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ufe Gott um Hilfe und Beistand an wider alle Anfechtungen
der sichtbaren und unsichtbaren Feinde und sprich mit dem Priester im Eingange der heiligen Messe aus dem
53. Psalm: „Siehe, Gott steht mir bei, und der Herr nimmt auf meine Seele.
Wend ab das Böse auf meine Feinde; und in deiner Wahrheit vertilge sie, o Herr,
mein Beschirmer! In deinem Namen, o Gott, errette mich, und in deiner Kraft
schaffe mir Recht.“ Ehre sei dem Vater ...
Gebet der Kirche
Lass, o Herr, die Ohren deiner Barmherzigkeit den Bitten der Flehenden
offen stehen, und damit wir gewiss erhalten, was wir verlangen, so gib uns,
dass wir nur das verlangen, was dir wohlgefällt – durch Jesum Christum, deinen
Sohn, unsern Herrn ... Amen.
Epistel des Hl. Paulus an die Korinther
I. 10, 6 - 13
Brüder! Lasset uns nicht des Bösen gelüsten, gleichwie auch
jene sich gelüsten ließen. Werdet auch nicht Götzendiener, gleichwie einige von
ihnen, wie geschrieben steht: Das Volk setzte sich, zu essen und zu trinken,
und sie standen auf, zu tanzen. Lasset uns nicht Hurerei treiben, wie einige
von ihnen Hurerei trieben, und an einem Tage dreiundzwanzigtausend umkamen.
Lasset uns Christum nicht versuchen, gleichwie einige von ihnen (ihn)
versuchten und durch die Schlangen umkamen. Murret nicht, wie einige von ihnen
murrten und durch den Würgeengel umkamen. Alles dieses aber widerfuhr ihnen als
Vorbild; es ist nämlich zur Warnung geschrieben für uns, die wir in den letzten
Zeiten leben. Wer demnach meint, er
stehe, der sehe zu, dass er nicht falle. Lasset euch von keiner Versuchung
ergreifen, außer von einer menschlichen (erträglichen). Gott aber ist getreu;
er wird euch nicht über eure Kräfte versuchen lassen, sondern bei der
Versuchung auch den Ausgang geben, dass ihr ausharren könnet.
Zwei schöne Lehrstücke gibt uns der Apostel Paulus in der
heutigen Epistel, wovon das erste lautet:
dass man nicht nach unzulässigen Dingen Gelüste tragen solle.
Sind denn auch die Gedanken und Begierden Sünden?
Ja, so oft man dadurch unerlaubte Dinge begehrt oder
wissentlich und freiwillig darin sich belustigt; denn um der Gedanken willen
sind unsere Werke gut oder bös, je nahcdme die Gedanken gut oder bös sind. -
Lerne die bösen Gedanken gleich auf der Stelle ausschlagen, namentlich die
unreinen.
Welches ist das andere Lehrstück?
Dass man Gott nicht
versuchen soll.
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Von der Vermessenheit
Was heißt: Gott versuchen?
Es heißt: vermessentlich eine Probe oder ein Zeichen der Allmacht,
Vorsehung oder Gerechtigkeit Gottes verlangen. Es wäre das eine schwere Sünde
gegen das erste Gebot Gottes (5 Mos 6, 16); man nennt sie Vermessenheit.
Wie wird diese Sünde begangen?
1. Wenn man ohne Ursache begehrte, dass die Glaubenssachen
durch ein Wunderzeichen kundgetan oder bekräftigt würden; 2. wenn man sich
selber in Leibes- und Lebens- oder Seelengefahr stürzte in der Erwartung, Gott
werde einen daraus erretten; 3. wenn man in einer gefährlichen Krankheit oder
Leibesschaden die gewöhnlichen oder natürlichen Mittel (z. B. vom Arzte)
verwerfen und sich allein auf Gottes Hilfe verlassen wollte.
Wir lernen auch aus dieser Epistel, dass man wider die Anordnungen Gottes nicht murren soll, wie
ehedem Core, Dathan und Abiron getan haben und dafür von Gott schrecklich
gestraft worden sind. (4 Mos 16, 8 ff.). Auch werden wir darin wider
die schweren Anfechtungen getröstet.
Was soll uns in schweren Anfechtungen trösten?
Die Überzeugung, das Gott uns nicht über unsere Kräfte werde
versuchen lassen, sondern dass er uns durch seine Gnade die Versuchung werde
erträglich machen.
Anmutung. Ich
bitte dich, o Herr, reinige mein Herz von allen bösen Gedanken; lass mir auch
niemals in den Sinn kommen, dich zu versuchen oder an deinen väterlichen
Anordnungen Missfallen zu zeigen.
Getreu bist du, mein Gott, und wirst nicht gestatten, dass
ich über meine Kräfte versucht werde; sondern du wirst mir zur Versuchung so
viel Gnade geben, dass ich sie glücklich überwinden kann.
Evangelium des Hl. Lukas
19, 41 – 47
In jener Zeit, da Jesus Jerusalem näher kam und die Stadt
sah, weinte er über sie und sprach: Wenn doch auch du es erkenntest, und zwar
an diesem deinem Tage, was dir zum Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen
Augen verborgen. Denn es werden Tage über dich kommen, wo deine Feinde mit
einem Walle dich umgeben, dich ringsum einschließen und von allen Seiten dich
beängstigen werden. Sie werden dich und deine Kinder, die in dir sind, zu Boden
schmettern, und in dir keinen Stein auf dem andern lassen, weil du die Zeit
deiner Heimsuchung nicht erkannt hast. Und als er in den Tempel kam, fing er
an, die Käufer und Verkäufer, die darin waren, hinauszutreiben, und er sprach
zu ihnen: Es steht geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es zu
einer Räuberhöhle gemacht. Und der lehrte täglich im Tempel.
Warum hat der Herr Jesus über die Stadt Jerusalem geweint?
Um anzudeuten, dass Gott nicht den Tod des Sünders will (Ez
18, 21 – 23; 33, 11); sodann auch, dass er diese gottlose Stadt nur gezwungen
strafte, weil sie die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkennen wollte; endlich
wegen ihrer Undankbarkeit und wegen des Gedankens, dass alle seine Leiden an
ihr verloren sein werden.
Welches ist die Zeit ihrer Heimsuchung gewesen?
Es war die Zeit, in der Christus selbst sie ermahnt und
Wunderzeichen in der Stadt getan hat, ohne dass sie sich jedoch hat bekehren
und Buße tun wollen. Es war auch schon damals die Zeit der Heimsuchung gewesen,
als so viele Propheten von Gott zu ihr gesendet worden, die sie verlacht und
verspottet (2 Par 36, 16), sogar gesteinigt und getötet hat (Mt 23,
34 f.).
Beachte wohl, dass jeder Tag, ja eine jede Stunde dem Sünder
zum Frieden, d. i. zur Buße und zur Gnade, verliehen ist. Wenn die verdammten
Seelen noch ein einziges Viertelstündlein von der Zeit hätten, die wir mit
Narrenpossen und leichtfertigem Geschwätz unnütz verscherzen, so würden sie
alle von den höllischen Qualen errettet. Alle, die in der Hölle sind, werden
ewig gestraft, weil sie sich die Zeit der Gnaden nicht haben zu nutze machen
wollen. Alles kann wiederum ersetzt werden, die verlorene Zeit ausgenommen, die
selbst Gott nicht wieder bringen kann. Darum nimm die Zeit wohl in acht! (Eccli
4, 23.)
Verbirgt Gott die ewigen Dinge den Gottlosen?
Nein, sondern durch ihr sündiges Leben verursachen die
Gottlosen, dass die Einsprechungen Gottes bei ihnen keinen Eingang finden und
nicht verfangen; so kommt es, dass sie sich selber die ewigen Dinge verbergen,
verblendet und zuletzt verstockt werden.
Welches ist die Zeit, wo die Teufel die verstockten Sünder beängstigen
werden?
Es ist die Zeit des Todes; alsdann plagen und ängstigen die
höllischen Geister am meisten die unbußfertigen Sünder durch ihr eigenes böses
Gewissen, dass sie die Einsprechungen Gottes so oft in den Wind geschlagen und
die Zeit der Gnade verscherzt haben. Es wird ihnen auch alsdann die Gnade,
welche sie in gesunden Tagen verworfen haben, aus gerechtem Urteile Gottes
benommen.
Hat Christus der Herr die Verkäufer solcher Sachen, die man
zum Gottesdienste im Tempel gebraucht hat, samt den Käufern hinausgepeitscht,
wie wird er dann nicht jene strafen, die in der Kirche selber lachen, schwatzen
Narrenpossen und (was noch ärger ist) mit ihren Augen und Gedanken Unzucht
darin betreiben!
Anmutung. O Herr
Jesu, der du über die Stadt Jerusalem geweint hast, weil sie die Zeit ihrer
Heimsuchung nicht erkannt hat: ich bitte dich, erleuchte mein Herz, damit ich
die Zeit der Gnade erkenne und mir solche zu nutze mache. Verleihe auch, dass
ich mich in der Kirche stets ehrerbietig betrage und die Zierde deines Hauses
liebe (Ps 25, 8).
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Wichtige Lebenslehre von der späten Buße der Kranken und Sterbenden
„Weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast“
(Lk 19, 44)
Darf ein Sünder sich darauf verlassen, dass er am Ende seines Lebens werde
wahre Reue erwecken und also selig werden?
Durchaus nicht, falls er auf diese Hoffnung hin vorsätzlich
in der schweren Sünde verharrt. Denn es hieße das vermessentlich sündigen auf
Gottes Barmherzigkeit und wäre darum eine Sünde wider den heiligen Geist. Gott
straft auch gemeiniglich solche frevle Sünder damit, dass sie bei ihrem letzten
Ende nicht einmal bei sich selber sind, nachdem sie in ihren gesunden Tagen
ihres Gottes vergessen haben. Es ist lächerlich, dann erst mit dem Sündigen aufhören
zu wollen, wenn einem die Macht zu sündigen benommen wird. „Im Tode verlassest
nicht du die Sünden, sondern die
Sünden verlassen dich“, sagt St. Augustinus, und der hl. Gregorius spricht:
„Die mutigen Rennpferde hält bisweilen vom Laufen nicht der Reiter ab, sondern
der Ort, der sie so einschließt, dass sie ferner nicht laufen können. So
lassen viele nicht aus freien Stücken vom Sündigen ab, sondern weil ihnen Zeit
und Kraft zum Sündigen entzogen wird.“
Was soll man hoffen von denen, welche noch auf dem Todbette beichten?
Alles Gute; aber die Seligkeit kann man solchen nur wegen
dessen allein noch nicht für gewiss versprechen, meint wieder St. Augustinus;
denn nach der Lehre des hl. Hieronymus werden nur wenige von jenen bei ihrem
letzten Ende sich recht bekehren, deren Leben bis dahin gottlos gewesen ist.
Wann soll man Buße tun?
Solange man noch gesund ist; denn, wie der hl. Augustinus
bemerkt, die Buße, die von einem Kranken getan wird, ist gemeiniglich auch
krank, und eine späte Buße ist selten eine wahre Buße. Sei darum ernstlich
gewarnt, lieber Leser!
Warum ist's denn zur Zeit der Krankheit schwerer, Buße zu tun, als bei
gesundem Leibe?
Weil der Mensch zur Zeit der Krankheit dermaßen von seinen
Schmerzen eingenommen ist, dass sie ihm kaum gestatten, an etwas anderes als
nur an sie zu denken.
Kommt es dir schon schwer vor, Buße zu tun, da du noch
gesund und deine Kräfte noch stark genug sind, um dein Herz zu Gott erheben zu
können, um wie viel schwerer wird es dir dann nicht vorkommen, wenn dein Kopf
und der ganze Leib nicht allein schwach sein, sondern vielleicht vor Hitze fast
vergehen werden!
Man hat schon von verschiedenen Kranken, die wiederum
genesen waren, gehört, dass sie von allem dem nichts gewusst haben, was bei der
Spendung der heiligen Sterbesakramente in ihrer Krankheit mit ihnen
vorgegangen war, und dass, obwohl sie gebeichtet zu haben schienen, sie doch
nachderhand nichts mehr davon wussten. Darum
„suchet den Herrn, da er noch zu finden ist; rufet ihn an, da er nahe ist“ -
heißt es beim Propheten Jesaias (55, 6).
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Nützliches Lehrstück
Es ist höchst ratsam, wenn man das Unglück gehabt hat, in
eine Todsünde zu fallen, Buße zu tun,
sobald man nur kann. Denn es könnte leicht aus gerechtem Urteile Gottes
geschehen, dass man vor seinem Tode in einen langwierigen Schlaf verfiele, oder
ehe man eine vollkommene Reue erweckt hätte oder bevor der Beichtvater ankäme,
vom Tode überrascht würde, wie es schon vielen widerfahren ist. So würde der
Spruch des Hl. Augustinus wahr: „Wer nicht gewollt hat, da er gekonnt, der hat
vielleicht nicht mehr gekonnt, da er gewollt“, nicht aus mangel an Gnade
Gottes, sondern weil er sie nicht mehr gebrauchen konnte. Wenn du nun in einem solchen unglücklichen Zustande
sterben solltest, so würdest du die Ursache deiner Verdammnis keinem andern als
nur dir selber zuschreiben können.
Ach, dass nicht so vielen in jenem Leben von Gott der
verdiente Vorwurf gemacht werden könnte (aus dem Buche der Sprüche Salomons 1,
25. 26): „Weil ihr verachtet alll meinen Rat, und meine Strafreden in den
Wind schluget, so will auch ich bei eurem Untergange lachen, und spotten, wenn
euch begegnet was ihr fürchtet!“ - Darum „lasset uns, da wir Zeit haben, Gutes
tun“, mahnt uns der Apostel Paulus (Gal 6, 9)
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Kräftiger Antrieb, sich von Sünden zu enthalten
Als der ägyptische Joseph
von seines Herrn Weib zum Ehebruch angelockt wurde, sprach er: „Wie
sollte ich ein so großes Übel tun und sündigen wider meinen Gott!“ (1 Mos 39,
9) Auf gleiche Weise soll sich ein Christ zureden, wenn er vom Teufel, von der
Welt oder von dem Fleische zur Sünde angereizt wird: Wie kann ich solches Übel
tun vor meinem Gott und Herrn!
Als Balaam von dem
Könige Balak geheißen ward, das Volk Israel zu verfluchen, da gab er zur
Antwort: „Wenn Balak mir gäbe sein Haus voll Silber und Gold, so könnte ich
doch nicht umgehen das Wort des Herrn, meines Gottes, dass ich Gutes oder Böses
aus meinem Herzen vorbrächte; sondern was der Herr sagt, will ich sagen!“ (4
Mos 24, 13)
Wollte Gott, ein jeder, der zur Sünde angereizt wird,
spräche wie Baalam: Wenn du mir schon alle Güter der Welt geben würdest, so
könnte ich doch dieses Übel nicht begehen vor den Augen Gottes, meines Herrn!
Als ein Soldat den Absalom am Eichbaume hängen gesehen hatte
und von dem Feldherrn Jakob gescholten wurde, dass er ihn nicht erstochen, gab
er zur Antwort: „Wenn du mir tausend Silberlinge in die Hand gewogen hättest,
so wollte ich dennoch nicht meine Hände an des Königs Sohn gelegt haben; denn
der König gebot dir und Abisai vor unsern Ohren und sprach: Verschonet mir den
Knaben Absalom! Und wenn ich solches kühnlich wider mein Leben getan hätte, so
wäre es nicht verborgen geblieben vor dem Könige, und du selbst wärest gegen
mich gestanden“ (2 Kön 18, 12. 13).
Ach, dass doch jeder, wenn ihm die Gelegenheit zu sündigen
angeboten wird, in gleicher Weise entgegnete: Wenn du mir die Schätze der ganzen
Welt in die Hand gewogen hättest, so wollte ich doch nicht die Gebote Gottes,
meines Herrn, übertreten; und wenn ich solches wider das Heil meiner Seele tun
würde, so würde es Gott nicht verborgen bleiben; denn mein eigen Gewissen würde
gegen mich auftreten!
Gebet
Ach barmherziger Jesu, der du aus Mitleid über die schöne Stadt
Jerusalaem so bitterlich geweint und ihr die grausame Verwüstung vorhergesagt
hast, weil sie alle deine Wohltaten, deine Wunder, Lehren und Ermahnungen
verachtet hat: erweiche doch unsere harten, verstockten Herzen, dass wir arme
Sünder unsern gefährlichen Zustand erkennen, die Zeit und den Tag unserer
Heimsuchung gebührend in acht nehmen, und was wir bisher verabsäumt haben,
durch emsigen Fleiß wiederum einbringen. Denn jetzt ist unser Tag, solange uns
noch das Licht deiner heiligen Einsprechungen scheint; jetzt ist unser Tag,
solange wir die Beispiele der Frommen und Gottesfürchtigen vor Augen sehen, die
uns voranleuchten in allem Guten. Ereilt uns aber die grausige Nacht des Todes
und wir haben noch keine Buße getan, so sind wir ewig verloren. Davor behüte
uns, o gütigster, o liebreichster Jesu, um deiner unendlichen Barmherzigkeit
willen! Amen.
Quelle