Samstag, 13. Oktober 2012

Nachfolge 1, 8

Achtes Kapitel

Von Vermeidung allzugroßer Vertraulichkeit


  1. „Offenbare dein Herz nicht jedermann“ (Eccli 8, 22), sondern mit einem weisen und gottesfürchtigen Manne berate deine Sache. Gehe selten mit jungen und fremden Leuten um. Schmeichle den Reichen nicht und erscheine nicht gern vor Großen. Geselle dich zu den Demütigen und Einfältigen, zu den Andächtigen und Sittsamen, und besprich mit ihnen das, was zur Erbauung dient. Sei nicht vertraulich mit einem Weibe, sondern empfiehl alle guten Frauen im allgemeinen Gott. Nur mit Gott und seinen Engeln wünsche vertrauten Umgang zu pflegen, und meide das Bekanntsein unter den Menschen.
  2. Liebe muss man zu allen haben, aber Vertraulichkeit frommt nicht. Es geschieht bisweilen, dass eine unbekannte Person durch guten Ruf in hellem Lichte glänzt; zeigt sie sich aber, so erbleicht jener Glanz vor den Augen derer, die sie beobachten. Wir meinen bisweilen, anderen zu gefallen, wenn wir in näheren Verkehr mit ihnen treten, fangen aber vielmehr an, ihnen zu missfallen wegen des unsittlichen Wesens, das sie an uns bemerken.

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