Donnerstag, 31. Januar 2013

Heiligenkalender Februar

Februar[1]

1.     Ignatius, B von Antiochien und M – Ephräm, Kirchl – Se­verus, B, Patr der Weber – Brigida, J und Ä
2.     Mariä Reinigung oder Licht­mess
3.     Blasius, B und M, Nothelfer, Patr gegen Halsleiden -  Ans­gar oder Oskar, B, Ap von Skandinavien
4.     Andreas Corsini, B – Rem­bert, B
5.     Agatha, J und M, Patr gegen Brustübel – Paulus, Philipp a Jesu und Gef, MM in Japan
6.     Titus, Schüler Pauli, B – Doro­thea, J und M, Patr der Gärt­ner – Anandus, B
7.     Romuald, A – Richard, Kön in England
8.     Johannes von Matha, Ordst
9.     Cyrillus, Erzb von Alexandri­en, Kirchl – Apollonia, J und M, Patr. gegen Zahnweh – Ni­cephorus, M
10.  Scholastika, J und Ä – Will­helm Eins
11.  Erscheinung Mariä in Lourdes – Sieben Stifter des Serviten­ordens – Theodora, K – Adolf, B
12.  Meletius, Erzb – Modestus, M
13.  Katharina von Ricci, J – Martinian, Eins
14.  Valentin, Pr und M, Patr gegen die Fallsucht – Marco, A
15.  Siegfried, B, Ap von Schwe­den – Faustinus und Jovita, MM
16.  Juliana, J und M – Onesimus, Jünger des Paulus
17.  Fintan, Pr – Evermod, B von Ratzeburg
18.  Simeon, B und M zu Jerusa­lem – Flavian, Erzb und M
19.  Mansuetus, B – Sabinus, Pr und M
20.  Eucherius, B – Eleutherius, B und M
21.  Severian, B und M – Eleono­ra, Kön
22.  Petri Stuhlfeier zu Antiochien – Margareta zu Cortona, Bü­ßerin
23.  Petrus Damiani, B und Kirchl – Milburga, J
24.  Matthias[2], Ap – Ethelbert, Kön von Kent, Bk
25.  Walburga, J und Ä – Tarasius, Erzb – Cäsarius, Arzt und Bk
26.  Porphyrius, B, Patr gegen Regenmangel
27.  Leander, B – Julian, M, Patr gegen Gicht
28.  Romanus, A – Oswald, B


[1]                      Anmerkung: Am Freitag vor Palmsonntag ist das Fest der sieben Schmerzen Mariä
[2]                      Im Schaltjahr hat der Februar 29 Tage und Matthias wird am 25.  gefeiert.

Quelle

Mittwoch, 30. Januar 2013

Freundschaft

... erklärt beim Frischen Wind.
Vergelt's Gott!

Samstag, 26. Januar 2013

Nachfolge 1, 23


Dreiundzwanzigstes Kapitel


Von der Betrachtung des Todes


  1. Gar bald wird es um dich hinieden geschehen sein; siehe daher zu, wie es mit dir stehe, denn heute ist der Mensch, und morgen verschwindet er. Sowie er aber aus den Augen ist, wird er auch bald aus dem Sinne sein. O Stumpfheit und Härte des menschlichen Herzens, das nur den gegenwärtigen Dingen nachsinnt, auf die zukünftigen nicht hinausblicke! In allem deinem Denken und Tun solltest du dich so verhalten, als ob du heute noch sterben müsstest. Hättest du ein gutes Gewissen, so würdest du den Tod nicht sonderlich fürchten. Besser wäre es, sich vor Sünden zu hüten, als den Tod zu fliehen. Wenn du heute nicht bereit bist, zu sterben, wir wirst du es morgen sein? Der morgige Tag ist ungewiss, und weißt du, ob du ihn erleben wirst?
  2. Was hilft es, lange zu leben, wenn wir uns so wenig bessern? Ach, ein langes Leben macht nicht immer besser, sondern vermehrt oft nur die Schuld. O dass wir nur einen einzigen Tag in dieser Welt gut zugebracht hätten! Viele zählen die Jahre von ihrer Bekehrung an, aber die Frucht ihrer Besserung ist oft gering. Wenn es schrecklich ist, zu sterben, so ist es vielleicht noch viel gefährlicher, länger zu leben. Glücklich, wer die Stunde seines Todes immer vor Augen hat und sich zum Sterben täglich bereit hält! Hast du je einmal einen Menschen sterben sehen, so bedenke, dass auch du denselben Weg gehen wirst.
  3. Ist es Morgen, so stelle dir vor, du werdest den Abend nicht mehr erleben. Ist es aber Abend geworden, so wage es nicht, dir den Morgen zu versprechen. Darum sei immer bereit und lebe so, dass dich der Tod nie unvorbereitet finde. Viele sterben plötzlich und unversehen dahin; denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da man es nicht vermutet (LK 12, 40). Wenn nun jene letzte Stunde gekommen sein wird, dann wirst du von deinem vergangenen Leben ganz anders denken, und es wird dich tief schmerzen, dass du so nachlässig und lau gewesen bist.
  4. Wie glücklich und weise ist der Mensch, der jetzt so zu leben sich bestrebt, wie er im Tod erfunden zu werden wünscht! Denn was uns große Zuversicht zu einem seligen Tode gibt, ist: vollkommene Verschmähung der Welt, inbrünstiges Verlangen, in allen Tugenden zuzunehmen, Liebe zur heiligen Zucht, Anstrengung in der Buße, Bereitwilligkeit zum Gehorsam, Verleugnung seiner selbst und Erduldung jeder Widerwärtigkeit aus Liebe zu Christo. Du kannst viel Gutes tun, solange du gesund bist; aber was du in der Krankheit wirst tun können, weiß ich nicht. Wenige werden durch die Krankheit gebessert, wie auch selten heilig wird, wer viel wallfahrtet.
  5. Verlass dich nicht auf deine Freunde und Verwandten, und verschiebe dein Heil nicht auf die Zukunft; denn schneller, als du glaubst, werden die Menschen deiner vergessen. Besser ist’s, du sehest dich jetzt, da es noch Zeit ist, vor, und schickest gute Werke voraus, als dass du auf fremde Hilfe bauest. Bist du jetzt nicht selbst für dich besorgt, wer wird für dich besorgt sein in der Zukunft? Jetzt ist die Zeit kostbar, jetzt sind die Tage des Heils, jetzt ist die angenehme Zeit (2 Kor 6, 2). Aber ach, dass du diese Zeit nicht nützlicher anwendest, in welcher du dir Verdienste sammeln kannst, die dir zum ewigen Leben verhelfen! Es wird eine Zeit kommen, wo du nach einer einzigen Stunde oder einem einzigen Tage zu deiner Besserung dich sehnest; - aber ob du sie erlangen wirst? Ich weiß es nicht.
  6. Bedenke doch, geliebtester Freund! Von welch großer Gefahr du dich befreien, welch großer Furcht du dich entreißen könntest, wenn du stets an den Tod dächtest und seinetwegen in Sorgen wärest. Bestrebe dich jetzt, so zu leben, dass du in der Stunde des Todes eher Freude als Furcht haben darfst. Lerne jetzt der Welt absterben, damit du dann anfangst, mit Christo zu leben. Lerne jetzt alles gering achten, damit du ungehindert zu Christo gelangen mögest. Züchtige jetzt deine Leib durch Bußübung, damit du alsdann eine feste Zuversicht haben könnest.
  7. O Tor! Was rechnest du auf ein langes Leben, da du keines Tages versichert bist! Wie viele haben sich getäuscht, indem sie unverhofft aus diesem Leben abberufen worden sind! Wie oft hast du sagen gehört: dieser ist durch das Schwert gefallen, jener ertrunken; dieser stürzte von der Höhe herab und brach das Genick, jener erstickte beim Essen, ein anderer hat beim Spiel sein Leben geendet. Einer ist im Feuer, ein anderer im Kriege, wieder einer durch die Pest und noch ein anderer durch die Hände der Mörder um sein Leben gekommen; und so ist das Ende aller – der Tod; schnell wie ein Schatten eilt des Menschen leben vorüber.
  8. Wer wird nach dem Tode deiner gedenken, wer für dich beten? So tue denn jetzt, Geliebtester, was du tun kannst, weil du nicht weißt, wann du sterben wirst, noch was nach dem Tode deiner harrt. Solange du noch Zeit hast, sammle dir unvergängliche Schätze. Denke an nichts als an dein Heil, und sei für nichts besorgt als für das, was Gottes ist. Mache dir die Heiligen Gottes zu Freunden, indem du sie verehrst und ihre Tugenden nachahmst, damit sie dich, wenn du aus diesem Leben scheidest, in die ewigen Wohnung aufnehmen.
  9. Halte dich für einen Fremdling und Gast auf dieser Erde, den das Treiben der Welt nichts angeht. Bewahre dein Herz frei von dieser Welt und zu Gott erhoben, denn „du hast hier keine bleibende Stätte“ (Hebr 13,14). Dorthin richte dein Gebet, deine täglichen Seufzer und Tränen, damit dein Geist verdiene, nach dem Tode selig zum Herrn hinüberzugehen. Amen.
Quelle

Freitag, 25. Januar 2013

Unterricht für den Sonntag Septuagesima

Warum wird dieser Sonntag so genannt?
Wisse, dass das Wort „Septuagesima“ auf deutsch eine Zahl von 70 bedeutet. Es war nämlich schon in den ersten Zeiten der Kirche bei gewissen frommen Christen, besonders bei Geistlichen, der Brauch, 70 Tage vor Ostern ihre Fasten anzufangen, und zwar am heutigen Sonntage, weshalb er „Septuagesima“ oder der siebzigste Tag (vor Ostern) genannt wurde. Ebenso verhält es sich auch mit den nächsten drei Sonntagen; denn manche Christen fingen zu fasten an 60 Tage vor Ostern, wovon der Sonntag „Sexagesima“, manche 50 Tage, wovon der Sonntag „Quinquagesima“, andere 40 Tage, wovon der Sonntag „Quadragesima“ seinen Namen hat.

Warum hat man vor Zeiten 70 Tage vor Ostern gefastet?
Einige sagen, es sei geschehen zur Erinnerung an jene 70 Jahre, in welchen die Kinder Israels in der babylonischen Gefangenschaft ge­wesen, die sie bitterlich beweint haben.

An was werden wir heute erinnert?
An die Gefangenschaft des menschlichen Geschlechtes unter der Ge­walt des Teufels, welche weit bedauerungswürdiger ist als die baby­lonische Gefangenschaft der Juden und in welche wir durch die Sünde des Ungehorsams unserer Stammeltern Adam und Eva geraten sind. Damit wir uns nun solches besser zu Gemüte führen möchten, lässt heute die katholische Kirche in den priesterlichen Tagzeiten den jäm­merlichen Fall Adams aus der Heiligen Schrift lesen (Gen 3)

Warum werden von diesem Sonntage an bis Ostern das Tedeum, das Glo­ria, Alleluja und ähnliche Freudengesänge ausgelassen?
Auf dass ein jeder die Sünden beweine, durch welche wir zum Falle ge­kommen sind, und wir uns bemühen, durch gute Werke zum himm­lischen Paradiese, von welchem wir der Sünden wegen ausgeschlossen sind, uns zu Gott wiederum gelangen.

Um uns den großen Jammer und all das Elend, in welches wir durch die Sünde geraten sind, lebhaft vor Augen zu stellen und die Sünder da­durch zur Buße zu bewegen, ruft die Kirche zum Eingange der hei­ligen Messe im Namen des ganzen Menschengeschlechtes, welches die Qualen der Hölle ergriffen, mit den Worten Davids aus: „Es haben mich umrungen die Schmerzen des Todes; die Schmerzen der Hölle umgaben mich, und in meiner Trübsal rief ich zum Herrn, und er erhörte meine Stimme aus seinem heiligen Tempel. Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke! Herr, meine Feste und meine Zuflucht und mein Erretter!“ (Ps 17, 2 – 7).

Gebet der Kirche

Wir bitten dich, o Herr, du wollest das Flehen deines Volkes gnädig erhören, damit, indem du uns für unsere Sünden gerecht züchtigest, deine Barmherzigkeit zu deines Namens Verherrlichung uns von allem Verderben der Sünde befreie – durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn ... Amen.

Epistel des Hl. Paulus an die Korinther

 I. 9, 24 – 27; 10, 1 – 5

Brüder! Wisset ihr nicht, dass die, so in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber nur einer den Preis erlangt? Laufet so, dass ihr ihn erlanget. Und jeder, welcher sich im Wettkampfe übt, enthält sich allem, und diese (tun’s), um eine vergängliche Krone zu empfangen, wir aber, um eine unvergängliche (zu gewinnen). Ich laufe nun eben­so, nicht als auf etwas Ungewisses: ich kämpfe ebenso, nicht um Luft­streiche zu tun; sondern ich züchtige meinen Leib und bringe ihn in die Dienstbarkeit, damit ich nicht etwa, nachdem ich andern gepredigt habe, selbst verworfen werde. Denn ich will euch nicht vorenthalten, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren, und alle durch das Meer gingen, und alle dieselbe geistige Speise aßen, und alle denselben geistigen Trank tranken (sie tranken nämlich aus dem geis­tigen Fels, der ihnen folgte, und der Felsen war Christus); aber an den mehreren von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen.

Um zu zeigen, dass wir uns nach dem verübten Ungehorsame unseres Stammvaters Adam mit großer Mühe und Arbeit, weil „der Weg schmal und die Pforte eng ist“ (Mt 7, 14), in den Himmel eindrängen müssen, lässt uns die Kirche diese Epistel vorlesen, in welcher Paulus alle Chris­ten antreibt, dass sie ernstlich arbeiten, d. i. sich befleißen sollen, wiederum in das himmlische Paradies zu gelangen. Er stellt uns deshalb das Beispiel jener vor, welche auf einem Rennplatze laufen oder mit andern kämpfen, und die sich aller leckerhaften Speisen und anderer Lüste, die den Menschen kraftlos machen, enthalten, um tapfer kämpfen zu können und eine vergängliche Krone davonzutragen. Tun diese so viel um eine vergängliche Krone, warum sollten denn wir uns nicht allein enthalten aller unziemlichen Lüste, damit der Geist nicht schwach werde, sondern uns auch bemühen, durch die Übung der Tugenden, wie des Gebets, der Gottes- und Nächstenliebe, der Geduld, die Krone der ewigen Herrlichkeit, deren wir durch den Ungehorsam Adams beraubt wurden, wieder zu erlangen?

Damit wir nun alle hierzu aufgemuntert würden, stellt sich der Apostel selber als Beispiel vor, als einen, der nicht streite, gleich als schlüge er nur in die Luft, d. i. ganz träge in Übung der Tugenden, sondern dass er, um die ewige Seligkeit zu erlangen, seinen Leib züchtige mit Fasten, Wachen, Beten, Predigen, und dazu allerorts noch große Gefahren des Todes ausstehe, ins Angesicht mit Fäusten geschlagen und nicht anders als für den Unflat der Welt und zum Abscheu für jedermann ge­halten werde (1 Kor 4).

Beherzige, o Christ, wenn ein solch gottgefälliger Apostel so viel hat bü­ßen wollen, um die Seligkeit zu erlangen, was dann wir arme Sünder nicht tun sollen, damit wir zu Gnaden gelangen!

Seufzer. O Jesu, gib, dass ich nach dem Beispiele deines heiligen Apostels mit deiner Gnade mich befleiße, durch gottselige Übungen die Tugend und Vollkommenheit zu erlangen. Amen.

Evangelium des Hl. Matthäus

 20, 1 – 16

In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern folgendes Gleichnis: Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am frühesten Morgen ausging, um Arbeiter in seinen Weinberg zu dingen. Als er nun mit den Arbeitern um einen Zehner für den Tag übereingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg. Und um die dritte Stunde ging er (wieder aus) und sah andere müßig auf dem Markte stehen und sprach zu ihnen: Gehet auch ihr in meinen Weinberg, so werde ich euch geben, was recht ist! Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde und machte es ebenso. Und als er um die elfte Stunde ausging, fand er (wieder) andere dastehen und sprach zu ihnen: Warum stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie antworteten ihm: Es hat uns niemand gedungen. Da sprach er zu ih­nen: So gehet auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend ge­worden, sprach der Herr des Weinberges zu seinem Verwalter. Lass die Arbeiter kommen und gib ihnen den Lohn, von den Letzten angefangen bis zu den Ersten. Da nun die kamen, welche um die elfte Stunde eingetreten waren, empfing ein jeder einen Zehner. Als aber auch die ersten kamen, meinten sie, mehr zu empfangen; aber auch von ihnen erhielt jeder einen Zehner. Und da sie ihn empfingen, murr­ten sie wider den Hausvater und sprachen: Diese, die Letzten, haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gehalten, die wir die Last und Hitze des Tages getragen haben. Er aber antwortete einem aus ihnen und sprach: Freund, ich tue dir nicht unrecht; bist du nicht um einen Zehner mit mir übereingekommen? Nimm, was dein ist, und geh hin; ich will aber diesem Letzten auch geben wie dir. Oder ist es mir nicht erlaubt, zu tun, was ich will? Ist dein Auge darum schalkhaft, weil ich gut bin? Also werden die letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten sein; denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

Wer wird unter dem Hausvater und dem Weinberge verstanden?
Unter dem Weinberge wird die christliche Kirche, unter dem Hausvater aber, der die Arbeiter bestellt, wird Gott verstanden (Jes 5).

Wer wird unter den Arbeitern verstanden?
Alle Christen, und vornehmlich jene, welche mit der Gnade Gottes em­sig mitwirken (2 Kor 9).

Wie und wann beruft uns Gott?
Durch innerliche Einsprechungen, durch die Predigten, durch geistliche Bücher und Gespräche, und zwar schon in der zarten Jugend, dann im blühenden und zuletzt noch im grauen Alter, welche Zeiten des Lebens unter den verschiedenen Stunden der Einladung zur Arbeit verstanden werden können.

Warum werden wir in den Weinberg berufen?
Auf dass, wofern wir den Zehner, d. i. die ewige Seligkeit, verdienen wollen, wir uns durch gottselige Werke darum bemühen und arbeiten sollen.

Was heißt das: „Arbeiten im Weinberge“?
Es heißt, durch ordentliche Mittel sich bestreben, die Laster auszurotten und die Tugenden einzupflanzen. Wie man in einem Weinberge gräbt, so muss man auch im geistlichen Weinberge graben, d. i. den Tod be­trachten, sein Gewissen fleißig durchsuchen; wie man ferner im Wein­berge das, was überflüssig ist oder ausschlägt, wieder abschneidet, so muss man auch an der Seele das Unkraut der Laster durch wahre Buße ausrotten und die wieder ins Böse schlagenden Begierden durch die Abtötung seiner selbst und vornehmlich durch Gebet und Fasten ab­schneiden. Seinen eigenen Willen muss man an die Pfähle der Gebote Gottes nach der Lehre Christi anbinden (Mt 7).

Wie muss man sich anstellen, wenn man arbeiten und ein Laster ausrotten will?
Weil es viele Arbeit erfordert, ein gewisses Laster mit Gottes Hilfe aus­zurotten, darum ist es notwendig, dass, wenn man sich solches ernstlich vornimmt, man 1. einen Hass und Abscheu erwecke wider dieses Laster; 2. dass man ein aufrichtiges Verlangen habe, das Laster auszu­tilgen; 3. dass man Gott inbrünstig um Gnade anflehe; 4. ist es nützlich, ein geistliches Buch zu lesen, welches wider das Laster, z. B. den Zorn, die Unlauterkeit, Trunksucht usw. handelt; 5. die Predigten anzuhören, die von dergleichen Lastern handeln; 6. zu dem Ende öfter mit großer Andacht zu beichten und zu kommunizieren; 7. einen gewissen Patron zu erwählen, der früher das gleiche Laster an sich gehabt und mit der Gnade Gottes davon sich bekehrt hat, z. B. die Hll. Maria Magdalena und Augustinus, welche mit dem Laster der Unreinigkeit behaftet gewesen und dasselbe mit Gottes Hilfe siegreich überwunden haben; oder man erwähle sich auch solche Patrone, die sich durch die entgegengesetzte Tugend besonders ausgezeichnet haben, z. B. den Hl. Joseph, Johannes den Evangelisten, den Hl. Aloysius, den Hl. Franz von Sales u. a.; 8. man kann in der nämlichen Meinung auch das Fasten und andere gute Werke Gott aufopfern; endlich ist es überaus nützlich, alle Tage eine genaue Erforschung des Gewissens darüber anzustellen, z. B. beim Nachtgebet oder vor dem Einschlafen.

Ist es genug, als Arbeiter im Weinberge des Herrn bloß die Laster auszu­rotten?
Nein; sondern man muss sich auch bemühen, dass man die Tugend einpflanze, wenn man anders den Zehner oder die ewige Seligkeit verdienen will.

Wie soll man die Tugend einpflanzen?
Man soll sich derselben Mittel bedienen, die oben angegeben wurden, um die Laster auszurotten, und besonders jene Heiligen anrufen, wel­che in den Tugenden, um die man sich bemüht, ganz vortrefflich ge­wesen sind.

Warum ließ der Hausvater den Letzten soviel geben wie denen, welche den ganzen Tag gearbeitet hatten?
Dies hat er getan, um uns zu verstehen zu geben, dass Gott unsere gu­ten Werke nicht belohne nach der Zeit unseres Lebens, sondern nach dem Fleiße, den wir in Übung der Tugend angewendet haben. Daher geschieht es oft, dass einer, der jung stirbt, an Verdienst einen andern übertrifft, der lange auf der Welt lebte, aber nicht gerade eifrig war (Weish 4).

Warum sind so wenige auserwählt, oder warum werden so wenige selig?
Weil gar so viele sich selber allzu zärtlich lieben und sich darum nicht die geringste Gewalt antun wollen, mit der Gnade, die uns Christus zu unserer Heiligung verdient hat, mitzuwirken und ihre bösen Neigungen zu bezwingen, was durchaus erforderlich ist, obwohl Gott, soviel an ihm liegt, will, dass alle Menschen selig werden sollen (1 Tim 2, 4).

Seufzer. O gütigster Jesu, gib mir die Gnade, das ich mit derselben meine Laster und bösen Neigungen ausrotte und die Tugend ein­pflanze, auf dass ich als Lohn die ewige Seligkeit durch dich, o Jesu, verdiene. Amen.

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Sittenlehre von der Gnadenwahl


„Wenige sind auserwählt“ (Mt 20, 16).

Gottlose und verworfene Leute sind es, die da sagen: „Wenn ich einmal zur Seligkeit vorherbestimmt bin, so werde ich gewiss selig, ich mag tun und leben so böse als ich will; bin ich aber nicht ausersehen, dass ich selig werde, so mag ich leben wie ich will, so fromm als ich nur kann, so wird es mir doch nichts nützen.“ Wisse aber: Bist du zur Seligkeit ver­ordnet, so ist diese Vorherbestimmung in der Weise geschehen, dass du derselben durch Übung der guten Werke entsprechest und Folge leistest; tust du das nicht, so zeigst du eben, das du um deines bösen Lebens willen nicht zur Seligkeit verordnet bist. Bist du unter der Zahl der Verdammten gelassen, so ist das aus deiner Schuld geschehen. Die Teufel sind hierin gescheiter als die Menschen, denn sie sagen nicht: Ist der, den wir zum Bösen anreizen wollen, zur Seligkeit bestimmt, so ist unsere Versuchung umsonst; ist er unter den Verdammten gelassen, so kommt und bleibt er uns gewiss genug; - sondern weil ihnen recht wohl bewusst ist, dass keiner verdammt werde, außer er verdiene es wegen seiner Sünden, darum versuchen und reizen sie alle zur Sünde an, und es wird keiner selig, er verdiene denn die Seligkeit durch gute Werke.

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Sittenlehre wider die Missgunst


„Ist dein Auge darum schalkhaft, weil ich gut bin?“ (Mt 20, 15)

Was heißt missgünstig sein?
Es heißt: sich betrüben über das Wohlergehen des Nächsten oder es ihm nicht gönnen.

Wem schadet dieses Laster?
Keinem als dem Missgünstigen selber, den es verzehrt und gleichsam auffrisst. Die Missgunst ist so recht eigentlich das Laster der Teufel, welche auf uns Menschen neidisch sind; denn durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen (Weish 2, 24).

Alle Laster haben doch sonst noch irgend eine Ergötzlichkeit, nur allein die Missgunst ist ausgenommen, die immerdar nur denjenigen plagt, der damit behaftet ist.

Gebet

Barmherziger, gütiger Gott, der du aus lauter Gnade uns, deine un­würdigen Diener, zum wahren Glauben in deinen Weinberg berufen und darin zu arbeiten befohlen hast: wir bitten dich, verleihe uns Hilfe und Beistand, dass wir darin niemals müßig, sondern als treue Arbei­ter erfunden werden und das, was wir in den vergangenen Jahren ver­absäumt haben, hinfür mit beständigem Fleiße eifrigst einbringen und nach vollendeter Arbeit den versprochenen Lohn im Himmel emp­fangen. Das hoffen und bitten wir durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.
Quelle

Sonntag, 20. Januar 2013

Samstag, 19. Januar 2013

Nachfolge 1, 22


Zweiundzwanzigstes Kapitel


Von der Betrachtung der menschlichen Armseligkeit


  1. Wo du immer sein und dich hinwenden magst, bist du elend, wenn du dich nicht zu Gott wendest. Warum betrübt es dich, wenn dir nicht alles nach Wunsch und Willen geht? Wem geht es wohl alles nach seinem Willen? Weder mir, noch dir, noch einem andern Menschen auf Erden. Niemand in der Welt ist ohne Trübsal und Bedrängnis, sei er auch König oder Papst. Wer hat es am besten? Sicherlich der, welcher für Gott etwas leiden kann.
  2. Es sagen viele Schwächliche und Kränkliche: Wie gut kann dieser Mensch leben; wie ist er so reich, so groß, so mächtig, so hochgestellt! Aber richte du deinen Blick auf die himmlischen Güter, und du wirst sehen, dass alle diese zeitlichen Güter nichts sind; vielmehr sind sie sehr ungewiss und überaus lästig, weil man sie nie ohne Kummer und Furcht besitzen kann. Die Glückseligkeit des Menschen besteht nicht darin, zeitliche Güter im Überflusse zu haben,, ein mittelmäßiger Besitz genügt ihm. Es ist ein wahres Elend, auf Erden zu leben. Je geistlicher ein Mensch leben will, desto bitterer wird ihm das gegenwärtige Leben, weil er die Gebrechen menschlicher Verdorbenheit um so klarer einsieht und tiefer empfindet. Denn essen, trinken, wachen, schlafen, ruhen, arbeiten und den übrigen Naturbedürfnissen unterworfen sein, ist wahrhaft ein großes Elend und eine Pein für den gottseligen Menschen, der gern frei und ledig von aller Sünde sein möchte.
  3. Gar sehr wird der innerliche Mensch durch die leiblichen Bedürfnisse in dieser Welt beschwert. Darum fleht der Prophet, um von ihnen frei zu sein, in Andacht also: „Von meinen Nöten errette mich, o Herr!“ (Ps. 24. 17). Aber wehe denen, die ihre Armseligkeit nicht erkennen, und zweimal wehe denen, die dieses elende und verderbliche Leben noch lieben. Denn einige – wiewohl sie durch Arbeit oder durch Betteln kaum das Nötige erwerben – klammern sich so fest daran, dass sie sich um das Reich Gottes nicht bekümmerten, wenn sie ewig hier leben könnten.
  4. O die Toren und Wankelmütigen, die so tief in das Irdische versunken sind, dass sie nur an dem Fleischlichen Geschmack finden! Aber diese Unglückseligen werden es am Ende schwer empfinden, wie gering und nichtig das war, was sie geliebt hatten. Hingegen die Heiligen Gottes und alle andächtigen Freunde Christi achteten nicht auf das, was in diesem Leben etwas gilt, sondern all ihr Hoffen und Sinnen war auf die ewigen Güter gerichtet. All ihr Sehnen erhob sich aufwärts zu den bleibenden und unsichtbaren Gütern, damit sie nicht aus Liebe zu den sichtbaren hinabgezogen würden zu den niedrigsten.

Bruder, verliere nicht die Hoffnung, im geistlichen Leben zuzunehmen; noch hast du Zeit und Stunde dazu.

  1. Warum willst du Deinen Vorsatz auf morgen verschieben? Auf! Fange zur Stunde an und sprich: Jetzt ist es Zeit zum Handeln, jetzt ist es Zeit zum Kämpfen, jetzt ist die gesegnete Zeit, mich zu bessern. Wann es dir übel ergeht und du Drangsale leidest, dann ist es Zeit, dir Verdienste zu sammeln! Du musst durch Feuer und Wasser gehen, bevor du zur erquickenden Ruhe gelangen kannst (Ps 65, 12).Tust du dir nicht Gewalt an, so wirst du das Laster nicht besiegen. Solange wir diesen gebrechlichen Leib an uns tragen, können wir nicht ohne Sünde sein, noch ohne Überdruss und Schmerz leben. Wir möchten gerne unbelästigt sein von allem Elende, allein weil wir durch die Sünde die Unschuld verloren haben, so haben wir auch die wahre Glückseligkeit verloren. Daher müssen wir Geduld tragen und auf die Erbarmung Gottes harren, bis „diese Argheit vorüber“ (Ps 56, 2) und „die Sterblichkeit vom Leben verschlungen“ (2 Kor 5, 4) sein wird.
  2. O wie groß ist die menschliche Gebrechlichkeit, die allezeit zum Sündigen geneigt ist! Heute beichtest du deine Sünden, und morgen schon begehst du die gebeichteten wieder. In diesem Augenblicke nimmst du dir vor, die Sünde zu meiden, und nach einer Stunde handelst du so, als wenn du keinen Vorsatz gefasst hättest. Wir haben also wohl Ursache, uns zu demütigen und niemals hoch von uns zu denken, weil wir so gebrechlich und unbeständig sind. Schnell kann auch durch Nachlässigkeit verloren gehen, was man kaum erst und nach vieler Mühe durch die Gnade errungen hat.
  3. Was wird am Ende noch aus uns werden, die wir so frühe im Eifer erkalten? Wehe uns, wenn wir so lässig sind, als wenn wir schon im Frieden und in voller Sicherheit lebten, da sich noch nicht einmal eine Spur von wahrer Heiligkeit in unserem Wandel zeigt. Wohl wäre es nötig, dass wir noch einmal, wie gute Anfänger, im tugendhaften Leben uns unterweisen ließen, vielleicht dass dann Besserung und ein größerer Fortschritt im Guten zu erhoffen wäre.
 
 

Freitag, 18. Januar 2013

Unterricht für das Fest des heiligsten Namens Jesu

(Am zweiten Sonntag nach dem Feste der heiligen drei Könige)

Im Eingange der heutigen Messe zeigt uns die Kirche die Herrlich­keit dieses Namens mit den Worten: „Vor dem Namen Jesu soll sich beugen jedes Knie im Himmel, auf Erden und unter der Erde, und jede Zunge soll bekennen, dass Jesus Christus der Herr sei zur Verherrli­chung Gottes des Vaters“ (Phil 2, 10. 11). –  „Herr, unser Gott, wie wundervoll ist dein Name auf der ganzen Welt!“ (Ps 8, 2). Ehre sei dem Vater ...

Gebet der Kirche

O Gott, der du deinen eingebornen Sohn zum Erlöser des Men­schengeschlechtes bestimmtest und ihm den Namen Jesus zu geben befohlen hast: verleihe uns gnädigst, dass wir dereinst gewürdigt werden, dessen Antlitz im Himmel zu schauen, dessen heiligen Namen wir hinieden verehren, durch denselben Herrn ...

Lektion aus der Apostelgeschichte

 4, 8 – 12

In jenen Tagen sprach der Hl. Petrus, erfüllt vom Heiligen Geiste: Ihr Oberste des Volkes und ihr Älteste, höret: Wenn wir heute zu Gericht gezogen werden wegen der Wohltat an jenem kranken Menschen, wodurch er geheilt worden ist, so sei kund euch allen und dem ganzen Volke Israel. Durch den Namen unseres Herrn Jesu Christi, des Nazareners, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Toten auf­erweckt hat, durch diesen steht dieser gesund vor euch. Dieser ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der zum Ecksteine geworden ist. Und es ist in keinem andern Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, wodurch wir selig werden sollen.

Diese Lektion erzählt die allmächtige Kraft des Namens Jesu, wodurch nicht nur Wunder gewirkt werden, sondern in dem allein unser Heil und unsere Seligkeit bedingt ist. Denn kein anderer als Jesus kann Erlösung und Glückseligkeit verschaffen; nur er ist von Gott den Menschen unter dem Himmel gegeben worden, dass sie durch ihn zur Seligkeit ge­langen, nur er kann von den Fesseln befreien, in denen die Menschheit, ja jeder Mensch gefangen liegt, von dem Irrtume und der Sünde; nur er ist die Wahrheit, nur er hat als Sohn Gottes die Macht, Sünden zu tilgen und uns wahrhaft gut zu machen. Der Gute allein aber kann nur selig werden. Halte also immer fest und treu an Jesus und lasse nicht von ihm; ohne ihn kannst du nichts, mit ihm und durch ihn vermagst du alles.
Das Evangelium des heutigen Tages nebst ausführlichem Unterricht über die Kraft und Verehrung des heiligsten Namens Jesu suche am Neujahrstage.

Quelle

Unterricht für den zweiten Sonntag nach dem Feste der Heiligen drei Könige


Gott zu danken wegen seiner Menschwerdung, ladet die Kirche Gottes alle Kreaturen ein durch den Eingang der heiligen Messe aus dem 65. Psalm: „Die ganze Welt bete dich an und singe dir; sie lob­singe deinen Namen, Allerhöchster! Jauchzet zu Gott, alle Lande! Lob­singet seinem Namen, lasset herrlich erschallen sein Lob!“ Ehre sei dem Vater ...

Gebet der Kirche

Allmächtiger, ewiger Gott, der du alles, was im Himmel und auf Erden ist, regierest, erhöre nach deiner Milde auch dieses Bitten deines Volkes, und schenke uns ruhige friedliche Tage – durch Jesum Chris­tum, deinen Sohn, unsern Herrn ... Amen.

Epistel des Hl. Paulus an die Römer

 12, 6 – 16

Brüder! Wir haben gemäß der Gnade, die uns gegeben worden, ver­schiedene Gaben. Ist es (die Gabe) der Weissagung, (so geschehe sie) nach Maßgabe des Glaubens; hat jemand ein Kirchenamt, (der bleibe) bei seinem Amte: wer lehret, (der bleibe) bei der Lehre; wer ermahnt, (der bleibe) beim Ermahnen; wer gibt, (der gebe) in Einfalt; ist jemand Vorsteher, (der sei es) mit Sorgfalt; wer Barmherzigkeit übt, (der tue es) mit Fröhlichkeit. Die Liebe sei ungeheuchelt. Hasset das Böse und hanget dem Guten an. Liebet einander mit brüderlicher Liebe; mit Achtung kommet einander zuvor. Seid nicht träge im Eifer; seid inbrünstig im Geiste, dienet dem Herrn, Erfreuet euch in Hoff­nung; seid geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebete. Den Heiligen kommet zu Hilfe in ihren Nöten; befleißet euch der Gastfreundschaft. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden. Habet einerlei Gesinnung untereinander; trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet es mit den Niedrigen.

Der Hl. Paulus ermahnt einen jeden Christen, dass er die Gaben, die ihm Gott verliehen, wohl anwende. Ist einem ein Amt anvertraut, so sehe er wohl zu, es so zu verwalten, dass er einst vor Gott bestehen könne. Paulus ermahnt auch zur brüderlichen Liebe; diese zu unterhal­ten, treibt er uns an zu den Werken der Barmherzigkeit, als da sind: die Fremden beherbergen, oder mit Almosen denen beispringen, die um des Glaubens willen ihrer Güter beraubt sind. Daneben befiehlt er, dass wir uns über unseres Nächsten Wohlstand erfreuen und dessen Un­glück recht zu Herzen nehmen sollen, wie wir über unser eigenes Glück oder Unglück uns erfreuen oder betrüben.

Welches ist das beste Mittel, die brüderliche Liebe zu unterhalten?
Die Demut, die darin besteht, dass man seinen Nächsten besser als sich selbst achtet, darum ihm mit Ehrerbietung um Gottes willen ent­gegenkommt; dies hat uns Christus ausdrücklich gelehrt und befohlen (Mt 5, 47), und es ist deswegen Gott sehr angenehm und für uns sehr verdienstlich.

Welches ist das leichteste Mittel, ein so liebreiches Herz zu erlangen?
Gott inbrünstig und demütig darum bitten und sich fleißig darin üben.

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Sittenlehre für die Obern


Ein strenges Urteil haben jene von Gott zu erwarten, welche nur um des Gewinnes willen einträgliche Ämter verlangen und sich in dieselben eindrängen, sie seien dazu geschickt oder nicht, oder welche, wenn sie auch dazu fähig wären, sich doch wenig darum bekümmern, ob sie auch recht tun oder nicht, alles schlichten und richten nach Willkür, nach Geschenken und Gaben. Aber wehe solchen! Über sie beklagt sich Gott durch den Mund des Propheten Jesaja: „Deine Fürsten (Richter) sind ungläubig und Diebsgesellen; alle lieben die Gaben und gehen der Be­lohnung nach; der Waise schaffen sie nicht Recht, und die Sache der Witwe kommt nicht vor sie“ (Jes 1, 23). Darum wehe solcher Obrigkeit, die außer einem scharfen Gerichte und sehr hartem Urteile auch die Qual der Hölle mächtig wird leiden müssen! (Weish 6, 7).

Gebet

Gib uns deine Gnade, o Herr! Dass wir nach deinem Willen der Lehre deines Apostels von der Demut und Liebe nachkommen, mit allen Notleidenden Mitleid tragen und nichts von uns selber halten, sondern uns mit den Demütigen erniedrigen, damit wir mit ihnen im Himmel erhört werden (Lk 14, 11). Amen.

Evangelium des Hl. Johannes

 2, 1 – 11

In jener Zeit ward eine Hochzeit gehalten zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hoch­zeit geladen. Und als es am Wein gebrach, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein! Jesus aber sprach zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Da sagte seine Mutter zu den Dienern: Was er euch sagt, das tuet.     Es standen aber daselbst sechs steinerne Wasserkrüge zu den bei den Juden üblichen Reinigungen, wovon ein jeder zwei bis drei Maß hielt. Jesus sprach zu ihnen: Füllet die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben. Und Jesus sprach zu ihnen: Schöpfet nun und bringet es dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister das Wasser kostete, welches zu Wein geworden war, und nicht wusste, woher das wäre (die Diener, welche das Wasser geschöpft hatten, wussten es), rief der Speisemeister den Bräutigam und sprach zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein auf, und dann, wenn sie genug getrunken haben, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Diesen Anfang der Wunder machte Jesus zu Kana in Galiläa: und er offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.

Bild Die Hochzeit zu Kana

Warum meldet das Evangelium, dass Christus mit seiner Mutter und sei­nen Jüngern auf der Hochzeit gewesen?
Es gibt zu verstehen, dass diese Hochzeitsleute fromm und gottes­fürchtig gewesen, weil sie Christum und seine Mutter mit seinen Jüngern zur Hochzeit geladen haben. Hieraus lernen alle Brautleute, dass, wofern sie den Segen Gottes erlangen wollen, sie durch inbrüns­tiges Gebet und durch Reinheit des Gewissens Christum auf ihre Hoch­zeit laden sollen. Weil solches – leider Gottes! – in unsern verderbten Zeiten so oft verabsäumt wird, darum sieht man auch so viele miss­ratene Ehen.

Warum hat sich die Mutter Jesu dieser Brautleute angenommen, als es ih­nen an Wein gebrach?
Um anzudeuten, dass sie eine Fürsprecherin aller betrübten und verlassenen Menschen sei, die Gott fürchten. Zum andern hat sie es ge­tan, um uns die Lehre zu geben, dass wir uns besonders jener Armen annehmen sollen, die sich des Bettelns schämen. Hieraus lernen alle Christen, dass sie in ihren Nöten ihre Zuflucht zur Mutter Jesu nehmen sollen.

Hat Christus seine Mutter gescholten, indem er sagte: „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen“?
Nicht im geringsten, sondern nach der Auslegung der heiligen Väter hat Christus nur andeuten wollen, dass er seiner Mutter in jenen Dingen, welche seine Gottheit anbelangen, wie z. B. in der Macht, Wunder zu wirken, nicht unterworfen sei, weil er dieselben nicht von ihr empfangen hatte. Euthymius sagt: Christus sagte darum „Weib“, weil er (nicht als Mensch, sonst hätte er „Mutter“ sagen müssen, sondern) als wahrer Gott geredet habe.

Warum sagte Christus „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ – wäh­rend er doch bald darauf das Wunderzeichen getan hat?
Weil zu der Zeit, als Maria ihn um Wein ansprach, wohl noch einiger Vorrat da war, Christus aber, nach der Lehre des Hl. Chrysostomus, warten wollte bis zu der Stunde, wo kein Wein mehr übrig wäre, auf dass das Wunder desto augenscheinlicher würde, wenn die Gäste ver­nehmen würden, dass kein Wein mehr vorhanden gewesen. Weiter wollte Christus damit andeuten, dass er aus Liebe zu seiner Mutter und auf ihre Fürbitte sogar der anders bestimmten Zeit zuvorkomme; dass man durch ihre Fürsprache alles von Gott erlangen könne. Im geis­tigen Sinn wird hier unter dem Mangel des Weines der Mangel der Liebe bei Eheleuten verstanden, welche daher Christum fleißig bitten sollen, dass er das Wasser der Trübseligkeit in den süßen Wein der Liebe verwandeln wolle.

Warum hat Christus den Dienern befohlen, dass sie das Wasser schöpfen sollten?
Der Hl. Chrysostomus sagt: es sei darum geschehen, auf dass er Zeugen des Wunders hätte, dass kein Betrug unterlaufen.

Warum befahl Christus, dem Speisemeister den Wein zu überreichen?
Das ist darum geschehen, auf dass alles ordentlich zuginge und die Gäste den Wein nicht missbrauchten, zu welchem Ende denn auch vor Zeiten ein Speisemeister angestellt war. Aus den Worten des Speise­meisters: „Jedermann setzt zuerst den guten Wein auf und dann erst den geringern“, lernen wir, dass die Welt zuerst den süßen Wein der Wollust vorsetze, nachderhand aber die Galle der höchsten Bitterkeit des immer nagenden bösen Gewissens; dass hingegen Gott auf dieser Welt seinen Auserwählten zuerst den bittern Wein der Widerwärtigkeiten, hernach aber den süßen Wein des Trostes in diesem und der ewig währenden Freuden in jenem Leben einschenke.

Gebet

O mein süßester Jesu! Nach deinem Wohlgefallen will ich lieber auf dieser Welt den herben Wein der Trübsal kosten, als den süßen Wein der Wollust, damit ich dereinst im Himmel den guten Wein der Freude genieße und vor Freude ausrufe: Die Welt gibt zuerst den guten Wein, nachher aber den schlechten; du aber, o Herr, hast mir den guten Wein bis zuletzt aufbewahrt (Joh 2, 10). Amen.

(Bete noch besonders für alle christlichen Eheleute.)

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Glaubens- und Lebenslehre von dem heiligen Sakramente der Ehe


„Es ward eine Hochzeit gehalten zu Kana“ (Joh 2, 1)

Ist die christliche Ehe ein Sakrament?
Ja; denn in ihm empfangen zwei ledige Personen aus Anordnung Christi die Gnade Gottes zur Erfüllung ihrer besonderen Standespflichten, wenn sie vor ihrem Pfarrer (oder mit dessen Vollmacht vor einem andern Priester) und noch vor zwei Zeugen sich ohne Hindernis ver­binden, dass sie so lange wollen zusammen leben, bis sie der Tod scheiden wird.

Woher beweisen wir das?
Aus dem Apostel Paulus, der in seinem Briefe an die Epheser die Ehe ein „großes Sakrament“ nennt (Eph 5, 32). So hat es auch die ka­tholische Kirche nach dem Zeugnisse der Väter von der Apostel Zeiten an bis heute beständig gelehrt und gehalten.

Welches ist das äußerliche Zeichen, wodurch die Eheleute die Gnade emp­fangen?
Der eheliche Konsens oder die Erklärung der beiden Brautleute vor dem verordneten Priester und zwei Zeugen, dass sie einander heiraten wollen.

Was wirkt die Gnade Gottes in diesem Sakramente bei den Eheleuten?
1. Dass die Eheleute einander die versprochene Treue halten; 2. dass sie ihre Kinder christlich auferziehen; 3. dass sie alle vorkommenden Beschwerden, als Krankheit, Armut und anderes Elend, geduldig er­tragen und friedlich zusammen leben; denn zu all dem ist die Gnade Gottes vonnöten, ohne welche sie die eben genannten Pflichten nicht erfüllen könnten.

Wie soll man sich vorbereiten, damit man sich dieser Gnaden teilhaftig mache?
Gewiss ist es, dass Gott denen seine Gnade gebe, die sich dafür durch eine gute Vorbereitung empfänglich machen; darum ist es notwendig, dass man zuvor sein Gewissen durch eine reumütige Beicht reinige und das heilige Sakrament des Altares empfange. Letzteres soll, nach dem Wunsche der Kirche, in der Brautmesse geschehen, vor der die Ko­pulation der Brautleute stattfindet und in welcher diese auch den kirchli­chen Brautsegen empfangen.

Woher kommen so viele ungeratene Ehen?
Daher, weil die Eheleute, bevor sie diesen schweren Stand antreten, sich nicht allein nicht dazu vorbereiten, sondern, was noch ärger ist, halb voll und toll, von irdischen Gedanken verwirrt oder mit Sorgen be­laden zur Kirche kommen und mit diesem Sakramente gleichsam ihren Spott treiben; so geschieht es dann, dass, weil sie den Segen Gottes nicht begehren, er auch fern von ihnen bleiben wird (Ps 108, 18).

Wozu hat Gott den Ehestand eingesetzt?
Damit die Kinder christlich erzogen und in allen Glaubensstücken von den Eltern unterwiesen werden, auch damit die  Sünde der Unreinigkeit vermieden werde. „Die aber den Ehestand so anfangen, dass sie Gott von sich und ihrem Herzen ausschließen und ihrer Geilheit dienen wie Ross und Maultier, die keinen Verstand haben, über diese hat der Teu­fel Gewalt“ (Tob 6, 17).

Gebet für Brautleute

Allmächtiger, ewiger Gott, der du den Ehestand angeordnet und die erste Ehe zwischen unsern Stammeltern Adam und Eva geschlossen hast, damit das Menschengeschlecht ehrbar und gottselig fortge­pflanzt würde, im Neuen Bunde aber denselben zum heiligen Sakramente erhoben hast: weil ich hoffe, du werdest mich zu diesem Stande berufen haben, dass durch unsere Verbindung dein heiliger Name gebenedeit werde, darum will ich dir zu Ehren und mit deiner Gnade diesen Ehebund eingehen; du weißt aber, o mein Schöpfer, dass ich meine Schwester (meinen Bruder) nicht nehme aus tierischer Lust angetrieben, sondern damit wir uns untereinander tröstlich und verhilflich sein mögen, ein christliches Leben zu führen. So wende denn, o Herr und Vater, heute dein gebenedeites Angesicht zu uns und verleihe uns deinen Segen, diesen Stand in deiner heiligen Furcht anzufangen, treu darin zu leben, die Kinder, die  du uns geben wirst, christlich zu erziehen und endlich die ewige Seligkeit zu erlangen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.

Warum werden die Brautleute von der Kanzel verkündet?
Damit, wenn irgend ein Ehehindernis zwischen denselben wäre, entwe­der wegen Bluts- oder geistlicher Verwandtschaft oder wegen Schwä­gerschaft, oder irgend ein anderes Hindernis, wegen dessen sie den Ehestand nicht antreten können, solche Hindernisse noch zur rechten Zeit entdeckt würden. Darum ist es auch jedermann, dem solche be­wusst wären, schuldig, dieselben dem Pfarrer anzuzeigen.

Warum geben sich Braut und Bräutigam einen Ring?
Damit sie sich zeitlebens der versprochenen Treue erinnern. Der Hl. Ambrosius sagt, er werde an dem Finger getragen, dessen Ader zum Herzen ziele, damit sie sich einander lieben.

Wozu erhalten sie den Segen des Priesters?
Dieser Segen, im Namen der Kirche gesprochen, ist sehr kräftig und erhält den jungen Eheleuten, wofern sie nicht durch eine Todsünde ein Hindernis setzen, die Einigkeit, Gesundheit usw. Dieser Segen bewirkt auch, dass Gott ihr Hab und Gut segnet und vermehrt; daher kann man wahrnehmen, dass diejenigen, welche den Segen Gottes haben, mehr mit einer Kuh oder mit einem Taler ausrichten als andere mit hunderten. Man sieht auch manche Eheleute, welche, obschon sie von ihren Eltern eine schöne Erbschaft gemacht haben, doch wegen Mangels des göttlichen Segens ein unfriedsames und armes Leben füh­ren. Wenn jüngere fromme Eheleute auch arm sind, so wirkt doch der Segen Gottes bei ihnen die Geduld, welche jene innerliche Freude des Herzens oder jenen Frieden Gottes verursacht, der allen Begriff übersteigt (Phil 4, 7).

Warum geben sich die Brautleute vor dem Priester und zwei Zeugen die Hände?
Dadurch verbinden sie sich vor Gott und seiner Kirche, dass sie sich wollen treu sein bis in den Tod und bereit, einander in allen Widerwärtig­keiten die hilfreiche Hand zu bieten.

Die Auflegung oder Umwicklung der priesterlichen Stola, die in man­chen Gegenden üblich ist, bedeutet die innerliche Verknüpfung der Herzen der Eheleute, dass sie nunmehr gleichsam nur ein Herz sein müssen. Der uralte Tertullian gedenkt schon des heiligen Messopfers, welches vor Zeiten bei der Vermählung gehalten zu werden pflegte, um dadurch den göttlichen Segen zu erlangen.

Was ist von jenen Ehen zu halten, welche nur vor dem bürgerlichen Standesbeamten oder sonst einem weltlichen Beamten eingegangen werden?
Die katholische Kirche kann (wo das Ehegesetz des Konzils von Trient verkündet ist) solche Ehen so lange nicht als wahre, gültige Ehen ansehen, als die kirchliche Einsegnung vor dem verordneten Priester und vor zwei Zeugen geschehen ist. Darum versündigen sich jene Brautleute schwer, die sich mit einer solchen bloß bürgerlichen Ehe­schließung begnügen, und sie können so lange nicht absolviert werden, als bis sie sich auch kirchlich haben trauen lassen.

Was hält die katholische Kirche von den gemischten Ehen?
Gemischte Ehen, d. i. Ehebündnisse zwischen Katholiken und Anders­gläubigen (Protestanten), hat die Kirche von jeher verabscheut, und er­teilt nur aus wichtigen Gründen höchst ungern für solche Ehen die Dis­pens, und zwar nur dann, wenn von den Brautleuten die katholische Er­ziehung aller zu erhoffenden Kinder zugesichert wird.

Warum verabscheut die Kirche die gemischten Ehen so sehr?

1. Weil der katholische Teil großer Gefahr ausgesetzt ist, seinen Glau­ben zu verlieren oder gegen denselben gleichgültig zu werden.

2. Weil die katholische Erziehung der Kinder gewöhnlich mangelhaft und nicht selten unmöglich ist.

3. Weil der Nichtkatholik sich von dem katholischen Ehegatten trennen und nach seiner Religion wieder heiraten kann, was dem Katholiken nicht erlaubt ist.

4. Weil das Glück der ehelichen Gemeinschaft vor allem von der Ge­meinschaft des Glaubens abhängt.

Was sollen die Eheleute tun, nachdem sie die Ehe eingegangen?

Sie sollen auf ihre Knie fallen, Gott danken für die große Gnade, die er ihnen mitgeteilt, und etwa sprechen: „Bestätige, o Herr, was du in uns gewirkt durch deine Gnade, damit wir das, was wir vor deinem Ange­sichte versprochen, auch halten bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi.“

Gebet

Gütigster Jesu, der du auf der Hochzeit zu Kana dein erstes Wunder durch Verwandlung des Wassers in Wein, um den Ehestand zu ehren, gewirkt und damit deine göttliche Macht offenbart hat: wir bitten dich, gib Gnade, dass der Ehestand von deinen Gläubigen ehrlich gehalten werde und sie mit Gottesfurcht und Ehrbarkeit so darin leben, dass sie ihren Kindern und sich selbst dadurch kein Hindernis seien für das Reich des Himmels. Verleihe uns auch gnädiglich, dass wir nach dem Beispiele deiner lieben Mutter unseres Nächsten Notdurft mitleidig be­herzigen. Gib auch, dass wir deiner Stimme allzeit willfährig folgen und als deine gehorsamen Kinder endlich die ewige Seligkeit erlangen mögen. Amen.

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Unterricht, wie man den Ehestand gottselig antreten soll


„Ehrbar sei die Ehe in allem“ (Hebr 13, 4)

Fürs erste sollen die versprochenen Brautleute mit der nämlichen Mei­nung den Ehestand anfangen und eingehen, wie der jüngere Tobias getan, der sagte: „ Herr, du weißt, dass ich nicht der Wollust wegen meine Schwester (Base) zum Weibe genommen, sondern allein aus Liebe zur Nachkommenschaft, durch welche dein Name von Ewigkeit zu Ewigkeit soll gepriesen (Tob 8, 9) – und die leeren Plätze der abtrünnigen Engel sollen ausgefüllt werden.“ Wenn sie in solcher Mei­nung die Ehe eingehen, so wird sie ein heiliges Werk. In diesem Sinne sind zu nehmen die Worte des Apostels Paulus, die er von der Frau gesprochen: „Sie wird selig werden durch Kindergebären, wenn sie im Glauben und in Liebe und Heiligung und Sittsamkeit verharrt“ (1 Tim 2, 15).

Ehrbar ist der Ehestand, wenn die Eheleute Frieden und Einigkeit unterhalten, eines des anderen Bürde oder Mängel und Gebrechen Gott zuliebe oder um das Gesetz Christi zu erfüllen gerne trägt und duldet (Gal 6, 2).

Endlich ist der Ehestand heilig, wenn die Eheleute ihre Kinder gottselig nach dem Gesetze des Herrn auferziehen.

Dem jungen Tobias sollen sie nachfolgen, von dessen Brautmahl ge­schrieben steht: „Sie gingen zum mahle und hielten das Hochzeitsmahl in der Furcht des Herrn“ (Tob 9, 12).

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Sittenlehre für die Eheleute


Zur Unterweisung der Eheleute, wie sie ihrem Berufe gemäß gottgefällig leben sollen, stellt der heilige Apostel Paulus ihnen die Ehe oder Ver­bindung vor, welche Christus mit seiner heiligen Kirche einge­gangen, weshalb ihn Johannes der Täufer einen Bräutigam nennt, weil er eine Braut gehabt, nämlich die Kirche (Joh 3, 29).

Damit im Ehestande die höchst notwendige Einigkeit erhalten werde, wird gefordert, dass eines dem andern um Gottes willen nachgebe. Dar­um befiehlt Paulus im Namen des Herrn den Weibern, dass sie als die schwächern Gefäße ihren Männern wie Gott selbst sollen untertänig sein (versteht sich: in allen zulässigen Dingen, die den Geboten Gottes nicht zuwider sind). Damit sie nun solches tun möchten, hält er ihnen das Beispiel der Kirche vor, die Christo als ihrem Haupte un­terworfen ist, und unterrichtet sie dadurch, dass sie ihre Männer als das Haupt erkennen und ihnen folgen sollen, besonders in Sachen, die die Haushaltung angehen, damit sie still und friedlich leben.

Um den Männern zu verstehen zu geben, dass sie diese Untertänig­keit nicht missbrauchen dürfen, befiehlt Paulus, dass sie ihrerseits ihre Frauen so innig lieben sollen, wie Christus seine Kirche geliebt hat, für welche er sich willig in den Tod gegeben. Hieraus sollen sie lernen, dass sie ihren Ehefrauen in Armut, Verfolgung und Krankheiten, ja bis zum Tode zur Seite stehen sollen. Schändlich ist es, dass manche Männer zu finden sind, die ihre Frauen nicht allein wie Mägde, sondern wie Sklavinnen halten, Gottes und ihres geleisteten Eides vergessen und Weib und Kindern das ihrige vertrinken und verschwenden!

Um die Liebe der Eheleute besser zu erklären, braucht derselbe Apostel ein schönes Gleichnis und sagt: Die Männer sollen ihre Weiber lieben wie ihre eigenen Leiber (was hinwieder auch die Weiber zu tun ver­pflichtet sind), da ja die Eheleute nunmehr ein Leib seien. Wie nun ein jeder seinen Leib nicht allein nicht hasst oder verunehrt, sondern er­nährt und wohl erhaltet, also sollen auch die Eheleute sich nicht allein durch Ehrabschneiden nicht schänden, sondern sich gegenseitig ernäh­ren und in Widerwärtigkeiten einander trösten. Es ist über die Maßen schmählich, wenn Eheleute, die gleichsam nur ein Leib sind, durch ehrabschneiderische Reden in den Häusern ihrer Nachbarn einander beißen und nagen und aufzehren, wie der Hl. Paulus sagt (Gal 5, 15).

Das beste ist, wenn Eheleute, soviel es möglich ist, ihr Kreuz und Leiden bei sich behalten und es Gott allein klagen, der es ändern kann. Durch Klagen macht man sein Kreuz schwerer.

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Sittenlehre wider die Trunkenheit


„Den geringern Wein (setzt man auf), wenn sie genug getrunken haben“ (Joh 2, 10).

Sind denn jene Gäste trunken geworden?

Nein; es soll damit nur die Fröhlichkeit des Herzens ausgedrückt werden: „Der Wein erfreue des Menschen Herz“ (Ps 103, 15).

Ist aber die Trunkenheit eine Todsünde?

Ja, wenn man wissentlich so viel trinkt, dass man seiner Vernunft be­raubt wird. Der Hl. Basilius nennt die Trunkenheit einen willigen Teufel. „Ein Schwein ist besser denn ein Vollsäufer“, spricht der Hl. Chrysosto­mus. „Der sei dein Freund nicht,“ sagt St. Augustin, „der dich zum Feinde Gottes machen will.“ Wirst du einen andern trunken machen, so wirst du einen Menschen zum Freunde haben, aber Gott zum Feinde. Darum erwäge reiflich, ob du wohl daran tuest, das du dich von Gott trennest, indem du dich einem Säufer zugesellest. Es gibt – leider Gottes! – viele, die vorsätzlich ihre Gäste und sich selber trunken ma­chen, dergestalt, dass der Wirt dafür hält, er habe die Gäste nicht wohl traktiert, oder dass die Gäste meinen, sie seien nicht wohl empfangen und bewirtet worden, wenn sie nicht ganz trunken nach Hause gehen; aber diese Meinung ist bestialisch und steht den Schweinen besser an als den Menschen, meint ein ehrwürdiger Schriftausleger.
„Hütet euch, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Völlerei und Trunkenheit“ (Lk 21, 34).
Quelle