Hochaktuell (Quellenangabe am Ende des "Artikels")
S. 263
... Eine ganze Welt streitet gegen unsern Glauben. Hier wird Christus als ein Mythus abgetan, dort wird aus Gott irgendein Etwas gemacht, so wie der (S. 264) Mensch es sich wünscht. Hier wird die Kirche als ein Gebilde hingestellt, das zufällig aus griechischem Geist und römischem Machtanspruch, aus orientalischer Frömmigkeit und germanischer Gemütstiefe erwachsen ist, dort vertauscht man den Glauben an die Vorsehung Gottes mit dem Glauben an die Karten und das Horoskop, oder predigt man den Menschen das Diesseits und überlässt man den Himmel den Engeln und den Spatzen. Ein „neuer Glaube“ wird verkündet. Er spricht aus dem Munde der vielen Bücher und Zeitungen des Tages. Er sitzt auf den hohen Kathedern. Er schwebt über den erhabenen Sitzen der Mächtigen. Er leitet unsichtbar die Entscheidungen so vieler Konferenzen und Beratungen. Er gehört zu den Selbstverständlichkeiten der modernen Bildung. Wer heute noch zum Credo der Apostel und der Kirche hält, der muss ein Held werden und dem Kampf der Wenigen gegen die Vielen, der Ganzen gegen die Halben, der Bewussten gegen die Gedankenlosen aufnehmen. Insbesondere wo dem Glauben der unsichtbare Feind im eigenen Innern erwächst! Wo die Atmosphäre des Zeitgeistes, des Unglaubens in die Seele und in die Gedanken eindringt und die Seele mit Zweifeln, Fragen, Problemen, mit geistiger Nervosität vergiftet. Der Christ von heute ist ein Martyrer geworden. Er lebt in einer Christenverfolgung der geistigen Nöte, der Zurücksetzungen, der Kaltstellung, der Ausschaltung. Daher die wohlbegründete Mahnung der Lesung: „Stehet fest im Evangelium, das ich euch gepredigt habe.“
(Quelle: Baur, Benedikt, WERDE LICHT! Liturgische Betrachtungen an den Sonn- und Wochentagen des Kirchenjahres, III. Teil: Osterfestkreis – die Nachpfingstzeit, 11. Woche nach Pfingsten, Dienstag. Herder & Co. GmbH Freiburg im Breisgau © 1937)
Hochaktuell. Von 1937
2 Kommentare:
Vielen Dank,
ich finde es immer wieder tröstlich zu sehen, daß es in anderen Zeiten auch nicht anders für unsere heilige katholische Kirche aussah (eher noch schlimmer) - und es gibt sie immer noch.
... und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen ...
Wenn man nur mal wieder wüsste, wo das steht ...
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