kann. Ach, unsre Sünden erforderten eine so starke Genugtuung! Darum kann sich auch Christus mit Recht beklagen und sprechen: O Sünder, in welches Leid bringst du mich, und wie bitter sind deine Missetaten! Wenn du niemals gesündigt hättest, wäre ich nimmer in dieses Meer der Bitterkeit versenkt worden. Glaube nicht, dass ich nur für Andere litt, nein, ich leide auch für dich und wegen deiner Sünden. Denn gleich wie ich für dich sorge, als wärest du allein auf der Welt, so habe ich auch für dich gelitten, als ob du nur allein gesündigt hättest. Ohne Unterlass lagest auch du in meinem Sinne, beständig dachte ich an deine Sünden, welche mich mehr schmerzten, als der Tod, den ich leiden musste: und du willst dennoch kein Mitleiden mit mir tragen und nicht aufhören zu sündigen? Dann beklagte er sich gegen seinen Vater und rief darum mit lauter Stimme, damit es alle Menschen hören und erkennen sollten, dass seine Menschheit allein leide und durchaus keine Hilfe von der Gottheit habe. Denn weil er zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch war, hätten viele Menschen vermutet, Christus habe seine Marter leicht leiden können, weil die menschliche Natur von der Gottheit gestärkt worden sei. Damit Niemand dies glauben, sondern Alle die Überzeugung und feste Gewissheit haben sollten, dass seine Menschheit ohne irgend eine Hilfe gelitten und alle Schmerzen auf das Äußerste empfunden habe, darum wollte er zu Anfang seines Leidens blutigen Angstschweiß vergießen und jetzt am Ende mit heller Stimme ausrufen, dass er von der Gottheit ganz verlassen sei. Es ist zwar wahr, dass die Gottheit die menschliche Natur am Leben erhalten habe; denn sonst hätte Christus vor übermäßigen Schmerzen fast jeden Augenblick plötzlich sterben müssen. Dies war aber für die schwache Menschheit durchaus kein Trost, sondern nur um so schmerzlicher. Denn wäre sie früher gestorben, so hätte sie nicht so viel leiden dürfen; weil sie aber so lange mit dem Tode rang, und doch nicht sterben konnte, so war es der Menschheit kein größerer Trost als es einem armen Sünder ist, der unter langsamen Foltern nicht sterben kann, so sehnlich er auch den Tod herbeiwünscht. Und so wie die Menschen mit einem solchen Gefolterten herzliches Mitleid tragen und den Henker bitten, er wolle doch endlich den Tod des Unglücklichen beschleunigen; also hatten auch die gottliebenden Seelen mit Jesus das herzlichste Mitleid, weil sie sahen, das er ohne Unterlass mit dem Tode rang und doch nicht sterben konnte. O frommer Christ! Trage auch du Mitleid mit deinem verlassenen Heilande, und sprich zu seinem Troste folgende
Verehrung des vierten Wortes Christi
O betrübtester Heiland, Jesu Christe! Ich beherzige das vierte Wort, welches du am Kreuze sprachest, als du in großer Bitterkeit der Seele aus allen Kräften zu deinem Vater mit lauter Stimme riefest: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? O gütigster Jesu! In welchem traurigen Stande warst du damals, und wie tief waren dein Leib und deine Seele in das unermessliche Meer der Bitterkeit versenkt, als du mit weinenden Augen und klagender Stimme dieses entsetzliche Wort sprachest! Die Klage deines Mundes bezeugt die äußerste Verlassenheit deiner Seele. Dieser höchsten Trübsal erinnere ich dich, o gekreuzigter Jesu, und bitte dich, du wollest mich doch nimmermehr in Kleinmütigkeit fallen lassen. Gedenke, wie wehe dir deine Verlassenheit tat, gedenke der großen Seelenangst, die du erduldetest, und wie inbrünstig du deinen Vater um Linderung dieses innerlichen Leidens anriefest; dennoch wollte er dich nicht erhören, sondern ließ dich den Leidenskelch bis auf den Grund leeren. Weil du aber nun um meinetwillen diese bitterste Verlassenheit ausstehen musstest, so bitte ich dich durch dieselbe, du wollest mich nicht ewig verlassen und in diesem Zustande der Verzweiflung preisgeben. Amen.
Unter allen Worten, welche der gekreuzigte Jesus gesprochen hat, ist keines schrecklicher, als das vierte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Diese Wort ist so kläglich, dass es das gefühlloseste Herz rühren muss. Damit du dasselbe recht verstehst, bedenke zuvor die äußerste Verlassenheit, welche Christus am Kreuze litt.
Man weiß aus Erfahrung, dass ein Mensch alles leibliche und geistige Kreuz wohl ertragen kann, wenn er nur innerlich getröstet und von Gott in der Geduld gestärkt wird. Ist aber Jemand in seinen Widerwärtigkeiten verlassen und entbehrt er des göttlichen Trostes, dann muss der Mensch verzweifeln. Nun bedenke, was dein Erlöser am Kreuze litt, und wie es ihm möglich war, seine Marter zu überstehen. Er war an Leib und Seele in solchem Elende, dass es nicht zu begreifen noch auszusprechen ist. Er war bei allen Menschen so verhasst, dass sie mit Worten und Werken Alles, was sie ersinnen konnten, ihm zu Leide taten. Er war von allen Umstehenden so verachtet, dass ihm kein einziger Mensch auch nur den geringsten Dienst leistete. Überdies war er von der Gottheit so gänzlich verlassen, dass er durchaus keinen Trost von derselben empfing. Wie war es ihm also möglich, diese unendliche Marter und äußerste Verlassenheit zu ertragen?
O christliche Seele! Beherzige um Gottes Willen das schreckliche Elend deines Erlösers und entsetze dich über die unermessliche Bitterkeit seiner Seele. Er hängt am Kreuze in solchen Schmerzen, dass er sich nicht zu helfen weiß. Alle verhöhnen und beschimpfen ihn; er ist an seiner Seele so voll Traurigkeit, dass er durchaus alles Trostes entbehren muss.
Als nun Jesus in solchem unermesslichem Elende war, konnte er sich nicht länger mehr zurückhalten, sondern musste dieses Leid vor aller Welt seinem himmlischen Vater klagen. Diese Klage beschreibt der Hl. Matthäus also: „Um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eli, eli, Lamma sabacthani? Das ist: Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen? Er redete dieses Wort nicht stille bei sich selbst, sondern damit es alle Welt höre, schrie er mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen?
O wunderbares, o schreckliches Wort, welches Himmel und Erde, Engel und Menschen in höchstes Erstaunen versetzt! Hier muss ein übernatürlicher Glaube obwalten, damit man glaube, dass geschehen sei, was weder die Vernunft noch die Natur zu fassen vermag. Dass sich ein Mensch über den andern, oder über sich selbst beklage, ist nichts Seltenes und Neues; dass aber der Sohn Gottes gegen seinen himmlischen Vater (sohin Gott über Gott selbst) sich beklage, das ist ein hohes Geheimnis, welches kaum erklärt werden kann. Ach, unsre Sünden erforderten eine so starke Genugtuung! Darum kann sich auch Christus mit Recht beklagen und sprechen: O Sünder, in welches Leid bringst du mich, und wie bitter sind deine Missetaten! Wenn du niemals gesündigt hättest, wäre ich nimmer in dieses Meer der Bitterkeit versenkt worden. Glaube nicht, dass ich nur für Andere litt, nein, ich leide auch für dich und wegen deiner Sünden. Denn gleich wie ich für dich sorge, als wärest du allein auf der Welt, so habe ich auch für dich gelitten, als ob du nur allein gesündigt hättest. Ohne Unterlass lagest auch du in meinem Sinne, beständig dachte ich an deine Sünden, welche mich mehr schmerzten, als der Tod, den ich leiden musste: und du willst dennoch kein Mitleiden mit mir tragen und nicht aufhören zu sündigen? Dann beklagte er sich gegen seinen Vater und rief darum mit lauter Stimme, damit es alle Menschen hören und erkennen sollten, dass seine Menschheit allein leide und durchaus keine Hilfe von der Gottheit habe. Denn weil er zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch war, hätten viele Menschen vermutet, Christus habe seine Marter leicht leiden können, weil die menschliche Natur von der Gottheit gestärkt worden sei. Damit Niemand dies glauben, sondern Alle die Überzeugung und feste Gewissheit haben sollten, dass seine Menschheit ohne irgend eine Hilfe gelitten und alle Schmerzen auf das Äußerste empfunden habe, darum wollte er zu Anfang seines Leidens blutigen Angstschweiß vergießen und jetzt am Ende mit heller Stimme ausrufen, dass er von der Gottheit ganz verlassen sei. Es ist zwar wahr, dass die Gottheit die menschliche Natur am Leben erhalten habe; denn sonst hätte Christus vor übermäßigen Schmerzen fast jeden Augenblick plötzlich sterben müssen. Dies war aber für die schwache Menschheit durchaus kein Trost, sondern nur um so schmerzlicher. Denn wäre sie früher gestorben, so hätte sie nicht so viel leiden dürfen; weil sie aber so lange mit dem Tode rang, und doch nicht sterben konnte, so war es der Menschheit kein größerer Trost als es einem armen Sünder ist, der unter langsamen Foltern nicht sterben kann, so sehnlich er auch den Tod herbeiwünscht. Und so wie die Menschen mit einem solchen Gefolterten herzliches Mitleid tragen und den Henker bitten, er wolle doch endlich den Tod des Unglücklichen beschleunigen; also hatten auch die gottliebenden Seelen mit Jesus das herzlichste Mitleid, weil sie sahen, das er ohne Unterlass mit dem Tode rang und doch nicht sterben konnte. O frommer Christ! Trage auch du Mitleid mit deinem verlassenen Heilande, und sprich zu seinem Troste folgende
Verehrung des vierten Wortes Christi
O betrübtester Heiland, Jesu Christe! Ich beherzige das vierte Wort, welches du am Kreuze sprachest, als du in großer Bitterkeit der Seele aus allen Kräften zu deinem Vater mit lauter Stimme riefest: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? O gütigster Jesu! In welchem traurigen Stande warst du damals, und wie tief waren dein Leib und deine Seele in das unermessliche Meer der Bitterkeit versenkt, als du mit weinenden Augen und klagender Stimme dieses entsetzliche Wort sprachest! Die Klage deines Mundes bezeugt die äußerste Verlassenheit deiner Seele. Dieser höchsten Trübsal erinnere ich dich, o gekreuzigter Jesu, und bitte dich, du wollest mich doch nimmermehr in Kleinmütigkeit fallen lassen. Gedenke, wie wehe dir deine Verlassenheit tat, gedenke der großen Seelenangst, die du erduldetest, und wie inbrünstig du deinen Vater um Linderung dieses innerlichen Leidens anriefest; dennoch wollte er dich nicht erhören, sondern ließ dich den Leidenskelch bis auf den Grund leeren. Weil du aber nun um meinetwillen diese bitterste Verlassenheit ausstehen musstest, so bitte ich dich durch dieselbe, du wollest mich nicht ewig verlassen und in diesem Zustande der Verzweiflung preisgeben. Amen.
Donnerstag, 29. März 2012
Donnerstag der fünften Fastenwoche
32. Das dritte Wort Christi
Das dritte Wort, welches Jesus am Kreuze geredet, beschreibt Johannes also: „Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, stehen sah, sprach er zu seiner Mutter: „Weib, siehe, dein Sohn!“ Hierauf sprach er zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ In diesen wenigen Worten sind solche hohe Geheimnisse enthalten, dass sie kein Mensch würdig zu erklären vermag, deshalb wollen wir uns begnügen, dieselben in Einfalt zu betrachten.
Das erste Wort in dieser Beschreibung ist „Es stand.“ Gewiss ein unglaubliches Wort! Sollte denn die schmerzhafte Mutter bei so vielen Leiden noch stehen können? Was Maria damals litt, schildert der Hl. Bonaventura folgendermaßen: „Der Sohn litt am Leibe, die Mutter aber am Herzen. Alle Wunden, die in dem Leibe des Sohnes verteilt waren, sind in dem Herzen der Mutter verteilt gewesen.“ Wenn demnach Maria an ihrem Herzen so viele Wunden hatte, als Christus an seinem ganzen Leibe, wie war es denn möglich, dass sie noch stehen konnte? Unser Herz ist ja so empfindlich, dass es nicht einen Nadelstich ertragen kann; wie konnte also das Herz Mariä leben, das so viele Wunden an sich hatte? O Gott! Welche Marter erduldete sie.
Sie hatte nicht allein die Wunden, sondern auch die Nägel und Dornen Christi in ihrem Herzen, ja sie war gleichsam leiblicher Weise mit ihrem Sohne gekreuzigt, wie oben erwähnt wurde; wie war es demnach möglich, dass sie noch leben konnte? Gleichwohl stand sie bei dem Kreuze, jedoch so erbarmungswürdig, dass die Engel des Himmels mit ihr Mitleid trugen. Bedenke, wie die arme Mutter stand, da sie selbst zur Hl. Brigitta hievon sprach: „Ich sage zuversichtlich, dass sein Schmerz auch mein Schmerz war, weil sein Herz auch mein Herz war.“
Indem Maria so kläglich unter dem Kreuze stand und ohne Unterlass zu ihrem Sohne hinaufseufzte, erhob der gekreuzigte Jesus seine blutigen Augen und sah seine arme Mutter mitleidig an, was Johannes ausdrücklich mit den Worten sagt: „Da nun Jesus seine Mutter sah.“ O wohl ein Anblick zum Erbarmen! –
Der liebevolle Sohn hätte seine geliebte Mutter so gerne getröstet; aber er verwundete ihr Herz mit noch heftigerem Schmerze; denn je freundlicher er sie ansah, desto tiefer durchdrang es ihre Seele. Bedenke, wie sie so erbärmlich dastand, als Christus seine blutigen Augen auf Maria, und Maria ihre weinenden Augen auf Christus richtete, und ihre Blicke sich begegneten. Höre, was hierüber Maria zur Hl. Brigitta sprach: „Als mich mein Sohn vom Kreuze herab ansah, und ich zu ihm hinaufschaute, flossen die Zähren aus meinen Augen, wie das Wasser aus den Brunnquellen. Und da er mich mit Schmerzen beladen ansah, wurde er dadurch so sehr gekränkt, dass wegen meines Schmerzes die Schmerzen seiner Wunden gleichsam aufhörten.“ Dies war der Trost, den sie von einander hatten, als sie sich einander ansahen, nämlich, dass sie sich gegenseitig das Herz verwundeten.
Die Liebe aber zwischen Jesus und Maria war viel tausendmal größer, als sie zwischen allen Menschen sein kann. Darum war ihr Scheiden auch viel schmerzlicher und bitterer, als aller erschaffenen Herzen. Er sah sich daher in der ganzen Welt um, wo er einen treuen Freund finden möge, der vor allen würdig sei, seine Mutter in seinen Schutz zu nehmen. Er fand aber keinen anderen, als eben den liebreichsten und reinsten Jünger Johannes. Darum wendete sich der Herr mit größter Affektion seiner Menschheit und größter Kraft seiner Gottheit zu seiner Mutter und seinem Jünger, und empfahl Maria dem Johannes mit den Worten: „Weib, sieh hier dein Sohn!“ Dadurch wollte er gleichsam sagen: Liebste Mutter! Ich weiß, welch großen Schmerz du um meinetwillen leidest und wie herzlich du dich betrübest, dass du mich verlieren musst. Dies kann aber nun einmal nicht anders sein; denn die göttliche Gerechtigkeit erfordert es, dass ich sterben muss. Weil ich daher nicht länger sichtbar bei dir sein kann, so gebe ich dir an meiner Statt meinen getreuesten Jünger Johannes zu einem Sohne. Dieser soll dir fortan beistehen und in allen Stücken Gehorsam leisten. Trauere daher nicht länger mehr, als wenn du ganz verlassen und ohne Kind wärest, sondern tröste dich damit, dass ich dir meinen getreuesten Freund als einen Sohn übergebe, welcher dich so sehr lieben und dir gehorsamen wird, als ob du ihn leiblich geboren hättest. Mit diesem Worte gab Jesus seiner Mutter den Hl. Johannes zu einem Sohne, und in seiner Person übergab er ihr alle Gläubigen als Kinder. Darum sollst du jederzeit ein kindliches Vertrauen zu Maria tragen.
Das letzte Wort, welches der sterbende Jesus mit seiner Mutter geredet, war ihr ungeachtet seiner Bitterkeit dennoch süß, weil sie vernahm, dass ihr lieber Sohn bei allen seinen Schmerzen dennoch an sie dachte und ihr einen treuen Bewahrer verordnete, nämlich seinen liebsten Jünger und den heiligsten Mann; denn es hätte unter allen Menschen keinen besseren Pfleger geben können, als eben den lieben, frommen, keuschen und heiligen Johannes. Er war ihm unter allen Jüngern der liebste, unter den Aposteln der vertrauteste, unter den Evangelisten der vornehmste, unter den Propheten der geheimnisreichste, unter den Lehrern der gelehrteste, unter den Bekennern der keuscheste, unter den Freunden Christi der treueste.
Diese Liebe und Treue wollte ihm der gütige Herr reichlich vergelten; deswegen erzeigte er ihm solche Ehre und Gnade, dergleichen keinem Menschen auf Erden widerfahren ist; dass er nämlich hierfür auf eine besondere Weise ein Sohn seiner hochgeehrten Mutter, und sohin gewissermaßen sein Bruder sein sollte. Darum sprach er zu ihm: „Sieh, mein lieber Johannes! Wegen der großen Liebe, die wir zueinander, ich zu dir und du zu mir, jederzeit getragen haben, wie auch zur Vergeltung der Liebe und Treue, die du mir in meinem Leiden erzeigtest, vermache ich dir in meinen Testamente das Beste und Kostbarste, was ich auf Erden besitze, nämlich meine liebste und treueste Mutter. Ich übergebe sie dir als eine wahre Mutter; du sollst sie versorgen, ehern und lieben, ihr dienen und in allen Stücken Gehorsam leisten.
O der großen Ehre, welche Christus dem Hl. Johannes erzeigte, ob der großen Gnade, die er ihm dadurch erwies! Denn was hätte er ihm mehr tun können, als dass er ihm die Königin des Himmels und der Erde zur Mutter übergab, und auf solche Weise ihn zu ihrem Sohne machte? Der Hl. Johannes erkannte diese große Huld gar wohl, und dankte ohne Unterlass dafür, indem er der allerseligsten Jungfrau alle kindlichen Pflichten erwies. Deswegen wünsche ihm hierzu Glück und sprich folgendes
Gebet zum Hl. Johannes
O Heiliger Johannes! Wie sehr ehrt dich Jesus, und wie reichlich vergilt er dir alle deine ihm geleisteten Dienste! Erfreue dich daher von ganzem Herzen und danke dem freigebigsten Gott, der dir so große Gnade erwies. Ich freue mich zugleich mit dir, und wünsche dir Glück zu dieser unendlichen Wohltat. Zugleich bitte ich dich durch die große Ehre, die dir Christus erwies, und durch die mütterliche Liebe, die dir Maria erzeigte, sei mein treuer Fürbitter bei Gott, und erwirb mir die Gnade, ihm treulich zu dienen. In Vereinigung jener Liebe und Treue, mit welcher der sterbende Heiland auf dem Todbette des Kreuzes dir seine Mutter empfahl, empfehle ich mich dir jetzt und allezeit in deinen väterlichen Schutz. Stehe mir bei in meiner letzten Not und verlasse mich nimmermehr bis in Ewigkeit! Amen.
Das dritte Wort, welches Jesus am Kreuze geredet, beschreibt Johannes also: „Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, stehen sah, sprach er zu seiner Mutter: „Weib, siehe, dein Sohn!“ Hierauf sprach er zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ In diesen wenigen Worten sind solche hohe Geheimnisse enthalten, dass sie kein Mensch würdig zu erklären vermag, deshalb wollen wir uns begnügen, dieselben in Einfalt zu betrachten.
Das erste Wort in dieser Beschreibung ist „Es stand.“ Gewiss ein unglaubliches Wort! Sollte denn die schmerzhafte Mutter bei so vielen Leiden noch stehen können? Was Maria damals litt, schildert der Hl. Bonaventura folgendermaßen: „Der Sohn litt am Leibe, die Mutter aber am Herzen. Alle Wunden, die in dem Leibe des Sohnes verteilt waren, sind in dem Herzen der Mutter verteilt gewesen.“ Wenn demnach Maria an ihrem Herzen so viele Wunden hatte, als Christus an seinem ganzen Leibe, wie war es denn möglich, dass sie noch stehen konnte? Unser Herz ist ja so empfindlich, dass es nicht einen Nadelstich ertragen kann; wie konnte also das Herz Mariä leben, das so viele Wunden an sich hatte? O Gott! Welche Marter erduldete sie.
Sie hatte nicht allein die Wunden, sondern auch die Nägel und Dornen Christi in ihrem Herzen, ja sie war gleichsam leiblicher Weise mit ihrem Sohne gekreuzigt, wie oben erwähnt wurde; wie war es demnach möglich, dass sie noch leben konnte? Gleichwohl stand sie bei dem Kreuze, jedoch so erbarmungswürdig, dass die Engel des Himmels mit ihr Mitleid trugen. Bedenke, wie die arme Mutter stand, da sie selbst zur Hl. Brigitta hievon sprach: „Ich sage zuversichtlich, dass sein Schmerz auch mein Schmerz war, weil sein Herz auch mein Herz war.“
Indem Maria so kläglich unter dem Kreuze stand und ohne Unterlass zu ihrem Sohne hinaufseufzte, erhob der gekreuzigte Jesus seine blutigen Augen und sah seine arme Mutter mitleidig an, was Johannes ausdrücklich mit den Worten sagt: „Da nun Jesus seine Mutter sah.“ O wohl ein Anblick zum Erbarmen! –
Der liebevolle Sohn hätte seine geliebte Mutter so gerne getröstet; aber er verwundete ihr Herz mit noch heftigerem Schmerze; denn je freundlicher er sie ansah, desto tiefer durchdrang es ihre Seele. Bedenke, wie sie so erbärmlich dastand, als Christus seine blutigen Augen auf Maria, und Maria ihre weinenden Augen auf Christus richtete, und ihre Blicke sich begegneten. Höre, was hierüber Maria zur Hl. Brigitta sprach: „Als mich mein Sohn vom Kreuze herab ansah, und ich zu ihm hinaufschaute, flossen die Zähren aus meinen Augen, wie das Wasser aus den Brunnquellen. Und da er mich mit Schmerzen beladen ansah, wurde er dadurch so sehr gekränkt, dass wegen meines Schmerzes die Schmerzen seiner Wunden gleichsam aufhörten.“ Dies war der Trost, den sie von einander hatten, als sie sich einander ansahen, nämlich, dass sie sich gegenseitig das Herz verwundeten.
Die Liebe aber zwischen Jesus und Maria war viel tausendmal größer, als sie zwischen allen Menschen sein kann. Darum war ihr Scheiden auch viel schmerzlicher und bitterer, als aller erschaffenen Herzen. Er sah sich daher in der ganzen Welt um, wo er einen treuen Freund finden möge, der vor allen würdig sei, seine Mutter in seinen Schutz zu nehmen. Er fand aber keinen anderen, als eben den liebreichsten und reinsten Jünger Johannes. Darum wendete sich der Herr mit größter Affektion seiner Menschheit und größter Kraft seiner Gottheit zu seiner Mutter und seinem Jünger, und empfahl Maria dem Johannes mit den Worten: „Weib, sieh hier dein Sohn!“ Dadurch wollte er gleichsam sagen: Liebste Mutter! Ich weiß, welch großen Schmerz du um meinetwillen leidest und wie herzlich du dich betrübest, dass du mich verlieren musst. Dies kann aber nun einmal nicht anders sein; denn die göttliche Gerechtigkeit erfordert es, dass ich sterben muss. Weil ich daher nicht länger sichtbar bei dir sein kann, so gebe ich dir an meiner Statt meinen getreuesten Jünger Johannes zu einem Sohne. Dieser soll dir fortan beistehen und in allen Stücken Gehorsam leisten. Trauere daher nicht länger mehr, als wenn du ganz verlassen und ohne Kind wärest, sondern tröste dich damit, dass ich dir meinen getreuesten Freund als einen Sohn übergebe, welcher dich so sehr lieben und dir gehorsamen wird, als ob du ihn leiblich geboren hättest. Mit diesem Worte gab Jesus seiner Mutter den Hl. Johannes zu einem Sohne, und in seiner Person übergab er ihr alle Gläubigen als Kinder. Darum sollst du jederzeit ein kindliches Vertrauen zu Maria tragen.
Das letzte Wort, welches der sterbende Jesus mit seiner Mutter geredet, war ihr ungeachtet seiner Bitterkeit dennoch süß, weil sie vernahm, dass ihr lieber Sohn bei allen seinen Schmerzen dennoch an sie dachte und ihr einen treuen Bewahrer verordnete, nämlich seinen liebsten Jünger und den heiligsten Mann; denn es hätte unter allen Menschen keinen besseren Pfleger geben können, als eben den lieben, frommen, keuschen und heiligen Johannes. Er war ihm unter allen Jüngern der liebste, unter den Aposteln der vertrauteste, unter den Evangelisten der vornehmste, unter den Propheten der geheimnisreichste, unter den Lehrern der gelehrteste, unter den Bekennern der keuscheste, unter den Freunden Christi der treueste.
Diese Liebe und Treue wollte ihm der gütige Herr reichlich vergelten; deswegen erzeigte er ihm solche Ehre und Gnade, dergleichen keinem Menschen auf Erden widerfahren ist; dass er nämlich hierfür auf eine besondere Weise ein Sohn seiner hochgeehrten Mutter, und sohin gewissermaßen sein Bruder sein sollte. Darum sprach er zu ihm: „Sieh, mein lieber Johannes! Wegen der großen Liebe, die wir zueinander, ich zu dir und du zu mir, jederzeit getragen haben, wie auch zur Vergeltung der Liebe und Treue, die du mir in meinem Leiden erzeigtest, vermache ich dir in meinen Testamente das Beste und Kostbarste, was ich auf Erden besitze, nämlich meine liebste und treueste Mutter. Ich übergebe sie dir als eine wahre Mutter; du sollst sie versorgen, ehern und lieben, ihr dienen und in allen Stücken Gehorsam leisten.
O der großen Ehre, welche Christus dem Hl. Johannes erzeigte, ob der großen Gnade, die er ihm dadurch erwies! Denn was hätte er ihm mehr tun können, als dass er ihm die Königin des Himmels und der Erde zur Mutter übergab, und auf solche Weise ihn zu ihrem Sohne machte? Der Hl. Johannes erkannte diese große Huld gar wohl, und dankte ohne Unterlass dafür, indem er der allerseligsten Jungfrau alle kindlichen Pflichten erwies. Deswegen wünsche ihm hierzu Glück und sprich folgendes
Gebet zum Hl. Johannes
O Heiliger Johannes! Wie sehr ehrt dich Jesus, und wie reichlich vergilt er dir alle deine ihm geleisteten Dienste! Erfreue dich daher von ganzem Herzen und danke dem freigebigsten Gott, der dir so große Gnade erwies. Ich freue mich zugleich mit dir, und wünsche dir Glück zu dieser unendlichen Wohltat. Zugleich bitte ich dich durch die große Ehre, die dir Christus erwies, und durch die mütterliche Liebe, die dir Maria erzeigte, sei mein treuer Fürbitter bei Gott, und erwirb mir die Gnade, ihm treulich zu dienen. In Vereinigung jener Liebe und Treue, mit welcher der sterbende Heiland auf dem Todbette des Kreuzes dir seine Mutter empfahl, empfehle ich mich dir jetzt und allezeit in deinen väterlichen Schutz. Stehe mir bei in meiner letzten Not und verlasse mich nimmermehr bis in Ewigkeit! Amen.
Mittwoch, 28. März 2012
Mittwoch der fünften Fastenwoche
31. Das zweite Wort Christi
Das inbrünstige Gebet Jesu blieb nicht fruchtlos, sondern es bekehrten sich dadurch viele tausend Juden, welche um das Kreuz standen; da sie aus diesen Worten merkten, dass er heilig sein müsse, weil er in seinen heftigsten Schmerzen nicht allein nicht ungeduldig wurde, sondern mit weinenden Augen für seine Peiniger bat. Unter diesen bekehrten Sündern war auch derjenige Schächer, welcher zur rechten Seite Christi hing, Dismas mit Namen. Es hatte zwar auch er zuvor mit dem andern Schächer Christum gelästert und gesprochen: Wenn du der Sohn Gottes bist, so hilf dir und uns; als er aber hörte, dass der Herr für seine Feinde betete, da ging er in sich und dachte, dieser Mann müsse in Wahrheit heilig sein.
Daher fing er an, auf alles Tun und Lassen Christi Acht zu haben, und musste sich immer mehr über seine himmlische Geduld verwundern. Weil denn der andere Schächer nicht abließ, Christum zu lästern, konnte er dies nicht länger mehr ertragen, sondern fing an, ihn mit harten Worten zurecht zu weisen. Er sprach: „Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch dieselbe Strafe erleidest? Wir zwar mit Recht: denn wir leiden, was unsere Taten verdient haben; dieser aber hat nichts Böses getan.“
Mit diesen Worten hat der gute Schächer drei überaus herrliche Tugenden geübt. Denn erstlich gab er sich schuldig und bekannte öffentlich vor allem Volke, dass er ein gottloser Sünder sei und den Kreuzestod verdient habe. Zweitens strafte er ungescheut die Gottlosigkeit seines Gefährten und zugleich aller Juden, welche den unschuldigen Herrn mit ihren Spottreden so schmerzlich peinigten. Drittens endlich bekannte er laut und offen vor aller Welt, das Christus unschuldig sei, und nichts Böses getan habe. – Als er so gesprochen und seine Sünden bereut hatte, öffnete er endlich seinen Mund und wagte die inständige Bitte: „Herr! Gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!“ O was für wundersame Worte, welche demütige Bitte! Der gute Schächer sah an Christus nichts, als lauter Wunden und Schmerzen, und hörte über ihn nichts, als Beschimpfungen und Lästerungen; dessen ungeachtet nannte er ihn einen Herrn und König, da er sprach: „Wenn du in dein Reich kommst.“ Woher mag doch dieser Mensch, der alle seine Lebtage in Sünden gelebt, diese große Erkenntnis von Gott erlangt haben? Wer hat ihm doch gesagt, dass derjenige, der da nach dem Worte des Propheten ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und die Verachtung des Volkes geworden war, sein Herr und Gott sei? Gewiss haben ihm die Geduld Jesu Christi und das Gebet, das er für seine Feinde verrichtete, zu dieser Erkenntnis gebracht.
Nun bedenke, was für ein kräftiges Gebet er verrichtete, und welch demütige Bitte er an Christus gestellt habe. Er sagte nur: „Herr, gedenke meiner!“ als wolle er sagen: O mein Gott! Ich weiß wohl, das ich wegen meiner Sünden die größte Strafe verdient habe; ich will dieselbe auch willig annehmen; nur darum bitte ich, wenn ich in jener Welt leide, so gedenke meiner, dass ich nicht ewig werde brennen müssen. Wenn du in deinem Reiche, in den Wonnen des Paradieses alle Freuden genießen wirst, so gedenke meiner, der ich für meine Sünden schwere Strafen leiden muss. O was für eine herrliche Freude war dieses dem lieben Herrn, als er die aufrichtige Reue und wahrhafte Bekehrung des frommen Schächers sah! O wie sehr war er in seinem Leiden getröstet, als er sah, dass er durch seine Geduld dieses arme Schaf aus dem Rachen des höllischen Wolfes gerissen hatte. Daher bewilligte er ihm nicht allein, was er begehrte, sondern versprach ihm noch tausendmal mehr, als er zu hoffen gewagt hatte. Mit freundlichen Worten sagte er zu ihm: „Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“ O wohl ein tröstliches Wort und eine gnadenreiche Verheißung! Wie wurde der reuige Schächer, als er dieses holdselige Wort aus dem Munde Christi hörte, so innig erfreut! Wie wurde sein Herz mit dem höchsten Troste erfüllt! Wie herzlich sagte er Dank, und wie demütig nahm er dieses Versprechen an, indem er sagte: O Herr Jesu Christe, wie habe ich solche Gnade verdient? Was habe ich getan, wodurch ich eine so große Wohltat erlangte? O Herr! Ich bin dieser Gnade nicht würdig; denn du gibst mir tausendmal mehr, als ich wert bin! Weil du jedoch so unendlich gütig bist, nehme ich diese Verheißung an, und danke dir unendlich dafür. O christliche Seele! Wie glücklich würdest du sein, wenn dir Christus in deinem Tode dieses trostvolle Wort zuriefe. Wie voll Freude und Jubel wärest du, wenn Christus zu dir spräche: Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein! Deshalb befleißige dich nach aller Möglichkeit also zu leben, dass du dieser Gnade würdig werdest.
Gebet zu Ehren des zweiten Wortes Christi
O gütigster Jesu! Durch die große Liebe und unendliche Güte, welche du dem reumütigen Schächer erwiesest, indem du ihn aus dem tiefsten Abgrunde seiner Sünde zu großer Heiligkeit führtest, bitte ich dich, du wollest auch meine sündige Seele zu dir bekehren und mir die Gnade verleihen, würdige Früchte der Buße zu erwirken, damit auch ich würdig werde, in meinem Tode das süße Wort von dir zu hören: „Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein!“ O mildester Jesu! Mit dem frommen Schächer und mit allen büßenden Sündern wende ich mich zu dir und rufe vertrauensvoll und demütig aus: Herr, gedenke meiner in deinem Reiche! O Jesu, vergiss meiner nicht! Wenn ich in Anfechtungen bin, stärke mich; wenn ich in Trübsal bin, tröste mich; wenn ich in Sünden gefallen bin, hilf mir heraus; wenn ich in Todesnöten bin, stehe mir bei; wenn ich im Gerichte bin, sei mir barmherzig; wenn ich im Fegfeuer schmachte, erlöse mich! Und endlich sei meiner allezeit eingedenk, damit ich nicht ewig verloren gehe, sondern das ewige Leben habe. Amen.
Das inbrünstige Gebet Jesu blieb nicht fruchtlos, sondern es bekehrten sich dadurch viele tausend Juden, welche um das Kreuz standen; da sie aus diesen Worten merkten, dass er heilig sein müsse, weil er in seinen heftigsten Schmerzen nicht allein nicht ungeduldig wurde, sondern mit weinenden Augen für seine Peiniger bat. Unter diesen bekehrten Sündern war auch derjenige Schächer, welcher zur rechten Seite Christi hing, Dismas mit Namen. Es hatte zwar auch er zuvor mit dem andern Schächer Christum gelästert und gesprochen: Wenn du der Sohn Gottes bist, so hilf dir und uns; als er aber hörte, dass der Herr für seine Feinde betete, da ging er in sich und dachte, dieser Mann müsse in Wahrheit heilig sein.
Daher fing er an, auf alles Tun und Lassen Christi Acht zu haben, und musste sich immer mehr über seine himmlische Geduld verwundern. Weil denn der andere Schächer nicht abließ, Christum zu lästern, konnte er dies nicht länger mehr ertragen, sondern fing an, ihn mit harten Worten zurecht zu weisen. Er sprach: „Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch dieselbe Strafe erleidest? Wir zwar mit Recht: denn wir leiden, was unsere Taten verdient haben; dieser aber hat nichts Böses getan.“
Mit diesen Worten hat der gute Schächer drei überaus herrliche Tugenden geübt. Denn erstlich gab er sich schuldig und bekannte öffentlich vor allem Volke, dass er ein gottloser Sünder sei und den Kreuzestod verdient habe. Zweitens strafte er ungescheut die Gottlosigkeit seines Gefährten und zugleich aller Juden, welche den unschuldigen Herrn mit ihren Spottreden so schmerzlich peinigten. Drittens endlich bekannte er laut und offen vor aller Welt, das Christus unschuldig sei, und nichts Böses getan habe. – Als er so gesprochen und seine Sünden bereut hatte, öffnete er endlich seinen Mund und wagte die inständige Bitte: „Herr! Gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!“ O was für wundersame Worte, welche demütige Bitte! Der gute Schächer sah an Christus nichts, als lauter Wunden und Schmerzen, und hörte über ihn nichts, als Beschimpfungen und Lästerungen; dessen ungeachtet nannte er ihn einen Herrn und König, da er sprach: „Wenn du in dein Reich kommst.“ Woher mag doch dieser Mensch, der alle seine Lebtage in Sünden gelebt, diese große Erkenntnis von Gott erlangt haben? Wer hat ihm doch gesagt, dass derjenige, der da nach dem Worte des Propheten ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und die Verachtung des Volkes geworden war, sein Herr und Gott sei? Gewiss haben ihm die Geduld Jesu Christi und das Gebet, das er für seine Feinde verrichtete, zu dieser Erkenntnis gebracht.
Nun bedenke, was für ein kräftiges Gebet er verrichtete, und welch demütige Bitte er an Christus gestellt habe. Er sagte nur: „Herr, gedenke meiner!“ als wolle er sagen: O mein Gott! Ich weiß wohl, das ich wegen meiner Sünden die größte Strafe verdient habe; ich will dieselbe auch willig annehmen; nur darum bitte ich, wenn ich in jener Welt leide, so gedenke meiner, dass ich nicht ewig werde brennen müssen. Wenn du in deinem Reiche, in den Wonnen des Paradieses alle Freuden genießen wirst, so gedenke meiner, der ich für meine Sünden schwere Strafen leiden muss. O was für eine herrliche Freude war dieses dem lieben Herrn, als er die aufrichtige Reue und wahrhafte Bekehrung des frommen Schächers sah! O wie sehr war er in seinem Leiden getröstet, als er sah, dass er durch seine Geduld dieses arme Schaf aus dem Rachen des höllischen Wolfes gerissen hatte. Daher bewilligte er ihm nicht allein, was er begehrte, sondern versprach ihm noch tausendmal mehr, als er zu hoffen gewagt hatte. Mit freundlichen Worten sagte er zu ihm: „Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“ O wohl ein tröstliches Wort und eine gnadenreiche Verheißung! Wie wurde der reuige Schächer, als er dieses holdselige Wort aus dem Munde Christi hörte, so innig erfreut! Wie wurde sein Herz mit dem höchsten Troste erfüllt! Wie herzlich sagte er Dank, und wie demütig nahm er dieses Versprechen an, indem er sagte: O Herr Jesu Christe, wie habe ich solche Gnade verdient? Was habe ich getan, wodurch ich eine so große Wohltat erlangte? O Herr! Ich bin dieser Gnade nicht würdig; denn du gibst mir tausendmal mehr, als ich wert bin! Weil du jedoch so unendlich gütig bist, nehme ich diese Verheißung an, und danke dir unendlich dafür. O christliche Seele! Wie glücklich würdest du sein, wenn dir Christus in deinem Tode dieses trostvolle Wort zuriefe. Wie voll Freude und Jubel wärest du, wenn Christus zu dir spräche: Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein! Deshalb befleißige dich nach aller Möglichkeit also zu leben, dass du dieser Gnade würdig werdest.
Gebet zu Ehren des zweiten Wortes Christi
O gütigster Jesu! Durch die große Liebe und unendliche Güte, welche du dem reumütigen Schächer erwiesest, indem du ihn aus dem tiefsten Abgrunde seiner Sünde zu großer Heiligkeit führtest, bitte ich dich, du wollest auch meine sündige Seele zu dir bekehren und mir die Gnade verleihen, würdige Früchte der Buße zu erwirken, damit auch ich würdig werde, in meinem Tode das süße Wort von dir zu hören: „Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein!“ O mildester Jesu! Mit dem frommen Schächer und mit allen büßenden Sündern wende ich mich zu dir und rufe vertrauensvoll und demütig aus: Herr, gedenke meiner in deinem Reiche! O Jesu, vergiss meiner nicht! Wenn ich in Anfechtungen bin, stärke mich; wenn ich in Trübsal bin, tröste mich; wenn ich in Sünden gefallen bin, hilf mir heraus; wenn ich in Todesnöten bin, stehe mir bei; wenn ich im Gerichte bin, sei mir barmherzig; wenn ich im Fegfeuer schmachte, erlöse mich! Und endlich sei meiner allezeit eingedenk, damit ich nicht ewig verloren gehe, sondern das ewige Leben habe. Amen.
Dienstag, 27. März 2012
Dienstag der fünften Fastenwoche
30. Das erste Wort Christi
Als nun unser Heiland auf dem harten Todbette des Kreuzes lag und sah, dass er sterben müsse, wollte er tun, wie ein treuer Vater, der seinen Kindern auf dem Sterbebette viele gute Lehren hinterlässt. Deswegen redete er die sieben wunderbaren Worte, deren Kraft nicht genugsam erklärt werden kann. Das erste Wort war: „Vater! Verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Die Erhabenheit dieses Wortes kannst du nicht verstehen, es sei denn, dass du zuvor erwägest, wie diejenigen so unwürdig waren, für welche Christus betete. Diese gottlosen Bösewichte fügten ihm so viel Leid zu, dass es nicht genug kann beschrieben werden, und es kein Mensch glauben würde, wenn es die Hl. Evangelien nicht ausdrücklich meldeten. Es ist uns angeboren, dass wir uns über die Marter eines Andern erbarmen, so zwar, dass, wenn Jemand seinen eigenen Feind erbärmlicher Weise hingerichtet sähe, es ihm zu Herzen ginge. Wer sollte daher nicht meinen, dass auch die Juden würden das arme Lämmlein, welches so kläglich vor ihren Augen hing, wenigstens ruhig haben verscheiden lassen. Aber ach! Bei den Juden war weder Gnade noch Barmherzigkeit zu finden; denn ihre Herzen waren härter, als Stein, und unbeweglicher, als Stahl und Eisen. Sie kamen nicht allein dem armen Gekreuzigten nicht zu Hilfe, sondern verlachten, verspotteten und verfluchten ihn aufs Gräulichste. Der Hl. Matthäus sagt: „Sie lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe,“ und der Hl. Lukas: „Das Volk stand und schaute und die Vorsteher samt ihnen verlachten ihn.“
Nun wollen wir sehen, was die Gottlosen für Lästerworte gebraucht haben, damit wir die Schmach Christi desto besser erkennen. Der Hl. Matthäus sagt: „Sie schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ei du, der du den Tempel Gottes zerstörest und in drei Tagen wieder aufbauest, hilf dir selbst!“ War das nicht eine schändliche Schmach, da sie dadurch die ewige Wahrheit gleichsam zum Lügner machten? Weiter sprachen sie: „Wenn du der Sohn Gottes bist, so steige herab vom Kreuze!“ Mit diesen Worten lästerten sie auch seine Gottheit, als ob er sich fälschlich und hoffärtiger Weise zum Sohne Gottes gemacht hätte, was jetzt offenbar erscheine, da er nicht so viele Kraft habe, sich im Mindesten zu helfen. Drittens sagten sie: „Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen,“ als wollten sie sagen: Wenn du Andern ohne Blendwerk recht geholfen hättest, so könntest du dir ebenfalls jetzt helfen. Nun sieht man’s ja deutlich, dass deine Wunderwerke nur Zauberei waren. Viertens sprachen sie: „Bist du der König von Israel, so steige vom Kreuze herab, und wir wollen an dich glauben.“ Dadurch wollten sie aussprechen: Ei was für ein schöner König der Juden bist du? Wo sind jetzt deine Diener, dass sie dich vom Kreuze erlösen? Weil aber Niemand ist, der dich befreit, so scheint es, dass du nur ein Schattenkönig bist. Fünftens sagten sie: „Er hat auf Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er ein Wohlgefallen an ihm hat; denn er hat ja gesagt: Ich bin der Sohn Gottes.“ Mit diesen giftigen Worten lästerten sie die Frömmigkeit Christi und sein tugendhaftes Leben, als sagten sie: Er hat sich jederzeit für einen frommen Mann ausgegeben, der Gott Tag und Nacht dient; jetzt aber zeigt es sich, dass es lauter Betrug und Falschheit war. Denn wenn er von Herzen fromm wäre, so hätte ihn Gott nicht in solches Leid kommen lassen, oder würde ihm daraus helfen, wenn er es nicht wohl verdient hätte. Weil er aber nun von Gott und den Menschen so ganz verlassen ist, so ist dies ein gewisses Zeichen, dass er ein gottloser Mann ist. Solcher und ähnlicher Worte bedienten sich die Hohenpriester, Pharisäer und Schriftgelehrten und das ganze Volk, und trieben ihren Spott mit Christus, so lange er lebte.
Jetzt wollen wir betrachten, was es für eine Tugend gewesen sei, dass Christus für diejenigen, die ihn so gräulich lästerten, seinen himmlischen Vater bat. Diese Tugend ist so hoch, und die Liebe und Demut Christi so unergründlich, dass sich aller menschlicher Verstand darüber erstaunen muss. Denn es ist wider alle Natur und aller Welt Brauch, dass man demjenigen, der einem das äußerste Übel zufügte, die geringste Wohltat erweisen sollte. Gleichwohl tat dies der gütige Jesus mit solcher Liebe, dass man sich darüber nicht genug verwundern kann. Denn als er gedachte, wie diese verstockten Sünder sich dadurch mit Leib und Seele in die ewige Verdammnis zuzogen, hatte er mehr Mitleiden mit ihnen, als mit sich selbst. Ja, als er sah, wie der feurige Zorn Gottes schon damals das Racheschwert aus der Scheide gezogen hatte, und wegen der an seinem Sohne verübten Mordtat das ganze jüdische Land mit grausamen Plagen züchtigen wollte; da erbarmte er sich über das große Elend dieses Volkes, und gedachte bei dem erzürnten Vater ihr Unrecht abzubitten. Er stellte sich als einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, und fing an, von ganzem Herzen für das unglückliche Volk Gott anzuflehen, und zwar nicht mit stiller Stimme, sondern, wie der Hl. Paulus sagt, mit starkem Geschrei und Tränen, bittend: „Vater! Verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
O verstockter Sünder! Beherzige diese hohe Tugend und die unaussprechliche Liebe Christi gegen seine Feinde und verzeihe nach diesem Beispiele auch denjenigen, welche dir jemals ein Leid zugefügt haben. Damit du aber dieses besser tun mögest, bitte Gott um Gnade und sprich folgende
Verehrung des ersten Wortes Christi
O allergütigster Herr Jesu Christe! Ich erinnere dich des ersten Wortes, welches du am Kreuze redetest, als du für deine Feinde bittend zu deinem himmlischen Vater sprachst: „Vater! Verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ O mildester Jesus, welche Zunge kann deine unendliche Gütigkeit genugsam loben, oder welches Herz deine unaussprechliche Liebe ohne Tränen der innigsten Rührung betrachten? Du bittest für deine Lästerer und entschuldigest deine Ankläger, ja du betest für deine ergrimmtesten Feinde. Sie schrieen vor Pilatus wider dich: „Hinweg mit ihm!“ Du aber rufest für sie: „Vater! Verzeihe ihnen.“ Sie schrieen: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!“ Du aber sprichst: „Mein Vater! Ich opfere dir mein vergossenes Blut zur Verzeihung ihrer Sünden.“ Sie schrieen: „Kreuzige, kreuzige ihn!“ du aber sprichst: „Vater, durch mein Kreuz und meinen Tod verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie sagen.“ Sie lästerten und schmähten dich, sie verfluchten und verwünschten dich, du aber redest Gutes für sie, und wünschest ihnen den himmlischen Segen des Vaters. O Maria! Was gedachtest du, als du dieses liebreiche Gebet deines armen Kindes anhörtest? Ohne Zweifel wurdest du durch dieses Beispiel der Liebe so sehr bewegt, dass du auf deine Knie fielest, und Gott für die Feindee deines lieben Sohnes batest. Weil denn Jesus und Maria denen verzeihen, welche ihnen das größte Leid antun; warum soll ich nicht gleichfalls denjenigen verzeihen, die mich beleidigten? O Jesu und Maria! Ich bitte euch durch die inbrünstige Andacht, mit welcher ihr für eure Feinde gebetet habt, verzeihet mir auch, dass ich euch so oft erzürnt habe. Ich bitte euch durch die große Barmherzigkeit, welche ihr euren Feinden erzeigt habt, gebet, dass auch mir der himmlische Vater gnädig und barmherzig sei. O du sanftmütiges Lämmlein Christe Jesu! Sei nicht gegen deine Feinde mild und gegen deine Freunde strenge, und weil du jenen verziehen hast, so verzeihe auch diesen. Sieh, ich komme zu dir und werfe mich demütig vor dein Hl. Kreuz. Ich spotte deiner nicht, wie die Juden, sondern ehre dich, wie fromme Christen. Ich lästere dich nicht, sondern benedeie dich, ich verfluche nicht dein Leiden, sondern habe herzliches Mitleid mit dir. Wenn du sohin für jene betest, die in ihren Sünden verstockt waren, so bete auch für den, welcher seine Sünden herzlich bereut. Darum öffne noch einmal deinen gebenedeiten Mund, und sprich zu dem himmlischen Vater: Verzeihe diesem Sünder, denn er hat nicht gewusst, dass er dich mit seinen Sünden so schwer beleidigte. Amen.
Als nun unser Heiland auf dem harten Todbette des Kreuzes lag und sah, dass er sterben müsse, wollte er tun, wie ein treuer Vater, der seinen Kindern auf dem Sterbebette viele gute Lehren hinterlässt. Deswegen redete er die sieben wunderbaren Worte, deren Kraft nicht genugsam erklärt werden kann. Das erste Wort war: „Vater! Verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Die Erhabenheit dieses Wortes kannst du nicht verstehen, es sei denn, dass du zuvor erwägest, wie diejenigen so unwürdig waren, für welche Christus betete. Diese gottlosen Bösewichte fügten ihm so viel Leid zu, dass es nicht genug kann beschrieben werden, und es kein Mensch glauben würde, wenn es die Hl. Evangelien nicht ausdrücklich meldeten. Es ist uns angeboren, dass wir uns über die Marter eines Andern erbarmen, so zwar, dass, wenn Jemand seinen eigenen Feind erbärmlicher Weise hingerichtet sähe, es ihm zu Herzen ginge. Wer sollte daher nicht meinen, dass auch die Juden würden das arme Lämmlein, welches so kläglich vor ihren Augen hing, wenigstens ruhig haben verscheiden lassen. Aber ach! Bei den Juden war weder Gnade noch Barmherzigkeit zu finden; denn ihre Herzen waren härter, als Stein, und unbeweglicher, als Stahl und Eisen. Sie kamen nicht allein dem armen Gekreuzigten nicht zu Hilfe, sondern verlachten, verspotteten und verfluchten ihn aufs Gräulichste. Der Hl. Matthäus sagt: „Sie lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe,“ und der Hl. Lukas: „Das Volk stand und schaute und die Vorsteher samt ihnen verlachten ihn.“
Nun wollen wir sehen, was die Gottlosen für Lästerworte gebraucht haben, damit wir die Schmach Christi desto besser erkennen. Der Hl. Matthäus sagt: „Sie schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ei du, der du den Tempel Gottes zerstörest und in drei Tagen wieder aufbauest, hilf dir selbst!“ War das nicht eine schändliche Schmach, da sie dadurch die ewige Wahrheit gleichsam zum Lügner machten? Weiter sprachen sie: „Wenn du der Sohn Gottes bist, so steige herab vom Kreuze!“ Mit diesen Worten lästerten sie auch seine Gottheit, als ob er sich fälschlich und hoffärtiger Weise zum Sohne Gottes gemacht hätte, was jetzt offenbar erscheine, da er nicht so viele Kraft habe, sich im Mindesten zu helfen. Drittens sagten sie: „Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen,“ als wollten sie sagen: Wenn du Andern ohne Blendwerk recht geholfen hättest, so könntest du dir ebenfalls jetzt helfen. Nun sieht man’s ja deutlich, dass deine Wunderwerke nur Zauberei waren. Viertens sprachen sie: „Bist du der König von Israel, so steige vom Kreuze herab, und wir wollen an dich glauben.“ Dadurch wollten sie aussprechen: Ei was für ein schöner König der Juden bist du? Wo sind jetzt deine Diener, dass sie dich vom Kreuze erlösen? Weil aber Niemand ist, der dich befreit, so scheint es, dass du nur ein Schattenkönig bist. Fünftens sagten sie: „Er hat auf Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er ein Wohlgefallen an ihm hat; denn er hat ja gesagt: Ich bin der Sohn Gottes.“ Mit diesen giftigen Worten lästerten sie die Frömmigkeit Christi und sein tugendhaftes Leben, als sagten sie: Er hat sich jederzeit für einen frommen Mann ausgegeben, der Gott Tag und Nacht dient; jetzt aber zeigt es sich, dass es lauter Betrug und Falschheit war. Denn wenn er von Herzen fromm wäre, so hätte ihn Gott nicht in solches Leid kommen lassen, oder würde ihm daraus helfen, wenn er es nicht wohl verdient hätte. Weil er aber nun von Gott und den Menschen so ganz verlassen ist, so ist dies ein gewisses Zeichen, dass er ein gottloser Mann ist. Solcher und ähnlicher Worte bedienten sich die Hohenpriester, Pharisäer und Schriftgelehrten und das ganze Volk, und trieben ihren Spott mit Christus, so lange er lebte.
Jetzt wollen wir betrachten, was es für eine Tugend gewesen sei, dass Christus für diejenigen, die ihn so gräulich lästerten, seinen himmlischen Vater bat. Diese Tugend ist so hoch, und die Liebe und Demut Christi so unergründlich, dass sich aller menschlicher Verstand darüber erstaunen muss. Denn es ist wider alle Natur und aller Welt Brauch, dass man demjenigen, der einem das äußerste Übel zufügte, die geringste Wohltat erweisen sollte. Gleichwohl tat dies der gütige Jesus mit solcher Liebe, dass man sich darüber nicht genug verwundern kann. Denn als er gedachte, wie diese verstockten Sünder sich dadurch mit Leib und Seele in die ewige Verdammnis zuzogen, hatte er mehr Mitleiden mit ihnen, als mit sich selbst. Ja, als er sah, wie der feurige Zorn Gottes schon damals das Racheschwert aus der Scheide gezogen hatte, und wegen der an seinem Sohne verübten Mordtat das ganze jüdische Land mit grausamen Plagen züchtigen wollte; da erbarmte er sich über das große Elend dieses Volkes, und gedachte bei dem erzürnten Vater ihr Unrecht abzubitten. Er stellte sich als einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, und fing an, von ganzem Herzen für das unglückliche Volk Gott anzuflehen, und zwar nicht mit stiller Stimme, sondern, wie der Hl. Paulus sagt, mit starkem Geschrei und Tränen, bittend: „Vater! Verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
O verstockter Sünder! Beherzige diese hohe Tugend und die unaussprechliche Liebe Christi gegen seine Feinde und verzeihe nach diesem Beispiele auch denjenigen, welche dir jemals ein Leid zugefügt haben. Damit du aber dieses besser tun mögest, bitte Gott um Gnade und sprich folgende
Verehrung des ersten Wortes Christi
O allergütigster Herr Jesu Christe! Ich erinnere dich des ersten Wortes, welches du am Kreuze redetest, als du für deine Feinde bittend zu deinem himmlischen Vater sprachst: „Vater! Verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ O mildester Jesus, welche Zunge kann deine unendliche Gütigkeit genugsam loben, oder welches Herz deine unaussprechliche Liebe ohne Tränen der innigsten Rührung betrachten? Du bittest für deine Lästerer und entschuldigest deine Ankläger, ja du betest für deine ergrimmtesten Feinde. Sie schrieen vor Pilatus wider dich: „Hinweg mit ihm!“ Du aber rufest für sie: „Vater! Verzeihe ihnen.“ Sie schrieen: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!“ Du aber sprichst: „Mein Vater! Ich opfere dir mein vergossenes Blut zur Verzeihung ihrer Sünden.“ Sie schrieen: „Kreuzige, kreuzige ihn!“ du aber sprichst: „Vater, durch mein Kreuz und meinen Tod verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie sagen.“ Sie lästerten und schmähten dich, sie verfluchten und verwünschten dich, du aber redest Gutes für sie, und wünschest ihnen den himmlischen Segen des Vaters. O Maria! Was gedachtest du, als du dieses liebreiche Gebet deines armen Kindes anhörtest? Ohne Zweifel wurdest du durch dieses Beispiel der Liebe so sehr bewegt, dass du auf deine Knie fielest, und Gott für die Feindee deines lieben Sohnes batest. Weil denn Jesus und Maria denen verzeihen, welche ihnen das größte Leid antun; warum soll ich nicht gleichfalls denjenigen verzeihen, die mich beleidigten? O Jesu und Maria! Ich bitte euch durch die inbrünstige Andacht, mit welcher ihr für eure Feinde gebetet habt, verzeihet mir auch, dass ich euch so oft erzürnt habe. Ich bitte euch durch die große Barmherzigkeit, welche ihr euren Feinden erzeigt habt, gebet, dass auch mir der himmlische Vater gnädig und barmherzig sei. O du sanftmütiges Lämmlein Christe Jesu! Sei nicht gegen deine Feinde mild und gegen deine Freunde strenge, und weil du jenen verziehen hast, so verzeihe auch diesen. Sieh, ich komme zu dir und werfe mich demütig vor dein Hl. Kreuz. Ich spotte deiner nicht, wie die Juden, sondern ehre dich, wie fromme Christen. Ich lästere dich nicht, sondern benedeie dich, ich verfluche nicht dein Leiden, sondern habe herzliches Mitleid mit dir. Wenn du sohin für jene betest, die in ihren Sünden verstockt waren, so bete auch für den, welcher seine Sünden herzlich bereut. Darum öffne noch einmal deinen gebenedeiten Mund, und sprich zu dem himmlischen Vater: Verzeihe diesem Sünder, denn er hat nicht gewusst, dass er dich mit seinen Sünden so schwer beleidigte. Amen.
Montag, 26. März 2012
Montag der fünften Fastenwoche
29. Wie Jesus gekreuzigt und mit dem Kreuze aufgehoben wurde
Wir kommen nun zu dem schrecklichsten, bittersten und grausamsten Geheimnisse des ganzen Leidens Christi, welches so peinlich ist, dass alles bisher erwähnte kaum damit zu vergleichen ist. Wen dieses nicht schreckt und zum Mitleid bewegt, der muss gewiss kein menschliches Herz in seiner Brust haben, und dem wäre zu wünschen, dass er den tausendsten Teil der Schmerzen Christi empfinden möchte; so würde er bald zum Mitleid bewegt werden. Wer dies Geheimnis mit Nutzen betrachten will, muss nicht denken, als ob es schon geschehen sei, sondern vielmehr, als wenn es eben jetzt geschehe, und er, auf dem Kalvarienberge stehend, Alles mit leiblichen Augen ansähe.
Deswegen stelle dir vor, als wenn du sähest, wie die Schergen, nachdem sie den Heiland gekrönt hatten, von demselben Orte zwölf Schritte an den Platz, wo das Kreuz auf der Erde lag, vorwärts schritten. Ach! Wie war es so erbärmlich, als der nackte Jesus, der am ganzen Leibe grausam zerfleischt war, und dem das Blut noch überall herabträufelte, so ohne Barmherzigkeit zur Schlachtbank geführt wurde. Damals erfüllte sich ganz buchstäblich die Weissagung des Propheten Isaias: „Wie ein Schaf wird er zur Schlachtbank geführt, und verstummt wie ein Lamm vor dem, der es schert, und tut seinen Mund nicht auf. Aus der Angst und dem Gerichte wird er weggerafft.“ (Is 53, 7. 8) Der arme Jesus ging einher wie ein sanftmütiges Lämmlein, und ließ sich hin- und herführen, wie die Bösewichter wollten. O wie klopfte ihm sein schwaches Herz, wie zitterte sein Leib! Als er zum Kreuze kam, und die großen Hämmer und langen Nägel auf der Erde liegen sah, überfiel ihn ein so heftiger Schrecken wie noch nie zuvor in seinem ganzen Leben, und der kalte Schweiß brach ihm am ganzen Leibe aus. Doch geduldig kniete er vor dem Kreuze nieder, erhob die Augen und Hände gen Himmel, seufzte und küsste das Kreuz und legte sich auf dasselbe. Alsdann streckte er, wie er selbst der Hl. Brigitta offenbarte, seinen rechten Arm aus, nicht gezwungen, sondern mit gutem Willen, und er öffnete die rechte Hand und wartete so auf die grausame Annagelung.
O armes Schäflein, das du nun auf der Schlachtbank liegst, ich falle im Geiste vor dir nieder und bitte dich, du wollest diese Marter standhaft ertragen; denn durch deine Annagelung willst du bezahlen, was ich durch sündhafte Berührung gefehlt habe!
Darauf setzte ein Henker, nachdem der Arm festgebunden war, einen langen, dicken und stumpfen Nagel dem Herrn nicht mitten in die Hand, sondern zwei Finger breit oberhalb, wo das Bein härter ist, damit der Nagel desto fester halten und die Hand nicht abreißen könne, und trieb mit gewaltigen Schlägen denselben durch die Hand, dass zugleich die Haut, das zarte Fleisch und die Muskelfasern ins Kreuzesloch drangen. Es entstand eine große Öffnung in der Hand, das Blut Jesu sprang gewaltsam in die Höhe und bespritzte die Hände, das Gesicht und die Kleider des Henkers, der mit sechsundzwanzig Schlägen den Nagel zu Grunde trieb. O frommer Christ, bedenke, was das für eine Pein gewesen ist! O gnadenreiche Hand, wie bist du nun entstellt? Wie konntest du doch in das Elend kommen, der du Himmel und Erde gebaut und so viele Kranke gesund gemacht hast? Ich küsse dich mit meinen sündigen Lippen und begieße dich mit meinen heißen Tränen. O heilsame Wunde der rechten Hand, heilige mich, in dich befehle ich mich!
Während Christus die rechte Hand angenagelt wurde, zogen sich die Spannadern und Sehnen sowohl im rechten, als im linken Arm so krampfhaft zurück, dass weder der rechte Arm sich weiter ausdehnen, noch die linke Hand das Bohrloch im Kreuze erreichen konnte, zumal die Henker absichtlich die Öffnung weiter hinausgebohrt hatten, als der Herr reichen konnte. Deswegen zogen sie mit Stricken den linken Arm gewaltsam und ungestüm so lange, bis die Mitte der Hand das Bohrloch erreichte. Dadurch aber reckten sie die beiden Arme ganz auseinander, zerrissen ihm die Sehnen und dehnten die Gebeine aus den Gelenken, und verdrehten ihm sogar die Rippen, wie der Hl. Brigitta geoffenbart wurde. Ein dritter Henker trieb dann einen ähnlichen Nagel mit gewaltigen Streichen durch die linke Hand. Ach! Da war nichts mehr zu sehen, als Blutvergießen und eine entsetzliche Verrenkung des ganzen Oberleibes!
O kostbare Hand! Ich küsse dich reumütig, denn du bezahlst, was ich verschuldet habe, und leidest, was ich in der Hölle leiden müsste. O gütigster Vater! Ich stelle dir vor Augen die schmerzliche Wunde der linken Hand deines Sohnes, und opfere dir dieselbe zur Erstattung aller guten Werke, die ich jemals in deinem Dienste unterlassen habe. In die Hl. Wunde deiner linken Hand, o Jesu, versenke ich alle meine Widerwärtigkeiten und bitte, du wollest mir selbe verdienstlich machen.
Als die Henkersknechte die Hände am Kreuze festgemacht hatten, kamen sie nun auch an die Füße, dieselben anzunageln. Die grausame Ausdehnung der Arme hatte den Leib so zusammengezogen, dass die Füße das Bohrloch am unteren Teile des Kreuzes bei weitem nicht erreichten, weshalb die Schergen noch gewaltsamer anziehen mussten. Damit aber mittlerweile die Hände an ihrem Orte verblieben, legten die Tyrannen dem geduldigen Lämmlein einen dicken Strick über die Brust und Schultern her, und banden selben an den Querbalken des Kreuzes so fest, dass sich die Arme Christi weder von der Stelle bewegen noch senken konnten. Alsdann banden sie ihm einen zweiten Strick um die Füße, machten das Kreuz fest, dass es nicht weichen konnte, und zogen mit größter Gewalt an dem Seile so heftig, dass alle Sehnen und Adern des ganzen Leibes schier zerrissen, die Rippen ausgerenkt wurden, und der Unterleib sich so zusammenzog, als hätte er keine Gedärme in sich. Zugleich spannte sich die Haut so sehr, dass alle Geißelstreiche erneuert wurden und das Brustblatt zerriss. O Gott im Himmel, was war das wohl für ein Schmerz! Wer könnte ohne Zittern daran denken? In der Offenbarung der Hl. Mechtilde ist zu lesen, dass sie einst Christum fragte, welches sein größter Schmerz gewesen sei? Er antwortete ihr: „Dass ich am Kreuze so ausgespannt wurde, dass man alle meine Glieder zählen konnte. Wer mir für diesen Schmerz dankt, erweist mir einen solchen Dienst, als wenn er alle Glieder gesalbt hätte.“
Während die Henker noch immer stark an den Füßen zogen, setzte Einer einen viel größern, längern und dickern Nagel, als die Nägel der Hände waren, über die Mitte des rechten Fußes, wo das Bein am härtesten ist, und schlug mit aller Gewalt so lange auf den Nagel, bis er ihn in sechsunddreißig Schlägen durchbrachte.
O mein gekreuzigter Heiland! Ich opfere dir auf die schmerzliche Wunde des rechten Fußes und danke dir von Grunde meines Herzens für alle Schmerzen, die du an demselben gelitten hast. Verzeihe mir um deiner Liebe und Geduld willen alle sündigen Gänge, die ich gemacht habe, und erlass mir die schweren Strafen, die ich deshalb verdient habe. Amen.
Als der rechte Fuß angenagelt war, nahm ein Henker den linken und legte ihn über den rechten, wie der Hl. Brigitta geoffenbart wurde. Während nun die Übrigen mit dem Stricke an dem Fuße zogen, setzte dieser mit der linken Hand den Nagel darauf und schlug mit der rechten so gewaltig zu, dass der Schall weithin gehört wurde. Wer kann sich vorstellen, was das für ein übermäßiger Schmerz gewesen ist? So oft ein Streich auf den Nagel geschah, seufzte Jesus tief auf und klagte zu Gott. Sein Leib zitterte an allen Gliedern und sein mattes Haupt sank auf die Brust herab, und vom großen Blutverluste wurde der Herr ganz schwach!
O leidender Heiland! Mit der büßenden Magdalena werde ich mich auf mein Angesicht, und mit Tränen der Reue und Liebe begieße ich deine durchbohrten Füße. O du schmerzliche Wunde des linken Fußes! Mit wahrer Andacht grüße ich dich, mit beiden Händen umfange ich dich, und drücke dich voll Liebe an mein sündiges Herz! Erfülle dasselbe mit Bitterkeit und verwunde meine Seele mit wahrer Reue. Ihr Hl. Füße habt niemals einen vergeblichen Schritt gemacht, sondern seid stets den Pfad der Tugend gewandelt, aber ich? – O gütigster Jesu! Durch die übergroße Marter, die du bei der Annagelung deines linken Fußes gelitten hast, verzeihe mir gnädig, was ich mit bösen Gängen gefehlt habe, und führe mich durch deine Hl. Fußstapfen den Weg zur ewigen Seligkeit. Amen.
Nachdem der leidende Jesus mit Händen und Füßen ans Kreuz genagelt war, wurde ihm ungeachtet seiner Erschöpfung nicht die mindeste Ruhe oder Labung, deren er so sehr bedurfte, gegönnt, sondern auch einer Marter folge sogleich die andere. Denn unmittelbar nach der Annagelung schleiften die Henkersknechte das Kreuz samt dem lieben Herrn vierzehn Schritte weit fort zu einem Loche, welches sie in den Felsengrund eingehauen hatten, fünf Zoll breit und drei Spannen tief, damit sie das Kreuz dort aufrichten konnten. Als sie nun unter Ungestüm das schwere Kreuz doch aufgehoben hatten, ließen sie es nicht etwa sanft in die Öffnung hinabgleiten, sondern damit es sich desto fester einsenke, ließen sie den dicken und schweren Kreuzbaum so heftig hinabfallen, dass der ganze Leib Christi gewaltig vom Stoße erschüttert wurde. Dadurch zogen sich die Wunden an Händen und Füßen weiter von den Nägeln und das Blut rann neuerdings so reichlich auf den Boden, dass die Erde davon gerötet wurde.
Nun komme, o Gott liebende Seele, und setze dich unter das Hl. Kreuz, falle nieder auf deine Knie und bete deinen Erlöser an. Wirf dich auf dein Angesicht und küsse die Hl. Erde, welche mit dem kostbaren Blute Jesu Christi gefärbt ist. Erhebe deine Augen und schaue deinen Heiland an. Betrachte ihn vom Haupte bis zu den Füßen und beherzige, was er für dich leidet.
Nachdem das Kreuz Christi festgestellt war, kreuzigten sie auch die beiden Mörder zur rechten und zur linken Seite, auf dass in der Tat erfüllt würde, was der Prophet vorhergesagt: „Er ist unter die Missetäter gerechnet worden.“ Ach, wer sollte sich fortan noch schämen, für gering geachtet zu werden, wenn er sieht, dass der höchste Gott unter die Mörder gerechnet werden wollte! O Wunder! Gott hängt unter den Mördern, und ich Staub sollte es wagen, hochgeehrt und geachtet zu werden! Mein gedemütigter Jesus wird unter die schändlichsten Übeltäter gerechnet und ich größter Sünder möchte für gut und fromm gehalten werden? Ach mein Jesu! Lass das nicht zu, sondern verleihe mir Gnade, dass ich mich als den gottlosesten Sünder erkenne und als solchen von Andern gehalten zu werden begehre!
Zuletzt teilten die Schergen die Kleider des Herrn unter großem Gespötte und Gelächter. Der Heiland trug nämlich drei Kleider, eins am bloßen Leibe, das ihm von seiner Mutter in der Kindheit aus Wollfäden gestrickt, und mit ihm aufgewachsen war. Über diesem Rocke hatte der Herr ein langes Oberkleid, das ihn ganz bedeckte, und darüber einen Mantel, wie ihn die Propheten und Geistlichen zu tragen pflegten. Diesen nebst dem Oberkleide haben die Henker in vier Teile geteilt, damit Jeder etwas davon bekäme. Den ungenähten Rock aber ließen sie ganz und warfen das Los darüber. Der Spott, den sie damit trieben, tat dem Herrn sehr wehe.
Andächtige Begrüßung des Hl. Rockes
O gebenedeiter Rock meines Herrn Jesu Christi, sei mir mit gebührender Andacht gegrüßt! Wer kann dich würdig ehren und preisen, den die Königin des Himmels mit eigenen Händen gestrickt hat, der mit Christus aufgewachsen und durch die Berührung seines Leibes geheiligt, durch die Mitteilung seiner göttlichen Kraft geweihet und durch sein rosenfarbenes Blut gesegnet ist! Dich hat der Sohn des ewigen Vaters so sehr geliebt, dass er dich über dreißig Jahre lang an seinem Hl. Leibe getragen und dir solche Kraft mitgeteilt hat, dass deine bloße Berührung alle Krankheiten heilen konnte. O Hl. Rock! Den Frommen bringst du Freude, den Bösen erregst du Schrecken, den Sündern bringst du Reue. Ich armer Sünder verlange dich zu küssen und durch deine Kraft wahre Reue über meine Sünden zu erlangen. O gütigster Jesu! Ich bitte dich durch die große Liebe, mit welcher du diesen Hl. Rock dreißig Jahre lang getragen und denselben mit deinem rosenfarbenen Blute und Schweiße benetzt hast, erwecke in mir eine wahre Reue über meine Sünden, einen heilsamen Schrecken vor deinem göttlichen Zorne und ein aufrichtiges Mitleid mit deinem bittern Leiden und Sterben. Wenn ich in meinem Tode und am Tage des Gerichtes vor aller Welt in meiner Blöße werde erscheinen müssen, dann wollest du mich mit deinem Hl. Rocke bedecken und von der ewigen Schmach erlösen. Amen.
Wir kommen nun zu dem schrecklichsten, bittersten und grausamsten Geheimnisse des ganzen Leidens Christi, welches so peinlich ist, dass alles bisher erwähnte kaum damit zu vergleichen ist. Wen dieses nicht schreckt und zum Mitleid bewegt, der muss gewiss kein menschliches Herz in seiner Brust haben, und dem wäre zu wünschen, dass er den tausendsten Teil der Schmerzen Christi empfinden möchte; so würde er bald zum Mitleid bewegt werden. Wer dies Geheimnis mit Nutzen betrachten will, muss nicht denken, als ob es schon geschehen sei, sondern vielmehr, als wenn es eben jetzt geschehe, und er, auf dem Kalvarienberge stehend, Alles mit leiblichen Augen ansähe.
Deswegen stelle dir vor, als wenn du sähest, wie die Schergen, nachdem sie den Heiland gekrönt hatten, von demselben Orte zwölf Schritte an den Platz, wo das Kreuz auf der Erde lag, vorwärts schritten. Ach! Wie war es so erbärmlich, als der nackte Jesus, der am ganzen Leibe grausam zerfleischt war, und dem das Blut noch überall herabträufelte, so ohne Barmherzigkeit zur Schlachtbank geführt wurde. Damals erfüllte sich ganz buchstäblich die Weissagung des Propheten Isaias: „Wie ein Schaf wird er zur Schlachtbank geführt, und verstummt wie ein Lamm vor dem, der es schert, und tut seinen Mund nicht auf. Aus der Angst und dem Gerichte wird er weggerafft.“ (Is 53, 7. 8) Der arme Jesus ging einher wie ein sanftmütiges Lämmlein, und ließ sich hin- und herführen, wie die Bösewichter wollten. O wie klopfte ihm sein schwaches Herz, wie zitterte sein Leib! Als er zum Kreuze kam, und die großen Hämmer und langen Nägel auf der Erde liegen sah, überfiel ihn ein so heftiger Schrecken wie noch nie zuvor in seinem ganzen Leben, und der kalte Schweiß brach ihm am ganzen Leibe aus. Doch geduldig kniete er vor dem Kreuze nieder, erhob die Augen und Hände gen Himmel, seufzte und küsste das Kreuz und legte sich auf dasselbe. Alsdann streckte er, wie er selbst der Hl. Brigitta offenbarte, seinen rechten Arm aus, nicht gezwungen, sondern mit gutem Willen, und er öffnete die rechte Hand und wartete so auf die grausame Annagelung.
O armes Schäflein, das du nun auf der Schlachtbank liegst, ich falle im Geiste vor dir nieder und bitte dich, du wollest diese Marter standhaft ertragen; denn durch deine Annagelung willst du bezahlen, was ich durch sündhafte Berührung gefehlt habe!
Darauf setzte ein Henker, nachdem der Arm festgebunden war, einen langen, dicken und stumpfen Nagel dem Herrn nicht mitten in die Hand, sondern zwei Finger breit oberhalb, wo das Bein härter ist, damit der Nagel desto fester halten und die Hand nicht abreißen könne, und trieb mit gewaltigen Schlägen denselben durch die Hand, dass zugleich die Haut, das zarte Fleisch und die Muskelfasern ins Kreuzesloch drangen. Es entstand eine große Öffnung in der Hand, das Blut Jesu sprang gewaltsam in die Höhe und bespritzte die Hände, das Gesicht und die Kleider des Henkers, der mit sechsundzwanzig Schlägen den Nagel zu Grunde trieb. O frommer Christ, bedenke, was das für eine Pein gewesen ist! O gnadenreiche Hand, wie bist du nun entstellt? Wie konntest du doch in das Elend kommen, der du Himmel und Erde gebaut und so viele Kranke gesund gemacht hast? Ich küsse dich mit meinen sündigen Lippen und begieße dich mit meinen heißen Tränen. O heilsame Wunde der rechten Hand, heilige mich, in dich befehle ich mich!
Während Christus die rechte Hand angenagelt wurde, zogen sich die Spannadern und Sehnen sowohl im rechten, als im linken Arm so krampfhaft zurück, dass weder der rechte Arm sich weiter ausdehnen, noch die linke Hand das Bohrloch im Kreuze erreichen konnte, zumal die Henker absichtlich die Öffnung weiter hinausgebohrt hatten, als der Herr reichen konnte. Deswegen zogen sie mit Stricken den linken Arm gewaltsam und ungestüm so lange, bis die Mitte der Hand das Bohrloch erreichte. Dadurch aber reckten sie die beiden Arme ganz auseinander, zerrissen ihm die Sehnen und dehnten die Gebeine aus den Gelenken, und verdrehten ihm sogar die Rippen, wie der Hl. Brigitta geoffenbart wurde. Ein dritter Henker trieb dann einen ähnlichen Nagel mit gewaltigen Streichen durch die linke Hand. Ach! Da war nichts mehr zu sehen, als Blutvergießen und eine entsetzliche Verrenkung des ganzen Oberleibes!
O kostbare Hand! Ich küsse dich reumütig, denn du bezahlst, was ich verschuldet habe, und leidest, was ich in der Hölle leiden müsste. O gütigster Vater! Ich stelle dir vor Augen die schmerzliche Wunde der linken Hand deines Sohnes, und opfere dir dieselbe zur Erstattung aller guten Werke, die ich jemals in deinem Dienste unterlassen habe. In die Hl. Wunde deiner linken Hand, o Jesu, versenke ich alle meine Widerwärtigkeiten und bitte, du wollest mir selbe verdienstlich machen.
Als die Henkersknechte die Hände am Kreuze festgemacht hatten, kamen sie nun auch an die Füße, dieselben anzunageln. Die grausame Ausdehnung der Arme hatte den Leib so zusammengezogen, dass die Füße das Bohrloch am unteren Teile des Kreuzes bei weitem nicht erreichten, weshalb die Schergen noch gewaltsamer anziehen mussten. Damit aber mittlerweile die Hände an ihrem Orte verblieben, legten die Tyrannen dem geduldigen Lämmlein einen dicken Strick über die Brust und Schultern her, und banden selben an den Querbalken des Kreuzes so fest, dass sich die Arme Christi weder von der Stelle bewegen noch senken konnten. Alsdann banden sie ihm einen zweiten Strick um die Füße, machten das Kreuz fest, dass es nicht weichen konnte, und zogen mit größter Gewalt an dem Seile so heftig, dass alle Sehnen und Adern des ganzen Leibes schier zerrissen, die Rippen ausgerenkt wurden, und der Unterleib sich so zusammenzog, als hätte er keine Gedärme in sich. Zugleich spannte sich die Haut so sehr, dass alle Geißelstreiche erneuert wurden und das Brustblatt zerriss. O Gott im Himmel, was war das wohl für ein Schmerz! Wer könnte ohne Zittern daran denken? In der Offenbarung der Hl. Mechtilde ist zu lesen, dass sie einst Christum fragte, welches sein größter Schmerz gewesen sei? Er antwortete ihr: „Dass ich am Kreuze so ausgespannt wurde, dass man alle meine Glieder zählen konnte. Wer mir für diesen Schmerz dankt, erweist mir einen solchen Dienst, als wenn er alle Glieder gesalbt hätte.“
Während die Henker noch immer stark an den Füßen zogen, setzte Einer einen viel größern, längern und dickern Nagel, als die Nägel der Hände waren, über die Mitte des rechten Fußes, wo das Bein am härtesten ist, und schlug mit aller Gewalt so lange auf den Nagel, bis er ihn in sechsunddreißig Schlägen durchbrachte.
O mein gekreuzigter Heiland! Ich opfere dir auf die schmerzliche Wunde des rechten Fußes und danke dir von Grunde meines Herzens für alle Schmerzen, die du an demselben gelitten hast. Verzeihe mir um deiner Liebe und Geduld willen alle sündigen Gänge, die ich gemacht habe, und erlass mir die schweren Strafen, die ich deshalb verdient habe. Amen.
Als der rechte Fuß angenagelt war, nahm ein Henker den linken und legte ihn über den rechten, wie der Hl. Brigitta geoffenbart wurde. Während nun die Übrigen mit dem Stricke an dem Fuße zogen, setzte dieser mit der linken Hand den Nagel darauf und schlug mit der rechten so gewaltig zu, dass der Schall weithin gehört wurde. Wer kann sich vorstellen, was das für ein übermäßiger Schmerz gewesen ist? So oft ein Streich auf den Nagel geschah, seufzte Jesus tief auf und klagte zu Gott. Sein Leib zitterte an allen Gliedern und sein mattes Haupt sank auf die Brust herab, und vom großen Blutverluste wurde der Herr ganz schwach!
O leidender Heiland! Mit der büßenden Magdalena werde ich mich auf mein Angesicht, und mit Tränen der Reue und Liebe begieße ich deine durchbohrten Füße. O du schmerzliche Wunde des linken Fußes! Mit wahrer Andacht grüße ich dich, mit beiden Händen umfange ich dich, und drücke dich voll Liebe an mein sündiges Herz! Erfülle dasselbe mit Bitterkeit und verwunde meine Seele mit wahrer Reue. Ihr Hl. Füße habt niemals einen vergeblichen Schritt gemacht, sondern seid stets den Pfad der Tugend gewandelt, aber ich? – O gütigster Jesu! Durch die übergroße Marter, die du bei der Annagelung deines linken Fußes gelitten hast, verzeihe mir gnädig, was ich mit bösen Gängen gefehlt habe, und führe mich durch deine Hl. Fußstapfen den Weg zur ewigen Seligkeit. Amen.
Nachdem der leidende Jesus mit Händen und Füßen ans Kreuz genagelt war, wurde ihm ungeachtet seiner Erschöpfung nicht die mindeste Ruhe oder Labung, deren er so sehr bedurfte, gegönnt, sondern auch einer Marter folge sogleich die andere. Denn unmittelbar nach der Annagelung schleiften die Henkersknechte das Kreuz samt dem lieben Herrn vierzehn Schritte weit fort zu einem Loche, welches sie in den Felsengrund eingehauen hatten, fünf Zoll breit und drei Spannen tief, damit sie das Kreuz dort aufrichten konnten. Als sie nun unter Ungestüm das schwere Kreuz doch aufgehoben hatten, ließen sie es nicht etwa sanft in die Öffnung hinabgleiten, sondern damit es sich desto fester einsenke, ließen sie den dicken und schweren Kreuzbaum so heftig hinabfallen, dass der ganze Leib Christi gewaltig vom Stoße erschüttert wurde. Dadurch zogen sich die Wunden an Händen und Füßen weiter von den Nägeln und das Blut rann neuerdings so reichlich auf den Boden, dass die Erde davon gerötet wurde.
Nun komme, o Gott liebende Seele, und setze dich unter das Hl. Kreuz, falle nieder auf deine Knie und bete deinen Erlöser an. Wirf dich auf dein Angesicht und küsse die Hl. Erde, welche mit dem kostbaren Blute Jesu Christi gefärbt ist. Erhebe deine Augen und schaue deinen Heiland an. Betrachte ihn vom Haupte bis zu den Füßen und beherzige, was er für dich leidet.
Nachdem das Kreuz Christi festgestellt war, kreuzigten sie auch die beiden Mörder zur rechten und zur linken Seite, auf dass in der Tat erfüllt würde, was der Prophet vorhergesagt: „Er ist unter die Missetäter gerechnet worden.“ Ach, wer sollte sich fortan noch schämen, für gering geachtet zu werden, wenn er sieht, dass der höchste Gott unter die Mörder gerechnet werden wollte! O Wunder! Gott hängt unter den Mördern, und ich Staub sollte es wagen, hochgeehrt und geachtet zu werden! Mein gedemütigter Jesus wird unter die schändlichsten Übeltäter gerechnet und ich größter Sünder möchte für gut und fromm gehalten werden? Ach mein Jesu! Lass das nicht zu, sondern verleihe mir Gnade, dass ich mich als den gottlosesten Sünder erkenne und als solchen von Andern gehalten zu werden begehre!
Zuletzt teilten die Schergen die Kleider des Herrn unter großem Gespötte und Gelächter. Der Heiland trug nämlich drei Kleider, eins am bloßen Leibe, das ihm von seiner Mutter in der Kindheit aus Wollfäden gestrickt, und mit ihm aufgewachsen war. Über diesem Rocke hatte der Herr ein langes Oberkleid, das ihn ganz bedeckte, und darüber einen Mantel, wie ihn die Propheten und Geistlichen zu tragen pflegten. Diesen nebst dem Oberkleide haben die Henker in vier Teile geteilt, damit Jeder etwas davon bekäme. Den ungenähten Rock aber ließen sie ganz und warfen das Los darüber. Der Spott, den sie damit trieben, tat dem Herrn sehr wehe.
Andächtige Begrüßung des Hl. Rockes
O gebenedeiter Rock meines Herrn Jesu Christi, sei mir mit gebührender Andacht gegrüßt! Wer kann dich würdig ehren und preisen, den die Königin des Himmels mit eigenen Händen gestrickt hat, der mit Christus aufgewachsen und durch die Berührung seines Leibes geheiligt, durch die Mitteilung seiner göttlichen Kraft geweihet und durch sein rosenfarbenes Blut gesegnet ist! Dich hat der Sohn des ewigen Vaters so sehr geliebt, dass er dich über dreißig Jahre lang an seinem Hl. Leibe getragen und dir solche Kraft mitgeteilt hat, dass deine bloße Berührung alle Krankheiten heilen konnte. O Hl. Rock! Den Frommen bringst du Freude, den Bösen erregst du Schrecken, den Sündern bringst du Reue. Ich armer Sünder verlange dich zu küssen und durch deine Kraft wahre Reue über meine Sünden zu erlangen. O gütigster Jesu! Ich bitte dich durch die große Liebe, mit welcher du diesen Hl. Rock dreißig Jahre lang getragen und denselben mit deinem rosenfarbenen Blute und Schweiße benetzt hast, erwecke in mir eine wahre Reue über meine Sünden, einen heilsamen Schrecken vor deinem göttlichen Zorne und ein aufrichtiges Mitleid mit deinem bittern Leiden und Sterben. Wenn ich in meinem Tode und am Tage des Gerichtes vor aller Welt in meiner Blöße werde erscheinen müssen, dann wollest du mich mit deinem Hl. Rocke bedecken und von der ewigen Schmach erlösen. Amen.
Sonntag, 25. März 2012
Christenverfolgung
Zu diesem Thema gibt es im Focus einen interessanten Artikel von Markus Rode, im Druck veröffentlicht im Focus 7/12 auf Seite 54.
Steht ihnen endlich bei!
Steht ihnen endlich bei!
Wunderbare Bitte
... gefunden auf dem Blog BENEDICITE DEUS,
getippt von Klemnes:
Herr! gieb uns blöde Augen
für Dinge, die nichts taugen,
und Augen voller Klarheit,
für alle deine Wahrheit.
(Soren Kierkegaard)
getippt von Klemnes:
Herr! gieb uns blöde Augen
für Dinge, die nichts taugen,
und Augen voller Klarheit,
für alle deine Wahrheit.
(Soren Kierkegaard)
Samstag, 24. März 2012
Samstag der vierten Fastenwoche
28. Was Christus vor der Kreuzigung gelitten hat
Andächtige Seele, in der Betrachtung des bittern Leidens Christi kommen wir nun auf den Kalvarienberg, wo so viele schreckliche Geheimnisse vorgegangen sind, dass kein Mensch ohne Hl. Schauder an selbe denken kann. Wir haben viel gehört und betrachtet, was Christus am Ölberge, in der Stadt Jerusalem, in den Häusern des Annas, Kaiphas, Pilatus und Herodes gelitten habe, allein dies Alles ist nicht zu vergleichen mit dem Leiden, was er auf dem Kalvarienberge ausstand, und das so groß und viel war, dass keine Feder es beschreiben und kein Verstand begreifen kann. Ja, es wird bis auf den jüngsten Tag nicht Alles offenbar werden, was Christus hier gelitten hat. Wenn du demnach deinem Erlöser auch auf diesen Berg nachfolgen willst, gleich wie du ihn in seinem ganzen Leiden begleitet hast, so musst du dein Herz zum Mitleiden und deine Augen zu Tränen bereiten. Zum ersten wisse, dass der Kalvarienberg nur dreißig Schritte lang und vierundzwanzig Schritte breit sei, so dass wenige Menschen dort Platz hatten. Ringsumher standen weder Bäume noch Hecken, sondern es war ein felsiger und unfruchtbarer Hügel. Ehe der Herr mit dem Kreuze daselbst ankam, war schon eine unzählige Volksmenge voraus geeilt und rings um den Hügel versammelt, damit sie die Kreuzigung besser sehen möchten. Viele hatten sich auch an den Weg gestellt, um dem Heilande recht ins Gesicht schauen zu können. Sobald er daher mit den Gerichtsdienern und etlichen wenigen von den vornehmen Hohenpriestern sich dem Berge genähert hatte, und alles Volk hinten nachströmte, lässt es sich nicht aussprechen, welch eine ungeheure Menschenmenge den ganzen Berg umgab; denn nach einer wahrscheinlichen Berechnung waren über zwei Millionen Menschen aus allen Ländern der Welt in Jerusalem beisammen, und unter dieser ungeheuren Masse waren nur wenig, welche nicht hinausgingen, dieses Schauspiel zu sehen. Es war daher unter dem Volke ein gewaltiges Getümmel, Geschwätz und Gelächter, so dass man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte.
Die betrübte Mutter Gottes, welche diesen Blutweg mehr tot als lebend gegangen war, und von ganzem Herzen zitternd an den Berg zu kommen fürchtete, kam endlich auch mit ihrer traurigen Gesellschaft nach, und sie führten ein so erbärmliches Klagen und Weinen, dass alle Menschen ihr Mitleiden haben mussten, besonders wusste die Hl. Magdalena sich gar nicht zu trösten. Zu diesen Auserwählten gesellten sich auch die Frauen und Töchter, welche Christus am Scheidewege angeredet hatte.
Sobald der Herr mit seinem Kreuze an dem Berge Kalvariä angekommen war, warfen ihm die Henker das Kreuz von der Schulter herab und stießen den Simon höhnisch weg, damit er sie nicht hindere. Obwohl nun dem Heilande das Kreuz war abgenommen worden, so waren seine Schultern und der Rücken doch so heftig gequetscht, dass er von der Abnehmung der Last nur wenig fühlte und sie noch immer zu tragen vermeinte. Überdies war er von dem langen Tragen so niedergebeugt worden, dass er sich weder strecken noch aufrichten konnte. Jetzt nahmen sie das Maß von den Armen und Beinen, und bohrten darnach die Löcher ins Kreuz, doch weiter hinaus, dass sie den Herrn recht dehnen möchten. Alsdann trat ein Henker mit einem Becher von Myrrhenwein, mit Galle und Essig vermischt, zu Christus, und bot dem Herrn einen Trunk an. Er kostete von diesem Weine etwas Weniges, doch gab er den Becher sogleich wieder zurück und wollte nicht trinken. So peinigte der Herr seinen Geschmack wegen unserer Unmäßigkeit und Leckerhaftigkeit im Essen und Trinken.
Nach diesem üblen Willkommen führten die Schergen das geduldige Lämmlein wieder von der Höhe des Berges herab 70 Schritte weit gegen den Fuß desselben, wo eine finstere Gruft unter der Erde etwa 20 Spannen lang und 18 Spannen breit war, worin die armen Sünder eingesperrt wurden, bis Alles zur Hinrichtung bereit war. Sie stießen ihn so ungestüm hinein, dass er auf beide Knie niederfiel und der Stein sich erweichte, so dass sich die Male der Knie abdrückten, wie in weichem Wachs. Diese Zeichen sind noch heutigen Tages zu sehen; aus dem Kerker selbst aber haben die Christen eine Kapelle gemacht und einen Altar darin errichtet, welcher in der großen Kirche des Hl. Grabes eingeschlossen ist, und noch immer der Keller Christi genannt wird.
O bitterer Kerker, mit Hl. Schauder verehre ich dich und falle auf mein Angesicht nieder. Ihr Hl. Malzeichen der Knie meines Erlösers, die ihr in den Felsen eingedrückt seid, ich küsse euch in Demut und Mitleid. O gütigster Jesus, der du in diesem Kerker so viele Angst und Pein erduldet hast, dass kein menschliches Herz selbe begreifen kann, ich bitte dich, gedenke dereinst auch meiner Angst auf dem Todesbette und habe alsdann Mitleiden mit meiner armen Seele! Erlöse mich aus dem feurigen Kerker der Hölle, auf dass dein Gefängnis meine Erlösung sei. Amen.
Nachdem Alles zur Kreuzigung in Bereitschaft gesetzt war, nahmen die Henker den armen Gefangenen aus seinem Kerker heraus und führten ihn wieder zum Kalvarienberge. Dies war der letzte und kürzeste Gang, welchen Christus in seinem Leiden machte; denn er hatte nur siebenzig Schritte zum Kreuze zu gehen; es war aber auch der allerbitterste und schrecklichste; denn er ging zu einer Marter, die kein Mensch zu beschreiben vermag. Kaum war er durch die Tausende von Menschen hindurch bei dem Kreuze angekommen, als die Henker ihn ergriffen, um ihm den ungenähten Rock über sein Hl. Haupt herab zu ziehen. Sie konnten es aber nicht wegen der Dornenkrone, und weil der Rock, den ihm Maria in der Kindheit gestrickt hatte, oben so enge war. Sie mussten daher abermals die Dornenkrone abnehmen. Hier bedenke, o christliches Herz, was für neue unsägliche Schmerzen dies verursacht habe! Du weißt, wie wehe es tut, einen Splitter herauszuziehen, den man sich ins Fleisch gestoßen hat; wie schmerzlich muss also erst das herausziehen der Dörner, welche schon so lange im Kopfe steckten, dem lieben Heilande gefallen sein. Erinnere dich also öfters in deinen Schmerzen des Heilandes, und opfere ihm dieselben zu Ehren seiner öftern schmerzlichen Krönung. Nachdem sie ihm die Krone abgezogen hatten, rissen diese rohen Unmenschen ihm mit solchem Ungestüm den Rock ab, dass alle Wunden erneuert wurden. Insbesondere sah man damals auf seinen Schultern und am Rücken eine überaus große schreckliche Wunde, weil der Druck vom Kreuze dort am heftigsten war, und sohin die Kleider wie angeleimt festhielten. Es sah demnach der ganze Rücken wie ein offener Schaden aus.
Nun komme, o liebende Seele, und betrachte deinen verwundeten und blutenden Bräutigam. Hier steht er vor dir auf dem Kalvarienberge, tausend unreinen Blicken preisgegeben. Sieh! Derjenige, welcher die Bäume mit Blättern, die Tiere mit Fellen und die Erde mit Gewächsen bedeckt hat, konnte mit Nichts seine Blöße bedecken! O wie viel schmerzlicher, als alle Wunden, fiel dem lieben Heilande diese Beschämung! Welch großes Herzeleid empfand auch die jungfräuliche Mutter Maria, als sie ihren lieben Sohn also erblickte! Ach! Ich bin an dieser Entblößung am meisten Schuld, weil du mein keuschester Jesus, meine Unkeuschheit und Schamlosigkeit in Gedanken, Worten und Werken dadurch abbüßen musstest! O Jesu! Ich falle in tiefster Demut dir zu Füßen und bitte um Gnade! Verziehe mir, o Jesu, verzeihe mir meine Unverschämtheit; ich will fortan nicht mehr also sündigen und bitte dich durch deine Entblößung, gedenke nicht mehr der vielfachen Schmach, welche ich dir zugefügt habe. Amen.
Als die Schergen dem Herrn seine Kleider ausgezogen hatten, setzten sie ihn auf einen harten Stein und setzten die Krone wieder auf sein verwundetes Haupt, und das schon zum dritten Male. O unerhörte Pein, wie ist es doch möglich, dass Christus eine so bittere Marter leidet! Ach, betrachte, meine Seele, wie dein geliebter Jesus so schrecklich aussieht! Du entsetzest dich oft über den Anblick eines blutenden Menschen; warum entsetzest du dich denn nicht jetzt, da du deinen Herrn und liebsten Freund so ganz mit Blut überronnen liehest? Sieh! Hier steht der Erlöser ganz entblößt, die Dornenkrone auf dem Haupte tragend, vor Schmerz und Kälte am ganzen Leibe zitternd. Seine Augen sind voll Blut, dass er niemand anschauen kann, außer er schließe sie zuerst, um das Blut mit Gewalt heraus zu pressen. Sein Haupt ist voll Dornenstiche und sein Körper ganz zerfleischt. Darum falle demütig vor ihm nieder und sprich:
Gebet
O gekrönter König des Himmels und der Erde, Herr Jesu Christe! Ich erinnere dich jener grausamen Marter, welche du in deinem Hl. Haupte littest, als dir auf dem Kalvarienberge zum dritten Male die dörnerne Krone aufgesetzt und alle deine Wunden erneuert wurden. O schmerzhafter Heiland! Was war das für eine unerträgliche Pein, und wie schrecklich wüteten die Dornspitzen in deinem Hl. Haupte. O gekröntes, ehrwürdiges, gebenedeites Haupt! Mit Ehrfurcht bete ich dich an und betrauere mit tiefstem Mitleiden deine Schmerzen. Wie hast du doch meine Hoffart so teuer bezahlen müssen, um die Sünden, die ich mit Pracht, Hochmut und Hartnäckigkeit meines Hauptes begangen habe, abzubüßen. Diese deine Genugtuung lass mir zu Teil werden, und opfere dieselbe dem himmlischen Vater zur völligen Versöhnung seines göttlichen Zornes. O gütigster Vater! Durch die dreifache Krönung deines lieben Sohnes bitte ich dich, verzeihe mir alle Sünden, die ich jemals mit meinem Haupte begangen habe. Amen.
Andächtige Seele, in der Betrachtung des bittern Leidens Christi kommen wir nun auf den Kalvarienberg, wo so viele schreckliche Geheimnisse vorgegangen sind, dass kein Mensch ohne Hl. Schauder an selbe denken kann. Wir haben viel gehört und betrachtet, was Christus am Ölberge, in der Stadt Jerusalem, in den Häusern des Annas, Kaiphas, Pilatus und Herodes gelitten habe, allein dies Alles ist nicht zu vergleichen mit dem Leiden, was er auf dem Kalvarienberge ausstand, und das so groß und viel war, dass keine Feder es beschreiben und kein Verstand begreifen kann. Ja, es wird bis auf den jüngsten Tag nicht Alles offenbar werden, was Christus hier gelitten hat. Wenn du demnach deinem Erlöser auch auf diesen Berg nachfolgen willst, gleich wie du ihn in seinem ganzen Leiden begleitet hast, so musst du dein Herz zum Mitleiden und deine Augen zu Tränen bereiten. Zum ersten wisse, dass der Kalvarienberg nur dreißig Schritte lang und vierundzwanzig Schritte breit sei, so dass wenige Menschen dort Platz hatten. Ringsumher standen weder Bäume noch Hecken, sondern es war ein felsiger und unfruchtbarer Hügel. Ehe der Herr mit dem Kreuze daselbst ankam, war schon eine unzählige Volksmenge voraus geeilt und rings um den Hügel versammelt, damit sie die Kreuzigung besser sehen möchten. Viele hatten sich auch an den Weg gestellt, um dem Heilande recht ins Gesicht schauen zu können. Sobald er daher mit den Gerichtsdienern und etlichen wenigen von den vornehmen Hohenpriestern sich dem Berge genähert hatte, und alles Volk hinten nachströmte, lässt es sich nicht aussprechen, welch eine ungeheure Menschenmenge den ganzen Berg umgab; denn nach einer wahrscheinlichen Berechnung waren über zwei Millionen Menschen aus allen Ländern der Welt in Jerusalem beisammen, und unter dieser ungeheuren Masse waren nur wenig, welche nicht hinausgingen, dieses Schauspiel zu sehen. Es war daher unter dem Volke ein gewaltiges Getümmel, Geschwätz und Gelächter, so dass man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte.
Die betrübte Mutter Gottes, welche diesen Blutweg mehr tot als lebend gegangen war, und von ganzem Herzen zitternd an den Berg zu kommen fürchtete, kam endlich auch mit ihrer traurigen Gesellschaft nach, und sie führten ein so erbärmliches Klagen und Weinen, dass alle Menschen ihr Mitleiden haben mussten, besonders wusste die Hl. Magdalena sich gar nicht zu trösten. Zu diesen Auserwählten gesellten sich auch die Frauen und Töchter, welche Christus am Scheidewege angeredet hatte.
Sobald der Herr mit seinem Kreuze an dem Berge Kalvariä angekommen war, warfen ihm die Henker das Kreuz von der Schulter herab und stießen den Simon höhnisch weg, damit er sie nicht hindere. Obwohl nun dem Heilande das Kreuz war abgenommen worden, so waren seine Schultern und der Rücken doch so heftig gequetscht, dass er von der Abnehmung der Last nur wenig fühlte und sie noch immer zu tragen vermeinte. Überdies war er von dem langen Tragen so niedergebeugt worden, dass er sich weder strecken noch aufrichten konnte. Jetzt nahmen sie das Maß von den Armen und Beinen, und bohrten darnach die Löcher ins Kreuz, doch weiter hinaus, dass sie den Herrn recht dehnen möchten. Alsdann trat ein Henker mit einem Becher von Myrrhenwein, mit Galle und Essig vermischt, zu Christus, und bot dem Herrn einen Trunk an. Er kostete von diesem Weine etwas Weniges, doch gab er den Becher sogleich wieder zurück und wollte nicht trinken. So peinigte der Herr seinen Geschmack wegen unserer Unmäßigkeit und Leckerhaftigkeit im Essen und Trinken.
Nach diesem üblen Willkommen führten die Schergen das geduldige Lämmlein wieder von der Höhe des Berges herab 70 Schritte weit gegen den Fuß desselben, wo eine finstere Gruft unter der Erde etwa 20 Spannen lang und 18 Spannen breit war, worin die armen Sünder eingesperrt wurden, bis Alles zur Hinrichtung bereit war. Sie stießen ihn so ungestüm hinein, dass er auf beide Knie niederfiel und der Stein sich erweichte, so dass sich die Male der Knie abdrückten, wie in weichem Wachs. Diese Zeichen sind noch heutigen Tages zu sehen; aus dem Kerker selbst aber haben die Christen eine Kapelle gemacht und einen Altar darin errichtet, welcher in der großen Kirche des Hl. Grabes eingeschlossen ist, und noch immer der Keller Christi genannt wird.
O bitterer Kerker, mit Hl. Schauder verehre ich dich und falle auf mein Angesicht nieder. Ihr Hl. Malzeichen der Knie meines Erlösers, die ihr in den Felsen eingedrückt seid, ich küsse euch in Demut und Mitleid. O gütigster Jesus, der du in diesem Kerker so viele Angst und Pein erduldet hast, dass kein menschliches Herz selbe begreifen kann, ich bitte dich, gedenke dereinst auch meiner Angst auf dem Todesbette und habe alsdann Mitleiden mit meiner armen Seele! Erlöse mich aus dem feurigen Kerker der Hölle, auf dass dein Gefängnis meine Erlösung sei. Amen.
Nachdem Alles zur Kreuzigung in Bereitschaft gesetzt war, nahmen die Henker den armen Gefangenen aus seinem Kerker heraus und führten ihn wieder zum Kalvarienberge. Dies war der letzte und kürzeste Gang, welchen Christus in seinem Leiden machte; denn er hatte nur siebenzig Schritte zum Kreuze zu gehen; es war aber auch der allerbitterste und schrecklichste; denn er ging zu einer Marter, die kein Mensch zu beschreiben vermag. Kaum war er durch die Tausende von Menschen hindurch bei dem Kreuze angekommen, als die Henker ihn ergriffen, um ihm den ungenähten Rock über sein Hl. Haupt herab zu ziehen. Sie konnten es aber nicht wegen der Dornenkrone, und weil der Rock, den ihm Maria in der Kindheit gestrickt hatte, oben so enge war. Sie mussten daher abermals die Dornenkrone abnehmen. Hier bedenke, o christliches Herz, was für neue unsägliche Schmerzen dies verursacht habe! Du weißt, wie wehe es tut, einen Splitter herauszuziehen, den man sich ins Fleisch gestoßen hat; wie schmerzlich muss also erst das herausziehen der Dörner, welche schon so lange im Kopfe steckten, dem lieben Heilande gefallen sein. Erinnere dich also öfters in deinen Schmerzen des Heilandes, und opfere ihm dieselben zu Ehren seiner öftern schmerzlichen Krönung. Nachdem sie ihm die Krone abgezogen hatten, rissen diese rohen Unmenschen ihm mit solchem Ungestüm den Rock ab, dass alle Wunden erneuert wurden. Insbesondere sah man damals auf seinen Schultern und am Rücken eine überaus große schreckliche Wunde, weil der Druck vom Kreuze dort am heftigsten war, und sohin die Kleider wie angeleimt festhielten. Es sah demnach der ganze Rücken wie ein offener Schaden aus.
Nun komme, o liebende Seele, und betrachte deinen verwundeten und blutenden Bräutigam. Hier steht er vor dir auf dem Kalvarienberge, tausend unreinen Blicken preisgegeben. Sieh! Derjenige, welcher die Bäume mit Blättern, die Tiere mit Fellen und die Erde mit Gewächsen bedeckt hat, konnte mit Nichts seine Blöße bedecken! O wie viel schmerzlicher, als alle Wunden, fiel dem lieben Heilande diese Beschämung! Welch großes Herzeleid empfand auch die jungfräuliche Mutter Maria, als sie ihren lieben Sohn also erblickte! Ach! Ich bin an dieser Entblößung am meisten Schuld, weil du mein keuschester Jesus, meine Unkeuschheit und Schamlosigkeit in Gedanken, Worten und Werken dadurch abbüßen musstest! O Jesu! Ich falle in tiefster Demut dir zu Füßen und bitte um Gnade! Verziehe mir, o Jesu, verzeihe mir meine Unverschämtheit; ich will fortan nicht mehr also sündigen und bitte dich durch deine Entblößung, gedenke nicht mehr der vielfachen Schmach, welche ich dir zugefügt habe. Amen.
Als die Schergen dem Herrn seine Kleider ausgezogen hatten, setzten sie ihn auf einen harten Stein und setzten die Krone wieder auf sein verwundetes Haupt, und das schon zum dritten Male. O unerhörte Pein, wie ist es doch möglich, dass Christus eine so bittere Marter leidet! Ach, betrachte, meine Seele, wie dein geliebter Jesus so schrecklich aussieht! Du entsetzest dich oft über den Anblick eines blutenden Menschen; warum entsetzest du dich denn nicht jetzt, da du deinen Herrn und liebsten Freund so ganz mit Blut überronnen liehest? Sieh! Hier steht der Erlöser ganz entblößt, die Dornenkrone auf dem Haupte tragend, vor Schmerz und Kälte am ganzen Leibe zitternd. Seine Augen sind voll Blut, dass er niemand anschauen kann, außer er schließe sie zuerst, um das Blut mit Gewalt heraus zu pressen. Sein Haupt ist voll Dornenstiche und sein Körper ganz zerfleischt. Darum falle demütig vor ihm nieder und sprich:
Gebet
O gekrönter König des Himmels und der Erde, Herr Jesu Christe! Ich erinnere dich jener grausamen Marter, welche du in deinem Hl. Haupte littest, als dir auf dem Kalvarienberge zum dritten Male die dörnerne Krone aufgesetzt und alle deine Wunden erneuert wurden. O schmerzhafter Heiland! Was war das für eine unerträgliche Pein, und wie schrecklich wüteten die Dornspitzen in deinem Hl. Haupte. O gekröntes, ehrwürdiges, gebenedeites Haupt! Mit Ehrfurcht bete ich dich an und betrauere mit tiefstem Mitleiden deine Schmerzen. Wie hast du doch meine Hoffart so teuer bezahlen müssen, um die Sünden, die ich mit Pracht, Hochmut und Hartnäckigkeit meines Hauptes begangen habe, abzubüßen. Diese deine Genugtuung lass mir zu Teil werden, und opfere dieselbe dem himmlischen Vater zur völligen Versöhnung seines göttlichen Zornes. O gütigster Vater! Durch die dreifache Krönung deines lieben Sohnes bitte ich dich, verzeihe mir alle Sünden, die ich jemals mit meinem Haupte begangen habe. Amen.
Freitag, 23. März 2012
Freitag der vierten Fastenwoche
27. Wie Christus das Kreuz getragen hat
Nun komm, o christliche Seele, und sieh, wie dein Erlöser sein eigenes Kreuz getragen habe, und in welcher Ordnung der Zug zum Richtplatze gegangen sei. Der Fahnenträger samt der Gerichtsposaune ging voran, hierauf folgten die Soldaten des Pilatus in voller Rüstung, nach diesen kamen die Henkersknechte in ihrer Ordnung und trugen die zur Kreuzigung nötigen Werkzeuge, nämlich die Leiter, Bohrer, Hämmer, Stricke, Zangen, Nägel und Grabscheite; einer hatte die Kanne mit Myrrhenwein, den man den armen Sündern vor der Kreuzigung zu geben pflegte, ein anderer hatte ein Geschirr mit Essig und Ysop. Nach diesen folgten die beiden Mörder, nackt und gebunden, von zwei Schergen geführt, endlich kam der arme Jesus zwischen vier Henkersknechten. Einer ging voran und führte ihn an dem Stricke, der dem Gefangenen um den Leib gebunden war, und zwei gingen an den Seiten mit den Stricken, welche sie ihm um die Arme gelegt hatte, der vierte ging hinter Jesus und trieb ihn ungestüm fort. Nach Christus kamen die Hohenpriester, Pharisäer, Schriftgelehrten und Ältesten des Volkes zu Pferde in großer Pracht, und den Zug beschloss eine zahllose Volksmenge, welche die Neugierde zusammengeführt hatte.
O wie freuten sich die Hohenpriester, da sie Christus mit dem Kreuze einhergehen sahen! Mit den Hohenpriestern stimmte das gemeine Volk ein und lästerte den Kreuzträger schändlicher Weise. So ging in Erfüllung, was Jeremias in seinen Klageliedern geweissagt hatte: „Alle, die des Weges gehen, schlagen deinetwegen in die Hände, sie zischen und knirschen mit den Zähnen und sprechen: Lasst uns sie verschlingen, sieh, das ist der Tag, auf den wir gewartet; wir haben ihn erlebt, gesehen!“ Der Weg von dem Hause des Pilatus durch die Stadt zur Gerichtspforte hinaus bis auf den Berg Kalvariä beträgt eine halbe Stunde; unser Erlöser aber hat wohl eine gute Stunde dazu gebraucht, da er so matt und krank war. Überdies waren seine Füße von den vielen Schlägen so geschwollen, dass er bei jedem Schritte die heftigsten Schmerzen fühlte und kaum gehen konnte.
Als der gütige Herr das Kreuz zu tragen anfing, ging er vielleicht etwas aufwärts; allein schon nach wenigen Schritten wurde ihm dasselbe so schwer und drückte ihn so heftig auf die Schultern, dass er ganz gebückt gehen musste. Je länger er fortging, desto schwerer beugte ihn die Last darnieder. Da Jesus ferner barfuß ging, stieß er sich oft mit den Zehen an die harten Steine, so dass das Blut zur Erde floss. Weil das wollene Kleid durch die beständige Bewegung des Leibes immer sich an den früheren Wunden rieb, wurden diese erneuert und bluteten ohne Unterlass.
Das Kreuz war sehr lang und schwer, und das Querholz hing Christo von vorne so weit über die Knie herab, dass er sich mit den Schienbeinen oft daran stieß, was ihm ungemeine Schmerzen verursachte. Der mittlere Kreuzbalken war so lang, dass er ihn weder auf den Schultern halten, noch auf dem Rücken schwebend tragen konnte, sondern auf der Erde hinter sich nachschleifen musste. Dadurch geschah es, dass das Kreuz immer auf- und niederstieß, und dem Herrn auf seinen verwundeten Schultern unaussprechlichen Schmerz verursachte; und wenn er es etwa über einen Stein oder eine Erderhöhung ziehen musste, so fiel es mit Gewalt auf seine Schultern nieder und stieß ihn gräulich an die Dornenkrone.
Sein Leibrock war in die Wunden und offenen Geißelstriemen gar hart eingedrückt, die Schulterbeine waren sehr gequetscht, und wegen des beständigen Schwankens des schweren Kreuzes wurden alle Wunden des Rückens immer erneuert und erweitert, was dem lieben Heilande so fürchterliche Qualen verursachte, dass er oftmals einer Ohnmacht nahe war.
Endlich, weil die Dornenkrone so dick und breit war, dass sie weit über die Schultern ging, konnte Christus sein Kreuz nicht recht tragen, sondern nur an der äußersten Achselspitze erhalten. Daher geschah es, dass es ohne Unterlass auf die Arme herabfiel, und wieder hinaufgeschoben werden musste, und Christus sich so sehr abmattete, dass ihm der Angstschweiß am ganzen Leibe ausbrach. So ging er seufzend und unter seiner Last keuchend mit gebeugtem Leibe einher; und dennoch war Niemand, der sich seines großen Elendes erbarmte. O so erbarme du dich seiner, mein frommer Christ, und tröste ihn durch folgende andächtige
Verehrung des letzten kläglichen Ganges Christi
O mein liebster, kreuztragender Jesu! In Erwägung deines letzten und bittersten Ganges ist mein Herz mit solchem Mitleiden erfüllt, dass ich weder Maß noch Ziel finde. Im Geiste der Demut und mit zerknirschtem Herzen falle ich auf meine Knie nieder und küsse andächtig diesen Hl. Weg und die Blutspuren deiner Füße; und bitte dich demütig durch diesen bittersten Gang, so wie durch alle Martern, die du auf demselben gelitten hast, du wollest mir alle sündigen Wege, die ich in meinem ganzen Leben gegangen bin, gnädig verzeihen. Und wenn ich den Weg aller Welt werde gehen müssen, so gedenke, o milder Jesu, dass du diesen bitteren Kreuzweg für mich gewandelt bist, damit ich nicht verloren gehe, sondern durch deine Verdienste selig werde. Amen.
(Zur Betrachtung der einzelnen Geheimnisse des Hl. Kreuzweges kannst du dich füglich der dritten, vierten bis neunten Station der Kreuzwegandacht bedienen.)
Nun komm, o christliche Seele, und sieh, wie dein Erlöser sein eigenes Kreuz getragen habe, und in welcher Ordnung der Zug zum Richtplatze gegangen sei. Der Fahnenträger samt der Gerichtsposaune ging voran, hierauf folgten die Soldaten des Pilatus in voller Rüstung, nach diesen kamen die Henkersknechte in ihrer Ordnung und trugen die zur Kreuzigung nötigen Werkzeuge, nämlich die Leiter, Bohrer, Hämmer, Stricke, Zangen, Nägel und Grabscheite; einer hatte die Kanne mit Myrrhenwein, den man den armen Sündern vor der Kreuzigung zu geben pflegte, ein anderer hatte ein Geschirr mit Essig und Ysop. Nach diesen folgten die beiden Mörder, nackt und gebunden, von zwei Schergen geführt, endlich kam der arme Jesus zwischen vier Henkersknechten. Einer ging voran und führte ihn an dem Stricke, der dem Gefangenen um den Leib gebunden war, und zwei gingen an den Seiten mit den Stricken, welche sie ihm um die Arme gelegt hatte, der vierte ging hinter Jesus und trieb ihn ungestüm fort. Nach Christus kamen die Hohenpriester, Pharisäer, Schriftgelehrten und Ältesten des Volkes zu Pferde in großer Pracht, und den Zug beschloss eine zahllose Volksmenge, welche die Neugierde zusammengeführt hatte.
O wie freuten sich die Hohenpriester, da sie Christus mit dem Kreuze einhergehen sahen! Mit den Hohenpriestern stimmte das gemeine Volk ein und lästerte den Kreuzträger schändlicher Weise. So ging in Erfüllung, was Jeremias in seinen Klageliedern geweissagt hatte: „Alle, die des Weges gehen, schlagen deinetwegen in die Hände, sie zischen und knirschen mit den Zähnen und sprechen: Lasst uns sie verschlingen, sieh, das ist der Tag, auf den wir gewartet; wir haben ihn erlebt, gesehen!“ Der Weg von dem Hause des Pilatus durch die Stadt zur Gerichtspforte hinaus bis auf den Berg Kalvariä beträgt eine halbe Stunde; unser Erlöser aber hat wohl eine gute Stunde dazu gebraucht, da er so matt und krank war. Überdies waren seine Füße von den vielen Schlägen so geschwollen, dass er bei jedem Schritte die heftigsten Schmerzen fühlte und kaum gehen konnte.
Als der gütige Herr das Kreuz zu tragen anfing, ging er vielleicht etwas aufwärts; allein schon nach wenigen Schritten wurde ihm dasselbe so schwer und drückte ihn so heftig auf die Schultern, dass er ganz gebückt gehen musste. Je länger er fortging, desto schwerer beugte ihn die Last darnieder. Da Jesus ferner barfuß ging, stieß er sich oft mit den Zehen an die harten Steine, so dass das Blut zur Erde floss. Weil das wollene Kleid durch die beständige Bewegung des Leibes immer sich an den früheren Wunden rieb, wurden diese erneuert und bluteten ohne Unterlass.
Das Kreuz war sehr lang und schwer, und das Querholz hing Christo von vorne so weit über die Knie herab, dass er sich mit den Schienbeinen oft daran stieß, was ihm ungemeine Schmerzen verursachte. Der mittlere Kreuzbalken war so lang, dass er ihn weder auf den Schultern halten, noch auf dem Rücken schwebend tragen konnte, sondern auf der Erde hinter sich nachschleifen musste. Dadurch geschah es, dass das Kreuz immer auf- und niederstieß, und dem Herrn auf seinen verwundeten Schultern unaussprechlichen Schmerz verursachte; und wenn er es etwa über einen Stein oder eine Erderhöhung ziehen musste, so fiel es mit Gewalt auf seine Schultern nieder und stieß ihn gräulich an die Dornenkrone.
Sein Leibrock war in die Wunden und offenen Geißelstriemen gar hart eingedrückt, die Schulterbeine waren sehr gequetscht, und wegen des beständigen Schwankens des schweren Kreuzes wurden alle Wunden des Rückens immer erneuert und erweitert, was dem lieben Heilande so fürchterliche Qualen verursachte, dass er oftmals einer Ohnmacht nahe war.
Endlich, weil die Dornenkrone so dick und breit war, dass sie weit über die Schultern ging, konnte Christus sein Kreuz nicht recht tragen, sondern nur an der äußersten Achselspitze erhalten. Daher geschah es, dass es ohne Unterlass auf die Arme herabfiel, und wieder hinaufgeschoben werden musste, und Christus sich so sehr abmattete, dass ihm der Angstschweiß am ganzen Leibe ausbrach. So ging er seufzend und unter seiner Last keuchend mit gebeugtem Leibe einher; und dennoch war Niemand, der sich seines großen Elendes erbarmte. O so erbarme du dich seiner, mein frommer Christ, und tröste ihn durch folgende andächtige
Verehrung des letzten kläglichen Ganges Christi
O mein liebster, kreuztragender Jesu! In Erwägung deines letzten und bittersten Ganges ist mein Herz mit solchem Mitleiden erfüllt, dass ich weder Maß noch Ziel finde. Im Geiste der Demut und mit zerknirschtem Herzen falle ich auf meine Knie nieder und küsse andächtig diesen Hl. Weg und die Blutspuren deiner Füße; und bitte dich demütig durch diesen bittersten Gang, so wie durch alle Martern, die du auf demselben gelitten hast, du wollest mir alle sündigen Wege, die ich in meinem ganzen Leben gegangen bin, gnädig verzeihen. Und wenn ich den Weg aller Welt werde gehen müssen, so gedenke, o milder Jesu, dass du diesen bitteren Kreuzweg für mich gewandelt bist, damit ich nicht verloren gehe, sondern durch deine Verdienste selig werde. Amen.
(Zur Betrachtung der einzelnen Geheimnisse des Hl. Kreuzweges kannst du dich füglich der dritten, vierten bis neunten Station der Kreuzwegandacht bedienen.)
Donnerstag, 22. März 2012
Donnerstag der vierten Fastenwoche
26. Wie Christus das Kreuz aufgeladen wurde
Sobald die Juden das Todesurteil über Jesum aussprechen gehört hatten, waren sie so voll Freude, als ob ihnen das größte Glück von der Welt begegnet sei. Damit Pilatus sein Urteil vielleicht nicht widerriefe, zögerten sie keinen Augenblick, sondern trafen alsbald Anstalt, Alles, was zur Kreuzigung nötig war, baldmöglichst in Bereitschaft zu setzen. Etliche nahmen das Holz für das Kreuz, Andere bestellten die Zimmerleute, wieder Andere schafften Nägel, Stricke, Hämmer, Bohrer, Zangen, Leiter, Stangen und was sonst nötig war, eiligst herbei; kurz, man sparte weder Mühe noch Arbeit, noch Unkosten, damit ihr Feind nur recht bald ans Kreuz käme. Ebenso ergriffen auch die Henkersknechte Jesum mit Ungestüm und führten ihn die Stiege hinab.
Als Christus nun bekleidet, gekrönt und gebunden war, führten ihn die Henkersknechte aus dem Hause des Pilatus sechshundertzwanzig Schritte weit auf den offenen Marktplatz, brachten das schwere Kreuz herbei und legten es vor seinen Füßen nieder. Dieses Kreuz war 15 Schuh lang, das Querholz maß 8 Schuh, und war ein grobes, dickes und ungeschlachtetes Holz, welches wohl einen angehefteten Menschen tragen, aber nur mühsam von einem Orte zum anderen gebracht werden konnte. Einige sagen, es sei von Oliven-, Andere, es sei von Eichenholz gewesen.
Als nun Christus dieses schwere Kreuz zum ersten Male erblickte, o wie mag ihm da zu Mute gewesen sein! Gewiss überfiel ihn ein kalter Schauer am ganzen Leibe und durchdrang ihm Mark und Bein; doch aus Liebe zu unserem Heile kniete er vor dem Kreuze nieder, neigte sein Haupt zur Erde, küsste es mit weinenden Augen und sprach: Sei mir gegrüßt, o Heiliges Kreuz, du Ruhebettlein meines kranken Leibes, dich habe ich allezeit geliebt, dich habe ich lange gewünscht, und darum bin ich vom Himmel herabgekommen, auf dass ich an dir für das menschliche Geschlecht leiden und sterben möchte. Du wirst mir zwar sehr bitter sein, gleichwohl aber begehre ich nach dir von ganzem Herzen. O geliebtes Kreuz! Weil ich von allen Menschen verstoßen bin, so nimm du mich auf, an dir will ich leben und sterben.
Gedenke, o Mensch, wie herzergreifend es gewesen sein muss, als der arme Jesus auf offenem Markte vor so vielen tausend Menschen niederkniete, das harte Kreuz so freundlich grüßte, mit seinen kranken Armen liebreich umfing, mit seinem Munde zärtlich küsste und mit seinen heißen Zähren reichlich begoss. Ohne Zweifel waren viele zugegen, welche über diesen Anblick gerührt wurden und mit dem armen Verurteilten ein herzliches Mitleid hatten.
Als der liebe Jesus sein Kreuz so freundlich bewillkommnet hatte, stand er wieder von der Erde auf und sah es freundlich an. Viele tausend Hl. Engel waren zugegen und erboten sich, das Kreuz statt ihres Herrn zu tragen; die Liebe aber, welche Christus zu unserm Heile hatte, ließ dies nicht zu, sondern er wollte es selbst tragen, wiewohl es ihm menschlicher Weise unmöglich war. Weil keiner von den Schergen so barmherzig war, dass er das Kreuz aufgehoben und es Christus aufgeladen hätte, streckte er selbst seine verwundeten Arme aus, und legte es mühsam auf seine Schulter.
Gebet
O getreuer Liebhaber des Kreuzes! Wenn ich bedenke, wie geduldig du dein Kreuz auf dich genommen hast, muss mein Herz vor Mitleiden bewegt werden. Du wusstest gar wohl, welch grässliche Peinen du an dem harten Kreuzesholze ausstehen würdest, und wie die Juden und Heiden dich verfluchen würden; und dennoch fielest du so demütig vor demselben nieder, bewillkommnetest es freundlich, und nahmst es mit größter Bereitwilligkeit auf deine Schultern. Warum tatest du dieses Alles, als nur allein darum, weil du mich am Kreuze erlösen und mir die ewige Seligkeit erwerben wolltest? Du dachtest auch, wenn ich hören würde, wie du mir zu Liebe das schwere Kreuz auf dich geladen und über deine Kräfte mit größten Schmerzen bis auf den Kalvarienberg getragen habest; so würde ich mich wohl nicht weigern, auch aus Liebe zu dir mein Kreuz auf mich zu nehmen und mit Geduld zu tragen. Wie schändlich wäre es also, wenn ich dir nicht nachfolgte und die Leiden, welche du mir sendest, nur mit Ungeduld ertrüge. Darum bin ich bereit, mein Kreuz auf mich zu nehmen, und dasselbe so lange, als es dir gefällig sein wird, zu tragen. Weil aber mein Wille noch gar zu schwach ist, so wollest du ihn stärken und durch deine Gnade aufmuntern. O du Freund des Kreuzes, gib auch mir die Liebe zum Kreuze und Lust, zu deiner Ehre zu leiden. Lege mir ein Kreuz nach deinem Willen auf; doch gib mir auch Geduld, dasselbe zu meinem Heile zu tragen. Verzeihe mir, dass ich bisher so ungeduldig hierin war; es ist mir herzlich leid, und ich will mich gewiss bessern. Zur Erstattung aller meiner Ungeduld opfere ich dir die herzliche Liebe, mit welcher du dein Kreuz umfangen, und die große Geduld, mit welcher du es bis an deinen Tod getragen hast. Amen.
Sobald die Juden das Todesurteil über Jesum aussprechen gehört hatten, waren sie so voll Freude, als ob ihnen das größte Glück von der Welt begegnet sei. Damit Pilatus sein Urteil vielleicht nicht widerriefe, zögerten sie keinen Augenblick, sondern trafen alsbald Anstalt, Alles, was zur Kreuzigung nötig war, baldmöglichst in Bereitschaft zu setzen. Etliche nahmen das Holz für das Kreuz, Andere bestellten die Zimmerleute, wieder Andere schafften Nägel, Stricke, Hämmer, Bohrer, Zangen, Leiter, Stangen und was sonst nötig war, eiligst herbei; kurz, man sparte weder Mühe noch Arbeit, noch Unkosten, damit ihr Feind nur recht bald ans Kreuz käme. Ebenso ergriffen auch die Henkersknechte Jesum mit Ungestüm und führten ihn die Stiege hinab.
Als Christus nun bekleidet, gekrönt und gebunden war, führten ihn die Henkersknechte aus dem Hause des Pilatus sechshundertzwanzig Schritte weit auf den offenen Marktplatz, brachten das schwere Kreuz herbei und legten es vor seinen Füßen nieder. Dieses Kreuz war 15 Schuh lang, das Querholz maß 8 Schuh, und war ein grobes, dickes und ungeschlachtetes Holz, welches wohl einen angehefteten Menschen tragen, aber nur mühsam von einem Orte zum anderen gebracht werden konnte. Einige sagen, es sei von Oliven-, Andere, es sei von Eichenholz gewesen.
Als nun Christus dieses schwere Kreuz zum ersten Male erblickte, o wie mag ihm da zu Mute gewesen sein! Gewiss überfiel ihn ein kalter Schauer am ganzen Leibe und durchdrang ihm Mark und Bein; doch aus Liebe zu unserem Heile kniete er vor dem Kreuze nieder, neigte sein Haupt zur Erde, küsste es mit weinenden Augen und sprach: Sei mir gegrüßt, o Heiliges Kreuz, du Ruhebettlein meines kranken Leibes, dich habe ich allezeit geliebt, dich habe ich lange gewünscht, und darum bin ich vom Himmel herabgekommen, auf dass ich an dir für das menschliche Geschlecht leiden und sterben möchte. Du wirst mir zwar sehr bitter sein, gleichwohl aber begehre ich nach dir von ganzem Herzen. O geliebtes Kreuz! Weil ich von allen Menschen verstoßen bin, so nimm du mich auf, an dir will ich leben und sterben.
Gedenke, o Mensch, wie herzergreifend es gewesen sein muss, als der arme Jesus auf offenem Markte vor so vielen tausend Menschen niederkniete, das harte Kreuz so freundlich grüßte, mit seinen kranken Armen liebreich umfing, mit seinem Munde zärtlich küsste und mit seinen heißen Zähren reichlich begoss. Ohne Zweifel waren viele zugegen, welche über diesen Anblick gerührt wurden und mit dem armen Verurteilten ein herzliches Mitleid hatten.
Als der liebe Jesus sein Kreuz so freundlich bewillkommnet hatte, stand er wieder von der Erde auf und sah es freundlich an. Viele tausend Hl. Engel waren zugegen und erboten sich, das Kreuz statt ihres Herrn zu tragen; die Liebe aber, welche Christus zu unserm Heile hatte, ließ dies nicht zu, sondern er wollte es selbst tragen, wiewohl es ihm menschlicher Weise unmöglich war. Weil keiner von den Schergen so barmherzig war, dass er das Kreuz aufgehoben und es Christus aufgeladen hätte, streckte er selbst seine verwundeten Arme aus, und legte es mühsam auf seine Schulter.
Gebet
O getreuer Liebhaber des Kreuzes! Wenn ich bedenke, wie geduldig du dein Kreuz auf dich genommen hast, muss mein Herz vor Mitleiden bewegt werden. Du wusstest gar wohl, welch grässliche Peinen du an dem harten Kreuzesholze ausstehen würdest, und wie die Juden und Heiden dich verfluchen würden; und dennoch fielest du so demütig vor demselben nieder, bewillkommnetest es freundlich, und nahmst es mit größter Bereitwilligkeit auf deine Schultern. Warum tatest du dieses Alles, als nur allein darum, weil du mich am Kreuze erlösen und mir die ewige Seligkeit erwerben wolltest? Du dachtest auch, wenn ich hören würde, wie du mir zu Liebe das schwere Kreuz auf dich geladen und über deine Kräfte mit größten Schmerzen bis auf den Kalvarienberg getragen habest; so würde ich mich wohl nicht weigern, auch aus Liebe zu dir mein Kreuz auf mich zu nehmen und mit Geduld zu tragen. Wie schändlich wäre es also, wenn ich dir nicht nachfolgte und die Leiden, welche du mir sendest, nur mit Ungeduld ertrüge. Darum bin ich bereit, mein Kreuz auf mich zu nehmen, und dasselbe so lange, als es dir gefällig sein wird, zu tragen. Weil aber mein Wille noch gar zu schwach ist, so wollest du ihn stärken und durch deine Gnade aufmuntern. O du Freund des Kreuzes, gib auch mir die Liebe zum Kreuze und Lust, zu deiner Ehre zu leiden. Lege mir ein Kreuz nach deinem Willen auf; doch gib mir auch Geduld, dasselbe zu meinem Heile zu tragen. Verzeihe mir, dass ich bisher so ungeduldig hierin war; es ist mir herzlich leid, und ich will mich gewiss bessern. Zur Erstattung aller meiner Ungeduld opfere ich dir die herzliche Liebe, mit welcher du dein Kreuz umfangen, und die große Geduld, mit welcher du es bis an deinen Tod getragen hast. Amen.
Mittwoch, 21. März 2012
Mittwoch der vierten Fastenwoche
25. Wie Christus zum Tode verurteilt wurde
Diese Geschichte besser zu verstehen, musst du wissen, das zu Jerusalem ein besonderer Richterstuhl von lauter behauenen Steinen an einem hohen Orte unter freiem Himmel erbaut war, wo man nach altem Gebrauche das Todesurteil über die Verbrechter zu sprechen pflegte. Dieser Richterstuhl wurde Gabbatha genannt (d. h. auf der Höhe), und lag etwa einhundertzehn Schritte weit von dem Hause des Pilatus gegen Mitternacht. Es steht noch heutigen Tages ein großer steinerner Bogen wie ein großes Tor daselbst, und an demselben sieht man mit alter lateinischer Schrift die Worte eingehauen: Toll. toll. crucifig. (hinweg, hinweg, kreuzige), das übrige kann man vor Alter nicht lesen. Auf diesen Richterstuhl musste Christus geführt werden, damit er zum Tode verurteilt würde, und dies war der sechste Gang in seinem Leiden, den der Hl. Evangelist Johannes mit folgenden Worten beschreibt: „Als Pilatus diese Worte gehört hatte, führte er Jesum hinaus und setzte sich auf den Richterstuhl an dem Orte, der Lithostrotos, auf Hebräisch aber Gabbatha genannt wird.“
Als Christus zu dem Richterstuhle Gabbatha kam, setzte sich Pilatus auf einen kostbaren Stuhl, und seine Diener und Trabanten standen voll Hoffart neben ihm. Der Heiligste aber stand zwischen den beiden Mördern, die mit ihm verurteilt werden sollten, und wiewohl er als Richter der Lebendigen und Toten einst kommen wird, so musste er dennoch hier das unbilligste Gericht ausstehen.
Als Pilatus ihn so jammervoll und zitternd vor sich stehen sah, hatte er ein herzliches Bedauern mit ihm und dachte bei sich selbst: Ei, sollte denn dieser arme Mensch eines so bittern Todes sterben? Es ist ja vor Gott und der Welt ungerecht, dass ich ihn verurteile. Darum wollte er noch einmal versuchen, ob sich die Juden denn gar nicht seiner erbarmten. Er stand daher von seinem Richterstuhle auf, stellte Jesum auf den hohen, viereckigen Stein, der daselbst lag, hob seinen Purpurmantel auf und sprach mit lauter Stimme: „Sehet euern König!“ gleich als wollte er sagen: Sehet doch diesen armen Menschen an, dem ihr vorwerfet, er wolle sich zu eurem Könige aufwerfen. Wie könnte das wahr sein? Er hat ja weder die Gestalt noch das Ansehen zu einem Könige. Und wenn es schon wahr wäre, so ist er nun genug gedemütigt, dass er niemals wieder wagen würde, etwas solches zu unternehmen. Begnügt euch mit seiner Bestrafung, und gönnt ihm wenigstens sein arme elendes Leben!
Da die Juden hörten, dass Pilatus abermals den Herrn zu befreien suchte, wurden sie vor Zorn und Hass ganz rasend, und schrieen wie unsinnig: Hinweg, hinweg mit ihm; kreuzige, kreuzige ihn!
Als Pilatus mit höchstem Erstaunen dies Geschrei hörte, sprach er zu den Juden: „Soll ich denn euern König kreuzigen?“ Die Hohenpriester aber antworteten: „Wir haben keinen König als den Kaiser;“ und alles Volk schrie mit ihnen: Es lebe der Kaiser! Wer sich wider den Kaiser auflehnt, soll des Todes sterben! Ihr Rufen und Schreien war so heftig, dass Niemand sein eigenes Wort hören konnte, weshalb auch der Hl. Lukas sagt: „Sie hielten an mit großem Geschrei und forderten, dass er sollte gekreuzigt werden, und ihr Geschrei nahm immer mehr zu,“ so zwar, dass Pilatus einen Volksaufstand und Gewalttaten befürchtete. Als daher Pilatus sah, dass er nichts ausrichten könne, und der Tumult immer größer wurde, wollte er ihnen dieses Urteil auf ihre Seele geben; daher ließ er sich nach jüdischem Gebrauche Wasser geben, wusch sich vor allem Volke die Hände und sprach: „Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu!“ Da antwortete das ganze Volk: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ Wegen dieser Worte ist das Volk von Gott verflucht worden und muss bis ans Ende der Zeiten die Strafe dieses unschuldig vergossenen Blutes erdulden.
Als Pilatus sah, dass alle seine Pläne scheiterten, wollte er das unruhige Volk beschwichtigen und Christum zum Tode verurteilen; er ließ daher nach römischem Gebrauche in die Posaune blasen, damit alle schwiegen. Dies war ein schrecklicher Schall, der Christo und Maria die Seele durchdrang. Dann setzte sich Pilatus auf den Richterstuhl und sprach das Todesurteil aus.
O ungerechtes Urteil, über das sich billig die Himmel verwundern und die Erde entsetzen soll. Das Leben wird zum Tode verurteilt, die Gerechtigkeit für einen Verbrecher erklärt, und die Unschuld verdammt; ja der Richter aller Lebendigen und Toten wird von einem schnöden Heiden zum schmählichen Kreuzestode verurteilt. O Christ, bedenke, wie schrecklich dieses Urteil deinem Erlöser vorgekommen sei. Du aber, o Sünder, traure mit ihm und sprich mit betrübtem Herzen folgendes
Gebet zu Ehren des Urteils Christi
O verurteilter Jesu! In Betrübnis meiner Seele falle ich vor dir nieder, und voll Mitleiden erinnere ich dich der angstvollen Stunde, als der ungerechte Richter das Todesurteil wider dich fällte, das du so lange befürchtet und mit Bangigkeit des Herzens erwartet hattest. Als es nun ausgesprochen war, ach, welch ein Entsetzen überfiel dich! Alle Worte des Pilatus waren schärfer, als zweischneidige Schwerter und durchbohrten dein Herz. Ich erinnere dich dieser bittersten Angst, und bitte dich um derselben willen um Gnade und Barmherzigkeit, wenn einst jene Stunde für mich kommen wird, wo ich vor deinem Gerichte erscheinen muss, und du ein gerechtes Urteil nach meinen Verdiensten über mich fällen wirst. Wehe dann meiner armen Seele, wehe mir boshaftem Sünder! Welche Angst werde ich ausstehen müssen! Dann aber, o Jesu! Gedenke des Mitleidens, das ich jetzt mit dir trage, und der Tränen und Seufzer, die mir dein Elend erpresst. Lasse alsdann dein Herz gegen mich erweicht werden und handle mit mir so, wie ich an der Stelle des Pilatus an dir gehandelt hätte; denn ich würde dich gewiss nicht zum Tode verurteilt, sondern aus den Händen deiner Feinde errettet haben. Darum sprich auch über meine Seele ein gnädiges Urteil und rufe ihr zu: Komm, du Gebenedeite meines Vaters und besitze das Reich, welches dir von Anbeginn der Welt bereitet ist. Amen.
Diese Geschichte besser zu verstehen, musst du wissen, das zu Jerusalem ein besonderer Richterstuhl von lauter behauenen Steinen an einem hohen Orte unter freiem Himmel erbaut war, wo man nach altem Gebrauche das Todesurteil über die Verbrechter zu sprechen pflegte. Dieser Richterstuhl wurde Gabbatha genannt (d. h. auf der Höhe), und lag etwa einhundertzehn Schritte weit von dem Hause des Pilatus gegen Mitternacht. Es steht noch heutigen Tages ein großer steinerner Bogen wie ein großes Tor daselbst, und an demselben sieht man mit alter lateinischer Schrift die Worte eingehauen: Toll. toll. crucifig. (hinweg, hinweg, kreuzige), das übrige kann man vor Alter nicht lesen. Auf diesen Richterstuhl musste Christus geführt werden, damit er zum Tode verurteilt würde, und dies war der sechste Gang in seinem Leiden, den der Hl. Evangelist Johannes mit folgenden Worten beschreibt: „Als Pilatus diese Worte gehört hatte, führte er Jesum hinaus und setzte sich auf den Richterstuhl an dem Orte, der Lithostrotos, auf Hebräisch aber Gabbatha genannt wird.“
Als Christus zu dem Richterstuhle Gabbatha kam, setzte sich Pilatus auf einen kostbaren Stuhl, und seine Diener und Trabanten standen voll Hoffart neben ihm. Der Heiligste aber stand zwischen den beiden Mördern, die mit ihm verurteilt werden sollten, und wiewohl er als Richter der Lebendigen und Toten einst kommen wird, so musste er dennoch hier das unbilligste Gericht ausstehen.
Als Pilatus ihn so jammervoll und zitternd vor sich stehen sah, hatte er ein herzliches Bedauern mit ihm und dachte bei sich selbst: Ei, sollte denn dieser arme Mensch eines so bittern Todes sterben? Es ist ja vor Gott und der Welt ungerecht, dass ich ihn verurteile. Darum wollte er noch einmal versuchen, ob sich die Juden denn gar nicht seiner erbarmten. Er stand daher von seinem Richterstuhle auf, stellte Jesum auf den hohen, viereckigen Stein, der daselbst lag, hob seinen Purpurmantel auf und sprach mit lauter Stimme: „Sehet euern König!“ gleich als wollte er sagen: Sehet doch diesen armen Menschen an, dem ihr vorwerfet, er wolle sich zu eurem Könige aufwerfen. Wie könnte das wahr sein? Er hat ja weder die Gestalt noch das Ansehen zu einem Könige. Und wenn es schon wahr wäre, so ist er nun genug gedemütigt, dass er niemals wieder wagen würde, etwas solches zu unternehmen. Begnügt euch mit seiner Bestrafung, und gönnt ihm wenigstens sein arme elendes Leben!
Da die Juden hörten, dass Pilatus abermals den Herrn zu befreien suchte, wurden sie vor Zorn und Hass ganz rasend, und schrieen wie unsinnig: Hinweg, hinweg mit ihm; kreuzige, kreuzige ihn!
Als Pilatus mit höchstem Erstaunen dies Geschrei hörte, sprach er zu den Juden: „Soll ich denn euern König kreuzigen?“ Die Hohenpriester aber antworteten: „Wir haben keinen König als den Kaiser;“ und alles Volk schrie mit ihnen: Es lebe der Kaiser! Wer sich wider den Kaiser auflehnt, soll des Todes sterben! Ihr Rufen und Schreien war so heftig, dass Niemand sein eigenes Wort hören konnte, weshalb auch der Hl. Lukas sagt: „Sie hielten an mit großem Geschrei und forderten, dass er sollte gekreuzigt werden, und ihr Geschrei nahm immer mehr zu,“ so zwar, dass Pilatus einen Volksaufstand und Gewalttaten befürchtete. Als daher Pilatus sah, dass er nichts ausrichten könne, und der Tumult immer größer wurde, wollte er ihnen dieses Urteil auf ihre Seele geben; daher ließ er sich nach jüdischem Gebrauche Wasser geben, wusch sich vor allem Volke die Hände und sprach: „Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu!“ Da antwortete das ganze Volk: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ Wegen dieser Worte ist das Volk von Gott verflucht worden und muss bis ans Ende der Zeiten die Strafe dieses unschuldig vergossenen Blutes erdulden.
Als Pilatus sah, dass alle seine Pläne scheiterten, wollte er das unruhige Volk beschwichtigen und Christum zum Tode verurteilen; er ließ daher nach römischem Gebrauche in die Posaune blasen, damit alle schwiegen. Dies war ein schrecklicher Schall, der Christo und Maria die Seele durchdrang. Dann setzte sich Pilatus auf den Richterstuhl und sprach das Todesurteil aus.
O ungerechtes Urteil, über das sich billig die Himmel verwundern und die Erde entsetzen soll. Das Leben wird zum Tode verurteilt, die Gerechtigkeit für einen Verbrecher erklärt, und die Unschuld verdammt; ja der Richter aller Lebendigen und Toten wird von einem schnöden Heiden zum schmählichen Kreuzestode verurteilt. O Christ, bedenke, wie schrecklich dieses Urteil deinem Erlöser vorgekommen sei. Du aber, o Sünder, traure mit ihm und sprich mit betrübtem Herzen folgendes
Gebet zu Ehren des Urteils Christi
O verurteilter Jesu! In Betrübnis meiner Seele falle ich vor dir nieder, und voll Mitleiden erinnere ich dich der angstvollen Stunde, als der ungerechte Richter das Todesurteil wider dich fällte, das du so lange befürchtet und mit Bangigkeit des Herzens erwartet hattest. Als es nun ausgesprochen war, ach, welch ein Entsetzen überfiel dich! Alle Worte des Pilatus waren schärfer, als zweischneidige Schwerter und durchbohrten dein Herz. Ich erinnere dich dieser bittersten Angst, und bitte dich um derselben willen um Gnade und Barmherzigkeit, wenn einst jene Stunde für mich kommen wird, wo ich vor deinem Gerichte erscheinen muss, und du ein gerechtes Urteil nach meinen Verdiensten über mich fällen wirst. Wehe dann meiner armen Seele, wehe mir boshaftem Sünder! Welche Angst werde ich ausstehen müssen! Dann aber, o Jesu! Gedenke des Mitleidens, das ich jetzt mit dir trage, und der Tränen und Seufzer, die mir dein Elend erpresst. Lasse alsdann dein Herz gegen mich erweicht werden und handle mit mir so, wie ich an der Stelle des Pilatus an dir gehandelt hätte; denn ich würde dich gewiss nicht zum Tode verurteilt, sondern aus den Händen deiner Feinde errettet haben. Darum sprich auch über meine Seele ein gnädiges Urteil und rufe ihr zu: Komm, du Gebenedeite meines Vaters und besitze das Reich, welches dir von Anbeginn der Welt bereitet ist. Amen.
Dienstag, 20. März 2012
Dienstag der vierten Fastenwoche
24. Ecce homo! Sehet, welch ein Mensch!
Damit Jedermann die erbärmliche Gestalt Jesu Christi recht erkenne, will ich selbe von Glied zu Glied beschreiben und zwar nicht, wie ich sie erdichtet, sondern wie der Hl. Geist solche in der Hl. Schrift erklärt hat, und sie noch heutzutage in dem Grabtuche Christi eindrücklich zu sehen ist.
Erstlich hatte der Herr auf dem Haupte eine entsetzliche Dornenkrone, in der Form und Höhe wie ein Hut, und im Umkreis zwei Werkschuhe lang und breit, womit das ganze Haupt gleich einem Dornenzaune eingezäunt war. Sein Haar, welches sehr lang wuchs, und nach dem Gesetze der Nazarener niemals abgeschoren wurde, war damals ganz zerzaust, mit Blut überronnen und mit Speichel besudelt, und teils zusammengeklebt, teils büschelweise ausgerissen, so dass das gebenedeite Haupt Christi unter der dörnernen Krone ganz kahl zu sein schien.
Vom Haupte bis mitten auf die Stirne sah man die spitzigen Dornen inwendig
durch Haut und Fleisch gehen, und das Hl. Haupt grausam verwunden. Seine Ohren waren voll Blut, und von den herunterhängenden Dornenspitzen verletzt und durchstochen. Seine Augen waren wegen des herablaufenden Blutes verdunkelt und zusammengeklebt, so dass er sie nur mühsam öffnen konnte. Außen waren sie wegen der vielfältigen Schläge ganz braun und blau, inwendig aber entzündet und geschwollen.
Seine Hl. Wangen, welche sonst wie Milch und Blut aussahen, waren jetzt von dem Speichel und herabfließenden Blute entstellt, von den Nägeln zerkratzt, und von den vielen Backenstreichen hoch aufgeschwollen, wie die eines Aussätzigen. Sein honigfließender Mund war ganz zerkratzt, geschwollen und entfärbt. Seine Kehle, der Schlund und Hals waren so voll Wunden, dass der Herr sich ohne Schmerzen nicht umwenden, noch etwas hinabschlucken konnte. Kurz, sein ganz liebliches Antlitz was so grässlich entstellt, dass kein Mensch dasselbe mehr erkennen konnte.
O christliche Seele! Hast du schon jemals ein ähnliches Angesicht erblickt, und würdest du es wohl ohne äußerstes Entsetzen und herzliches Mitleiden ansehen können? Stelle dir daher das Angesicht Christi, wie es hier beschrieben wurde, vor die Augen der Betrachtung, so wird es unmöglich sein, dass du nicht gerührt werdest.
Als nun die Juden dieses elende Schauspiel sahen und hörten, wie Pilatus sie mit dem Worte: Ecce homo! So treulich ermahnte, sich mit dieser Marter Christi zufrieden zu geben; wer hätte da nicht meinen sollen, dieser klägliche Anblick sei ihnen zu Herzen gegangen, und sie hätten es bereuet, dass sie diesen armen Mann den Heiden übergeben, welche ihn so grausam und unmenschlich misshandelten? Allein kein Mitleiden war bei den Juden zu finden, denn ihre Herzen waren ganz verstockt und verhärtet. Obwohl sie sich mit eigenen Augen von dem Elende Christi überzeugten, waren sie dennoch nicht mit dem, was bisher geschehen, zufrieden, sondern wollten durchaus, Pilatus sollte den Gefangenen töten lassen. Darum spricht auch Johannes: Als ihn die Hohenpriester und Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! O der unmenschlichen Grausamkeit und Tyrannei! Wer sollte wohl glauben, dass solche blutgierige Menschen jemals auf Erden gewesen sein, welche aus lauter Haß und Neid einen unschuldigen Menschen zum grausamen Tode begehrten? O wie schmerzlich wird dem gütigsten Herrn und seiner betrübtesten Mutter dieses Mordgeschrei vorgekommen sein und wie tief wird es ihr Herz verwundet haben, als das ganze jüdische Volk aus allen Kräften schrie: Kreuzige, kreuzige ihn!
Auf dieses Rufen sprach Pilatus entrüstet: „Nehmet ihn hin und kreuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm.“ Da antworteten die Juden: „Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetze muss er sterben: denn er hat sich selbst zum Sohne Gottes gemacht.“ Da Pilatus dies hörte, fürchtete er sich noch mehr. Denn weil die Heiden viele Götter hatten und sogar glaubten, dass die Götter Söhne und Töchter hätten, glaubte er, Christus möchte vielleicht der Sohn eines Gottes sein und er würde von dem Gott, dessen Sohn er wäre, nicht ungestraft bleiben. Darum ging er wieder in das Gerichtshaus und sprach zu Jesus: „Woher bist du?“ Jesus aber gab ihm keine Antwort.
Da sprach Pilatus zu ihm: „Mit mir redest du nicht? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht, dich los zu lassen?“ Der Heiland wollte Pilatus seines Übermutes wegen zurecht weisen und sprach daher: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von Oben herab gegeben wäre; darum hat der, welcher mich dir überlieferte, eine größere Sünde.“
Aus diesen Worten verstand Pilatus wohl, dass er sündige, wenn er Christum kreuzigen ließe, deshalb trachtete er auf alle Weise, wie er ihn freigeben möchte. Die Juden aber riefen mit wildem Geschrei: „Wenn du diesen loslässest, so bist du des Kaisers Freund nicht; den Jeder, der sich zum Könige macht, widersetzt sich dem Kaiser.“
Wegen dieser Rede der Juden wurde Pilatus ganz bestürzt und dachte: Wenn sie mich bei dem Kaiser verklagen, werde ich nicht bloß meines Amtes entsetzt, sondern auch hart gestraft werden. So ist es denn besser, dass Christus sterbe, als dass ich so viel Ungemach erdulde. Dies war sein letzter Beschluss, und um dieser Ursache willen gedachte er Christum zum Tode zu verurteilen. O höchste Ungerechtigkeit! Bedenk, o Christ, die Torheit des Pilatus und die äußerste Verachtung Christi. Darum erbarme dich seiner und tröste ihn mit folgendem
Gebet zu Christus, als er dem Volke gezeigt wurde.
O verachtetster Jesu! Gedenke des unaussprechlichen Schimpfes, welcher dir widerfuhr, als du von Pilatus nach deiner Krönung dem Volke vorgestellt und von demselben zum Tode des Kreuzes gefordert wurdest. Stelle dir vor, wie zum Erbarmen du auf der hohen Stiege vor dem Hause des Pilatus zwischen dem Richter und dem Henker standest und an allen Gliedern zittertest. Ach, wie bedauernswürdig war es anzusehen, wie dein Haupt mit Dörnern gekrönt, dein Angesicht mit Blut überronnen, deine Hände mit Stricken gebunden, dein Leib zerfleischt und deine Gestalt ganz verändert war. Dennoch war unter allem Volke Niemand, der sich deiner erbarmet oder viel weniger deiner Erlösung sich angenommen hätte, sondern je beklagenswerter du warest, desto mehr schrieen sie, Pilatus sollte dich kreuzigen lassen. O liebster Jesu! Welchen Eindruck machte dieses grausame Mordgeschrei auf dein gekränktes Herz! Wie viele Stimmen erschollen, so viele Stiche empfingest du, und je größeren Neid sie wider dich bewiesen, desto tiefer waren deine Wunden.
O armer Jesus! Wie kann man dich so hassen, und wie ungerecht geht man mit dir um! An diese Schmach erinnere ich dich, und dieses Mordgeschrei opfere ich dir auf. Mit deinem betrübten Herzen trage ich inniges Mitleid, und deine Schmerzen verwunden meine sündige Seele.
Ich bitte dich durch deine schmähliche Vorstellung vor dem Volke und das Geschrei, mit dem sie deinen Tod forderten, erbarme dich meiner, wenn ich einst vor deinem Gerichte erscheinen und von allen Geschöpfen, die ich missbrauchte, zum Tode gefordert werde. O mein strengster Richter! Mit größerer Scham werde ich alsdann vor dir stehen, als du vor deinen Feinden gestanden bist; darum bitte ich dich demütig, erbarme dich meiner, und tröste mich in dieser großen Angst. Amen.
Damit Jedermann die erbärmliche Gestalt Jesu Christi recht erkenne, will ich selbe von Glied zu Glied beschreiben und zwar nicht, wie ich sie erdichtet, sondern wie der Hl. Geist solche in der Hl. Schrift erklärt hat, und sie noch heutzutage in dem Grabtuche Christi eindrücklich zu sehen ist.
Erstlich hatte der Herr auf dem Haupte eine entsetzliche Dornenkrone, in der Form und Höhe wie ein Hut, und im Umkreis zwei Werkschuhe lang und breit, womit das ganze Haupt gleich einem Dornenzaune eingezäunt war. Sein Haar, welches sehr lang wuchs, und nach dem Gesetze der Nazarener niemals abgeschoren wurde, war damals ganz zerzaust, mit Blut überronnen und mit Speichel besudelt, und teils zusammengeklebt, teils büschelweise ausgerissen, so dass das gebenedeite Haupt Christi unter der dörnernen Krone ganz kahl zu sein schien.
Vom Haupte bis mitten auf die Stirne sah man die spitzigen Dornen inwendig
durch Haut und Fleisch gehen, und das Hl. Haupt grausam verwunden. Seine Ohren waren voll Blut, und von den herunterhängenden Dornenspitzen verletzt und durchstochen. Seine Augen waren wegen des herablaufenden Blutes verdunkelt und zusammengeklebt, so dass er sie nur mühsam öffnen konnte. Außen waren sie wegen der vielfältigen Schläge ganz braun und blau, inwendig aber entzündet und geschwollen.
Seine Hl. Wangen, welche sonst wie Milch und Blut aussahen, waren jetzt von dem Speichel und herabfließenden Blute entstellt, von den Nägeln zerkratzt, und von den vielen Backenstreichen hoch aufgeschwollen, wie die eines Aussätzigen. Sein honigfließender Mund war ganz zerkratzt, geschwollen und entfärbt. Seine Kehle, der Schlund und Hals waren so voll Wunden, dass der Herr sich ohne Schmerzen nicht umwenden, noch etwas hinabschlucken konnte. Kurz, sein ganz liebliches Antlitz was so grässlich entstellt, dass kein Mensch dasselbe mehr erkennen konnte.
O christliche Seele! Hast du schon jemals ein ähnliches Angesicht erblickt, und würdest du es wohl ohne äußerstes Entsetzen und herzliches Mitleiden ansehen können? Stelle dir daher das Angesicht Christi, wie es hier beschrieben wurde, vor die Augen der Betrachtung, so wird es unmöglich sein, dass du nicht gerührt werdest.
Als nun die Juden dieses elende Schauspiel sahen und hörten, wie Pilatus sie mit dem Worte: Ecce homo! So treulich ermahnte, sich mit dieser Marter Christi zufrieden zu geben; wer hätte da nicht meinen sollen, dieser klägliche Anblick sei ihnen zu Herzen gegangen, und sie hätten es bereuet, dass sie diesen armen Mann den Heiden übergeben, welche ihn so grausam und unmenschlich misshandelten? Allein kein Mitleiden war bei den Juden zu finden, denn ihre Herzen waren ganz verstockt und verhärtet. Obwohl sie sich mit eigenen Augen von dem Elende Christi überzeugten, waren sie dennoch nicht mit dem, was bisher geschehen, zufrieden, sondern wollten durchaus, Pilatus sollte den Gefangenen töten lassen. Darum spricht auch Johannes: Als ihn die Hohenpriester und Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! O der unmenschlichen Grausamkeit und Tyrannei! Wer sollte wohl glauben, dass solche blutgierige Menschen jemals auf Erden gewesen sein, welche aus lauter Haß und Neid einen unschuldigen Menschen zum grausamen Tode begehrten? O wie schmerzlich wird dem gütigsten Herrn und seiner betrübtesten Mutter dieses Mordgeschrei vorgekommen sein und wie tief wird es ihr Herz verwundet haben, als das ganze jüdische Volk aus allen Kräften schrie: Kreuzige, kreuzige ihn!
Auf dieses Rufen sprach Pilatus entrüstet: „Nehmet ihn hin und kreuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm.“ Da antworteten die Juden: „Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetze muss er sterben: denn er hat sich selbst zum Sohne Gottes gemacht.“ Da Pilatus dies hörte, fürchtete er sich noch mehr. Denn weil die Heiden viele Götter hatten und sogar glaubten, dass die Götter Söhne und Töchter hätten, glaubte er, Christus möchte vielleicht der Sohn eines Gottes sein und er würde von dem Gott, dessen Sohn er wäre, nicht ungestraft bleiben. Darum ging er wieder in das Gerichtshaus und sprach zu Jesus: „Woher bist du?“ Jesus aber gab ihm keine Antwort.
Da sprach Pilatus zu ihm: „Mit mir redest du nicht? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht, dich los zu lassen?“ Der Heiland wollte Pilatus seines Übermutes wegen zurecht weisen und sprach daher: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von Oben herab gegeben wäre; darum hat der, welcher mich dir überlieferte, eine größere Sünde.“
Aus diesen Worten verstand Pilatus wohl, dass er sündige, wenn er Christum kreuzigen ließe, deshalb trachtete er auf alle Weise, wie er ihn freigeben möchte. Die Juden aber riefen mit wildem Geschrei: „Wenn du diesen loslässest, so bist du des Kaisers Freund nicht; den Jeder, der sich zum Könige macht, widersetzt sich dem Kaiser.“
Wegen dieser Rede der Juden wurde Pilatus ganz bestürzt und dachte: Wenn sie mich bei dem Kaiser verklagen, werde ich nicht bloß meines Amtes entsetzt, sondern auch hart gestraft werden. So ist es denn besser, dass Christus sterbe, als dass ich so viel Ungemach erdulde. Dies war sein letzter Beschluss, und um dieser Ursache willen gedachte er Christum zum Tode zu verurteilen. O höchste Ungerechtigkeit! Bedenk, o Christ, die Torheit des Pilatus und die äußerste Verachtung Christi. Darum erbarme dich seiner und tröste ihn mit folgendem
Gebet zu Christus, als er dem Volke gezeigt wurde.
O verachtetster Jesu! Gedenke des unaussprechlichen Schimpfes, welcher dir widerfuhr, als du von Pilatus nach deiner Krönung dem Volke vorgestellt und von demselben zum Tode des Kreuzes gefordert wurdest. Stelle dir vor, wie zum Erbarmen du auf der hohen Stiege vor dem Hause des Pilatus zwischen dem Richter und dem Henker standest und an allen Gliedern zittertest. Ach, wie bedauernswürdig war es anzusehen, wie dein Haupt mit Dörnern gekrönt, dein Angesicht mit Blut überronnen, deine Hände mit Stricken gebunden, dein Leib zerfleischt und deine Gestalt ganz verändert war. Dennoch war unter allem Volke Niemand, der sich deiner erbarmet oder viel weniger deiner Erlösung sich angenommen hätte, sondern je beklagenswerter du warest, desto mehr schrieen sie, Pilatus sollte dich kreuzigen lassen. O liebster Jesu! Welchen Eindruck machte dieses grausame Mordgeschrei auf dein gekränktes Herz! Wie viele Stimmen erschollen, so viele Stiche empfingest du, und je größeren Neid sie wider dich bewiesen, desto tiefer waren deine Wunden.
O armer Jesus! Wie kann man dich so hassen, und wie ungerecht geht man mit dir um! An diese Schmach erinnere ich dich, und dieses Mordgeschrei opfere ich dir auf. Mit deinem betrübten Herzen trage ich inniges Mitleid, und deine Schmerzen verwunden meine sündige Seele.
Ich bitte dich durch deine schmähliche Vorstellung vor dem Volke und das Geschrei, mit dem sie deinen Tod forderten, erbarme dich meiner, wenn ich einst vor deinem Gerichte erscheinen und von allen Geschöpfen, die ich missbrauchte, zum Tode gefordert werde. O mein strengster Richter! Mit größerer Scham werde ich alsdann vor dir stehen, als du vor deinen Feinden gestanden bist; darum bitte ich dich demütig, erbarme dich meiner, und tröste mich in dieser großen Angst. Amen.
Montag, 19. März 2012
Montag der vierten Fastenwoche
23. Wie Christus dem Volke gezeigt wird
Andächtige Seele! Was bisher vorging, das haben die Juden und Heiden aus Bosheit getan: das jetzige Geheimnis aber hat Christus selbst veranlasst, und durch seinen Hl. Geist den Pilatus angetrieben, dass er ihn dem Volke vorstelle; denn auch am jüngsten Tage wird er sich vor aller Welt zeigen und den Sündern vorwerfen, was er ihnen getan und wie sie ihm vergolten haben. Erhebe jetzt deine innerlichen Augen, und siehe im Geiste denjenigen, welchen du einst am Tage des Gerichts zu deinem Heile oder zu deiner Verdammnis sehen wirst.
Als die Söldner Christum genug verspottet hatten, liefen etliche zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben den Gefangenen wohl zugerichtet, was sollen wir weiter mit ihm anfangen? Pilatus antwortete: Führet ihn zu mir her, dass ich ihn sehe; daher brachte man den armen Jesus, mit Stricken gebunden und am ganzen Leibe erbärmlich zugerichtet, zum Pilatus. Als dieser ihn in solcher Gestalt erblickte, erschrak er von Herzen und hatte großes Mitleid mit ihm, so dass er dachte, es wäre unmöglich, dass sich die Juden seiner nicht erbarmen sollten, wenn sie ihn in diesem Zustande sähen. Darum beschloss er, Jesum in solcher Gestalt allem Volke vorzustellen, was Johannes also beschreibt:
Pilatus ging wieder hinaus und sprach zu ihnen: „Sehet, ich führe ihn hinaus zu euch, damit ihr erkennet, dass ich keine Schuld an ihm finde.“ Jesus ging also und trug die dörnerne Krone und den Purpurmantel.
Pilatus stand auf der hohen Stiege vor seinem Hause, stellte Jesum an seine Seite und neben Christus den Scharfrichter. Hierauf sprach er mit lauter Stimme, damit ihn Alle, die unten auf dem Marktplatze standen, hören möchten: „Ecce homo!“ („Welch ein Mensch!“) Hier stelle dir vor, dass auch du unter den Juden auf dem grausamen Platze stündest, wo Christus selbst mit bewegter Stimme zu dir spräche: Ecce homo! O Sünder! Sieh mich armen Menschen an. Betrachte mich am ganzen Leibe, ob du nur so viel Gesundheit an mir findest, als du mit deinem Finger bedecken kannst. Betrachte mich, der ich kaum einem Menschen mehr gleiche und mit Wunden und Blut bedeckt bin. Ich bin so verarmt, dass ich nichts habe, meine Blöße zu bedecken; so verlassen, dass kein Mensch mein Angesicht abtrocknet, und so krank, dass ich mein Haupt nicht ohne Schmerzen umwenden kann. Dabei zittere ich vor Kälte an allen Gliedern, und vermag mich vor Mattigkeit und Schwäche kaum auf meinen Füßen zu erhalten. Bedenke, ob es wohl ein Elend gibt, das ich nicht zu erdulden habe. Trage doch Mitleid mit mir, und vermehre wenigstens mein Leiden nicht durch deine Sünden, welche mir schmerzlicher sind als alle Marter und Wunden.
Gebet
O armer, verlassener Jesus! Mein Gott und Herr! Mein Heiland und Erlöser! In welch einer traurigen Lage sehe ich dich, und wie bist du so voll Jammer und Elend! Wie kommst du, der wahre Sohn Gottes, der Herr Himmels und der Erde, in dieses Leid? Soll ich nicht das innigste Mitleid mit dir haben, da ich es bin, um dessentwillen du dies Alles erduldest? O könnte ich dich trösten, deine Schmerzen lindern, deine Wunden heilen und dich bedecken und laben, wie gerne wollte ich Alles tun! Da ich aber weiß, dass dich meine Sünden mehr kränken, als deine Wunden, so nehme ich mir ernstlich vor, mein Leben lang keine Sünde mehr zu begehen und lieber zu sterben, als zu sündigen. Herr! Stärke meinen Vorsatz und erhalte mich in deiner Gnade. Amen.
Andächtige Seele! Was bisher vorging, das haben die Juden und Heiden aus Bosheit getan: das jetzige Geheimnis aber hat Christus selbst veranlasst, und durch seinen Hl. Geist den Pilatus angetrieben, dass er ihn dem Volke vorstelle; denn auch am jüngsten Tage wird er sich vor aller Welt zeigen und den Sündern vorwerfen, was er ihnen getan und wie sie ihm vergolten haben. Erhebe jetzt deine innerlichen Augen, und siehe im Geiste denjenigen, welchen du einst am Tage des Gerichts zu deinem Heile oder zu deiner Verdammnis sehen wirst.
Als die Söldner Christum genug verspottet hatten, liefen etliche zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben den Gefangenen wohl zugerichtet, was sollen wir weiter mit ihm anfangen? Pilatus antwortete: Führet ihn zu mir her, dass ich ihn sehe; daher brachte man den armen Jesus, mit Stricken gebunden und am ganzen Leibe erbärmlich zugerichtet, zum Pilatus. Als dieser ihn in solcher Gestalt erblickte, erschrak er von Herzen und hatte großes Mitleid mit ihm, so dass er dachte, es wäre unmöglich, dass sich die Juden seiner nicht erbarmen sollten, wenn sie ihn in diesem Zustande sähen. Darum beschloss er, Jesum in solcher Gestalt allem Volke vorzustellen, was Johannes also beschreibt:
Pilatus ging wieder hinaus und sprach zu ihnen: „Sehet, ich führe ihn hinaus zu euch, damit ihr erkennet, dass ich keine Schuld an ihm finde.“ Jesus ging also und trug die dörnerne Krone und den Purpurmantel.
Pilatus stand auf der hohen Stiege vor seinem Hause, stellte Jesum an seine Seite und neben Christus den Scharfrichter. Hierauf sprach er mit lauter Stimme, damit ihn Alle, die unten auf dem Marktplatze standen, hören möchten: „Ecce homo!“ („Welch ein Mensch!“) Hier stelle dir vor, dass auch du unter den Juden auf dem grausamen Platze stündest, wo Christus selbst mit bewegter Stimme zu dir spräche: Ecce homo! O Sünder! Sieh mich armen Menschen an. Betrachte mich am ganzen Leibe, ob du nur so viel Gesundheit an mir findest, als du mit deinem Finger bedecken kannst. Betrachte mich, der ich kaum einem Menschen mehr gleiche und mit Wunden und Blut bedeckt bin. Ich bin so verarmt, dass ich nichts habe, meine Blöße zu bedecken; so verlassen, dass kein Mensch mein Angesicht abtrocknet, und so krank, dass ich mein Haupt nicht ohne Schmerzen umwenden kann. Dabei zittere ich vor Kälte an allen Gliedern, und vermag mich vor Mattigkeit und Schwäche kaum auf meinen Füßen zu erhalten. Bedenke, ob es wohl ein Elend gibt, das ich nicht zu erdulden habe. Trage doch Mitleid mit mir, und vermehre wenigstens mein Leiden nicht durch deine Sünden, welche mir schmerzlicher sind als alle Marter und Wunden.
Gebet
O armer, verlassener Jesus! Mein Gott und Herr! Mein Heiland und Erlöser! In welch einer traurigen Lage sehe ich dich, und wie bist du so voll Jammer und Elend! Wie kommst du, der wahre Sohn Gottes, der Herr Himmels und der Erde, in dieses Leid? Soll ich nicht das innigste Mitleid mit dir haben, da ich es bin, um dessentwillen du dies Alles erduldest? O könnte ich dich trösten, deine Schmerzen lindern, deine Wunden heilen und dich bedecken und laben, wie gerne wollte ich Alles tun! Da ich aber weiß, dass dich meine Sünden mehr kränken, als deine Wunden, so nehme ich mir ernstlich vor, mein Leben lang keine Sünde mehr zu begehen und lieber zu sterben, als zu sündigen. Herr! Stärke meinen Vorsatz und erhalte mich in deiner Gnade. Amen.
Sonntag, 18. März 2012
Eine Idee und Bitte von Cinderella im Beiboot Petri
Liebe Mitstreiter und Beter in der Blogozese!
Zum Geburtstag des Heiligen Vaters wollten wir eine Art elektronische Bilderbuchpostkarte für den Heiligen Vater zu seinem Geburtstag erstellen.
Dazu hatten wir vor einiger Zeit angefragt und um Mitgratulanten geworben.
http://beiboot-petri.blogspot.com/2012/02/es-sind-noch-genau-zwei-monate.html
Idee war, aus den Seiten aller Blogs der Blogozese ein Video zu basteln. Dazu müsste auf jeder Seite ein Geburtstagsgruß eingebracht werden, und dann ein Screenshot angefertigt werden und dieser dann an unsere Blog-Adresse
goldmaria01@googlemail.com
gesendet werden.
Cinderella hat einen ersten Prototyp erstellt, den man sich hier anguggen kann.
http://beiboot-petri.blogspot.com/p/videos.html
Hierzu haben wir willkürlich aus der kath. Bloggerliste 30 Seiten herausgegriffen und die integriert. Jemand der sich dort noch nicht findet, soll also nicht böse sein... das war keine Absicht.
Das ist jetzt nur eine Rohfassung in nicht so guter Qualität, aber wir denken als Ansichtsexemplar genügt es.
Unterlegt wird das ganze dann mit Musik. Wir würden vorschlagen: "Tu es Petrus" Dazu gibt es eine schöne Version von den Regensburger Domspatzen, die wir mir im iTunes-Store runtergeladen habe. Wegen GEMA wollen wir das aber nicht auf den Blog stellen.
Andere Vorschläge sind natürlich willkommen, das könnt ihr uns dann ja in den Kommentarbereich schreiben. Aber bitte dran denken, es soll dem Papst gefallen - nicht nur uns.
Es wäre schön, wenn sich viele beteiligen würden damit es ein schönes "dickes" Buch wird.
Bitte deshalb diese mail großzügig an alle Teilnehmer der Blogozese weiterleiten ... wir kennen ja nicht alle und da ist es gut, wenn es breit gestreut wird.
Wer ein Video mit Musik haben will, bitte über die e-mail-Adresse anmelden. Wir schicken es dann via eMail wg. GEMA"
Zum Geburtstag des Heiligen Vaters wollten wir eine Art elektronische Bilderbuchpostkarte für den Heiligen Vater zu seinem Geburtstag erstellen.
Dazu hatten wir vor einiger Zeit angefragt und um Mitgratulanten geworben.
http://beiboot-petri.blogspot.com/2012/02/es-sind-noch-genau-zwei-monate.html
Idee war, aus den Seiten aller Blogs der Blogozese ein Video zu basteln. Dazu müsste auf jeder Seite ein Geburtstagsgruß eingebracht werden, und dann ein Screenshot angefertigt werden und dieser dann an unsere Blog-Adresse
goldmaria01@googlemail.com
gesendet werden.
Cinderella hat einen ersten Prototyp erstellt, den man sich hier anguggen kann.
http://beiboot-petri.blogspot.com/p/videos.html
Hierzu haben wir willkürlich aus der kath. Bloggerliste 30 Seiten herausgegriffen und die integriert. Jemand der sich dort noch nicht findet, soll also nicht böse sein... das war keine Absicht.
Das ist jetzt nur eine Rohfassung in nicht so guter Qualität, aber wir denken als Ansichtsexemplar genügt es.
Unterlegt wird das ganze dann mit Musik. Wir würden vorschlagen: "Tu es Petrus" Dazu gibt es eine schöne Version von den Regensburger Domspatzen, die wir mir im iTunes-Store runtergeladen habe. Wegen GEMA wollen wir das aber nicht auf den Blog stellen.
Andere Vorschläge sind natürlich willkommen, das könnt ihr uns dann ja in den Kommentarbereich schreiben. Aber bitte dran denken, es soll dem Papst gefallen - nicht nur uns.
Es wäre schön, wenn sich viele beteiligen würden damit es ein schönes "dickes" Buch wird.
Bitte deshalb diese mail großzügig an alle Teilnehmer der Blogozese weiterleiten ... wir kennen ja nicht alle und da ist es gut, wenn es breit gestreut wird.
Wer ein Video mit Musik haben will, bitte über die e-mail-Adresse anmelden. Wir schicken es dann via eMail wg. GEMA"
Samstag, 17. März 2012
Samstag der dritten Fastenwoche
22. Wie Christus gekrönt wurde
Vom Anfange der Welt ist niemals erhört worden, das ein Mensch mit Dörnern gekrönt werden sollte, und auch diesen Henkern wäre ein solcher Gedanke nicht gekommen, wenn sie nicht der Teufel dazu verleitet hätte. So aber liefen etliche hin, holten einige Dornenreiser und trugen sie eiligst herbei. Diese Dornen, wovon die Krone Christi gemacht war, werden Stechdorn (Rhamnus*) genannt, und wachsen auf allen Ackern und Wegen um Jerusalem häufig. Dieser Stechdorn ist der härteste und schärfste aller Dornarten. Seine Blätter sind lang und schmal, und seine Äste mit starken Stacheln versehen, welche hin und wieder voll spitziger Dornen sind. Nach dem Zeugnisse des Hl. Hieronymus haben sie die natürliche Eigenschaft, dass sie Alles, was sie berühren, an sich halten und giftig verwunden. Dieser Stechdorn ist nicht so weich wie die Hagen- und Schlehdornen hier zu Lande, sondern so spitz und hart, dass er durch ein dünnes Bein dringt.
Aus diesen harten, spitzigen, langen, scharfen und giftigen Dornen nun flochten sie dem Heilande die Krone mit so künstlicher Bosheit zusammen, dass der größte Teil der Dornen nach innen gegen das Haupt gerichtet war. Diese Krone war auch nicht klein, oder rund, wie ein Kränzlein, sondern groß und hoch wie ein Hut, so dass sie nicht allein den Scheitel, sondern auch die Stirne, die Schläfe und schier das ganze Haupt bedecken konnte. Nun gedenke, o Christ, wie sich die zarte Natur Christi entsetzt habe, als er diese schreckliche Krone ansah. Ohne Zweifel erbebte sein Herz; denn er wusste wohl, dass ihm diese Krone die heftigsten Schmerzen verursachen und selbst die Marter der Geißelung an Bitterkeit übertreffen werde.
Als die Dornenkrone ganz fertig war, setzten die Henker dieselbe dem Heilande auf sein Hl. Haupt, und drückten sie mit Stöcken so tief hinein, dass die Dornen durch die Stirne und Schläfe, ja selbst bis in die Hirnschale drangen. Beherzige daher, mein lieber Christ, wie schmerzlich diese Krönung gewesen sei, und wie grausam diese Dornen überall das Hl. Haupt verwundet haben, dass das Blut von allen Seiten über das Angesicht herablief, wie dies die Mutter Gottes der Hl. Brigitta selbst geoffenbart hat.
„Die dörnerne Krone hat so grausam das allerheiligste Haupt meines Sohnes durchstochen, dass sein Hl. Blut in seinen Mund, in seinen Bart und in seine Ohren herabfloss.“
Gedenke, welche unendlichen Schmerzen dein liebster Heiland hier litt! Die Erfahrung lehrt, dass ein Glied, das mit einem Dorn gestochen wird, wie Feuer brennt und hoch aufschwillt. Welch unaussprechliche Schmerzen muss also diese spitzige Dornenkrone dem Herrn verursacht haben, welcher von gar zarter Beschaffenheit und von der zartesten königlichen Jungfrau geboren worden war? Auch wurden diese Dornen ihm nicht etwa in die Hand oder den Fuß, sondern in das Haupt gestochen, welches der empfindlichste unter allen Teilen des menschlichen Leibes ist, und wo jede Verletzung so gefährlich wird. Durch diese vielfältigen Dornenstiche wurde das kranke Haupt Christi so sehr verwundet, dass es ein Wunder war, wie er nicht der Sinne beraubt wurde und plötzlich starb. Allein zu seiner größten Pein musste er leben, da ihm das Leben bitterer war als der Tod. Ach Gott, wie schmerzte ihn die breite und schwere Dornenkrone; er hob sein Haupt, und neigte es bald auf diese bald auf jene Schulter, doch fand er nirgends Erleichterung oder Ruhe!
O frommer Christ! Ist es wohl möglich, dass dir diese Marter nicht zu Herzen gehe, und du mit dem gekrönten Jesus kein Mitleid tragest? Darum falle im Geiste vor deinem Jesus nieder und sprich folgendes
Gebet zu Ehren der Krone Christi
O mein gekrönter Herr Jesu Christe! Vor dir falle ich auf mein sündiges Angesicht und bete mit reumütigem Herzen deine göttliche Majestät an. Ich wage kaum, den Blick zu erheben, weil mein Herz vor Mitleid vergehen müsste, wenn ich dein gekröntes Haupt ansehen sollte. O göttliches Haupt, wie bist du doch so voll Peinen und Wunden! Ihr scharfen Dornen, wie durftet ihr euch unterstehen, meinen Heiland so zu verletzen? Schonet doch eures Erschaffers, und durchstechet vielmehr mein sündiges Haupt, damit ich empfinde, was mein Heiland für mich in seiner Krönung gelitten habe. Du edle Krone, geheiligt durch die Berührung und das Blut Jesu Christi, dich küsse und begieße ich mit meinen Tränen! O gekrönter Jesu Christe! Durch die Ehre deiner Dornenkrone erzeige mir deine göttliche Gnade und Barmherzigkeit, und durch deine unendlichen Schmerzen verzeihe mir meine Sünden, die ich durch die Hoffart und Hartnäckigkeit meines Hauptes begangen habe, und nach diesem Leben wolle mich krönen mit der Krone der ewigen Glorie! Amen.
* Heutigen Tags Christusdorn genannt. In unseren Breiten eine Topfpflanze, die schun unangenehm genug zu pflegen ist. Wie groß mag sie erst unter optimalen klinatischen Bedingungen werden (Anmerkung des Abtippers)?
Vom Anfange der Welt ist niemals erhört worden, das ein Mensch mit Dörnern gekrönt werden sollte, und auch diesen Henkern wäre ein solcher Gedanke nicht gekommen, wenn sie nicht der Teufel dazu verleitet hätte. So aber liefen etliche hin, holten einige Dornenreiser und trugen sie eiligst herbei. Diese Dornen, wovon die Krone Christi gemacht war, werden Stechdorn (Rhamnus*) genannt, und wachsen auf allen Ackern und Wegen um Jerusalem häufig. Dieser Stechdorn ist der härteste und schärfste aller Dornarten. Seine Blätter sind lang und schmal, und seine Äste mit starken Stacheln versehen, welche hin und wieder voll spitziger Dornen sind. Nach dem Zeugnisse des Hl. Hieronymus haben sie die natürliche Eigenschaft, dass sie Alles, was sie berühren, an sich halten und giftig verwunden. Dieser Stechdorn ist nicht so weich wie die Hagen- und Schlehdornen hier zu Lande, sondern so spitz und hart, dass er durch ein dünnes Bein dringt.
Aus diesen harten, spitzigen, langen, scharfen und giftigen Dornen nun flochten sie dem Heilande die Krone mit so künstlicher Bosheit zusammen, dass der größte Teil der Dornen nach innen gegen das Haupt gerichtet war. Diese Krone war auch nicht klein, oder rund, wie ein Kränzlein, sondern groß und hoch wie ein Hut, so dass sie nicht allein den Scheitel, sondern auch die Stirne, die Schläfe und schier das ganze Haupt bedecken konnte. Nun gedenke, o Christ, wie sich die zarte Natur Christi entsetzt habe, als er diese schreckliche Krone ansah. Ohne Zweifel erbebte sein Herz; denn er wusste wohl, dass ihm diese Krone die heftigsten Schmerzen verursachen und selbst die Marter der Geißelung an Bitterkeit übertreffen werde.
Als die Dornenkrone ganz fertig war, setzten die Henker dieselbe dem Heilande auf sein Hl. Haupt, und drückten sie mit Stöcken so tief hinein, dass die Dornen durch die Stirne und Schläfe, ja selbst bis in die Hirnschale drangen. Beherzige daher, mein lieber Christ, wie schmerzlich diese Krönung gewesen sei, und wie grausam diese Dornen überall das Hl. Haupt verwundet haben, dass das Blut von allen Seiten über das Angesicht herablief, wie dies die Mutter Gottes der Hl. Brigitta selbst geoffenbart hat.
„Die dörnerne Krone hat so grausam das allerheiligste Haupt meines Sohnes durchstochen, dass sein Hl. Blut in seinen Mund, in seinen Bart und in seine Ohren herabfloss.“
Gedenke, welche unendlichen Schmerzen dein liebster Heiland hier litt! Die Erfahrung lehrt, dass ein Glied, das mit einem Dorn gestochen wird, wie Feuer brennt und hoch aufschwillt. Welch unaussprechliche Schmerzen muss also diese spitzige Dornenkrone dem Herrn verursacht haben, welcher von gar zarter Beschaffenheit und von der zartesten königlichen Jungfrau geboren worden war? Auch wurden diese Dornen ihm nicht etwa in die Hand oder den Fuß, sondern in das Haupt gestochen, welches der empfindlichste unter allen Teilen des menschlichen Leibes ist, und wo jede Verletzung so gefährlich wird. Durch diese vielfältigen Dornenstiche wurde das kranke Haupt Christi so sehr verwundet, dass es ein Wunder war, wie er nicht der Sinne beraubt wurde und plötzlich starb. Allein zu seiner größten Pein musste er leben, da ihm das Leben bitterer war als der Tod. Ach Gott, wie schmerzte ihn die breite und schwere Dornenkrone; er hob sein Haupt, und neigte es bald auf diese bald auf jene Schulter, doch fand er nirgends Erleichterung oder Ruhe!
O frommer Christ! Ist es wohl möglich, dass dir diese Marter nicht zu Herzen gehe, und du mit dem gekrönten Jesus kein Mitleid tragest? Darum falle im Geiste vor deinem Jesus nieder und sprich folgendes
Gebet zu Ehren der Krone Christi
O mein gekrönter Herr Jesu Christe! Vor dir falle ich auf mein sündiges Angesicht und bete mit reumütigem Herzen deine göttliche Majestät an. Ich wage kaum, den Blick zu erheben, weil mein Herz vor Mitleid vergehen müsste, wenn ich dein gekröntes Haupt ansehen sollte. O göttliches Haupt, wie bist du doch so voll Peinen und Wunden! Ihr scharfen Dornen, wie durftet ihr euch unterstehen, meinen Heiland so zu verletzen? Schonet doch eures Erschaffers, und durchstechet vielmehr mein sündiges Haupt, damit ich empfinde, was mein Heiland für mich in seiner Krönung gelitten habe. Du edle Krone, geheiligt durch die Berührung und das Blut Jesu Christi, dich küsse und begieße ich mit meinen Tränen! O gekrönter Jesu Christe! Durch die Ehre deiner Dornenkrone erzeige mir deine göttliche Gnade und Barmherzigkeit, und durch deine unendlichen Schmerzen verzeihe mir meine Sünden, die ich durch die Hoffart und Hartnäckigkeit meines Hauptes begangen habe, und nach diesem Leben wolle mich krönen mit der Krone der ewigen Glorie! Amen.
* Heutigen Tags Christusdorn genannt. In unseren Breiten eine Topfpflanze, die schun unangenehm genug zu pflegen ist. Wie groß mag sie erst unter optimalen klinatischen Bedingungen werden (Anmerkung des Abtippers)?
Freitag, 16. März 2012
Freitag der dritten Fastenwoche
21. Wie Christus gegeißelt wurde
Das Geheimnis der Geißelung Christi ist so traurig, dass es auch steinharte Herzen erweichen könnte. Die Hll. Väter und Kirchenlehrer beschreiben ausführlich die Grausamkeit derselben, und verschiedene Offenbarungen bestätigen dasselbe.
Der Hl. Hieronymus sagt, es seien ihrer sechs gewesen, welche Christum gegeißelt haben, nämlich zwei mit dörnernen Ruten, zwei mit knotigen Seilen und zwei mit eisernen Ketten. Sie waren schon von Natur aus gefühllose Schergen; überdies aber hatten ihnen die Juden Geld versprochen, wenn sie recht fest zuschlügen, so zwar, dass derjenige den größten Lohn bekäme, welcher am heftigsten geißelte. Hier magst du dir nun leicht vorstellen, wie es deinem Erlöser ergangen und wie grausam er zerschlagen worden sei. Der Hl. Vinzentius Ferrerius sagt, sie haben an den Fußsohlen angefangen und allmählich hinaufgeschlagen, bis das Hl. Blut herabfloss. Sie taten dies, um zu sehen, ob Christus an allen Orten verwundet sei; denn wenn sie oben angefangen hätten, wäre das Blut über den ganzen Leib geflossen, und sie hätten dann nicht sehen können, ob er überall verwundet sei.
Stelle dir nun vor, du seiest auf dem Marktplatze zugegen, und sähest diesem blutigen Schauspiele zu. Betrachte, wie die Henker mit aller Gewalt zuschlagen; wie sie die dornigen Ruten in die Luft schwingen, und welch heftige Streiche sie führen. O wie müssen diese Hiebe dem armen Heilande so wehe getan haben, und wie wird sein Hl. Leib so gänzlich mit Wunden und Blut bedeckt worden sein; denn seine Haut war, wie Maria der Hl. Brigitta offenbarte, so weich und so zart, dass er nicht geschlagen werden konnte, ohne dass sogleich das Blut hervordrang. Als die beiden ersten Henker an einem Orte so lange geschlagen hatten, bis die dornigen Ruten durch das Fleisch eingedrungen waren, fuhren sie allmählich weiter hinauf, bis endlich der ganze Körper blutrünstig war. O mein Jesus, wie fühlest du diese Streiche so schmerzlich, und wie tun dir diese scharfen Ruten so wehe!
Gedenke, o Christ, was hier dein Erlöser litt, und welch schreckliche Schmerzen er auszustehen hatte. Er schrie zwar nicht, doch flossen ihm die Tränen von den Wangen herab, und sein gepresstes Herz machte sich durch manchen Seufzer Luft.
Als nun diese beiden Ersten etliche Ruten auf dem Rücken Jesu zerschlagen hatten und ganz ermüdet waren, fingen die andern zwei Henkerknechte mit ihren knotigen Stricken ohne Barmherzigkeit zu schlagen an, und wüteten wir die Teufel; denn der Satan selbst wohnte in ihren Herzen und machte sie ganz wütend; sonst hätten sie natürlicherweise gegen den geduldigen Heiland nicht so grimmig sein können. Sie schlugen so unbarmherzig zu, dass jeder Streich weithin erscholl und von allem Volke gehört wurde, und der ganze Leib nur eine einzige, große Wunde zu sein schien. Der arme Jesus zitterte am ganzen Leibe, und erhob gar oft seufzend seinen Augen zum Himmel und opferte seinem göttlichen Vater seine Wunden und Schmerzen auf. O Christ! Bedenke, was dein Erlöser hier leidet, und wie teuer er deine Sünden bezahlen muss.
Das bisher gesagte wäre gleichwohl noch zu verschmerzen gewesen, wenn sich die grausamen Henker damit begnügt hätten. Nun trat aber das letzte Paar herzu, von denen jeder eine Geißel mit eisernen Ketten trug, an denen spitzige Häklein angebracht waren. Mit diesen Marterwerkzeugen geißelten sie den ohnehin schon ganz verwundeten Herrn so heftig, dass sie ihm das Fleisch von den Knochen abrissen, und beinahe alle Rippen und Beine zerbrachen. So oft sie einen Hieb führten, drangen die Häklein in den Leib ein, und wenn sie zurückzogen, durchschnitten sie das Fleisch. O Gott im Himmel! Welch unausstehlicher Schmerz muss das gewesen sein, und wie war es nur möglich, dass der Herr unter dieser fürchterlichen Misshandlung nicht seinen Geist aufgab! O christliches Herz! Ist es wohl möglich, dass du dieses hörest, und dich darob nicht entsetztes? Siehe doch, wie dein Erlöser so erbärmlich an der Säule steht, wie sein Angesicht totenbleich und sein Hl. Leib ganz zerfleischt ist. Hier stand dein treuer Heiland, und war so voll Schmerzen, dass er nicht wusste, wo er sich hinwenden sollte. Seine Gebeine erbebten, seine Knie schlugen zusammen, seine Zähne klapperten, und er war mehr tot als lebendig. O treuer Christ! Lass dir doch diese grausame Marter zu Herzen gehen, und komme deinem Heilande zu Hilfe mit folgendem
Gebet zu Ehren der Geißelung Christi
O mein gegeißelter Heiland Jesu Christe! Mit verwundetem Herzen komme ich zu dir und werfe mich nieder auf mein sündiges Angesicht. Vor Mitleid wage ich kaum, den Blick zu erheben und dich in diesem jammervollen Zustande anzuschauen. Ach, mein armer Jesus, wie grausam bist du verwundet, wie schrecklich bist du zerfleischt! Wehe deinen zarten Gliedern! Wie ist es nur möglich, dass du solchen Schmerzen nicht unterliegst? Mein treuer Erlöser! Ich habe solches Mitleiden mit dir, dass mein Herz vor Liebe krank ist, und ich deine Wunden ebenso fühle, als ob ich dieselben selbst empfangen hätte. Sei eingedenk, mein gegeißelter Jesu, der großen Liebe, welche dich in so großes Elend gebracht und angetrieben hat, diese schmerzliche Geißelung um meinetwillen zu erdulden. An alle in derselben erlittenen Misshandlungen erinnere ich dich, und opfere sie dir auf samt Allem, was du in diesem hochheiligen Geheimnisse an Leib und Seele ausgestanden hat. Zugleich bitte ich dich demütig, dass du mir wegen dieser Geißelung alle meine Sünden, besonders meine vielfachen unkeuschen Gedanken, Worte und Werke, verzeihen wollest; denn diese beschweren mein Gewissen am meisten, und machen mich angst und bange, vor das Hl. Gericht zu treten. Darum bitte ich, o barmherzigster Jesu, durch die Kraft deines vergossenen Blutes lösche aus die schändlichen Makel meiner Seele, und gedenke nicht mehr der Unbilden, die ich dir durch meine Unkeuschheit zugefügt habe. Amen.
Das Geheimnis der Geißelung Christi ist so traurig, dass es auch steinharte Herzen erweichen könnte. Die Hll. Väter und Kirchenlehrer beschreiben ausführlich die Grausamkeit derselben, und verschiedene Offenbarungen bestätigen dasselbe.
Der Hl. Hieronymus sagt, es seien ihrer sechs gewesen, welche Christum gegeißelt haben, nämlich zwei mit dörnernen Ruten, zwei mit knotigen Seilen und zwei mit eisernen Ketten. Sie waren schon von Natur aus gefühllose Schergen; überdies aber hatten ihnen die Juden Geld versprochen, wenn sie recht fest zuschlügen, so zwar, dass derjenige den größten Lohn bekäme, welcher am heftigsten geißelte. Hier magst du dir nun leicht vorstellen, wie es deinem Erlöser ergangen und wie grausam er zerschlagen worden sei. Der Hl. Vinzentius Ferrerius sagt, sie haben an den Fußsohlen angefangen und allmählich hinaufgeschlagen, bis das Hl. Blut herabfloss. Sie taten dies, um zu sehen, ob Christus an allen Orten verwundet sei; denn wenn sie oben angefangen hätten, wäre das Blut über den ganzen Leib geflossen, und sie hätten dann nicht sehen können, ob er überall verwundet sei.
Stelle dir nun vor, du seiest auf dem Marktplatze zugegen, und sähest diesem blutigen Schauspiele zu. Betrachte, wie die Henker mit aller Gewalt zuschlagen; wie sie die dornigen Ruten in die Luft schwingen, und welch heftige Streiche sie führen. O wie müssen diese Hiebe dem armen Heilande so wehe getan haben, und wie wird sein Hl. Leib so gänzlich mit Wunden und Blut bedeckt worden sein; denn seine Haut war, wie Maria der Hl. Brigitta offenbarte, so weich und so zart, dass er nicht geschlagen werden konnte, ohne dass sogleich das Blut hervordrang. Als die beiden ersten Henker an einem Orte so lange geschlagen hatten, bis die dornigen Ruten durch das Fleisch eingedrungen waren, fuhren sie allmählich weiter hinauf, bis endlich der ganze Körper blutrünstig war. O mein Jesus, wie fühlest du diese Streiche so schmerzlich, und wie tun dir diese scharfen Ruten so wehe!
Gedenke, o Christ, was hier dein Erlöser litt, und welch schreckliche Schmerzen er auszustehen hatte. Er schrie zwar nicht, doch flossen ihm die Tränen von den Wangen herab, und sein gepresstes Herz machte sich durch manchen Seufzer Luft.
Als nun diese beiden Ersten etliche Ruten auf dem Rücken Jesu zerschlagen hatten und ganz ermüdet waren, fingen die andern zwei Henkerknechte mit ihren knotigen Stricken ohne Barmherzigkeit zu schlagen an, und wüteten wir die Teufel; denn der Satan selbst wohnte in ihren Herzen und machte sie ganz wütend; sonst hätten sie natürlicherweise gegen den geduldigen Heiland nicht so grimmig sein können. Sie schlugen so unbarmherzig zu, dass jeder Streich weithin erscholl und von allem Volke gehört wurde, und der ganze Leib nur eine einzige, große Wunde zu sein schien. Der arme Jesus zitterte am ganzen Leibe, und erhob gar oft seufzend seinen Augen zum Himmel und opferte seinem göttlichen Vater seine Wunden und Schmerzen auf. O Christ! Bedenke, was dein Erlöser hier leidet, und wie teuer er deine Sünden bezahlen muss.
Das bisher gesagte wäre gleichwohl noch zu verschmerzen gewesen, wenn sich die grausamen Henker damit begnügt hätten. Nun trat aber das letzte Paar herzu, von denen jeder eine Geißel mit eisernen Ketten trug, an denen spitzige Häklein angebracht waren. Mit diesen Marterwerkzeugen geißelten sie den ohnehin schon ganz verwundeten Herrn so heftig, dass sie ihm das Fleisch von den Knochen abrissen, und beinahe alle Rippen und Beine zerbrachen. So oft sie einen Hieb führten, drangen die Häklein in den Leib ein, und wenn sie zurückzogen, durchschnitten sie das Fleisch. O Gott im Himmel! Welch unausstehlicher Schmerz muss das gewesen sein, und wie war es nur möglich, dass der Herr unter dieser fürchterlichen Misshandlung nicht seinen Geist aufgab! O christliches Herz! Ist es wohl möglich, dass du dieses hörest, und dich darob nicht entsetztes? Siehe doch, wie dein Erlöser so erbärmlich an der Säule steht, wie sein Angesicht totenbleich und sein Hl. Leib ganz zerfleischt ist. Hier stand dein treuer Heiland, und war so voll Schmerzen, dass er nicht wusste, wo er sich hinwenden sollte. Seine Gebeine erbebten, seine Knie schlugen zusammen, seine Zähne klapperten, und er war mehr tot als lebendig. O treuer Christ! Lass dir doch diese grausame Marter zu Herzen gehen, und komme deinem Heilande zu Hilfe mit folgendem
Gebet zu Ehren der Geißelung Christi
O mein gegeißelter Heiland Jesu Christe! Mit verwundetem Herzen komme ich zu dir und werfe mich nieder auf mein sündiges Angesicht. Vor Mitleid wage ich kaum, den Blick zu erheben und dich in diesem jammervollen Zustande anzuschauen. Ach, mein armer Jesus, wie grausam bist du verwundet, wie schrecklich bist du zerfleischt! Wehe deinen zarten Gliedern! Wie ist es nur möglich, dass du solchen Schmerzen nicht unterliegst? Mein treuer Erlöser! Ich habe solches Mitleiden mit dir, dass mein Herz vor Liebe krank ist, und ich deine Wunden ebenso fühle, als ob ich dieselben selbst empfangen hätte. Sei eingedenk, mein gegeißelter Jesu, der großen Liebe, welche dich in so großes Elend gebracht und angetrieben hat, diese schmerzliche Geißelung um meinetwillen zu erdulden. An alle in derselben erlittenen Misshandlungen erinnere ich dich, und opfere sie dir auf samt Allem, was du in diesem hochheiligen Geheimnisse an Leib und Seele ausgestanden hat. Zugleich bitte ich dich demütig, dass du mir wegen dieser Geißelung alle meine Sünden, besonders meine vielfachen unkeuschen Gedanken, Worte und Werke, verzeihen wollest; denn diese beschweren mein Gewissen am meisten, und machen mich angst und bange, vor das Hl. Gericht zu treten. Darum bitte ich, o barmherzigster Jesu, durch die Kraft deines vergossenen Blutes lösche aus die schändlichen Makel meiner Seele, und gedenke nicht mehr der Unbilden, die ich dir durch meine Unkeuschheit zugefügt habe. Amen.
Donnerstag, 15. März 2012
Donnerstag der dritten Fastenwoche
20. Wie Barrabas Christo vorgezogen wurde
Die Juden waren mit Jesus zurückgekommen und ließen dem Pilatus anzeigen, wie es ihnen bei Herodes ergangen sei. Weil sie so nachdrücklich auf den Tod ihres Gefangenen bestanden, berief Pilatus die Hohenpriester und Vornehmsten des Volkes zusammen und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als einen Volksaufwiegler, und siehe, ich habe ihn in eurer Gegenwart verhört, und an diesem Menschen nichts von dem gefunden, weswegen ihr ihn anklaget. Aber auch Herodes nicht; denn ich habe ihn auch zu ihm gesendet, und siehe, es geschah nichts mit ihm, was ihn des Todes schuldig zeigte. So müsst ihr ja bekennen, dass man ihn ohne Sünde nicht hinrichten kann. Dennoch, um euch einigermaßen zufrieden zu stellen, will ich ihn züchtigen und losgeben. Als die blutigen Juden dies hörten, fingen sie an, heftig zu wüten und zu toben, und ersannen neue Lügen, damit sie beweisen möchten, er habe den Tod verdient. Weil dies nichts helfen sollte, machte Pilatus einen andern Vorschlag. Es hatten nämlich die Juden den löblichen Gebrauch, dass sie alljährlich am Osterfeste einen Gefangenen, der das Leben verwirkt hatte, zum Andenken an die Gnade, die Gott ihnen durch die Befreiung aus dem Joche der ägyptischen Knechtschaft erwiesen hatte, losbaten. Pilatus dachte, es werde eintreffliches Mittel sein, Christum zu befreien, wenn er den ärgsten Bösewicht, der eben im Gefängnisse lag, herauszusuchen und ihnen die Wahl lassen würde, ob sie diesen oder Christum frei haben wollten; denn sie würden ja doch lieber Christum, als den ruchlosesten Mörder wählen.
Darum sprach Pilatus zu dem Volke: Welchen wollet ihr nun, dass ich euch losgebe, Barrabas oder Jesum, der da genannt wird Christus? O christliche Seele! Bedenke hier, welch ein Vergleich dies gewesen ist! Barabbas war der ärgste Mörder und Aufrührer, und wird mit dem Urheber des Lebens verglichen! Wer sollte wohl zweifeln, was die Juden werden getan haben? Das einfältige Volk war durch das Zureden und Drohen der Obern so verblendet worden, dass sie lieber einen ruchlosen Mörder, als den lang ersehnten König und Messias haben wollten. Darum fingen die Hohenpriester an zu schreien, und alles Volk rief ihnen nach: „Den Barrabas, den Barrabas!“ Pilatus verwunderte sich und sprach: „Wollt ihr denn nicht euren König loshaben?“ Sie aber riefen alle wiederholt: „Nicht diesen, sondern den Barrabas.“ Pilatus sagte: „Dies wäre ja schrecklich, dass ihr lieber einen Mörder, als einen so heiligen Mann losbitten wolltet!“ Das gesamte Volk schrie aber einstimmig: „Du hörst ja wohl, dass wir diesen nicht haben wollen. Darum hinweg mit diesem, und gib uns den Barrabas los!“ Stelle dir nun vor, als wenn Christus dich also anredete: O mein Kind! Zürnest du nicht über das gottlose Volk, welches einen Mörder höher achtet, als den wahren lebendigen Gott? Freilich, mein Jesu, zürne ich darüber, und zwar so sehr, dass ich gern sähe, wenn die Erde sich unter ihren Füßen öffnete und sie in den Abgrund der Hölle verschlänge. O mein Kind! Wenn du zugegen gewesen wärest, würdest du wohl auch den Barrabas begehrt haben? Ohne Zweifel, mein Jesu, würde ich dich begehrt haben; denn ich müsste ja ohne Verstand sein wenn ich nicht viel tausendmal lieber dich, als einen Mörder haben wollte. Nun sieh aber, o Kind, wie oft du das Gegenteil tust. Es wird dir die freie Wahl gelassen, ob du mir, oder der Welt dienen willst, oder mich zum Freunde haben magst, oder die Welt. Was erwählest du aber? Ist es nicht traurige Wahrheit, dass du mich zurücksetzest und der Welt dienest? Tust du nicht tausend Mal mehr der Welt, als mir zu Liebe? Dienest du nicht viel mehr deinem Leibe, als deiner unsterblichen Seele? Tust du nicht lieber die schwerste Arbeit um einen zeitlichen Gewinn, als eine geringe Mühe um das ewige Heil? Hast du nicht unvergleichlich größere Zuneigung zu einem schlechten irdischen Dinge, als zu mir? Also erwählest du alle Tage oftmals den Barrabas und setzest mich zurück. Gleichwie du sohin billig über die Juden zürnest, dass sie den Barrabas losbaten; so zürne auch ich gerecht über dich, dass du lieber deinem Leibe und der Welt abwartest, als mir.
Gebet
O mein Erlöser! Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich muss meine Augen beschämt zu Boden senken, dass ich so gottlos bin. Ich muss bekennen, dass ich meinem Leibe mit seinen Begierden tausendmal mehr diene, als dir, und mich unvergleichlichmal mehr bemühe, eine zeitliche Gunst zu erlangen, als deine Gnade. Wenn ich etwas zu deiner Ehre tun soll, so geschieht es entweder gar nicht, oder mit Verdruss und Nachlässigkeit; was ich aber der Welt zu Gefallen tue, das geschieht mit Lust und Freude. Wenn ich in der Kirche bleiben oder beten muss, so wird mir sogleich die Zeit zu lange; wenn ich aber bei Schwätzereien und Lustbarkeiten verweile, reut mich keine Zeit. So erwähle ich gewissermaßen immer mit dem Volke lieber den Barrabas, als Christum; und dies habe ich in meinem Leben schon viel tausendmal getan, und mehr der Welt, als Gott, mehr dem Leibe, als meiner Seele gedient. Darum bin ich hierin nicht besser, als die Juden, und wenn ich so fortfahre, habe ich zuverlässig zu befürchten, dass ich ewig verloren gehen werde. Ich bitte dich aber, o Jesu, du wollest dies nicht zulassen, sondern mich um deines bittern Leidens willen vor der ewigen Verdammnis bewahren. Ach, gib mir doch einen andern Sinn und einen neuen Geist, damit ich fortan lieber dir, als der Welt diene! Ich nehme mir dieses zwar ernstlich vor, aber du weißt, dass ich ohne deine besondere Gnade nichts vollführen kann. Darum verleihe mir aus Barmherzigkeit diese Gnade, und mache mich aus einem Freunde des Barrabas zu einem treuen Diener Christi. Amen.
Die Juden waren mit Jesus zurückgekommen und ließen dem Pilatus anzeigen, wie es ihnen bei Herodes ergangen sei. Weil sie so nachdrücklich auf den Tod ihres Gefangenen bestanden, berief Pilatus die Hohenpriester und Vornehmsten des Volkes zusammen und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als einen Volksaufwiegler, und siehe, ich habe ihn in eurer Gegenwart verhört, und an diesem Menschen nichts von dem gefunden, weswegen ihr ihn anklaget. Aber auch Herodes nicht; denn ich habe ihn auch zu ihm gesendet, und siehe, es geschah nichts mit ihm, was ihn des Todes schuldig zeigte. So müsst ihr ja bekennen, dass man ihn ohne Sünde nicht hinrichten kann. Dennoch, um euch einigermaßen zufrieden zu stellen, will ich ihn züchtigen und losgeben. Als die blutigen Juden dies hörten, fingen sie an, heftig zu wüten und zu toben, und ersannen neue Lügen, damit sie beweisen möchten, er habe den Tod verdient. Weil dies nichts helfen sollte, machte Pilatus einen andern Vorschlag. Es hatten nämlich die Juden den löblichen Gebrauch, dass sie alljährlich am Osterfeste einen Gefangenen, der das Leben verwirkt hatte, zum Andenken an die Gnade, die Gott ihnen durch die Befreiung aus dem Joche der ägyptischen Knechtschaft erwiesen hatte, losbaten. Pilatus dachte, es werde eintreffliches Mittel sein, Christum zu befreien, wenn er den ärgsten Bösewicht, der eben im Gefängnisse lag, herauszusuchen und ihnen die Wahl lassen würde, ob sie diesen oder Christum frei haben wollten; denn sie würden ja doch lieber Christum, als den ruchlosesten Mörder wählen.
Darum sprach Pilatus zu dem Volke: Welchen wollet ihr nun, dass ich euch losgebe, Barrabas oder Jesum, der da genannt wird Christus? O christliche Seele! Bedenke hier, welch ein Vergleich dies gewesen ist! Barabbas war der ärgste Mörder und Aufrührer, und wird mit dem Urheber des Lebens verglichen! Wer sollte wohl zweifeln, was die Juden werden getan haben? Das einfältige Volk war durch das Zureden und Drohen der Obern so verblendet worden, dass sie lieber einen ruchlosen Mörder, als den lang ersehnten König und Messias haben wollten. Darum fingen die Hohenpriester an zu schreien, und alles Volk rief ihnen nach: „Den Barrabas, den Barrabas!“ Pilatus verwunderte sich und sprach: „Wollt ihr denn nicht euren König loshaben?“ Sie aber riefen alle wiederholt: „Nicht diesen, sondern den Barrabas.“ Pilatus sagte: „Dies wäre ja schrecklich, dass ihr lieber einen Mörder, als einen so heiligen Mann losbitten wolltet!“ Das gesamte Volk schrie aber einstimmig: „Du hörst ja wohl, dass wir diesen nicht haben wollen. Darum hinweg mit diesem, und gib uns den Barrabas los!“ Stelle dir nun vor, als wenn Christus dich also anredete: O mein Kind! Zürnest du nicht über das gottlose Volk, welches einen Mörder höher achtet, als den wahren lebendigen Gott? Freilich, mein Jesu, zürne ich darüber, und zwar so sehr, dass ich gern sähe, wenn die Erde sich unter ihren Füßen öffnete und sie in den Abgrund der Hölle verschlänge. O mein Kind! Wenn du zugegen gewesen wärest, würdest du wohl auch den Barrabas begehrt haben? Ohne Zweifel, mein Jesu, würde ich dich begehrt haben; denn ich müsste ja ohne Verstand sein wenn ich nicht viel tausendmal lieber dich, als einen Mörder haben wollte. Nun sieh aber, o Kind, wie oft du das Gegenteil tust. Es wird dir die freie Wahl gelassen, ob du mir, oder der Welt dienen willst, oder mich zum Freunde haben magst, oder die Welt. Was erwählest du aber? Ist es nicht traurige Wahrheit, dass du mich zurücksetzest und der Welt dienest? Tust du nicht tausend Mal mehr der Welt, als mir zu Liebe? Dienest du nicht viel mehr deinem Leibe, als deiner unsterblichen Seele? Tust du nicht lieber die schwerste Arbeit um einen zeitlichen Gewinn, als eine geringe Mühe um das ewige Heil? Hast du nicht unvergleichlich größere Zuneigung zu einem schlechten irdischen Dinge, als zu mir? Also erwählest du alle Tage oftmals den Barrabas und setzest mich zurück. Gleichwie du sohin billig über die Juden zürnest, dass sie den Barrabas losbaten; so zürne auch ich gerecht über dich, dass du lieber deinem Leibe und der Welt abwartest, als mir.
Gebet
O mein Erlöser! Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich muss meine Augen beschämt zu Boden senken, dass ich so gottlos bin. Ich muss bekennen, dass ich meinem Leibe mit seinen Begierden tausendmal mehr diene, als dir, und mich unvergleichlichmal mehr bemühe, eine zeitliche Gunst zu erlangen, als deine Gnade. Wenn ich etwas zu deiner Ehre tun soll, so geschieht es entweder gar nicht, oder mit Verdruss und Nachlässigkeit; was ich aber der Welt zu Gefallen tue, das geschieht mit Lust und Freude. Wenn ich in der Kirche bleiben oder beten muss, so wird mir sogleich die Zeit zu lange; wenn ich aber bei Schwätzereien und Lustbarkeiten verweile, reut mich keine Zeit. So erwähle ich gewissermaßen immer mit dem Volke lieber den Barrabas, als Christum; und dies habe ich in meinem Leben schon viel tausendmal getan, und mehr der Welt, als Gott, mehr dem Leibe, als meiner Seele gedient. Darum bin ich hierin nicht besser, als die Juden, und wenn ich so fortfahre, habe ich zuverlässig zu befürchten, dass ich ewig verloren gehen werde. Ich bitte dich aber, o Jesu, du wollest dies nicht zulassen, sondern mich um deines bittern Leidens willen vor der ewigen Verdammnis bewahren. Ach, gib mir doch einen andern Sinn und einen neuen Geist, damit ich fortan lieber dir, als der Welt diene! Ich nehme mir dieses zwar ernstlich vor, aber du weißt, dass ich ohne deine besondere Gnade nichts vollführen kann. Darum verleihe mir aus Barmherzigkeit diese Gnade, und mache mich aus einem Freunde des Barrabas zu einem treuen Diener Christi. Amen.
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