Immer wieder kommt die Frage nach der Bekleidung der Frau auf, sei es nun die Frage nach einer Kopfbedeckung oder nach Beinkleidern. Hier meine Gedanken dazu:
Es gab in der Geschichte - auch in der deutschen bzw. europäischen - immer wieder Zeiten, in denen die Männer - wie bei den Schotten heute noch üblich - Röcke und solche, in denen die Frauen Hosen trugen, was für uns heutzutage absolut ungewöhnlich erscheint. Ich denke, dass dies eher eine Frage der Mode ist.
Was jedoch zu allen Zeiten wichtig ist: Kleidung soll den Körper bedecken. Wenn sie so kurz oder so eng ist, dass die Körperformen durch die Kleidung nicht wirklich kaschiert werden, dann ist es (im Rahmen der jeweils aktuellen Gepflogenheiten) egal ob ein Mann oder eine Frau einen Rock oder eine Hose trägt, der Mensch ist nicht wirklich angezogen.
Dazu als Beispiel das Kapitel aus der Regel des Hl. Benedikt, in dem es um die angemessene Kleidung für die Mönche geht (Hervorhebungen von mir):
Fünfundfünfzigstes Kapitel
(7. April, 7, August, 7. Dezember)
Von der Kleiderkammer und Schuhkammer der Brüder
Man gebe den Brüdern Kleider, die der Lage und Witterung des
Wohnorts entsprechen; denn in kalten Gegenden bedarf es mehr, in
warmen weniger. Es ist Sache des Abtes, darauf Rücksicht zu nehmen.
In einer Gegend mit gemäßigtem Klima genügen nach unserer
Ansicht für jeden Mönch Kukulle und Tunika – die Kukulle im
Winter dickwollig, im Sommer leicht oder abgetragen – zur Arbeit
ein Skapulier* und als Fußbekleidung Sandalen und Schuhe.
Über Farbe
und Beschaffenheit all dieser Dinge sollen sich die Mönche keine
Sorge machen; man nehme, was in den betreffenden Gegenden zu finden
oder überhaupt billiger zu beschaffen ist.
Der Abt trage Sorge für das rechte Maß der Kleider; sie seien
ihren Trägern nicht zu kurz, sondern passend. Wenn man neue erhält,
gebe man jeweils die alten gleich ab, damit sie in der Kleiderkammer
für die Armen aufbewahrt werden. Der Mönch darf
zwei Kukullen und
zwei Tuniken zur Verfügung haben, damit er für die Nacht und zur
Wäsche die Kleider wechseln kann. Mehr als das wäre Überfluss und
ist verpönt. Auch die Schuhe, überhaupt alles, was alt ist, soll
man abgeben, wenn man Neues empfängt.
Wer
auf Reisen geschickt wird,
erhält aus dem Vestiarium
Beinkleider, die er, nach der Rückkehr, gewaschen dort
wieder
abgibt. Auch die Tuniken und Kukullen, die man für die Reise aus der
Kleiderkammer empfängt und daheim wieder erstattet, seien etwas
besser, als man sie für gewöhnlich trägt.
(Die Regel des Heiligen Benedikt, Übersetzt und erklärt von Dr.
Eugen Pfiffner, Dekan des Klosters Maria Einsiedeln 1947)
Hier ist für den Alltag nicht die Rede von Beinkleidern, die erhält der Mönch nur, wenn er auf Reisen ist. D. h. arme Menschen hatten damals unter ihren Kleidern weiter keinen Stoff. Vielleicht ist auch das der Grund, warum Jesus am Kreuz mit einem Tuch um seine Lenden abgebildet wird, weil er einfach unter seinem Kleid nichts hatte - wie es damals zumindest häufig der Fall war. Als Beispiel diene hier das Evangelium des Freitags in der Osterwoche:
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
In jener Zeit
1offenbarte Jesus sich den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
2Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.
10Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
11Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.
Mit dem Obergewand bekleidet konnte diese Arbeit nicht verrichtet werden, also hat man es abgelegt - und das getragen, was darunter war. Offensichtlich hatte auch Petrus keine weitere Bekleidung an sich, so dass er das Obergewand umlegte (nicht anzog, so scheint es) und mit einem Gürtel am Körper hielt. So hinderten ihn die weiten Ärmel nicht am Schwimmen.
Vermutlich war es auch in anderen Berufen aus praktischen Gründen üblich, das Obergewand zum Arbeiten abzulegen, einfach, um überhaupt die nötige Bewegungsfreiheit zu haben und sich bei der Arbeit nicht selbst auf den Saum des Kleides zu treten, und so ein Hinstürzen zu verhindern.
Auch die Frage der Kopfbedeckung ist (grundsätzlich) eine Frage der jeweils üblichen Gepflogenheiten. Schon früher habe ich mich vermutlich zu diesem Thema geäußert und damals nach meinem Wissenstand in diesem Sinne geschrieben. Heute weiß ich, dass eine Mantilla (oder ein Kopftuch) zum Gebrauch während des Gottesdienstes gesegnet wird. Es ist ein Sakramentale, ebenso wie der Rosenkranz in der Hand oder am Finger, ebenso wie das Weihwasser und vieles andere auch. Von daher ist das Tragen einer Mantilla zu empfehlen, auch wenn man ohne einen Rosenkranz in der Hand und ohne eine Mantilla auf dem Kopf beten kann.
* ein Skapulier diente früher dem Schutz der Kleidung, wie eine Schürze.