Was bedeutet das Wort Parasceve?
Es ist ein
griechisches Wort und heißt auf deutsch „Vorbereitung“ oder „Zurüstung“. Weil
nämlich vor Zeiten die Juden an diesem Tage alles zubereiteten oder rüsteten,
was sie für ihr Osterfest vonnöten hatten, nannten sie diesen Tag Vorbereitungs-
oder Rüsttag.
Warum halten wir Christen diesen
Freitag in Ehren?
Weil an ihm Jesus
Christus, der eingeborene Sohn des ewigen Vaters, nachdem er den Juden
überliefert, gegeißelt und mit Dornen gekrönt worden, zu Jerusalem auf dem
Kalvarienberge am Stamme des heiligen Kreuzes die Erlösung des
Menschengeschlechtes durch seinen bittern Tod vollbracht hat.
Zu welchem Ende begehen wir das
Gedächtnis dieses heiligen Tages?
Auf dass wir
Christo dem Herrn für das Werk unserer Erlösung schuldigst danken.
Wird heute auch Messe gelesen?
Eine eigentliche
Messe wird heute nicht gefeiert, da an diesem Tage Christus der Herr sich
selber blutigerweise aufgeopfert hat. Zwar erhebt der Priester eine heilige
Hostie und kommuniziert auch; allein er konsekriert oder wandelt heute nicht;
denn die heilige Hostie, die er erhebt, ist schon tags zuvor im Hochamte
konsekriert worden und war inzwischen in dem sogenannten Heiligen Grabe
aufbewahrt, von wo sie nach der Enthüllung und Verehrung des Kreuzes in
Prozession auf den Altar getragen wird.
Warum sind beim Anfange des
Gottesdienstes keine Kerzen angezündet?
Um anzudeuten, dass
heute Christus, das Licht der Welt, gleichsam erloschen ist.
Warum legt sich der Priester vor
dem Altare auf sein Angesicht nieder?
Damit wir mit ihm
in Glauben und Reue erwägen sollen, wie der Sohn Gottes am Kreuze für unsere
Sünden gestorben ist.
Warum werden heute zwei Lektionen
aus den Büchern Moses und den Propheten gelesen?
Weil schon Moses
und die Propheten Zeugnis gaben vom Tode Christi.
Erste Lektion aus dem Propheten
Osee (Hosea)
6, 1 – 6
So spricht der Herr:
In ihrer Trübsal werden sie früher zu mir sich aufmachen (und sagen): Kommt,
lasst uns zurückkehren zu dem Herrn; denn er selbst hat uns gefangen, so wird
er uns auch erlösen; geschlagen, so wird er uns auch heilen. Er wird uns
beleben nach zwei Tagen, und am dritten Tage uns erwecken, damit wir vor ihm
leben. Wir werden’s erfahren und streben nach der Erkenntnis des Herrn; denn
wie die Morgenröte bereitet sich sein Ausgang, und wie Regen wird er zu uns
kommen zu seiner Zeit, wie der Spätregen auf das Land. Was soll ich dir tun?
Ephraim? Was soll ich dir tun, Juda? Eure Barmherzigkeit ist wie eine
Morgenwolke, und wie der Morgentau, der dahinschwindet. Darum haue ich sie zu
durch die Propheten, töte sie durch die Worte meines Mundes, und dein Gericht
wird wie das Licht hervorbrechen. Denn Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer,
Erkenntnis Gottes denn Brandopfer.
Bild Das Ostermahl
Zweite Lektion aus dem zweiten
Buche Moses (Exodus)
12, 1 - 11
In jenen Tagen sprach
der Herr zu Moses und Aaron im Lande Ägypten: Dieser Monat soll euch der erste
Monat sein; es soll der erste Monat des Jahres sein. Redet zu der ganzen
Gemeinde der Söhne Israels und saget ihnen: Am zehnten Tage dieses Monats
nehme ein jeglicher ein Lamm je nach ihren Familien und Häusern. Ist aber die
Zahl zu geringe, um hinzureichen, das Lamm aufzuessen, so nehme er seinen
Nachbar, der an seinem Hause wohnt, nach der Anzahl der Seelen, die genug sein
können, ein Lamm aufzuessen. Es soll aber ein Lamm sein ohne Fehler, ein
Männlein, einjährig; und nach dieser Vorschrift könnet ihr auch ein
Ziegenböcklein nehmen. Und ihr sollet es aufbewahren bis zum vierzehnten Tage
dieses Monats; dann soll es die ganze Gemeinde der Söhne Israels schlachten
gegen Abend. Und sie sollen von seinem Blute nehmen und es an die beiden Pfosten
und an die Oberschwellen ihrer Häuser streichen, darinnen sie essen. Und sie
sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, gebraten am Feuer, und ungesäuert
Brot mit wildem Lattich. Ihr sollet nichts roh davon essen oder im Wasser
gesotten, sondern nur am Feuer gebraten; seinen Kopf mit den Füßen samt dem Eingeweide
sollet ihr essen. Und es soll nichts davon übrigbleiben bis zum Morgen; was
aber übrigbleibt, sollet ihr mit Feuer verbrennen. Ihr sollet es aber also
essen: Eure Lenden sollet ihr umgürten, und Schuhe an euern Füßen haben, und
Stäbe in euern Händen halten, und eilig es essen; denn es ist das Phase
(d. i. der Vorübergang) des Herrn.
Bild Jesus am Ölberge
Die Passion oder
Leidensgeschichte unseres Herrn Jesu Christi nach den vier heiligen Evangelien
Nach dem heiligen
Abendmahle ging Jesus mit seinen Jüngern nach seiner Gewohnheit hinaus an den
Ölberg, und er sprach zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr alle euch an mir
ärgern; denn es steht geschrieben: Ich will den Hirten schlagen, und die
Schafe der Herde werden zerstreut werden; wenn ich aber werde auferstanden
sein, will ich vor euch her gehen nach Galiläa. Petrus aber antwortete und
sprach zu ihm: Und wenn alle sich an dir ärgerten, so will ich mich doch
niemals ärgern. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: ehe denn der
Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben. Und Petrus
versicherte noch mehr und sprach: Und wenn ich auch mit dir sterben müsste, so
will ich dich nicht verleugnen, - und ebenso sprachen die Jünger alle. Und sie
gingen über den Bach Cedron und kamen an einen Meierhof mit Namen Gethsemane;
da war ein Garten und in diesen gingen Jesus und seine Jünger. Aber auch Judas
kannte den Ort; denn Jesus kehrte daselbst oft ein mit den Seinen; der
Verräter nahm also eine Rotte und Diener von den Hohenpriestern und Pharisäern
und kam mit Laternen und Waffen dahin. Und Jesus sprach daselbst zu seinen
Jüngern: Bleibet hier, während ich dorthin gehe und bete; betet ihr auch, auf
dass ihr nicht in Versuchung fallet. Und den Petrus und die zwei Söhne des
Zebedäus, den Jakobus und Johannes, nahm er mit sich, und fing an, sich zu
betrüben und zu ängstigen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in
den Tod; so bleibet denn hier und wachet mit mir. Er ging dann eine kleine
Strecke – etwa einen Steinwurf weit – von ihnen, kniete hin und betete, dass,
wo möglich, diese Stunde an ihm vorüberginge, und sprach: Abba, Vater, dir sind
alle Dinge möglich, so gehe denn dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie
ich will, sondern wie du willst. Und es erschien ihm ein Engel vom Himmel und
stärkte ihn; und als ihn Todesangst befiel, betete er inbrünstiger; sein
Schweiß aber ward wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. Und als er vom Gebete
aufstand und zu seinen Jüngern kam, fand er sie vor Traurigkeit in Schlaf
versunken und sprach zu ihnen: Warum schlafet ihr? Konntet ihr denn nicht eine
Stunde mit mir wachen? Und zu Petrus sprach er: Simon, du schläfst? Konntest
du nicht eine Stunde mit mir wachen? Stehet auf und wachet und betet, damit ihr
nicht in Versuchung fallet; der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist
schwach. Und danach ging er das zweite Mal weg und betete abermal: Mein Vater,
kann dieser Kelch nicht an mir vorüber gehen, ohne dass ich ihn trinke, so
geschehe dein Wille. Und als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn
ihre Augen waren beschwert, und sie wussten nicht, was sie antworten sollten.
Und er verließ sie wieder, ging hin, betete zum drittenmal und sprach dieselben
Worte; dann kam er zu seinen Jüngern und sprach: Schlafet nur und ruhet, es ist
genug; sehet, die Stunde ist jetzt gekommen, des Menschen Sohn wird in die
Hände der Sünder überliefert; stehet auf, laset uns gehen; sehet, der Verräter
ist nahe gekommen. Indem er aber redete, kam Judas Iskariot, einer von den
Zwölfen, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und Stangen, die von den
Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Ältesten des Volkes ausgeschickt waren.
Der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben: Den ich küssen werde, der ist’s,
den greifet und führet ihn behutsam. Und er ging vor ihnen her, trat zu Jesus
und sprach: Sei gegrüßt, Meister! Und küsste ihn. Aber Jesus sprach zu ihm:
Freund, wozu bist du gekommen? Judas, mit einem Kusse verrätst du des Menschen
Sohn? Und Jesus, der alles wusste, was ihm bevorstand, trat hervor und sprach
zu ihnen: Wen suchet ihr? Und sie antworteten: Jesum von Nazaret. Und Jesus
sprach: Ich bin es! Aber auf die Worte Jesu: Ich bin es! Wichen sie zurück und
stürzten zu Boden. Und er fragte sie nochmals: Wen suchet ihr? Und sie Antworteten:
Jesum von Nazaret. Und Jesus sprach: Ich habe euch ja gesagt, dass ich es bin;
suchet ihr also mich, so lasset diese gehen. Und jetzt traten sie hinzu, legten
Hand an Jesum und ergriffen ihn.
Da nun aber die,
welche um ihn waren – seine Jünger – sahen, was geschehen sollte, sprachen sie
zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwerte dareinschlagen? Und einer von ihnen,
Simon Petrus, streckte seine Hand aus, zog sein Schwert, traf den Malchus, des
Hohenpriesters Knecht, und hieb ihm das rechte Ohr ab; und Jesus sprach zu
Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide; denn alle, welche das Schwert ergreifen,
werden durch das Schwert umkommen; meinst du, ich könnte nicht jetzt noch
meinen Vater bitten, und er würde mir mehr als zwölf Legionen Engel senden;
aber wie würde dann die Schrift erfüllt werden, welche spricht, dass es so
geschehen muss? Soll ich den Kelch, den mir mein Vater gegeben hat, nicht
trinken? Und er berührte des Knechtes Ohr und heilte es. Hierauf sprach Jesus
zu den zu ihm gekommenen Hohenpriestern, Obersten des Tempels, Ältesten und
der Schar. Wie gegen einen Mörder seid ihr mit Schwertern und Stangen
ausgezogen, mich zu ergreifen; täglich saß ich doch bei euch im Tempel und
lehrte, und ihr ergriffet mich nicht, legtet keine Hand an mich; aber dies
alles geschieht, damit die Schriften der Propheten erfüllt werden; dies ist
eure Stunde und die Gewalt der Finsternis. Und alsdann ergriffen die Rotte, der
Hauptmann und die jüdischen Gerichtsdiener Jesum und banden ihn und führten ihn
zuerst zu Annas.
Bild
Gefangennehmung Jesu
Aber jetzt
verließen ihn seine Jünger alle und flohen, und nur ein Jüngling, der mit einem
leinenen Gewande bedeckt war, folgte ihm nach; und sie ergriffen ihn; er aber
ließ das Gewand zurück und entkam ihnen. Annas schickte Jesum gebunden zum
Hohenpriester Kaiphas, wo alle Priester, Schriftgelehrten und Ältesten
versammelt waren, und es befragte der Hohepriester Jesum über seine Jünger und
seine Lehre; und Jesus antwortete: Ich habe öffentlich vor der Welt geredet;
ich habe allezeit in den Synagogen und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen,
und ich habe nichts im geheimen gesprochen; was frägst du also mich? Frage
diejenigen, welche gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe. Und da er
solches gesprochen, gab ihm einer der dastehenden Gerichtsdiener einen Backenstreich
und sagte: Antwortest du so dem Hohenpriester? Jesus erwiderte: Habe ich
unrecht geredet, so beweise das Unrecht; habe ich recht gesprochen, warum
schlägst du mich? Aber die Hohenpriester, Ältesten und die ganze Versammlung
suchten falsches Zeugnis gegen Jesum, damit sie ihn zum Tode verurteilen könnten,
und fanden keines, obschon viele falsche Zeugen auftraten und gegen ihn
aussagten; endlich traten zwei auf und legten falsches Zeugnis gegen ihn ab,
der eine von ihnen sprach: Wir haben gehört, dass er sagte: Ich kann den
Tempel, der mit Menschenhänden erbaut ist, niederreißen und einen anderen ohne
Menschenhände aufbauen. Aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein. Da stand der
Hohepriester auf, trat in die Mitte und fragte Jesum: Antwortest du nichts auf
das, was diese gegen dich vorbringen? Jesus schwieg und antwortete nichts; und
Kaiphas fragte ihn nochmal und sprach: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen
Gott, dass du uns sagest, ob du seist Christus, der Sohn Gottes? Jesus
antwortete: Du hast es gesagt, ich bin es; und ich sage euch, von nun an werdet
ihr des Menschen Sohn zur Rechten der Macht Gottes sitzen und auf den Wolken
des Himmels kommen sehen. Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und
sprach: Er hat Gott gelästert, was brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt eben die
Gotteslästerung gehört; was dünkt euch? Und sie antworteten alle: Er ist des
Todes schuldig. Und hierauf spieen ihm einige ins Gesicht und schlugen ihn mit
Fäusten; andere verbanden ihm die Augen, gaben ihm Backenstreiche und sprachen
dabei: Christus, weissage uns, wer ist’s, der dich schlug? Und sie stießen noch
andere Lästerungen gegen ihn aus.
Es waren aber Jesu
von weitem nachgefolgt Petrus und ein anderer Jünger (Johannes), und dieser war
dem Hohenpriester bekannt, und sie gingen mit Jesu in den Vorhof des
Hohenpriesters. Mitten in demselben hatten die Knechte und Diener des
Hohenpriesters ein Kohlenfeuer gemacht, weil es kalt war, und wärmten sich.
Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. Eine von den Mägden des
Hohenpriesters – es war die Türhüterin – sah den Petrus am Feuer sitzen und
sich wärmen, ging auf ihn zu, sah ihn scharf an und sprach zu ihm: Auch du
warst bei Jesus von Nazareth. Er aber leugnete und sprach: Ich kenne ihn nicht;
ich weiß nicht und verstehe nicht, was du redest; und er ging zur Türe hin und
der Hahn krähte. Und indem er zur Türe ging, sah ihn die Magd abermal und
sprach zu den Anwesenden: Dieser ist auch einer von ihnen. Er aber leugnete
abermal. Und bald darauf traten die Umstehenden hinzu und sprachen zu Petrus:
Du bist gewiss auch einer von ihnen; denn du bist ein Galiläer, deine
Aussprache verrät dich. Aber Petrus leugnete es nochmal und fing an zu schwören
und sich zu verwünschen: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr redet. Und
sogleich, indem er noch redete, krähte der Hahn zum zweitenmal. Da wandte sich
der Herr um und sah Petrus an, und dieser erinnerte sich der Worte Jesu: Ehe
der Hahn zweimal krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging
hinaus und weinte bitterlich.
Bild Petrus
verleugnet Jesum
Gleich am Morgen,
da es tagte, hielten die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten in
voller Versammlung Rath gegen Jesum, wie sie ihn töten könnten. Sie ließen ihn
also in ihre Versammlung kommen und fragten ihn: Bist du Christus, so sage es
uns. Und er antwortete ihnen: Wenn ich es euch sage, so werdet ihr mir doch
nicht glauben, und wenn ich durch frage, so werdet ihr mir doch nicht antworten
und mich auch nicht loslassen; aber von nun an wird des Menschen Sohn sitzen
zur Rechten er Allmacht Gottes. Da sprachen sie: Bist du also der Sohn Gottes?
Er antwortete: Ihr sagt es, ich bin es. Und hierauf sprachen sie: Was brauchen
wir noch Zeugnis? Wir haben es ja selbst aus seinem Munde gehört. Und sie
standen insgesamt auf, ließen Jesum binden, führten ihn weg und übergaben ihn
dem Landpfleger, Pilatus. Als aber der Verräter Judas sah, dass Jesus
verurteilt war, reute es ihn; er brachte die dreißig Silberlinge den
Hohenpriestern und Ältesten zurück und sprach: Ich habe gesündigt, indem ich
unschuldiges Blut verraten habe. Und sie erwiderten: Was geht das uns an? Da
sieh du zu. Und hierauf warf er das Geld in den Tempel, ging hin und erhängte
sich. Und die Hohenpriester nahmen das Geld und sprachen: Es ist nicht erlaubt,
solches in den Geldkasten zu legen, weil es Blutgeld ist. Und sie beratschlagten
sich und kauften dafür den Acker eines Töpfers zum Begräbnisplatz der Fremden;
und deshalb heißt dieser Acker bis auf den heutigen Tag noch Hakeldama,
d. h. Blutacker, und so ward erfüllt, was durch den Propheten Jeremias
gesagt ist, welcher spricht: Sie nahmen die dreißig Silberlinge, den Preis des
Gekauften, den sie von den Israeliten gekauft haben, und gaben sie für den
Acker eines Töpfers, wie mir der Herr befohlen hat.
Die Juden waren
nicht zu Pilatus in das Richthaus gegangen, damit sie nicht verunreinigt
würden, sondern das Osterlamm essen könnten. Pilatus ging also zu ihnen hinaus
und sprach: Was bringet ihr für eine Klage gegen diesen Mann vor? Und sie
antworteten ihm: Wenn dieser kein Verbrecher wäre, so hätten wir ihn dir nicht
überliefert. Und Pilatus sprach: So nehmet ihn hin und richtet ihn nach eurem
Gesetze. Aber die Juden antworteten: Wir dürfen niemanden hinrichten. Und jetzt
begannen sie ihr Anklage und sprachen: Wir haben gefunden, dass dieser das Volk
aufwiegelt, dem Kaiser Steuern zu geben verbietet und sich selbst Christus,
einen König, nennt. Und Pilatus ging nun wieder ins Richthaus und rief Jesum
und fragte ihn, da er vor ihm als Landpfleger stand: Bist du der König der
Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir selbst oder haben es dir andere
von mir gesagt? Und Pilatus antwortete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und
die Hohenpriester haben dich mir überliefert; was hast du getan? Und Jesus
sprach: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn es von ihr wäre, so würden
meine Diener für mich kämpfen, dass ich den Juden nicht überliefert würde; aber
mein Reich ist nicht von dieser Welt. Und Pilatus sagte: Bist du ein König?
Und Jesus antwortete: Du sagst es, dass ich ein König bin; ich bin dazu geboren
und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge, und jeder, der aus der
Wahrheit ist, hört meine Stimme. Da sprach Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?
Und er ging wieder hinaus zu den Hohenpriestern und Juden und sprach: Ich finde
keine Schuld an diesem Manne. Und die Hohenpriester und Ältesten verklagten ihn
in vielen Stücken; er aber antwortete nichts. Pilatus fragte nochmal: Gibst du
keine Antwort? Hörst du nicht, welche wichtige Dinge diese gegen dich aussagen?
Aber Jesus antwortete ihm nicht auf ein einziges Wort, so dass sich der
Landpfleger verwunderte. Die Juden wurden heftiger und sprachen: Durch seine
Lehren, die er zuerst in Galiläa und hernach in ganz Judäa bis hierhin
verkündet hat, wiegelt er das Volk auf. Und als Pilatus von Galiläa hörte, fragte
er, ob dieser Mann ein Galiläer wäre. Und da er vernahm, dass er aus des
Herodes Gebiete sei, so schickte er ihn zu ihm, der eben damals in Jerusalem
war. Und Herodes sah Jesum und freute sich sehr; denn schon lange wünschte er
ihn zu sehen, weil er vieles von ihm gehört hatte, und hoffte ein Wunder zu
sehen; Und er stellte viele Fragen an Jesum; allein dieser gab ihm keine
Antwort. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten standen dabei und verklagten
ihn heftig, und Herodes und seine Soldaten verachteten und verhöhnten ihn,
legten ihm ein weißes Kleid an und schickten ihn zu Pilatus zurück. Und an
diesem Tage wurden Herodes und Pilatus Freunde; denn vorher waren sie einander
feind.
Jetzt ließ Pilatus
die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammenkommen und sprach zu
ihnen: Ihr habt mir diesen Mann als einen Aufwiegler des Volkes überliefert;
ich habe ihn in eurer Gegenwart befragt und keine Schuld an ihm gefunden; eben
so wenig fand Herodes; denn ich habe euch zu ihm geschickt, und man hat nichts
an ihm gefunden, das den Tod verdiente; ich will ihn also züchtigen und losgeben.
Denn der Landpfleger musste am Feste dem Volke einen Gefangenen losgeben,
welchen sie wollten. Damals hatte er aber einen sehr berüchtigten Gefangenen,
namens Barabbas, einen Straßenräuber, der wegen eines Aufruhrs in der Stadt
und wegen eines Mordes im Kerker saß. Und das Volk fing an zu bitten und zu
rufen, er möchte ihnen tun, wie er allezeit getan. Und Pilatus sprach also zum
versammelten Volke: Ihr habt eine Gewohnheit, dass ich euch zum Osterfeste
einen losgebe; welchen soll ich euch nun freilassen, den Barabbas oder Jesum,
den man Christus nennt, den König der Juden? Denn er wusste, dass ihn die
Hohenpriester aus Neid überliefert hatten. Und als er auf dem Richterstuhle
saß, sandte seine Gemahlin zu ihm und ließ ihm sagen: Habe nichts mit diesem
Gerechten zu tun; denn seinetwegen habe ich diese Nacht in einem Gesichte
vieles gelitten. Aber die Hohenpriester und Ältesten beredeten das Volk, den
Barabbas loszubegehren und auf Jesu Tod zu dringen. Und der Landpfleger fragte
sie wiederholt: Welchen von beiden wollet ihr, dass ich euch losgebe? Da schrie
die ganze Schar zusammen: Weg mit diesem, gib uns den Barabbas los! Und
Pilatus, der Jesum gerne losgeben wollte, redete ihnen nochmal zu und fragte:
Was soll ich denn mit Jesus, den man Christus nennt, dem Könige der Juden, tun?
Und sie schrieen wieder alle: Kreuzige ihn, kreuzige ihn! Und er sprach
wiederum zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Ich finde nichts an ihm, was
den Tod verdiente: Allein sie drangen mit großem Geschrei in ihn und
verlangten, dass Jesus gekreuzigt werde; und ihr Geschrei: Kreuzige ihn,
kreuzige ihn! ward immer stärker.
Nun ließ Pilatus
Jesum nehmen und ihn geißeln; den Barabbas aber, den Mörder, gab er los. Und
die Soldaten des Landpflegers führten Jesum ins Richthaus, riefen und
versammelten die ganze Rotte, zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel
an, flochten eine Krone von Dornen, setzten sie auf sein Haupt, gaben ihm ein
Rohr in die rechte Hand, traten zu ihm und sprachen mit Hohn: Sei gegrüßt, du
König der Juden! Darauf gaben sie ihm Backenstreiche, spieen ihn an, nahmen das
Rohr, schlugen ihn damit auf das Haupt und fielen vor ihm auf die Knie und
gebärdeten sich, als ob sie ihn anbeten wollten. Hierauf ging Pilatus wieder
hinaus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus vor euch, damit ihr
wisset, dass ich keine Schuld an ihm finde. Und Jesus erschien mit der
Dornenkrone und dem Purpurmantel. Und Pilatus sprach: Sehet, welch ein Mensch!
Und da ihn die Hohenpriester und Gerichtsdiener sahen, schrieen sie: Kreuzige
ihn, kreuzige ihn! Pilatus sprach: So nehmet ihn hin und kreuziget ihn; denn
ich finde keine Schuld an ihm. Aber die Juden antworteten ihm: Wir haben ein
Gesetz, und nach diesem Gesetze ist er des Todes schuldig, weil er sich selbst
zum Sohne Gottes gemacht hat. Und da Pilatus diese Worte hörte, fürchtete er
sich, ging wieder in das Richthaus und fragte Jesum: Woher bist du? Und Jesus
antwortete ihm nicht. Pilatus sprach zu ihm: Mir antwortest du nicht? Weißt du
nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen und Macht, dich loszugeben? Und
Jesus erwiderte: du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben
gegeben wäre; deshalb hat der eine größere Sünde, der mich dir überliefert hat.
Und von dieser Zeit an suchte Pilatus noch mehr, ihn loszugeben; aber die Juden
schrieen: Gibst du diesen los, so bist du kein Freund des Kaisers; denn jeder,
der sich zum Könige macht, empört sich wider den Kaiser. Und da Pilatus dies
hörte, ließ er Jesum hinausführen und setzte sich auf den Richterstuhl. Es war
aber der Rüsttag des Osterfestes und ungefähr um die sechste Stunde, und er
sprach zu den Juden: Sehet euren König! Sie aber schrieen: Weg mit ihm,
kreuzige ihn! Und Pilatus sagte: Euern König soll ich kreuzigen? Und die
Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König als den Kaiser. Da Pilatus
sah, dass er nichts ausrichtete, sondern der Tumult immer größer wurde, so
wollte er dem Volke willfahren, nahm Wasser, wusch vor der Menge seine Hände
und sprach: Ich bin unschuldig am Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu! Und das
Volk antwortete: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! Und alsdann
gab er ihnen den Barabbas, den sie verlangten, los; Jesum aber übergab er ihrem
Willen zur Kreuzigung.
Sie nahmen also
Jesum, nachdem sie ihn verspottet hatten, zogen ihm den Purpurmantel aus,
legten ihm seine Kleider an und führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen. Er
trug sein Kreuz und ging nach der sogenannten Schädelstätte. Und indem sie ihn
dahin führten, trafen sie auf dem Wege einen vorübergehenden Mann von Cyrene
an; er hieß Simon, war der Vater des Alexander und des Rufus und kam von einem
Meierhofe. Diesen nötigten sie, das Kreuz zu nehmen und es Jesu nachzutragen.
Eine Menge vom Volk und viele Weiber folgten Jesu nach, welche ihn beweinten
und bejammerten. Aber Jesus wandte sich um und sprach zu ihnen: Ihr Töchter
Jerusalems, weinet nicht über mich, sondern über euch und über eure Kinder;
denn es werden Tage kommen, wo man sagen wird: Selig die Unfruchtbaren, welche
nicht geboren, und die Brüste, die nicht gesäugt haben! Dann wird man anfangen,
zu den Bergen zu sagen: Fallet über uns! Und zu den Hügeln: Bedecket uns! Denn
tun sie solches am grünen Holze, was wird am dürren geschehen?
Bild Christi Fall
unter dem Kreuze
Es wurden aber
auch zwei Missetäter mit ihm zum Tode hinausgeführt; und als die an den Ort
gekommen waren, der Golgatha heißt, d. i. verdolmetscht „Schädelstätte“,
gaben sie Jesu bittern Myrrhenwein zu trinken; und als er denselben gekostet
hatte, wollte er nicht trinken und nahm ihn nicht an. Und sie kreuzigten ihn
und mit ihm zwei Räuber, den einen zur Rechten, den andern zu seiner Linken und
Jesum in ihrer Mitte. Da wurde die Schriftstelle erfüllt, welche heißt: Er ist
unter die Übeltäter gezählt worden. Es war um die dritte Stunde, da sie ihn
kreuzigten. Und Pilatus schrieb eine Überschrift und ließ sie oben ans Kreuz
heften; sie war hebräisch, griechisch und lateinisch geschrieben, sollte sein
Vergehen anzeigen und lautete: Jesus von Nazareth, König der Juden. Und die
Soldaten setzten sie über sein Haupt. Diese Überschrift lasen viele Juden; denn
der Ort, wo Jesus gekreuzigt ward, war nahe bei der Stadt; deshalb sprachen die
Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Du musst nicht schreiben: König der Juden,
sondern dass dieser gesagt: Ich bin der König der Juden. Aber Pilatus sprach:
Was ich geschrieben habe, das habe ich
geschrieben.
Nachdem die
Soldaten Jesum gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider, machten daraus vier
Teile, für jeden Soldaten einen, und warfen darüber das Los, was jeder haben
sollte; auch sein Gewand nahmen sie, aber dieses war ungenäht und durch und
durch gewoben. Deshalb sprachen sie zu einander: Wir wollen es nicht
zerschneiden, sondern darüber losen, wer es haben soll; damit die Schriftstelle
erfüllt würde, welche spricht (Ps 21, 19): Sie haben meine Kleider unter
sich geteilt und über mein Gewand das Los geworfen. Dieses taten die Soldaten,
saßen dann und bewachten ihn. Die Vorübergehenden schmähten ihn, schüttelten
das Haupt und sprachen: Du, der du den Tempel Gottes abbrichst und in drei
Tagen wieder aufbauest, hilf dir nun selbst; wenn du Gottes Sohn bist, so
steige herab vom Kreuze! Und mit ihnen verhöhnten ihn auf ähnliche Weise die
Vornehmsten und die Hohenpriester samt den Schriftgelehrten und Ältesten und
sprachen spöttisch untereinander: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er
nicht helfen; ist er Christus, der König von Israel, so steige er jetzt vom
Kreuze herab, damit wir es sehen und an ihn glauben! Auf Gott vertraute er, der
befreie ihn, wenn er Wohlgefallen an ihm hat; denn er sprach ja: Ich bin
Gottes Sohn! Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was
sie tun! Auch die Soldaten verspotteten ihn, traten herbei und sprachen: Wenn
du der König der Juden bist, so hilf dir selbst. Und gleiche Vorwürfe machte
ihm einer der Missetäter, die mit ihm gekreuzigt waren, und schmähte und
lästerte ihn und sprach: Wenn du Christus bist, so rette dich selbst und uns!
Aber der andere verwies es ihm und sprach: Auch du fürchtest Gott nicht, da du
zur gleichen Strafe verurteilt bist! Und wir zwar mit Recht, denn wir bekommen
den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Böses getan. Und darauf sprach
derselbe zu Jesus: Herr, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus
antwortete ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im
Paradiese sein.
Auch viele Weiber
und Bekannte, welche Jesum, als er noch in Galiläa war, begleitet und bedient
hatten und welche mit ihm aus Galiläa nach Jerusalem kamen, standen von ferne
und sahen alles. Bei dem Kreuze Jesu standen seine Mutter und seiner Mutter
Schwester, Maria, des Kleophas Weib, und Maria Magdalena. Und da Jesus seine
Mutter und den Jünger, welchen er lieb hatte, den Johannes, da stehen sah,
sprach er zu seiner Mutter: Weib, siehe da deinen Sohn! Und darauf sprach er
zum Jünger: Siehe da deine Mutter! Und von dieser Stunde an nahm sie der Jünger
zu sich. Es war um die sechste Stunde, und von dieser sechsten Stunde an
entstand eine Finsternis über die ganze Erde bis zur neunten Stunde; die Sonne
ward verfinstert, und um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lamma
Sabacthani? D. h. Mein Gott! Mein Gott! Warum hast du mich verlassen!
Einige von den Herumstehenden hörten es und sprachen: Er ruft den Elias.
Hierauf sprach Jesus: Mich dürstet! Und es stand da ein Gefäß mit Essig, und
sogleich lief einer von ihnen, füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn an
einen Ysopstengel, hielt ihn Jesu vor den Mund und gab ihm zu trinken. Die
übrigen sprachen: Halt, wir wollen sehen, ob Elias komme, ihn zu retten. Und
nachdem Jesus den Essig genommen, sprach er: Es ist vollbracht! Und rief wieder
mit starker Stimme: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist! – neigte
dann nach diesen Worten sein Haupt und gab den Geist auf.
Bild Christus
stirbt am Kreuze
Jetzt zerriss der
Vorhang des Tempels in zwei Stücke von oben bis unten; die Erde bebte, die
Felsen spalteten sich, die Gräber öffneten sich, und die Leiber vieler
entschlafenen Gerechten standen auf. Als aber der Hauptmann, der gegenüber
stand, sah, dass er so laut rufend den Geist aufgab, sprach er: Wahrlich,
dieser Mann war Gottes Sohn. Und alles Volk, das bei diesem Vorgange zugegen
war und sah, was geschah, schlug an seine Brust und kehrte zurück nach Hause.
Es war Rüsttag; damit also die Leichname über den Sabbat – denn jener Sabbat
war ein großes Fest – nicht am Kreuze blieben, so baten die Juden den Pilatus,
dass ihre Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Und die Soldaten gingen
und brachen die Beine des ersten und des andern, die mit Jesu gekreuzigt
worden. Und da sie zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, so
zerbrachen sie seine Beine nicht; sondern einer der Soldaten durchstach mit
einem Speere seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Hierauf
kam Joseph von Arimathäa, der ein Jünger Jesu war (allein aus Furcht vor den
Juden nur ein geheimer), zu Pilatus und bat ihn um den Leichnam Jesu. Und Pilatus
verwunderte sich, dass er schon tot sein sollte, ließ den Hauptmann kommen und
fragte ihn, ob er denn schon gestorben wäre. Und da er es vom Hauptmanne
vernommen, schenkte er dem Joseph den Leichnam und befahl, ihm denselben
abzuliefern. Und Joseph ging also, nahm den Leichnam Jesu ab und wickelte ihn
in reine Leinwand, die er gekauft hatte; auch kam Nikodemus, der früher bei
Nacht zu Jesus gekommen war (Joh 3, 2), und brachte eine Mischung von
Myrrhen und Aloe, gegen hundert Pfund; und sie nahmen den Leichnam Jesu und
wickelten ihn samt den Gewürzen in leinene Tücher, wie die Juden zu beerdigen
pflegten.
Bild Die
Kreuzabnahme
Bei dem Orte aber,
wo Jesus gekreuzigt ward, lag ein Garten, und in demselben war ein Grab,
welches Joseph in einen Felsen hatte hauen lassen, in das noch niemand war
gelegt worden. In dieses legten sie Jesum wegen des Rüsttages der Juden, und
Joseph wälzte einen großen Stein vor die Türe des Grabes und ging weg. Des
anderen Tages, der auf den Rüsttag folgt, gingen die Hohenpriester und Pharisäer
zu Pilatus und sprachen: Herr, wir erinnern uns, dass jener Verführer noch bei
seinem Leben gesagt hat: Nach drei Tagen werde ich wiederum auferstehen;
befiehl also, dass das Grab bis zum dritten Tage bewacht werde, damit nicht
etwa die Jünger kommen, ihn stehlen und dann dem Volke sagen, er sei von den
Toten auferstanden, und so der letzte Irrtum ärger werde als der erste. Und
Pilatus antwortete: Ihr sollt eine Wache haben; geht und verwahrt es, wie ihr
es für gut findet. Und sie gingen hin, besetzten das Grab mit der Wache und
versiegelten überdies den Stein.
Nachdem die Passion gesungen ist, betet der Priester nach
dem Beispiele Christi, der am Kreuze für alle Menschen gebetet hat und
gestorben ist, für alle Stände der Kirche, auch für die Ketzer, Juden und
Heiden. Bei jedem Gebete beugt der Priester das Knie; wenn jedoch für die Juden
gebetet wird, so beugt er das Knie nicht, weil die Juden durch die Kniebeugung
Christum verspottet haben.
Sprich für alle Menschen folgendes:
Gebet
O Herr Jesu, der du am
Kreuze mit vielen Tränen und in Todesnöten für alle Menschen gebetet hast und
für dieselben gestorben bist, wir bitten demütig für deinen Stellvertreter,
unseren Heiligen Vater, Papst N. N., für alle Priester, für alle Regenten,
für alle Betrübten und Bedrängten und für alle Katholiken, dass du sie in
ihrem Stande erhalten wollest, damit sie dir getreulich in ihrem Berufe dienen.
Wir bitten auch für alle Irrgläubigen, für Juden und Heiden, dass du sie alle
an diesem deinem Sterbetage deines verdienstvollen Blutes teilhaftig machen
wollest.
Amen.
Was bedeutet es, dass ein
Priester das verhüllte Kruzifix trägt?
Dies geschieht zur
Andeutung, dass, nachdem Christus für uns am Kreuze gestorben ist, das Kreuz
allerorten durch die ganze Welt hin gepredigt werde.
Was für ein Lied wird dabei
gesungen?
Es ist ein
Klagelied, worin Christus redend eingeführt wird, wie er sich mit zärtlichen
Vorwürfen beklagt, dass sein Volk, dem er so viel Gutes getan, ihn so grausam
zugerichtet hat: „Mein Volk, was hab’ ich dir zuleid getan ...?“
(Improperien).
Warum ist das Kreuz bedeckt?
Es bedeutet, dass
die Ehre des Kreuzes anfänglich ganz unbekannt gewesen und erst allgemach in
die Welt eingeführt worden sei.
Warum wird es erst ein wenig,
danach etwas mehr und zuletzt ganz enthüllt?
Dies geschieht
darum, weil das Kreuz zuerst im Tempel, hernach offen vor den Juden und zuletzt
auch den Heiden und aller Welt gepredigt worden ist. Während der Enthüllung
wird in dreimal erhöhtem Tone gesungen: Ecce lignum crucis etc. – „Sehet an das
Holz des Kreuzes ...“ worauf der Chor dreimal antwortet: Venite, adoremus!
d. i. „Kommet, lasset uns anbeten!“ Dabei knien alle nieder, um Jesum, den
Gekreuzigten, in tiefster Demut anzubeten, und zwar zum Ersatze für die dreimalige
Verspottung, die Jesus im Vorhofe des Hohenpriesters, sodann im Hause des
Pilatus, als er gegeißelt wurde, und endlich auf dem Kalvarienberge hat leiden
müssen.
Gebet
O du für mich aus Liebe
getöteter Herr Jesu! Verleihe mir die Gnade, dass ich mich allenthalben als
einen Freund und Verehrer deines Kreuzes bekenne und mich nicht schäme, wenn
ich wegen Ausübung der Frömmigkeit und Gerechtigkeit verspottet werde.
Danach singt der Chor den schönen Kreuzeshymnus und rühmt
vom heiligen Kreuze, dass noch kein Wald einen Baum hervorgebracht so herrlich
wie der Stamm des Kreuzes, und er ladet alle Zungen ein, dass sie den
glorreichen Triumph besingen sollen, den Christus am Kreuze gefeiert, und wie
er sich freiwillig für uns aufgeopfert habe und am Kreuze gestorben sei.
Während dessen wird das enthüllte Kreuz im Chor
niedergelegt, und die Priester treten der Reihe nach hinzu und küssen das
Kreuz und die heiligen Wunden.
Gehe auch du hinzu, o frommer Christ, falle auf deine
Knie, bete Jesum, deinen Heiland, am Kreuze an, küsse seine heiligen Wunden und
sprich: Tausend- und tausendmal sei gelobt und gebenedeit, o du für mich aufs
schmerzlichste gekreuzigter Herr Jesu!
Hernach sprich folgenden
Seufzer:
O Herr, all das Lob, so
dir jetzt die Kirche erweist, spreche ich von Grund meines Herzens mit, um dich
zu preisen und dir zu danken ewiglich.
Glaubenslehre
Wo blieb die Seele Christi, nachdem sie vom Leibe
geschieden?
Die Seele Christi
ist zur Vorhölle hinabgestiegen, in welcher die Seelen der Altväter weilten,
und hat diese durch ihre Ankunft erfreut, indem sie denselben die vollbrachte
Erlösung kundgab.
Was für eine Andacht kann man am
heiligen Karfreitage am besten üben?
Die Andacht des
heiligen Kreuzweges, indem wir im Geiste den göttlichen Heiland Schritt für
Schritt begleiten auf seinem Leidenswege aus dem Garten Gethsemane bis auf den
Kalvarienberg, und dabei sein bitteres Leiden und Sterben fromm betrachten, wie
der Hl. Augustinus uns mahnt mit den Worten: „Schaue auf die Wunden des am
Kreuze hängenden Jesu, das Blut des sterbenden Erlösers und dessen Vollwert!
Das Haupt hat er geneigt zum Kusse, die Seite geöffnet zum Lieben, seine Arme
ausgestreckt zum Umfangen, den ganzen Leib dargegeben zur Erlösung. Betrachte,
was dies alles sei, damit er ganz in deinem Herzen sei, der für dich ganz am
Kreuze angeheftet ist.“
Lass dir auch, o
frommer Christ, durch denselben Hl. Augustinus Christus vom Kreuze herab
zurufen:
„O Mensch, zu dir
rufe ich, weil ich für dich leide: sieh doch, was ich für dich leide! Und
obwohl mein Schmerz über alle Maßen groß ist, so ist doch meine innerliche
Wehmut noch viel größer, indem ich sehen muss, wie undankbar du für mein Leiden
bist!“
Unterricht, wie man sich den Tag
über an das bittere Leiden Christi erinnern kann
Des Abends um die sechste Stunde hat Christus seinen Jüngern
die Füße gewaschen und gleich darauf das hochwürdigste Sakrament des Altars
eingesetzt, sodann jene herrliche Abschiedsrede gehalten, wie zu lesen ist bei
Johannes am 13., 14. und 15. Kapitel.
Um die achte Stunde des Abends ist Jesus mit
seinen Jüngern in den Ölgarten gegangen und hat allda Blut geschwitzt, worauf
er schmählich gefangen genommen wurde.
Um neun Uhr ist er vor Annas und Kaiphas
geführt worden, allwo er einen grausamen Backenstreich bekommen hat.
Während du schlafen
gehst, betrachte, was für eine große Schmach Christus im Hause des Kaiphas die
Nacht hindurch gelitten und wie jämmerlich er mit Backenstreichen geschlagen
worden.
Des Morgens um vier Uhr haben die Hohenpriester über
Jesum den Rat versammelt (Mt. 27, 1).
Um fünf Uhr ist er vor Pilatus gestellt
worden (Mk 15, 1).
Um sechs Uhr ist er von Herodes in einem
weißen Kleide verspottet worden (Lk 23, 7 ff.).
Um sieben Uhr ist er wiederum zu Pilatus
geführt und dem Mörder Barabbas nachgesetzt worden (Lk 23, 11 ff.).
Um die achte Stunde ist er gegeißelt worden (Joh
19, 1).
Um die neunte Stunde ist er mit Dornen gekrönt
worden.
Um die zehnte Stunde ist der dem Volke ganz voll
Blut und Wunden vorgestellt und zum Tode verurteilt worden (Joh 19, 2 ff.)
Um die elfte Stunde hat er sein Kreuz nach dem
Kalvarienberg geschleppt (Joh 19, 17).
Um die zwölfte Stunde ist er gekreuzigt worden
(Lk 23, 33).
Um die erste Stunde des Nachmittags hat er für
seine Feinde gebetet (Lk 23, 34).
Um die zweite Stunde hat er dem rechten Schächer
das Paradies versprochen (Lk 23, 39 – 43).
Um die dritte Stunde ist er am Kreuze gestorben
(Mk 15, 37).
Um die vierte Stunde ist seine heilige Seite mit
einem Speer durchstochen worden (Joh 19, 34).
Um die fünfte Stunde ist er vom Kreuze abgenommen
worden.
Wie kann man sich zu den
genannten Stunden des Leidens Christi verdienstlich erinnern?
Man soll Christo
für sein Leiden und insbesondere für die Wohltat, die er uns zu der Stunde
erwiesen hat, danken und mit Andacht etwa also sprechen:
Gebenedeit sei die
Stunde, in welcher mein Herr Jesu aus Demut seinen Jüngern die Füße gewaschen,
das hochheilige Sakrament eingesetzt hat (oder: grausam geschlagen, gegeißelt
worden usw.). Ich bitte dich, o Jesu, du wollest meiner dafür in der Stunde
meines Todes eingedenk und mir gnädig sein.
(Zu jeder Stunde
nenne das Geheimnis, welches sich zur selben Stunde zugetragen hat).
Nützliche Andacht
Wenn du an einem
Kruzifixusbilde vorbeigehst, so bitte Christum um des bittern Schmerzes willen,
den er empfunden, als seine gebenedeite Seele aus seinem heiligen Leibe
geschieden, er wolle deiner armen Seele bei ihrem Abscheiden gnädig sein.
Trostlehre vom Leiden Christi
(Aus dem Hl. Augustinus)
„In allen
Widerwärtigkeiten habe ich kein so wirksames Heilmittel gefunden als die
Wunden Christi. In ihnen schlafe ich sicher, in ihnen ruhe ich unbekümmert.
Christus ist für uns gestorben. Nichts ist so zum Sterben bitter, dass es nicht
aus dem Tode Christi Milderung empfinge. Alle meine Hoffnung steht in dem Tode
meines Herrn: Sein Tod ist mein Verdienst, meine Zuflucht, mein Heil, mein
Leben, meine Auferstehung. Die Erbarmung des Herrn ist mein Verdienst. Ich bin
nicht arm an Verdienst, solange er nicht aufhört, ein Herr des Erbarmens zu
sein. Und wenn der Erbarmungen des Herrn viele sind, so bin auch ich reich an
Verdiensten. Je mächtiger er ist, zu retten, desto sicherer bin ich. Wenn mich
irgend ein schändlicher Gedanke unruhig macht, so nehme ich meine Zuflucht zu
den Wunden Christi. Drückt mich des Fleisches Last nieder, so erhebe ich mich
wieder durch die Erinnerung an die Wunden meines Herrn. Wenn mir der Teufel
heimlich nachstellt, so fliehe ich in das Innerste der Barmherzigkeit meines
Herrn – und der Versucher weicht von mir. Will unreine Lust meine Glieder bewegen,
so wird sie ausgelöscht durch das Gedächtnis der Wunden meines Herrn, des
Sohnes Gottes.“
Gebet zum sterbenden Jesus
(Nach dem Propheten Jesaja)
Sei so vielmal
gegrüßt, als Sterne am Firmamente sind und Sandkörnlein am Meere, o gütigster,
für mich und alle Menschen mit spitzigen Dornen gekrönter Heiland! O Jesu, du
Mann der Schmerzen, dem unserer Seelen Krankheiten bewusst sind! Wahrlich, du
bist wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt worden und hast nicht einmal deinen
Mund aufgetan, als du mit scharfen Ruten gegeißelt und auf das allergrausamste
bist zugerichtet worden. Man hat dich angesehen, o du Blutbräutigam! Und du
hattest weder Schönheit noch Gestalt, ja vom Scheitel deines Hauptes bis zur
Fußsohle war kein gesunder Fleck an dir. Du warst einem abscheulichen
Aussätzigen gleich, einem Menschen, der von Gott geschlagen ist. – Dein
gebenedeites Angesicht, welches die Engel anzuschauen verlangen, war schwarz
und blau geschlagen; aber du, mildreichster Jesu, du guter hirt! Um den
verdammten Knecht zu erlösen, hast du dich selbst in den Tod gegeben und bist
so grausam verwundet und zerschlagen worden um unserer Sünden willen. – O
himmlischer Vater! Wegen der Sünden deines Volkes hast du deinen herzliebsten
Sohn also jämmerlich zugerichtet! Wie ist es doch möglich, mein süßester Herr,
dass ich dich so wenig liebe, obwohl ich dich in deinem Bilde für mich so
missstaltet und deine heiligen Hände und Füße und deine göttliche Seite
durchwundet und deine Arme, mich zu umfangen, ausgestreckt sehe! Um dieses eine
bitte ich dich demütigst, du wollest mein kaltes Herz zur Gegenliebe entzünden,
dass ich alle Verspottungen, die ich in Haltung deiner und der Kirche Gebote
leiden muss, gerne und mit Geduld ertrage, dein bitteres Leiden wohl zu Herzen
nehme, dir immer dafür danke und dich von ganzem Herzen liebe.
Alle meine Hoffnung
und die Gewissheit meines ganzen Vertrauens setze ich auf das kostbare Blut
meines Herrn Jesu, welches unseretwegen und um unseres Heiles willen vergossen
worden; in ihm erhole ich mich wieder, vertraue und verlange ich zu dir, o
Gott, zu kommen. Amen.
Unterricht, wie man das bittere
Leiden Christi in seinem Herzen betrachten soll
„Vergiss nicht
der Wohltat des Bürgen; denn er hat sich selbst für dich gegeben“ (Eccl
29, 20).
Stelle dich selber
zur Rede und frage dich: Nun sind es schon so und so viele Jahre, seitdem ich
in der Predigt höre oder in Büchern lese, dass mein süßer Herr Jesus für mich
um dreißig Silberlinge verkauft, gefangen, mit Backenstreichen und mit Fäusten
geschlagen und schändlich verspieen worden ist. Man hat mir auch vorgestellt,
wie er gleich einem Gotteslästerer zum Tode verdammt, grausem mit Ruten
zerfetzt und mit Dornen gekrönt worden, wie er sein eigen Kreuz getragen und
dem ärgsten Mörder gleich am Kreuze schmählich gestorben.
Nun frage dich
weiter: Habe ich mir auch das bittere Leiden meines Herrn Jesu wohl zu Herzen
genommen? Habe ich es auch nur einmal recht betrachtet? Habe ich auch wohl ein
recht christliches Mitleiden mit ihm erweckt? Habe ich wohl schon einmal an
einem Freitage gedacht: „Heute will ich mich vom Fleischessen enthalten, weil
mein geduldiger und schmählich zugerichteter Jesus an diesem Tage für mich den
bittersten Tod gelitten hat“? Ach, das sind ja meine allerletzten Gedanken
gewesen!
O wie beschämt
stehe ich hier vor dir, o mein schmerzlich und grausam getöteter Jesus. Ach,
verzeihe mir meine Gleichgültigkeit! Leid ist es mir von Herzen, dass ich dein
bitteres Leiden mir so wenig zu Herzen genommen habe. Meine Zunge soll an
meinem Gaumen verdorren, wenn ich fortan deiner nicht eingedenk sein soll, der
du Leib und Leben, ja deine Seele für mich armen Sünder dahingegeben hast. Ach,
setze dich doch, o betrübter Jesu, wie ein Siegel über mein Herz, dass ich
deiner nimmer vergesse, wie ein Siegel auf meinen Arm, dass ich alles, was ich
tue, dir zuliebe tue, der du dich für mich ganz und zumal in den Tod gegeben
hast.
Quelle